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Tiertötungen für Forschungsexpeditionen und Naturkundemuseen

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Im September 2025 berichtete die Weltpresse, dass drei neue Arten von Tiefseefischen entdeckt wurden, darunter der Buckelige Scheibenbauch (Careproctus colliculi). [1] Eine tolle Nachricht für alle Naturfreund:innen – doch was dann folgte, ist leider oft noch Standard in der Naturforschung: Die Tiere wurden aus ihrem Zuhause in Tiefen von mehreren Tausend Metern gerissen, in ein Labor gebracht und morphologisch und genetisch untersucht, unter anderem wurden CT-Scans an einem weiblichen Tier durchgeführt. [2] Eine Überlebenschance hatten die seltenen Tiere nicht, vermutlich wurden sie kurz nach dem Fang getötet und konserviert.

Erfahren Sie hier mehr über die Hintergründe, warum Tiere zu „Forschungszwecken“ und für die Zurschaustellung in Naturkundemuseen getötet werden.

Inhalte im Überblick

Expeditionen zur Erforschung von Tieren bedeuten oft den Tod der Tiere

Leider sind die Tötung und Aufbewahrung noch der übliche Standard bei Forschungsexpeditionen. Oft werden sogar mehrere Individuen einer neu entdeckten Spezies getötet, um beispielsweise Alt- und Jungtiere und männliche und weibliche Exemplare zu Vergleichszwecken „vorrätig“ zu haben. Dass neu entdeckte Tierarten ohnehin extrem selten sind und teils nur auf einem kleinen Areal existieren, hält die Akteur:innen nicht ab. Zu verlockend ist es, eine neue Tierart zu entdecken und sich somit in der Welt der Wissenschaft mit dem eigenen Namen zu verewigen, Fachartikel zu schreiben und Gelder für neue Expeditionen einzuwerben.

Millionen Tiere aus Forschungsexpeditionen werden in Naturkundemuseen gesammelt

Viele tote Tiere werden in Naturkundemuseen als eine Art „Tierkörper-Datenbank“ gesammelt und ausgestellt. Allein in Deutschland lagern Millionen toter Tiere in Schubladen, Regalen und Schränken und werden teils noch als Vergleichsobjekte oder für andere von Studien herangezogen.

Konservierte Schlangen im Glas
Tote, in Gläsern gelagerte Tiere – exotische Arten als archivierte Körper.

Tiere im Naturkundemuseum – Ort des Schreckens für Tiere oder Bildungsstätte?

Die 189 naturkundlichen Museen in Deutschland (Stand 2022) verzeichnen zusammen rund 7.300.000 Besuchende. [3] Dort lagern jedoch auch unzählige Tiere – von denen ein großer Teil aus länger zurückliegenden Expeditionen mit dem Fokus auf dem Finden und Anhäufen von besonders „exotischen“ oder seltenen Arten stammt. [4]

Sammlungserweiterungen, die Wirbeltiere betreffen, werden nach Darstellung der Museen heutzutage meistens durch Sammlungszusammenlegungen oder Totfunde oder aus Zoos realisiert. Dennoch kommt es auch noch heute vor, dass Wirbeltiere für Sammlungserweiterungen bzw. im Rahmen von Forschungsexpeditionen getötet werden.

Insbesondere wildgefangene Insekten werden auch heute noch in großem Stil getötet, um sie auszustellen. So fügten im Jahr 2025 mehrere Museen in Deutschland ihrer Sammlung bis zu einer Million neue „Sammlungsobjekte“ hinzu – die meisten davon in freier Wildbahn gefangene Insekten. Gerechtfertigt wird dies mit der Artbestimmung, die bei den meisten Insekten nur über Genitalbestimmung am toten Tier möglich sei. Erschwerend kommt hinzu, dass fast jedes Museum einen eigenen großen Bestand an Insekten „archivieren“ und wohl auch fortlaufend aktualisieren will.

Wie können neue Tierarten ohne Tötungen entdeckt und erforscht werden?

Tiertötungen für Artbestimmungen werden teils damit gerechtfertigt, dass die Politik eher bereit ist, neue Schutzgebiete und andere Maßnahmen für den Artenschutz zu genehmigen, wenn in einem Gebiet seltene oder gar neue Tierarten vorkommen. Doch der Zweck heiligt nicht die Mittel und es braucht neue Wege, um Schutzmaßnahmen zu fördern, ohne dass Tiere dafür geopfert werden.

Mittlerweile gibt es bei der Bestimmung von Tieren alternative Methoden, bei denen keine Tiere zu Schaden kommen. Mit der richtigen Förderung könnten diese Methoden in Zukunft immer relevanter werden und Millionen von Insekten sowie zahlreiche Wirbeltiere vor dem Tod für Naturkundemuseen und sonstige Sammler:innen schützen. Für dieses Vorgehen gibt es schon jetzt einige Befürworter:innen aus der wissenschaftlichen Community. Allison Byrne, ein renommierter Name in der Naturforschung, plädierte 2023 dafür, dass Naturkundemuseen von der Art und Weise, wie sie Tiere sammeln, abkommen sollten und Wege hin zu einer „Compassionate Collection“ finden müssen. [5]

  • So sollen die Museen ihre Sammlungen durch nicht-tödliche Proben wie Fotos, Videos oder Gewebepräparate erweitern.
  • Eine praktische Methode, um Tiere zu kategorisieren, ohne sie zu verletzen, stammt vom Digital Life Team der University of Massachusetts: [6, 7] Mittels Fotos und Videos werden 3D-Modelle von Tieren erstellt. So können bedrohte Arten geschützt werden und müssen nicht für den Sammlungswahn der Museen sterben.
  • Auch könnte in Zukunft vermehrt auf das Sammeln sogenannter Environmental DNA (eDNA) gesetzt werden. eDNA ist genetisches Material, das Organismen in ihrer Lebensumwelt zurücklassen. Untersucht wird also hauptsächlich DNA von Zellen, Gewebe, Flüssigkeiten oder Exkrementen der Tiere. Diese Methode ist nicht nur kosteneffizient und schnell durchzuführen, sie könnte auch unzähligen Tieren das Leben retten. [8]
  • Mittels bioakustischem Monitoring können Lebensräume über einen langen Zeitraum überwacht und Veränderungen im Ökosystem rechtzeitig erkannt werden. Hierfür befestigen Forschende autonome Audiogeräte an Bäumen und werten die Aufzeichnungen später am Computer nach artspezifischen Lauten aus. Das System eignet sich besonders bei Tierarten, die sich zwar optisch schlecht, aber akustisch sehr gut unterscheiden lassen. [9]
  • Beim Citizen Science Konzept können Natur- und Tierbegeisterte mittels einer App ihre Tierbeobachtungen in eine Cloud hochladen. Diese werden dann von Expert:innen analysiert und zugeordnet. Dies kann Forschenden helfen, besser zu verstehen, wo welche Tiere leben. [10]

Tiere sind keine Lernobjekte oder „Exponate“

Die Annahme, dass Tiere dazu da seien, dass wir sie untersuchen, an ihnen forschen oder sie uns zur Anschauung in Museen dienen, ist speziesistisch. Sie sind fühlende Individuen mit einem eigenen Wert, unabhängig davon, ob sie groß oder klein sind, Wirbeltiere oder Wirbellose.

Wenn Naturkundemuseen „Exponate“ zeigen, die durch gezielte Tiertötungen für die Naturforschung oder Sammlungen entstanden sind, kann dies den Eindruck vermitteln, es sei akzeptabel, Tiere aus Neugier zu töten, zu sezieren oder auszustellen. Dennoch versuchen Naturkundemuseen, mit den Körpern toter Tiere Besucher:innen anzulocken: So bot beispielsweise das Naturkundemuseum Stuttgart bis zum Jahr 2020 noch Sezierkurse für Kinder an. Nachdem PETA dort demonstriert und intensive Gespräche mit der Museumsleitung geführt hatte, stellte das Museum die zweifelhafte Praktik ein. Das Sezieren oder Betrachten getöteter Tiere ist kein angemessener Weg, Kindern einen respektvollen Umgang mit Tieren nahezubringen.

Verschiedene Schmetterlinge in Sammlungskasten
Tote Tiere präparieren und ausstellen – das ist kein zeitgemäßer Bildungsweg.

Was fordert PETA von Naturkundemuseen?

Aus unserer Sicht ist es ethisch nicht zu rechtfertigen, dass heute noch weitere Tiere für museale Sammlungen oder Vergleichszwecke getötet werden, anstatt zukunftsweisende Alternativen zu nutzen. Viele „Exponate“ in Museen stammen aus früheren Zeiten, in denen Tierrechte kaum Beachtung fanden. Den Tieren wäre nun am meisten geholfen, wenn Naturkundemuseen Ressourcen in die oben beschriebenen nicht-letalen Methoden zur Erfassung von Arten investieren und sich wandeln. Zudem sollten die aktuellen Exponate nicht unkritisch präsentiert werden, sondern zur Auseinandersetzung mit unserer Haltung gegenüber anderen Lebewesen anregen.

Neue innovative Ausstellungskonzepte wie nachgebildete Lebensräume, interaktive Medien oder Virtual-Reality-Angebote zeigen, dass Bildung und Faszination auch ohne tote Tiere möglich sind. Solche Bildungsangebote können eine tierfreundliche Alternative zu Zoobesuchen darstellen. Naturkundemuseen haben somit die Chance, Wissen über Tiere zu vermitteln, ohne weiteres Tierleid zu verursachen.

Setzen Sie ein Zeichen gegen Tierleid – entscheiden Sie sich für tierfreundliche Alternativen

Entscheiden Sie sich gegen Freizeitangebote, für die Tiere getötet und ausgebeutet werden. Auch in Zoos und Tierparks werden fühlende Lebewesen zu Unterhaltungszwecken missbraucht, obwohl es zahlreiche Alternativen gibt, bei denen Kinder und Erwachsene mehr über die natürlichen Bedürfnisse, das artspezifische Verhalten und die natürlichen Lebensräume von Tieren erfahren, ohne dass diese leiden oder sogar getötet werden.