Zucht und Handel: Tierleid für Profit und Rassenwahn

Jedes Jahr landen über 300.000 Hunde, Katzen, Kaninchen, Reptilien und andere Tiere in deutschen Tierheimen. Dessen ungeachtet züchten unverantwortliche Menschen weiterhin Tiere – für ihren Profit oder den Rassenwahn.
 

Tierschutzwidrige Zustände

Für den Handel werden Kleintiere wie Meerschweinchen, Kaninchen und Hamster aber auch Reptilien, Hunde und Katzen massenhaft produziert. Recherchen konnten mehrfach belegen, unter welch katastrophalen Bedingungen die Tiere aufwachsen müssen. Muttertiere vegetieren jahrelang als „Gebärmaschinen“ in engen Käfigen. Soziale Tiere leben in Einzelhaft, oft in ihren eigenen Fäkalien, und leiden Tag für Tag – ein Leben lang.
 

Ziele der Zucht

Züchtern geht es nicht um das Wohl der Tiere, sondern nur um den eigenen Profit.
Zudem erschaffen sie Tiere nach bestimmten Vorstellungen, Farben und Formen. Entsprechende Zuchtverbände stellen sogenannte Zuchtziele auf, bei denen bestimmte Merkmalsausprägungen zu Körperform, Haar- oder Federfarbe exakt vorgeschrieben sind (1). Das Wohl und die Gesundheit der Tiere interessiert hierbei nicht. So leiden viele Tiere ihr Leben lang unter zuchtbedingten Merkmalsausprägungen. Beispiele hierfür sind Hunde mit extrem kurzen Nasen, Katzen ohne Fell oder Kaninchen, die aufgrund ihrer Züchtung den Gehörsinn verloren haben.
 

Obwohl § 11b Tierschutzgesetz die Zucht von sogenannten Qualzuchten verbietet (2), also von Tieren, die aufgrund der ausgeprägten Merkmale Schmerzen oder vermeidbaren Leiden ausgesetzt sind, wird dieses Verbot von den Behörden und der Justiz nicht effektiv umgesetzt. Völlig überzüchtete Tiere finden in der Folge noch immer begeisterte Abnehmer.

Tiere im Zoohandel und der deutsche Heimtiermarkt

Zoohandlungen machen sich die niedliche Wirkung von Tierkindern zunutze. Die Gewinnspanne macht dabei die Masse, das Individuum zählt nichts. In 44 % der deutschen Haushalte leben 31,6 Millionen Heimtiere. Hinzu kommen Zierfische und Terrarientiere (3). Der Handel insbesondere mit Jungtieren floriert seit Jahren.

Woher kommen die Tiere aus Baumärkten und Zoogeschäften?

In Baumärkten und Zoogeschäften wird über die Herkunft der Kleintiere meist nicht ehrlich informiert. Eine umfangreiche, von PETA veröffentlichte Recherche konnte jedoch die tierquälerischen Massenproduktionen von Kleintieren im Heimtierhandel aufdecken:

Kaninchen, Vögel, Mäuse, Meerschweinchen und viele andere Kleintiere werden im großen Stil in dunklen Hallen, in kleinen, verdreckten Käfigen zu Hunderten „produziert“. Verletzte, kranke und tote Tiere sind an der Tagesordnung.
 

Anders lässt sich der enorme Bedarf von Zoohandlungen und Baumärkte nicht erfüllen. Oft werden die Tiere über weite Strecken aus dem Ausland transportiert. Eine hohe Verlustrate ist auch hier von vornherein miteinkalkuliert. Hier stehen die Masse und der Umsatz im Fokus der Züchter – nicht das Wohl der Tiere.

In vielen Zoohandlungen finden sich zudem exotische Wildtiere wie Reptilien, Schlangen und Echsen. Diese sensiblen Exoten mit ihren hohen Ansprüchen an Temperatur, Feuchtigkeit und Substrat werden an jeden Interessenten verkauft. In einer international übergreifenden Recherche konnte PETA das skrupellose Geschäft mit diesen Tieren aufdecken. Rund 600.000 Reptilien werden jedes Jahr nach Deutschland importiert. Viele von ihnen sterben schon auf den langen Transportwegen oder bereits auf den Zuchtfarmen. Sterberaten von bis zu 70 % sind im Handel bereits einkalkuliert. Bei deutschen Großhändlern werden die überlebenden Reptilien oft in winzige Plastikboxen eingepfercht und darin teilweise mehrere Jahre vorrätig gehalten. Für diese sensiblen Tiere gibt es keine artgerechte Haltung in Privathand. Die Konsequenz bedeutet für viele Reptilien eine völlig unzureichende Versorgung, was oft zu Krankheit und Tod führt.

In der Zucht und im Handel wird Tieren die Individualität aberkannt, ihre Bedürfnisse werden ignoriert und oft auch ihr Schmerzempfinden – nur die „Ware Tier“ zählt. Kaufen Sie niemals ein Tier beim Züchter oder in einer Zoohandlung.

Was Sie tun können

  • Wenn Sie nach reiflicher Überlegung zu dem Schluss kommen, einem Tier langfristig ein gutes Zuhause bieten zu können, besuchen Sie ein Tierheim und adoptieren Sie einen tierischen Mitbewohner.
  • Kaufen Sie nur in Zoohandlungen ein, die keine Tiere verkaufen.
  • Melden Sie Missstände beim zuständigen Veterinäramt. Am besten gelingt das mit einer präzisen, schriftlichen Aussage und datierten Fotos.
  • Unterstützen Sie unsere Forderung nach einem Heimtierschutzgesetz und gesetzlichen Regelungen für den Verkauf von Tieren in Zoofachhandlungen.
Quellen:
  1. Rasselexikon des VDH, letzter Zugriff: Februar 2018, online unter: https://www.vdh.de/home
  2. Gutachten zur Auslegung des §11b des Tierschutzgesetzes (Verbot von Qualzüchtungen), letzter Zugriff: Februar 2018, online unter: http://www.bmel.de/cae/servlet/contentblob/631716/publicationFile/35840/Qualzucht.pdf
  3. Der deutsche Heimtiermarkt 2016, letzter Zugriff: Februar 2018, online unter: https://www.zzf.de/fileadmin/files/ZZF/Marktdaten/ZZF_IVH_Der_Deutsche_Heimtiermarkt_2016_A4.pdf