In der Eierindustrie leben Hühner oft zusammengepfercht mit Tausenden Artgenossen. Die Tiere sind in jeder Haltungsform dauerhaftem Stress ausgesetzt – auch Hühner in der sogenannten Freilandhaltung und Biohaltung. Bei allen Hühnern handelt es sich um Qualzuchten, die speziell dahingehend gezüchtet wurden, immer früher, immer mehr und immer größere Eier zu legen. Diese Überbelastung führt dazu, dass die Knochen der Tiere brechen und viele Hennen sich durch gegenseitiges Federpicken verletzen.
Erfahren Sie hier mehr über das Leid der Hühner in der Eierindustrie und wie Sie den Tieren helfen können!
Das Leid der Hennen hat viele Gesichter
Viele Menschen wissen heute, dass sich Hühner in der Eierindustrie gegenseitig die Federn ausreißen:
- Grund für das Federpicken ist unter anderem die beengte Haltung in kargen Ställen mit Hunderten oder Tausenden Artgenossen im gleichen Stallabteil.
- Selbst in der Biohaltung sind pro Stallabteil 3.000 Hennen erlaubt.
- Der hierdurch ausgelöste Stress der Tiere kann bis zum Kannibalismus führen.
Ist Federpicken ein aggressives Verhalten?
Federpicken ist eine Verhaltensstörung, die sich als “aggressives” Verhalten gegenüber Artgenossen zeigt. Hühner zupfen gelegentlich auch zur gegenseitigen Körperpflege am Gefieder anderer Hühner. Das ist eine Form der sozialen Interaktion, aber das hat nichts mit verletzendem Federpicken zu tun.
Schädliches Federpicken
- intensives Rupfen, das Federn entfernt
- kann Haut verletzen und Blutungen verursachen
- führt zu Stress, Schmerzen und Angst bei den betroffenen Tieren
Kannibalismus
- schwerste Form, oft beginnt es mit schädlichem Federpicken
- Tiere verletzen oder töten Artgenossen
Welche Mangelerscheinung führt zu Federpicken?
Hühner leiden durch den angezüchteten unnatürlich hohen Legezwang schnell an einem Nährstoffmangel, da sie teilweise nicht so viele Nährstoffe aufnehmen können, wie sie durch die Qualzucht brauchen. Federpicken kann somit auch mit einem Nährstoffmangel zusammenhängen.
Weitere Auslöser für Federpicken:
- Neben Platz-, Beschäftigungs- oder Nährstoffmangel
- können auch ein schlechtes Stallklima, durch beispielsweise zu hohe Ammoniakgehalte
- oder falsche Lichtverhältnisse, zu Federpicken führen.
- Durch die großen Tiergruppen kann sich außerdem keine Hackordnung bilden, was zu vermehrten Rangordnungskämpfen und somit auch zu Verletzungen führen kann. Federpicken ist also ein multifaktorielles Geschehen.
Knochenbrüche – unerkanntes Leid bei Großteil der Hühner in der Eierindustrie
Ein weiteres schwerwiegendes und tierschutzrelevantes Problem in der Eierindustrie, das jedoch weniger bekannt ist, stellt das Brechen oder Deformieren des Brustbeins dar. Das Brustbein ist der größte Knochen der Hühner. Es nimmt eine Schlüsselfunktion im Körper ein und hält das Skelett zusammen – Schäden am Brustbein beeinträchtigen die Tiere daher stark.
- Forscher:innen der Universität Kopenhagen fanden heraus, dass von 5.000 Hennen in 40 überprüften Gruppen nicht weniger als 85 Prozent der Tiere mindestens einmal an einem gebrochenen Brustbein litten. [1]
- In einer Studie der Universität Bern sind die Zahlen noch eindeutiger: Durch Röntgen der Tiere wurde klar, dass sogar 97 Prozent der untersuchten Hennen an einem Bruch des Brustbeins litten. Meist waren dies sogar Mehrfachbrüche – bei einzelnen Hennen war das Brustbein bis zu elf Mal gebrochen.
- Gründe seien der frühe Legebeginn, die hohe Anzahl an Eiern und damit von Beginn an brüchige Knochen. Dies ist zurückzuführen auf einen massiven Kalziumentzug bei der Bildung der Eierschalen, sodass teilweise schon ein kräftiger Flügelschlag ausreicht, damit das Brustbein bricht. [2]
Vor dem Hintergrund, dass weltweit fast ausschließlich die gleichen „Hühnerrassen“ verwendet werden, lässt sich das Ergebnis der Schweizer Studie global übertragen – auch auf Freiland- und Biobetriebe. [2] Die Studie zeigt erneut das immense Ausmaß des Leids, dem Hühner in der Eierindustrie ausgesetzt sind. Ihre Brüche bleiben meist unbemerkt – und in jedem Fall unbehandelt.

Knochenbrüche durch artwidrige Stallgestaltung und große Eier
Viele Hühner verletzen sich in den Ställen. Teilweise stürzen sie von höheren Ebenen ab, wenn sie panisch vor Artgenossen oder Arbeiter:innen flüchten. Solche Stürze können auch zu Brüchen und Verformungen am Brustbeinknochen führen. Hinzu kommt, dass in den Ställen teilweise wichtige Ausstattungsgegenstände fehlen, beispielsweise rutschfeste Sitzstangen und Hilfen für den Auf- und Abstieg auf höhere oder tiefere Ebenen. Außerdem fehlt es mitunter schlichtweg an angemessenem Licht, damit die Hühner beim Anflug ihre Umgebung erkennen können.

In der Eierindustrie werden Hühner speziell dahingehend gezüchtet, unnatürlich viele und besonders große Eier zu legen. Diese sogenannte Qualzucht gehört zu den wichtigsten Gründen, aus denen so viele Hühner unter Brüchen und Deformationen des Brustbeins leiden. Eine weitere Studie ergab, dass beinahe 100 Prozent der Hühnergruppen sowohl Frakturen als auch Deformationen aufweisen – und das in jeder Haltungsform. [3]
Qualzucht in allen Haltungssystemen führt zu Knochenbrüchen
Wie jeder andere Vogel auch, legen ursprüngliche Hühnerrassen nur so viele Eier, wie sie zur Fortpflanzung benötigen. Das sind bei Vorgängern des Haushuhns maximal 20 bis 30 Eier im Jahr – eher weniger. Da diese geringe Menge für die Eierindustrie nicht wirtschaftlich wäre, wurde den Vögeln eine krankmachende „Legeleistung“ von weit mehr als 300 Eiern im Jahr angezüchtet. Dadurch „verbraucht“ eine Henne durch das enorme Eierlegen mehr Calcium, als sie über die Nahrung aufnehmen könnte. Die Knochen verlieren Mineralien und werden anfällig für Brüche.
Außerdem werden die Hennen darauf gezüchtet, immer früher und immer größere Eier zu legen – ca. ein Ei pro Tag. Das Legen der Eier in kurzer Zeit beansprucht das Skelett so stark, dass bei Tieren in jeder Haltungsform Brüche entstehen. [1] Außerdem führt die Qualzucht dazu, dass der Legeprozess bei sehr jungen Hennen eintritt – und zwar schon dann, wenn das Brustbein noch „weich“, also noch nicht verknöchert ist. Dadurch ist es anfällig für Verletzungen. [1]

Sind Langzeitimplantate eine tierfreundliche Lösung?
Es wurde beobachtet, dass Hennen, die durch ein Langzeitimplantat von dem Zwang, häufig große Eier zu legen, befreit wurden, im Gegensatz zu ihren Artgenossen nicht an Frakturen des Brustbeins litten. Dennoch traten auch bei diesen Tieren Deformationen auf. [3]
Langzeitimplantate bei Hennen wirken ähnlich wie Hormonpräparate gegen eine mögliche Fortpflanzung. Sie verhindern die Auswirkungen der Qualzucht und sorgen dafür, dass die Hennen keine Eier mehr legen. Dadurch verbessern sich sowohl Gesundheit als auch Lebenserwartung der Tiere meist beträchtlich, was verdeutlicht, dass Hennen unter der Belastung der hohen Eierzahl immens leiden – egal in welcher Haltungsform.
Für Privathalter:innen sind Langzeitimplantate eine Möglichkeit, um gerettete Hühner aus der Eierindustrie von dem qualvollen Legezwang zu befreien.

Jedes gekaufte Ei verursacht Leid
Frakturen und Deformationen des Brustbeins führen zu chronischen Schmerzen und eingeschränkter Mobilität, sodass die Henne nicht mehr ausreichend an Nahrung oder Wasser gelangt. Viele Tiere überleben nicht einmal die Zeit bis zum Tod im Schlachthaus, sondern sterben langsam und qualvoll in den Ställen oder werden von den Betreiber:innen getötet und wie Müll entsorgt.
Für die Eierindustrie als Teil eines speziesistischen Systems ist ein Huhn nur von Nutzen, solange es Eier legt. Die Bereitschaft, Tierarztkosten zu übernehmen, die wir für unsere Hunde oder Katzen als selbstverständlich einplanen, gibt es für Tiere in der landwirtschaftlichen Tierhaltung nicht, wenn diese krank werden.

Vegan werden und Hühnern Leid ersparen
Hühner in der Eierindustrie werden nur eingesperrt und getötet, weil Menschen Eier essen. Helfen Sie den Hühnern, indem Sie Eier und eihaltige Produkte wie Kekse, Gebäck und Nudeln von Ihrem Speiseplan streichen. Für jeden Bedarf gibt es mittlerweile verschiedene vegane Ei-Alternativen – zum Kochen und Backen, aber auch für Rezepte für veganes Omelette, Rührei und Co.
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Quellen
[1] Jens Peter Christensen, Jan Dahl, Ida Thøfner (13.08.2021): Keel bone fractures in Danish lying hens: Prevalence and risk factors, https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0256105 (eingesehen am 25.03.2026)
[2] frontiers: Radiographic Evaluation of Keel Bone Damage in Laying Hens—Morphologic and Temporal Observations in a Longitudinal Study, 12.03.2020. Online unter: https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fvets.2020.00129/full (eingesehen am 25.03.2025)
[3] DGS – Magazin für Geflügelwirtschaft: Brustbeinschäden bei Legehennen – Was das Huhn zusammenhält; Ausgabe 36/2020, erschienen am 5. September 2020