Hündinnen durchlaufen einen Zyklus mit vier verschiedenen Phasen. Die Phase der Blutung wird umgangssprachlich auch Läufigkeit genannt. Die Blutung, obwohl ein natürlicher Prozess, kann sowohl für die Hündinnen als auch für die Halter:innen stressig sein. Hünd:innen sind von ihren Hormonen und den Veränderungen in ihrem Körper beeinflusst, ändern ihre Verhaltensweisen und leiden teilweise unter Scheinschwangerschaften. Halter:innen müssen sicherstellen, dass ihre Hündinnen von Rüden ferngehalten werden, um die weitere Zucht von Hunden zu verhindern. Denn Tierheime sind bereits überfüllt mit Tieren, die auf ein Zuhause warten. Eine Kastration gibt Sicherheit, dass keine Schwangerschaft entsteht.
Erfahren Sie hier, wie die Phasen der Läufigkeit sind, wie lange Hündinnen fruchtbar sind und warum Kastrationen wichtig sind.
Wie alt ist eine Hündin bei ihrer ersten Läufigkeit?
Hündinnen werden meist das erste Mal zwischen dem sechsten und fünfzehnten Lebensmonat läufig, wenn sie die Geschlechtsreife erreicht haben. Der genaue Zeitpunkt variiert je nach „Rasse“ und den individuellen Umständen. So werden kleine Hündinnen in der Regel früher läufig als große. Sehr große Hündinnen können auch erst mit zwei Jahren ihre erste Blutung bekommen. [1] Danach tritt die Läufigkeit jedes Jahr ein bis zwei Mal auf – bei einer gesunden Hündin bis ans Lebensende, denn bei Hündinnen gibt es keine Wechseljahre, wie beispielsweise bei Menschen, die dann eine Fortpflanzung verhindern. [2]
Wie kündigt sich die Läufigkeit einer Hündin an?
Die Läufigkeit bezeichnet die fruchtbare Phase einer Hündin. Anders als bei Menschen handelt es sich dabei um eine Aufbaublutung, das heißt, die Gebärmutter wird nicht abgestoßen (Abbaublutung bei Menschen), sondern für eine mögliche Befruchtung vorbereitet. Diese Phase kündigt sich meist durch körperliche Symptome wie eine geschwollene Vulva und blutigen Scheidenausfluss an. Aber auch das Verhalten der Hündin ändert sich oftmals zu dieser Zeit. Häufig lecken sich die Hündinnen vermehrt im Genitalbereich, werden etwas unruhiger, anhänglicher oder teilweise auch ängstlicher oder apathisch.
Durch ihren veränderten Geruch wird die Läufigkeit auch anderen Hunden angezeigt, sodass Hündinnen vor allem für Rüden in dieser Phase interessant werden. Kurz vor der fruchtbaren Phase reagieren Hündinnen vielfach abweisend auf Rüden. Später markieren sie viel und zeigen sich den Rüden gegenüber offen und heben den Schwanz seitlich nach oben, um zu signalisieren, dass sie bereit sind. [3] Läufige Hündinnen können auch bei Rüden Stress auslösen – in schlimmen Fällen essen und schlafen sie nicht mehr, sind dauerhaft angespannt und winseln viel.
Wie sind die Phasen der Läufigkeit?
Hündinnen durchleben in ihrem Zyklus vier verschiedene Phasen, die durch ihre Hormone gesteuert werden. Dazu gehören:
- Proöstrus – Vorbrunst: Diese Phase kann zwischen vier und 20 Tagen andauern. Symptome sind eine geschwollene Vulva und blutiger Scheidenausfluss. In dieser Phaseist die Hündin nicht fruchtbar, aber riecht schon interessant für Rüden. Trotzdem sollten Sie achtsam sein, denn der Übergang zwischen den Phasen ist meist nicht eindeutig erkennbar. [3]
- Östrus – Brunst: In dieser Phase ist die Hündin fruchtbar. Sie dauert um die fünf bis zehn Tage – schwankt aber je nach Hündin und kann auch deutlich kürzer oder länger andauern. Der Scheidenausfluss ist nicht mehr blutig, sondern eher gelblich und schleimig. [2,3]
- Metöstrus – Nachbrunst: Bei der Nachbrunst schwillt die Vulva wieder ab und der Ausfluss endet langsam. Die Phase dauert etwa neun bis zwölf Wochen. [2,3]
- Anöstrus – Ruhephase: In dieser Phase hat die Hündin keine Symptome und zeigt wieder ihre „normalen“ Verhaltensweisen. Die Ruhephase dauert mehrere Wochen bis Monate und endet mit Beginn der nächsten Vorbrunst. [2,3]
Wie lange ist eine Hündin nach einer Blutung fruchtbar?
In der Regel ist eine Hündin fünf bis zehn Tage lang fruchtbar, während sie sich in ihrer Brunst befindet. Für Laien ist es allerdings schwierig zu erkennen, wann genau eine Hündin fruchtbar ist und für wie lange. Genau feststellen kann dies nur tiermedizinisches Fachpersonal. Deshalb kommt es immer wieder zu ungewollten Schwangerschaften. In der fruchtbaren Phase muss man extrem aufpassen, denn die Hündin, auch wenn sonst entspannt, kann in dieser Phase erfinderisch werden und beispielsweise beim Spaziergang weglaufen, um einen Rüden zu finden oder auch aus dem heimischen Grundstück ausbrechen.
Tierheime in Deutschland sind bereits überfüllt mit Hunden, die auf ein liebevolles Zuhause warten. Deshalb ist es wichtig, die weitere Zucht von Hunden und anderen Tieren zu verhindern. Durch eine Kastration Ihrer Hündin haben Sie Sicherheit, dass keine ungewollte Schwangerschaft entsteht.
Kann eine Hündin außerhalb der Läufigkeit trächtig werden?
Eine Hündin kann nur trächtig werden, wenn sie läufig ist. Allerdings gibt es auch eine sogenannte „stille Läufigkeit“. Dabei ist die Hündin fruchtbar, zeigt aber keine Symptome, also es tritt beispielsweise kein Blut aus. Das kommt vor allem bei der ersten Läufigkeit einer Hündin vor. [4]
Auch ein sogenannter „Split-Östrus“ kann vorkommen. Dabei zeigt die Hündin anfangs normale Läufigkeitsanzeichen, die dann abflachen – erst nach einer Pause von ein paar Tagen oder Wochen kommt dann die tatsächliche Östrus-Phase. So bleibt die fruchtbare Phase der Hündin oftmals unersichtlich für die Halter:innen und es kommt zu ungewollten Schwangerschaften. [4]
Warum ist meine läufige Hündin unruhig und fiept?
Wie beim Menschen gibt es auch bei Hunden hormonelle Veränderungen, je nachdem, in welcher Zyklusphase sie sich befinden. Während der fruchtbaren Phase steigt der Östrogenspiegel an, was die Hündin körperlich und psychisch beeinflusst. Viele Hündinnen fühlen sich unsicher und gestresst. Sie haben einen starken Fortpflanzungstrieb, dem sie nachgehen wollen, aber nicht dürfen, was zu Frust führen kann. Dies kann sich beispielsweise durch Unruhe, Fiepen und vermehrtes Hecheln zeigen.
Was ist eine Scheinschwangerschaft?
Nach der Läufigkeit kann eine Hündin Symptome einer Schwangerschaft zeigen, ohne tatsächlich trächtig zu sein. Das nennt man Scheinschwangerschaft. Die Hündinnen beginnen also, ein Nest zu bauen und Milch zu produzieren. Teilweise suchen sie sich ein Stofftier aus und nutzen dies als ihren Ersatzwelpen. Manche Hündinnen werden anhänglicher oder unruhig, andere aggressiv, weil sie ihre Ersatzwelpen beschützen möchten. Zudem leiden viele Hündinnen an Appetitlosigkeit und können auch apathisch werden.
Der Grund dafür ist der sinkende Spiegel des Hormons Progesteron und der ansteigende des Hormons Prolaktin. Eine Scheinschwangerschaft kann um die sechs Wochen andauern. Bei starken Symptomen und wiederkehrenden Scheinschwangerschaften sollten Sie auf jeden Fall tiermedizinisches Fachpersonal zu Rate ziehen, denn Scheinschwangerschaften können das Risiko für Gesäugetumore erhöhen und in schlimmen Fällen depressives Verhalten hervorrufen. [2] Scheinschwangerschaften können durch eine Kastration verhindert werden.
Warum eine Kastration wichtig ist
Die Kastration ist ein medizinischer Eingriff, bei dem ein Körperteil entfernt wird. Sie sollte daher in jedem Fall medizinisch indiziert sein und nur nach einem ausführlichen Beratungsgespräch mit tiermedizinischem Fachpersonal und zum geeigneten Zeitpunkt erfolgen. Dabei ist zu bedenken, dass eine Kastration das Verhalten des Hundes verändern kann.
Gleichzeitig bringt sie viele Vorteile: Das Risiko von Krebserkrankungen kann gesenkt werden, Stress durch Zyklus und mögliche Scheinschwangerschaften wird vermieden und es wird sichergestellt, dass es nicht zu einer Schwangerschaft kommt. Deutsche Tierheime sind bereits jetzt überfüllt mit Tieren, die auf ein liebevolles Zuhause warten. Wir appellieren deshalb an alle, keine weiteren Hunde oder andere Tiere zu züchten oder bei Züchter:innen zu kaufen.
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Quellen
[1] Martin Rütter (04.06.2024): Wann wir die Hündin das erste Mal läufig? https://www.martinruetter.com/ratgeber/wissenswertes/wann-wird-die-huendin-das-erste-mal-laeufig (eingesehen am 04.12.2025)
[2] Tierarzt Kloss: Läufigkeit beim Hund, https://www.tierarzt-kloss.de/nc/tierarztpraxis-heidi-kloss/laeufigkeit-beim-hund/ (eingesehen am 04.12.2025)
[3] Gesundheitszentrum für Kleintiere Lüdinghausen (23.08.2018): Wechseljahre beim Hund – Läufigkeit der Hündin, https://www.gesundheitszentrum-fuer-kleintiere-luedinghausen.de/tierarztblog/artikel/wechseljahre-laeufigkeit-der-alten-huendin.html (eingesehen am 04.12.2025)
[4] Tiermedizin Portal: Läufigkeit beim Hund – Der Zyklus der Hündin, https://www.tiermedizinportal.de/magazin/laufigkeit-beim-hund-der-zyklus-der-hundin (eingesehen am 04.12.2025)