16 Argumente gegen eine vegane Ernährung

Fleischtheke
„Vegane Ernährung, ist das nicht total unnatürlich?“ Vegan lebende Menschen begegnen immer den gleichen „Argumenten“ gegen ihre Lebensweise. Hier die häufigsten, von denen Teilnehmer des PETA-Veganstart-Programms regelmäßig berichten:

1. „Tiere töten andere Tiere, um sich zu ernähren, warum sollten wir das nicht tun?”

Die meisten Tiere, die töten, um sich zu ernähren, könnten nicht anders überleben. Für Menschen trifft dies allerdings nicht zu. Der Mensch wird nicht als Raubtier geboren. Die Eckzähne in unserem Mund sind zum Zerkleinern und Kauen gedacht – nicht, wie bei einem echten Fleischfresser, zum Reißen und Zerfleischen. Und das ist nur einer von vielen Unterschieden zwischen Menschen und Fleischfressern. Wir haben einen anderen Darmtrakt, und uns fehlt die richtige Magensäure, um Fleisch überhaupt ordentlich verdauen zu können. Wir essen Tiere aus Bequemlichkeit, Ignoranz und Teilnahmslosigkeit – nicht, weil wir es müssen. Es ist vielmehr so, dass wir gesünder wären, wenn wir kein Fleisch essen würden. Viele Tiere, darunter einige unserer engsten Verwandten unter den Primaten, sind Vegetarier oder Veganer. Wir sollten uns eher an diesen orientieren als an den Fleischessern, wenn es um ein Vorbild für gesunde vegane Ernährung geht.
 
Affe isst Obst

2. „Wenn wir die Tiere nicht essen, dann übernehmen sie irgendwann die Macht und essen UNS!“

Wer so etwas behauptet, hat unser Wirtschaftssystem nicht verstanden. Der Markt wird von Angebot und Nachfrage bestimmt. Das bedeutet, je weniger Menschen Fleisch essen, desto weniger Tiere werden im Endeffekt umgebracht, um auf dem Teller zu landen. Es wird keine wild gewordenen Horden von Kühen oder Schweinen geben, die die Welt erobern und keinen Platz mehr zum Leben haben. Diese Tiere würden schlichtweg nicht mehr gezüchtet werden – und das wäre gut.

3. „Die Bilder aus der Massentierhaltung sind doch nur Extremfälle.“

95 % der Rinder und 97 % der Hühner in Deutschland werden auf konventionelle Weise in Großbetrieben gehalten; bei Schweinen leben sogar 99 % in der Intensivtierhaltung. 100 % aller Tiere enden im Schlachthaus – ganz gleich, aus welchem Betrieb sie stammen. Massentierhaltung und die damit verbundenen Qualen sind der Standard in Deutschland.
 
Schweinemast

4. "Es reicht doch, nur noch Bio-Fleisch zu essen."

Bio-Tiere haben kein besseres Leben, nur weil sie einige Quadratzentimeter mehr Platz haben oder nicht mit Gen-Futter oder Antibiotika gefüttert werden. Auch in der Bio-Industrie geht es um Profit – das Tier wird zur Ware und einzig nach wirtschaftlichem Ermessen behandelt. Und eines sollten wir nicht vergessen: Ein gewaltfreies Töten gibt es auch nicht für Tiere von Bio-Höfen – und auch die qualvollen Transporte bleiben diesen Tieren nicht erspart. Wie unter anderem PETA-Recherchen  immer wieder zeigen, besteht bei den meisten Großproduzenten von Bio-Produkten für die Tiere im Grunde kein großer Unterschied zur konventionellen Produktion.

Manche Menschen stellen sich einen imaginären kleinen Bauernhof irgendwo im Nirgendwo vor, wo alle Tiere glücklich über grüne Wiesen springen und „human“ totgestreichelt werden. Die Wahrheit ist: Solche Bauernhöfe gibt es nicht. Die Standards der Massentierhaltung (in der männliche Küken lebendig zerstampft werden, Muttersäue in kleinen Käfigen gehalten werden, in denen sie sich nicht einmal richtig hinlegen können, und männliche Ferkel ohne Betäubung kastriert werden) sind die kalte und grausame Realität der Tiere, die für Nahrung getötet werden.

5. „Vegane Ernährung bedeutet zwangsläufig Mangelerscheinungen.“

Immer wieder tauchen unbelegte Informationen auf, dass Mangelerscheinungen für Proteine, Kalzium, Eisen und Vitamin D typisch für eine vegane Ernährung wären. Tatsache ist aber, dass Mangelerscheinungen nicht typisch und bei einer abwechslungsreichen veganen Ernährung nicht zu erwarten sind – mit Ausnahme von Vitamin B12 und Vitamin D, welche supplementiert werden sollten. Wissenschaftliche Studien zeigen: Veganer mit einer ausgewogenen und abwechslungsreichen Kost sind optimal mit gesunden pflanzlichen Proteinen (höherer Gehalt an basischen Aminosäuren) versorgt. Hingegen ist zu viel tierisches Protein (höherer Gehalt an sauren Aminosäuren) die Ursache für eine Reihe von Zivilisationskrankheiten, wie zum Beispiel Osteoporose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Übergewicht, Krebs usw. Um sich gesund und ausgewogen zu ernähren, sollten die 7 Hauptregeln einer veganen Ernährung beachtet werden.
 
Gemüse grün

6. "Man sollte sich für Menschen einsetzen."

Tatsache ist, dass wir durch den Konsum von Fleisch den Armen und Hungernden der Welt das Essen wegnehmen. 70 % des Getreideanbaus wird an Tiere verfüttert, um Fleisch zu „produzieren“ – statt mit diesem Getreide Menschen direkt zu ernähren.
Außerdem können Sie sich ja für Menschenrechte einsetzen und sich daneben auch pflanzlich ernähren – das kostet keine zusätzliche Zeit, ist gesund und hilft gleichzeitig den Tieren! Weil die Fleischindustrie einer der größten Umweltverschmutzer der Erde ist, helfen Sie damit letztlich auch dem Menschen.
Warum sollte man Tierquälerei nicht stoppen, egal, welchen politischen Schwerpunkt man vertritt? Jedes Mal, wenn ich mich zum Essen hinsetze, treffe ich eine konkrete Entscheidung darüber, wer ich in dieser Welt sein möchte. Möchte ich das Maß an Gewalt, Elend und Blutvergießen in dieser Welt erhöhen oder eine freundliche, von Mitgefühl geprägte Entscheidung treffen?

7. „Pflanzen haben auch Gefühle.“

Schmerzen sind Empfindungen, die ein Bewusstsein im physiologischen Sinn voraussetzen. Pflanzen können in diesem Sinne keine Schmerzen empfinden. Sie besitzen weder ein zentrales Nervensystem noch ein Gehirn oder damit vergleichbare Systeme, die für so komplexe Fähigkeiten wie die Entstehung eines Schmerzgefühls verantwortlich sein könnten. Für Pflanzen gibt es zudem keine evolutionäre Notwendigkeit, unter Schmerzen zu leiden. Als stationär gebundene Organismen wäre ein Schmerzgefühl für sie kontraproduktiv. Natürlich besitzen auch Pflanzen Strategien, um auf Verletzungen zu reagieren. Dies ist mit der Empfindungsfähigkeit von Tieren aber nicht vergleichbar.
 
Paprika Gesicht

8. "Der Mensch hat schon immer Fleisch gegessen."

Die Art und Weise, wie Tiere für die Produktion von tierischen Nahrungsmitteln behandelt, gehalten und getötet werden, entbehrt jeder Natürlichkeit. Hühner, die normalerweise bis zu acht Jahre alt werden, werden in überfüllte und dreckige Käfige gesteckt, ohne je nach draußen an die frische Luft zu kommen. Sie werden geschlachtet, wenn sie fünf bis sechs Wochen alt sind – das ist nicht natürlich! Nur weil wir Tiere töten können, heißt das noch lange nicht, dass wir das sollten. Nur weil etwas eine Tradition hat, ist es noch lange nicht richtig. Frauen hatten über Jahrtausende keine Rechte, dunkelhäutige Menschen wurden versklavt, Frauen werden beschnitten, und in vielen Gefängnissen werden Menschen noch immer gefoltert – die Menschen, die daran beteiligt sind und waren, sahen und sehen sich nicht im Unrecht. Genauso, wie Sie entscheiden können, Menschen oder der Umwelt zu helfen, können Sie auch Mitgefühl gegenüber Tieren zeigen – einfach, indem Sie Tiere nicht mehr essen.

9. „Die Urmenschen konnten sich nur entwickeln, weil sie Fleisch gegessen haben.“

Die Evolution des Menschen hängt maßgeblich mit seinem Speichel zusammen. Menschen können stärkehaltige Knollen nur deshalb verdauen, weil sie mehr Amylase (ein Stärke spaltendes Enzym in Speichel und Bauchspeicheldrüsensekret) bilden können als ihre Vorfahren. Die verbesserte Stärkeverdauung in Verbindung mit der Erfindung des Kochens war ausschlaggebend für das starke Wachstum des Gehirns und hat zur schnellen geografischen Ausbreitung der Menschen beigetragen. Jagd und Fleischkonsum waren demnach für die Evolution des Homo sapiens weit weniger wichtig als bisher angenommen, schreiben Nathaniel Dominy von der University of California in Santa Cruz und Kollegen in der britischen Fachzeitschrift „Nature Genetics“. Die Wissenschaftler glauben, dass die Fleischbeschaffung durch die Jagd bei den frühen Menschen nur einen kleinen Teil des gesamten Nahrungsbedarfs gedeckt hat. Die Jagd allein war sehr energieaufwendig, zudem war nur ein kleiner Teil der Beutezüge von Erfolg gekrönt. Die Fähigkeit, stärkehaltige Pflanzenteile zu verdauen, die mit dem Gebrauch des Feuers für die Nahrungszubereitung zusätzlich verbessert wurde, sei für das Gehirnwachstum und die weitere Evolution des Menschen wesentlich wichtiger gewesen, sagen die Forscher.
 
Neandertaler

10. „Milchkühe müssen gemolken werden, die geben sowieso Milch.”

Kühe produzieren Milch aus demselben Grund, wie der Mensch es tut: als Nahrung für ihre neugeborenen Babys. Doch Kälber in modernen Milchbetrieben werden ihren Müttern meist schon einen Tag nach der Geburt entrissen. Sie werden mit Milchersatz gefüttert, damit die Milch ihrer Mütter zum Verzehr für den Menschen verkauft werden kann. Weibliche Kühe werden kurz nach Vollendung ihres ersten Lebensjahres erstmals künstlich befruchtet. Nach der Geburt des Kalbes geben sie zehn Monate lang Milch; anschließend werden sie erneut befruchtet, der Prozess wiederholt sich. Manche Kühe verbringen ihr ganzes Leben auf Beton- und Spaltenböden; die Anbindehaltung ist in Deutschland noch immer sehr verbreitet. Die natürliche Lebenserwartung einer Kuh beträgt etwa 20 Jahre, während der sie acht oder neun Jahre lang Milch produziert. Das Leben in modernen Milchbetrieben hingegen bedeutet für Kühe großen Stress: Sie leben in beengten Verhältnissen, werden unentwegt gemolken und müssen unnatürlich hohe Milchmengen geben. Dies führt häufig zu Euter-Erkrankungen, Lahmheit und Fruchtbarkeitsproblemen, so dass viele Kühe bereits im Alter von vier oder fünf Jahren für die Milchwirtschaft wertlos sind und geschlachtet werden.
 
Milchkuh Kuhstall

11. „Fleisch ist zu lecker."

Die allermeisten von uns sind mit Fleisch und Käse aufgewachsen. Als Veganer muss man diese Nahrungsmittel nicht aufgegeben, denn es gibt heutzutage alles aus Soja, Seitan und ähnlichem – und das ganz ohne Tierquälerei! Viele Veganer haben selbst jahrelang Fleisch gegessen und mochten den Geschmack von Fleisch. Aber dann haben sie eingesehen, dass es Dinge gibt, die wichtiger sind als ihr eigener Geschmack. Angesichts der vielen leckeren veganen Gerichte – ob mit oder ohne Fleischersatz und Milchalternativen – müssen vegan lebende Menschen heutzutage keinerlei geschmackliche Einbußen hinnehmen.

12. „Milch ist wichtig für die Stabilität von Knochen und Zähnen.“

Das Risiko, an Osteoporose zu erkranken, ist nicht nur von der Kalziumzufuhr oder der Menge der Milchprodukte abhängig. Beispielsweise wird in den Industrieländern viel Kalzium zu sich genommen und dennoch ist genau hier die Osteoporosehäufigkeit am höchsten. In Entwicklungsländern hingegen, wo verhältnismäßig wenig Kalzium konsumiert wird, erkranken trotzdem deutlich weniger Menschen an Osteoporose.

Verantwortlich für die Stärke der Knochen sind neben Kalzium auch Vitamin D, Bewegung, Obst und Gemüse sowie die richtige Menge an Proteinen. Eine ausrreichende Portion Kalzium kann man durch kalziumreiches Mineralwasser, angereicherte Pflanzendrinks, Sesammus, Mandelmus, Gemüse wie Grünkohl, Wirsing, Brokkoli oder Feldsalat, Sojafleisch, Hülsenfrüchten oder Feigen zu sich nehmen. Es gibt also keinen Grund, die grausame Milchindustrie zu unterstützen.
 
Pflanzenmilch

13. „Wenn Sie sonst verhungern müssten, würden Sie Fleisch essen?“

Menschen können extreme Dinge tun, um ihr eigenes Leben zu retten, sogar Unschuldigen wehtun (Menschen haben in solchen Situationen sogar schon andere Menschen getötet und gegessen). Dieses Beispiel ist jedoch für die Entscheidungen, die wir in unserem täglichen Leben treffen, nicht relevant. Die meisten von uns sind in dieser Hinsicht nicht in einer Notlage, und es gibt für sie keine Entschuldigung, Tiere für die Ernährung zu töten.

14. „Veganismus ist viel zu extrem!“

Millionen von Menschen sind wie PETA der Meinung, dass es roh und grausam ist, Tiere mit unseren Medikamenten vollzustopfen, ihnen Abflussreiniger in die Augen zu schütten, sie zum Inhalieren von Zigarettenrauch zu zwingen und sie mit unseren Krankheiten zu infizieren. Millionen Menschen verzichten schon jetzt auf Pelz und Leder, weil sie der Ansicht sind, dass es falsch ist, Tiere für Mode einzusperren und zu töten. Und jeden Tag entscheiden sich immer mehr Menschen für eine tierfreundliche vegane Ernährung, weil sie die Vorteile für sich selbst, die Tiere und den Planeten sehen. Nachhaltigkeit und Mitgefühl sind nicht extrem, sondern der Weg in eine bessere Zukunft.
 
Huhn Tierliebe

15. „Die Tiere sind doch schon tot."

Die Tiere sind noch nicht tot, wenn sie in Tierfabriken ohne Betäubung kastriert werden oder wenn ihnen die Kehle aufgeschlitzt wird. Um auf dem Teller zu landen, durchleben die Tiere unendliche Qualen. Sie werden ohne Schmerzmittel verstümmelt, werden Körper an Köper in Käfigen, Kisten und riesigen Hallen zusammengepfercht und nicht selten bei vollem Bewusstsein geschlachtet und zerteilt. Tiere fühlen Schmerzen – genau wie wir! Auch Fische spüren Schmerz. Sie erleiden das alles nur, damit Menschen Eier, Milch und Fleisch essen können!

16. „Vegane Ernährung ist zu teuer.“

Die meisten Fleischesser denken, dass vegane Ernährung teuer ist, weil sie ihren eigenen Speiseplan vor sich sehen und die tierischen Produkte durch preisintensive vegane Ersatzprodukte ersetzen wollen. Dies ist ein Trugschluss, da Fleischersatzprodukte bei Veganern eher selten auf den Tisch kommen. Warum auch? Die vegane Küche hat so viel mehr zu bieten. Wer regionale und saisonale pflanzliche Grundnahrungsmittel einkauft, also Gemüse, Obst, Nudeln, Reis, Kartoffeln, Brot, Linsen, Bohnen, Nüsse und Samen, kann viel Geld sparen. Diese gehören sowohl bei Discountern als auch in Bio-Märkten zu den günstigsten Produkten, da sie fast ohne Vorverarbeitung oder lange Transportwege auskommen. Wer regionale und saisonale pflanzliche Lebensmittel einkauft, wird wenig dafür bezahlen und eine große Mahlzeit für mehrere Personen zubereiten können. Da die meisten Fleischesser aber ohnehin behaupten, nur sehr wenig und wenn, dann ausschließlich Fleisch aus Weidehaltung zu essen, sind sie Kilopreise zwischen 30 und 80 Euro ja durchaus gewohnt. Damit greift das Argument dann sowieso nicht mehr.
 
Geld Sandwich
Weitere gängige „Argumente“ beantworten wir hier. Go vegan!

Unsere Autoren

PETA Team

Die Blogartikel zu den Themen Tierrechte und veganem Lifestyle sind von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Co-Autoren.