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Trophäenjagd

Das blutige Vergnügen der Hobbyjäger

Stand August 2015
Auf der Suche nach dem besonderen Nervenkitzel reisen Hobbyjäger in ferne Länder, um exotische und seltene Tiere zu töten. Auch den deutschen Waidmännern reicht es offenbar nicht, jährlich mehr als fünf Millionen heimische Wildtiere zu töten. Schätzungsweise 50.000 Deutsche reisen jährlich ins Ausland, um auf Großwildjagd zu gehen. [1] Die Anbieter von Jagdreisen lassen wohlhabenden Kunden dabei keine Wünsche offen, denn selbst Abschussgenehmigungen für vom Aussterben gefährdete Arten wie beispielsweise Elefanten, Nashörner, Löwen oder Eisbären können für viel Geld erworben werden. Neben exotischen Tieren stehen auch in Europa heimische Arten wie Braunbären, Wölfe oder Luchse auf den Abschusslisten der Trophäensammler.
Auf der Messe „Jagd & Hund“, die jährlich in Deutschland stattfindet, werben Jagdreiseveranstalter mit Trophäen. / © Christian Adam

Gehetzt, getötet und verstümmelt
Durch häufige Fehlschüsse und tierquälerische Jagdpraktiken sterben viele der Tiere einen langsamen und qualvollen Tod. Oftmals werden die Tiere angeschossen und flüchten mit blutigen Wunden. Während sie in Todesangst um ihr Leben rennen, werden die Tiere weiter von den Jägern beschossen und durch die Wildnis gehetzt – Bleikugeln oder Stahlpfeile durchbohren ihre Körper, bis sie erschöpft zusammenbrechen. [2] [3] Die Jagd mit Pfeil und Bogen oder mit einer Armbrust ist aus Tierschutzgründen in Deutschland verboten, gilt bei der Trophäenjagd in vielen Ländern allerdings als gängige Jagdpraktik. Nach dem Trophäenfoto, auf dem sich die Jäger stolz mit den toten Körpern der Tiere präsentieren, werden die Tierleichen dann meist verstümmelt. Ihre Köpfe werden abgetrennt oder ihnen wird das Fell abgezogen, sodass die Jäger ihre Opfer als Jagdtrophäe mit nach Hause nehmen können.
Wenn die niedlichen Löwenbabys als Touristenattraktion ausgedient haben, werden sie bei der Gatterjagd erschossen.
Das Leid der Löwen für die Gatterjagd in Südafrika
In Südafrika werden Löwen zu Tausenden auf Farmen gezüchtet, als Touristenattraktion missbraucht und anschließend bei der sogenannten Gatterjagd (Canned hunting) getötet. Nur wenige Tage nach der Geburt werden die Löwenbabys ihren Müttern entrissen, mit der Hand aufgezogen und für Touristenfotos sowie als Streicheltiere missbraucht. Sind die Löwen ausgewachsen, werden sie in Gehege eingesperrt und Trophäenjägern auf dem Silbertablett präsentiert. Die Jagdtouristen geben bis zu 45.000€ für eine derartige Jagdreise mit 100-prozentiger Abschussgarantie aus. [4] Auch Zoounternehmen wie beispielsweise dem deutschen Zoo „Safaripark Hodenhagen“ wurde eine Beteiligung an dem blutigen Geschäft nachgewiesen. Der Zoo verkaufte Löwen an eine Jagdfarm in Südafrika, nachdem die niedlichen Tierbabys als Besuchermagnet ausgedient hatten. [5]
Fatale Folgen für den Artenschutz
Großwildjäger reduzieren die Tierwelt in erheblichem Ausmaß, denn die Trophäensammler begehren meist die stärksten und schönsten Tiere. Gerade diese sind aber für die Arterhaltung am wichtigsten, da sie in der Regel für Nachkommen und das Überleben einer Art sorgen. Die Population der Afrikanischen Elefanten und vieler anderer Tierarten wie Löwen, Nashörner oder Leoparden verzeichneten in den letzten Jahren starke Rückgänge. Aus einer wissenschaftlichen Studie über die Jagd auf Löwen in Tansania geht hervor, dass die legale Trophäenjagd – und nicht etwa Wilderei oder der Verlust von Lebensräumen – der Hauptfaktor für den deutlichen Rückgang der Wildtiere ist. [6] Die legale Trophäenjagd begünstigt zudem die Jagdwilderei. Weil „legale“ Trophäen im Umlauf sind, fällt es Artenschützern und Behörden schwer, diese von den illegal gejagten Körperteilen zu unterscheiden. Dem Schmuggel, teilweise mit in afrikanischen Herkunftsländern gefälschten Papieren, ist somit Tür und Tor geöffnet.
Im Jahr 2014 führten deutsche Hobbyjäger 325 Jagdtrophäen geschützter Tiere nach Deutschland ein, darunter auch 36 Leoparden. / © Christian Adam
Zum Schutz der Löwen hat Australien 2015 ein Importverbot für Jagdtrophäen der Tiere erlassen. [7] Andere Länder – darunter auch Deutschland – hingegen versäumten es bislang, ihrer Verantwortung für den internationalen Artenschutz nachzukommen. 2014 wurden 325 Jagdtrophäen geschützter Tiere legal nach Deutschland eingeführt, darunter 11 Löwen, 36 Leoparden, 7 Elefanten sowie 43 Schwarzbären und ein Eisbär. [8] Zudem ist es kaum verwunderlich, dass internationale Artenschutzbemühungen auf der Stelle treten, wenn Trophäensammler und Hobbyjäger wie Juan Carlos, ehemaliger König von Spanien [9] und ehemaliger WWF-Ehrenpräsident, oder ein leitender Beamter aus dem thüringischen Umweltministerium [10] Afrika zu ihrer persönlichen Schießbude erklärt haben.


Die vorgeschobene Gemeinnützigkeit ist Augenwischerei
Die PHASA (Professional Hunters’ Association of South Africa) zählte im Jahr 2013 allein in Südafrika insgesamt 7638 Trophäenjagden mit einem industriellen Wert von 84 Millionen Euro. [11] Die horrenden Summen, die Hobbyjäger für eine Jagdreise ausgeben, landen allerdings nicht bei der armen Bevölkerung oder bei einer Nationalparkverwaltung, sondern fast ausschließlich in den Taschen der Reiseveranstalter und Jagdfarmbesitzer. Aus einer Wirtschaftsanalyse der Trophäenjagd in Afrika geht hervor, dass gerade einmal 3 % der Einnahmen durch Trophäenjagden bei der lokalen Bevölkerung ankommen. [12] Wenn Jäger wirklich daran interessiert wären, der einheimischen Bevölkerung zu helfen, wären die hohen Geldbeträge, die sie für Jagdreisen ausgeben, besser und effektiver in Entwicklungs- und Bildungsprojekte investiert.
Der weitaus größte Teil der Touristen möchte eine intakte Tierwelt sehen, davon profitiert auch die Bevölkerung langfristig.
Fotos statt Tiere schießen!
Aus wirtschaftlicher Sicht spielt der Jagdtourismus in den meisten Ländern nur eine unbedeutende Rolle. In den neun am stärksten vom Jagdtourismus betroffenen afrikanischen Ländern beträgt der Anteil der Trophäenjagd am gesamten Tourismusgeschäft nur 1,8 %. In Namibia beispielsweise trägt die Trophäenjagd gerade einmal 0,27 % zum Bruttoinlandsprodukt bei, der Naturtourismus hingegen 4,2 %. [12] Der weitaus größte Teil der Touristen möchte eine intakte Tierwelt sehen, davon profitiert auch die Bevölkerung langfristig. So ist ein lebender Elefant im Naturtourismus 76-mal mehr Wert als ein für Elfenbein getötetes Tier. [13] Daher haben einige Länder wie beispielsweise Kenia und Botswana die Trophäenjagd bereits verboten. Nur mit einem nachhaltigen und verantwortungsvollen Ökotourismus kann es gelingen, die letzte Wildnis unserer Erde langfristig zu schützen.



Quellen:
[1] Pressebericht Die Welt online (2015): Der Mann, der so gerne große Tiere schießt. http://www.welt.de/vermischtes/article138274109/Der-Mann-der-so-gerne-grosse-Tiere-schiesst.html [zuletzt abgerufen am 3. August 2015]
[2] Pressebericht Spiegel online (2014): Botswana-Reise: Elefantenjagd bringt thüringischem Spitzenbeamten Ärger. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/elefantenjagd-in-botswana-thueringischer-spitzenbeamter-unter-druck-a-950678.html [zuletzt abgerufen am 3. August 2015]
[3] Pressebericht Spiegel online (2015): Getöteter Löwe Cecil: Ein Jäger wird zur Hassfigur. http://www.spiegel.de/panorama/getoeteter-loewe-in-simbabwe-us-jaeger-wird-zur-hassfigur-a-1045805.html [zuletzt abgerufen am 3. August 2015]
[4] Beitrag Stern TV (2015): Hobby Löwenjagd: Das grausame Geschäft mit den Raubkatzen. http://www.stern.de/panorama/das-grausame-gescha
eft-mit-den-raubkatzen-6337734.html [zuletzt abgerufen am 3. August 2015]
[5] PETA.de/antwortaufsafariparkhodenhagen
[6] Packer C., Brink H., Kissui B.M., Maliti H., Kushnir H. & Caro T. (2011): Effects of Trophy Hunting on Lion and Leopard Populations in Tanzania. Conservation Biology. Volume 25, Issue 1, p. 142–153.
[7] Pressebericht The Guardian online (2015): Australia bans hunting 'trophies' from lions entering or leaving the country. http://www.theguardian.com/environment/2015/mar/13/australia-bans-hunting-trophies-from-lions-entering-or-leaving-the-country [zuletzt abgerufen am 3. August 2015]
[8] Pressebericht n-tv (2015): Nach Aufregung um "Cecil ": Auch Deutsche jagen geschützte Wildtiere. http://www.n-tv.de/panorama/Auch-Deutsche-jagen-geschuetzte-Wildtiere-article15639561.html [zuletzt abgerufen am 3. August 2015]
[9] Pressebericht Stern (2012): Nach Juan Carlos' umstrittener Elefantenjagd
WWF sägt Spaniens König ab. http://www.stern.de/politik/ausland/nach-juan-carlos--umstrittener-elefantenjagd-wwf-saegt-spaniens-koenig-ab-3450542.html [zuletzt abgerufen am 3. August 2015]
[10] PETA.de/Elefantenjagd
[11] Pressebericht der Zeitung Hessische Niedersächsische Allgemeine (HNA) (2015): Löwenbabys in Afrika: Leben ohne Mutter, sterben für Touristen. http://www.hna.de/welt/loewen-afrika-mutter-entrissen-abschuss-freigegeben-4730796.html [zuletzt abgerufen am 2. August 2015]
[12] Campbell, R. (2013): The $200 million question – How much does trophy hunting really contribute to African communities? Economists at Large Pty Ltd. Melbourne, Australia.
[13] The David Sheldrick Wildlife Trust (ohne Datum): Dead or Alive? Valuing an Elephant.

 

Was Sie tun können

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