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Veganes Spielzeug: So prägt die Darstellung von Tieren Kinder

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Inhaltsverzeichnis

Kinder wachsen umgeben von Tieren auf, zumindest auf den ersten Blick. Auf Kinderzimmertapeten schwimmen Fische und wackeln Elefanten. Kuscheltiere bevölkern Betten und Sofas. In Bilderbüchern sprechen Füchse und backen Bären Kuchen. Auf Joghurtbechern grinsen Kühe. Im Frühstücksfernsehen tanzen Enten. Kaum eine andere Spezies ist in der Lebenswelt von Kindern so omnipräsent wie Tiere – und trotzdem oder vielleicht genau deshalb, bleibt ein wichtiger Blick oft aus: Was vermitteln diese Darstellungen eigentlich?

Spielzeug, Bücher und Medien sind keine neutralen Spiegel der Welt. Sie konstruieren Weltbilder, und zwar schon lange bevor Kinder diese bewusst hinterfragen können. Das gilt auch für das Bild, das wir von Tieren vermitteln – und dieses Bild hat ein Muster. [1]

Das Tier als Dekoration, Dienstleister und Spielobjekt

Wenn Tiere in Kindermedien auftauchen, dann meistens in einer von drei Rollen – als niedliche Begleiter, als nützliche Produzenten oder als Unterhaltungsobjekte:

  • Das Angelspiel, bei dem fröhlich lächelnde Filzfische aus dem „Wasser“ gezogen werden.
  • Das Zoo-Puzzle, auf dem Elefanten und Zebras hinter bunten Zäunen stehen, während Familien entspannt vorbeischlendern.
  • Das Kinderbuch „Im Streichelzoo“, in dem Tiere darauf zu warten scheinen, gestreichelt zu werden.

Jedes einzelne dieser Produkte ist für sich genommen harmlos oder wirkt zumindest so. Zusammen aber ergeben sie ein konsistentes Gesamtbild: Tiere existieren in Bezug auf den Menschen. Sie sind verfügbar. Sie sind da, um betrachtet, gestreichelt, gefangen, genutzt oder verniedlicht zu werden. Ihre eigene Perspektive, ihre Bedürfnisse, ihr Eigenleben, das kommt in diesem Bild kaum vor.

Kind fuettert Alpaka im Streichelzoo
In Streichelzoos dienen Tiere als Unterhaltungsobjekte, wobei ihre Bedürfnisse außer Acht gelassen werden.

Wissenschaft bestätigt: Tierdarstellungen prägen Einstellungen

Die Forschung zeigt, dass das keine Kleinigkeit ist. Eine kritische Literaturübersicht zur Darstellung von Tieren in Kindermedien kommt zu dem Schluss, dass Medien für Kinder überwiegend anthropomorphisierte oder funktional eingebettete Tierbilder zeigen, also Tiere, die entweder als vermenschlichte Charaktere auftreten oder als Teil menschlicher Nutzungszusammenhänge erscheinen. [2] Beide Muster können dazu beitragen, dass Kinder kein realistisches Bild von Tieren als eigenständige Lebewesen entwickeln.

Eine Studie zur Artenvielfalt in Kinderbüchern stellte fest, dass die Tierdarstellungen in Bilderbüchern häufig weder artspezifisch noch ökologisch korrekt sind und damit auch das Verständnis für reale Tiere und ihre Lebensräume einschränken. Kinder lernen Tiere kennen, die es in dieser Form gar nicht gibt – immer freundlich, immer verfügbar, immer harmlos. [3]

Der Medienwissenschaftler Sebastian Giddings beschreibt Tierspielzeug als „protopolitisch“, es präge schon in frühester Kindheit, wie wir über das Verhältnis zwischen Mensch und Tier denken, lange bevor irgendein politisches oder ethisches Urteil bewusst gebildet wird. [4]

Speziesismus als Hintergrundrauschen

Speziesismus, die Diskriminierung von Lebewesen aufgrund ihrer Artzugehörigkeit, wird selten explizit gelehrt. Er funktioniert als Hintergrundrauschen, als das Selbstverständliche, das nie erklärt werden muss, weil es überall schon vorausgesetzt wird. Ein Kind, das hundertmal mit einem Bauernhof-Set gespielt hat, hat gelernt, dass Kühe Milch geben und Hühner Eier legen, als wäre das der natürliche Zweck dieser Tiere, nicht eine gesellschaftliche Praxis mit ethischen Implikationen.

Dabei ist die Widersprüchlichkeit oft verblüffend nah. Dasselbe Kind, das seinen Hund innig liebt und schützt, fischt lächelnde Filzfische aus einem Spielteich und niemand thematisiert, dass das eigentlich das identische Handlungsmuster ist. Der Unterschied zwischen „Liebling“ und „Nutztier“, zwischen „Haustier“ und „Angelfisch“, wird nicht begründet. Er wird einfach gezeigt, tausendmal, in tausend verschiedenen Produkten.

Antropomorphisierung: Das Problem mit der Verniedlichung von Tieren

Besonders interessant ist das Phänomen der Anthropomorphisierung. Tieren werden menschliche Züge gegeben – Gesichter, Stimmen, Emotionen, manchmal ganze Biografien. Das kann Empathie fördern. Es kann aber auch das Gegenteil bewirken. Wenn ein Kind nur das Comic-Abbild kennt, das fröhlich winkt, fällt es schwerer, das reale Tier dahinter zu sehen – ein Lebewesen mit eigenen artspezifischen Bedürfnissen, das sich vielleicht gar nicht wohlfühlt in dem Kontext, in dem wir es zeigen.

Die lächelnde Kuh auf der Milchverpackung ist dafür ein gutes Beispiel. Sie gibt dem Produkt ein freundliches Gesicht und suggeriert gleichzeitig, dass die Kuh die Ausbeutung gerne mitmacht. Das Tier als Werbefigur für das eigene Produkt, eine Konstruktion, die so alltäglich ist, dass sie kaum noch auffällt.

Was das mit Erziehung zu tun hat

Das alles ist kein Argument dafür, Kindern das Angelspiel wegzunehmen oder Bilderbücher mit Tiercharakteren zu verbieten. Es ist ein Argument dafür, genauer hinzuschauen und gelegentlich das Gespräch zu suchen.

Forschung zu vorurteilsbewusstem Spielzeug zeigt, dass Kinder sehr gut in der Lage sind, differenzierte Fragen über die Dinge in ihrer Lebenswelt zu stellen, wenn sie die Gelegenheit dazu bekommen. [5, 6] „Was isst der Fisch eigentlich?“, „Lebt ein Elefant wirklich gerne hinter einem Zaun?“, „Woher kommt die Milch auf unserem Tisch?“, das sind keine überfordernden Fragen. Sie sind Einstiegspunkte in ein Gespräch über Empathie, Gerechtigkeit und Mitgeschöpflichkeit, das Kinder nicht überfordert, sondern ernst nimmt.

Tiere kommen in der Kinderwelt in großer Zahl vor, sie verdienen es, auch als das gezeigt zu werden, was sie sind – eigenständige Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen, Interessen und einer eigenen Sicht auf die Welt. Das bedeutet nicht, Kindern nur durchweg ausgewogene Bildungsmaterialien oder perfektes Spielzeug bereitstellen zu müssen. Es bedeutet, den Blick ab und zu auf das zu lenken, was zwischen den Zeilen steht.

Kind spielt mit Lego Kuh
Was Kinder im Spiel lernen, prägt den Umgang mit echten Tieren.

Tierisch viele Gefühle: PETAs kostenloses Pixi-Buch

Mit PETAs neuem Pixie-Buch „Tierisch viele Gefühle“ möchten wir Kindern ab drei Jahren die Welt der Tiere und ihre Emotionen näher bringen. Das Buch zeigt kindgerecht, dass Tiere keine Spielobjekte sind, sondern fühlende Individuen mit eigenen Bedürfnissen und Interessen.