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Alpakawolle: alles über die Qualzucht und grausame Schur

alpaka bei schur

Peru ist mit einem Anteil von 80 % der weltweit führende Produzent von Alpakawolle. [1] Zu diesem Zweck werden in dem südamerikanischen Land vier Millionen Alpakas gehalten. [2]

Mit 85 % lebt der überwiegende Teil der Alpakas auf Farmen mit weniger als 50 Tieren. Diese Farmen werden von kleinen Familien betrieben [3], die in ärmlichen Verhältnissen leben [2] und eine ausreichende Versorgung der Tiere nicht immer sicherstellen können. Mangelhafte tierärztliche Behandlung, unzureichende Mengen an ausgewogener Nahrung oder Wasser, sowie fehlende Unterstellmöglichkeiten führen bei den Alpakas zu hohen Sterberaten. Besonders deutlich zeigen sich diese Probleme bei Dürren oder Kältewellen, in denen zehntausende Tiere verhungern oder erfrieren können. [4]

15 % der peruanischen Alpakawolle-Produktion wird auf größeren, kommerziellen Farmen mit mehr als 50 Tieren betrieben. [3] Auf einer solchen Farm, mit mehr als 4.000 Tieren [5], konnte PETA USA schockierende Standardpraktiken dieser Industrie aufdecken. Aufnahmen zeigen beispielsweise, wie Tiere geschlagen, getreten oder an ihren empfindlichen Schwänzen hochgehoben werden.

Alpakas: Qualzucht für die Wollindustrie

Als domestizierte Art des südamerikanischen Kamels Vikunja kommen Alpakas in der freien Natur nicht vor. Um dem Menschen als Wolllieferant zu dienen, wurde ihnen ein dichteres Fell angezüchtet. Zudem wurde ihr natürlicher Fellwechsel weggezüchtet. Daher müssen Alpakas geschoren werden und sind somit vom Menschen abhängig. Der Zeitpunkt der Schur entscheidet sowohl über das Wohlbefinden der Tiere als auch über Leben und Tod. Schert man die dichte Wolle zu spät, können die Tiere in Hitzeperioden unter Überhitzung leiden; tritt jedoch eine plötzliche Kältewelle ein, können ganze Herden erfrieren und sterben [6] – insbesondere dann, wenn ihnen durch die Schur das schützende Wärmekleid geraubt wurde. [7]

alpaka bei schur

Alpakas spucken vor Panik während der Schur

Alpakas sind sehr freundliche und gutmütige Tiere mit einem stark ausgeprägten Sozialverhalten, weshalb sie zusammen mit Artgenossen in Herden leben. Sie sind sehr neugierig und spucken, wenn sie sich bedroht fühlen. So auch bei der Schur, die bei den sensiblen Fluchttieren massiven Stress und Panik auslöst. Weil sich die Tiere wehren, werden sie für die Schur bewegungsunfähig gemacht und dazu häufig mit ausgestreckten Beinen auf einer Vorrichtung fixiert, die einer mittelalterlichen Streckbank gleicht. Oftmals schreien sie lauthals und spucken vor Angst. Einigen Tieren wird daher zusätzlich ein Beutel über das Maul gestülpt. [8] Eine Untersuchung der Veterinärmedizinischen Universität Wien konnte wissenschaftlich bestätigen, dass Alpakas während der Schur unter enormem Stress stehen. Sie bekommen schon Angst, wenn sie das Schurgerät nur hören. Wenn sie für die Schur bewegungsunfähig gemacht und festgebunden werden, leiden die Tiere besonders stark.  [9]

Alpaka-Wolle

Während auf großen Farmen meist elektrisches Scherwerkzeug zum Einsatz kommt, nutzen kleinere Farmer auch Glasscherben, Bleche oder Scheren für die Schur, wodurch für die Tiere eine erhöhte Verletzungsgefahr besteht. [10] Da die Scherer oftmals nicht pro Stunde, sondern pro Tier bezahlt werden, führt das schnelle Abfertigen der Tiere auch auf großen Farmen zu blutigen Wunden, die ohne Schmerzmittel und ausreichende Hygiene provisorisch zugenäht werden. Zudem kann es vorkommen, dass auch Brustwarzen oder Augenlider in der Eile des Gefechts abgetrennt werden.

Alpakas werden für die Wollindustrie getötet

Alpakas werden hauptsächlich ihrer Wolle wegen gezüchtet. Während ihre natürliche Lebenserwartung 15 bis 20 Jahre beträgt, werden die Tiere in der Wollindustrie in der Regel mit sieben bis acht Jahren getötet, sobald ihr Wollwachstum nachlässt und sie nicht mehr profitabel genug sind. [11] Während auch die Tötung in einem Schlachthof grausam und mit einer hohen Fehlbetäubungsrate verbunden ist, wird in Südamerika ein Großteil aller Alpakas nicht in einem regulierten Schlachthof getötet. Stattdessen wird ihnen häufig bei vollem Bewusstsein die Kehle aufgeschlitzt und sie bluten langsam aus. Auch traditionelle Tötungsmethoden, bei denen Alpakas ein Messer in den Nacken gestoßen wird, um ihre Halswirbelsäule zu durchtrennen, sind in Südamerika noch immer verbreitet. [12]

alpaka bei schur

Alpaka-Wolle: katastrophale Umweltbilanz

Als Teil der landwirtschaftlichen Tierhaltung, die mehr CO2 als der gesamte Verkehrssektor ausstößt, gehört die Produktion von Alpakawolle zu einem enormen Treiber der menschengemachten Klimakatastrophe. Der Higg Index vergleicht die Umweltkosten zahlreicher Textilfasern und sieht Alpaka auf Platz zwei der umweltschädlichsten Textilien – direkt hinter Seide. Das liegt einerseits daran, dass die Alpaka-Produktion einen enormen Flächenverbrauch hat und die Tiere andererseits – genau wie Rinder – Wiederkäuer sind und als solche Unmengen an Methan ausstoßen. Außerdem enthalten die Ausscheidungen von Alpakas besonders viel Nitrat, was zu einer Versäuerung von Böden und Gewässern führt. Dadurch wird das Wachstum von Algen angeregt, die pflanzliches und tierisches Leben in den Gewässern töten und das Grundwasser unbrauchbar machen.

Alpakas in Deutschland

Alpakas sind „Trend“. Dazu trägt vor allem ihr sympathisches Aussehen sowie ihre sanfte Natur bei. Nach Deutschland sind sie erstmals in den 1990er-Jahren gekommen; seitdem ist ein kleiner Nischenmarkt entstanden, der von der Landschaftspflege [13] über die Nutzung als „Hobbytiere“ [14] und „Therapietiere“ bis hin zur Wollproduktion reicht. Vor allem Letzteres spielt auf dem internationalen Markt jedoch keine Rolle, da die hierzulande produzierte Menge viel zu gering ist.  [15]

Probleme entstehen in der Haltung oftmals aufgrund der Boden- und Pflanzenstruktur in Deutschland. Da die Zähne von Alpakas das ganze Leben lang nachwachsen, unser Gras jedoch zu weich ist, findet keine ausreichende Abnutzung statt, was bei mangelhafter Kontrolle und Pflege zu einer Fehlstellung des Gebiss führt. Ähnliches gilt für ihre Zehennägel, die auf den weichen Böden kaum abgenutzt werden und sich deshalb schmerzhaft biegen und einreißen können.

Was Sie tun können

Obwohl Alpakas im „Trend“ liegen, darf nicht übersehen werden, dass die Produktion von Alpakawolle mit enormen Tierleid verbunden ist und zur Verstärkung der menschengemachten Klimakatastrophe beiträgt. „Tierfreundliche“ oder „nachhaltige“ Alpakawolle gibt es nicht. Glücklicherweise sind jedoch zahlreiche pflanzliche und synthetische Textilien erhältlich, die ohne das Leid in der Wollindustrie auskommen, darunter recycelte oder biologisch angebaute Baumwolle, Hanf, Acryl, Nylon, Modal, Sojaseide und Viskose/Rayon. Ethisch orientierte Verbraucher können ihre Stimme bei jedem Einkauf daher ohne Weiteres für die Tiere und eine nachhaltigere Welt abgeben.


[1] Grand View Research: Alpaca Fiber Market Size, Share & Trends Analysis Report By Application Analysis, Regional Outlook, Competitive Strategies, And Segment Forecasts, 2019 To 2025, https://www.grandviewresearch.com/industry-analysis/alpaca-fiber-market, (eingesehen am 09.11.2020)
[2] AP News: In Peru’s Andes, bitter cold devastates alpaca farmers, https://apnews.com/article/c91d22d52263485f9d47dcde7e1e78e5, (eingesehen am 09.11.2020)
[3] The Council of Fashion Designers of America: Alpaca, https://cfda.com/resources/materials/detail/alpaca, (eingesehen am 09.11.2020)
[4] Aljazeera: Cold weather kills 180,000 alpacas in Peru, https://www.aljazeera.com/news/2017/1/14/cold-weather-kills-180000-alpacas-in-peru, (eingesehen am 09.11.2020)
[5] Mallkini, https://mallkini.com.pe/wo-en/mallkini-exists-alpaca-farm-and-adventure, (eingesehen am 09.11.2020)
[6] National Public Radio: Tens Of Thousands Of Alpacas Die In Peruvian Cold Snap, https://www.npr.org/sections/thetwo-way/2016/07/21/486910805/tens-of-thousands-of-alpacas-die-in-peruvian-cold-snap?t=1604064211101, (eingesehen am 09.11.2020)
[7] Cambridge University: Relationships between integumental characteristics and thermoregulation in South American camelids, https://www.cambridge.org/core/journals/animal/article/relationships-between-integumental-characteristics-and-thermoregulation-in-south-american-camelids/421805A5DAE6E79872C53F07C07290C1#fndtn-information, (eingesehen am 09.11.2020)
[8] The Oregonian: Alpaca shearing season arrives at Oregon farms, https://www.oregonlive.com/business/2010/04/alpaca_shearing_season_arrives.html, (eingesehen am 09.11.2020)
[9] Science Daily: Shearing of alpacas is necessary, but also stressful, https://www.sciencedaily.com/releases/2017/05/170512100416.htm, (eingesehen am 09.11.2020)
[10] FAO: Genetic improvement for alpaca fibre productionin the Peruvian Altiplano - the Pacomarcaexperience, https://www.researchgate.net/publication/231832992_Genetic_improvement_for_alpaca_fibre_production_in_the_Peruvian_Altiplano_the_Pacomarca_experience, (eingesehen am 09.11.2020)
[11] RIRDC: The Peruvian Alpaca Meat and Hide Industries – A travel report, https://www.agrifutures.com.au/wp-content/uploads/publications/01-019.pdf, (eingesehen am 09.11.2020)
[12] Meat Science: Pathophysiology of penetrating captive bolt stunning in Alpacas, https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0309174014004707, (eingesehen am 10.11.2020)
[13] Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege: Beweidung mit Lamas und Alpakas, https://www.anl.bayern.de/fachinformationen/beweidung/7_10_lama_alpaka_beweidung.htm, (eingesehen am 09.11.2020)
[14] Alpakas am Frauenstein: Warum züchtet man Alpakas, https://www.alpakas-am-frauenstein.de/alpakas/warum-zuechtet-man-alpakas/index.html, (eingesehen am 09.11.2020)
[15] Süddeutsche Zeitung: Wirtschaftsfaktor der Alpakas in Deutschland - Das Gold der Inka, https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaftsfaktor-alpakas-in-deutschland-das-gold-der-inka-1.1008641-0#seite-2, (eingesehen am 09.11.2020)

Unsere Autoren

Patrick Nowey

Patrick ist seit mehr als zehn Jahren ehrenamtlich in der Tierrechtsbewegung aktiv. Nach Abschluss seines Studiums der Sozialwissenschaften (B.A.) an der Universität Augsburg beschloss er, sein Engagement für Tierrechte zum Beruf zu machen und ist seither als Fachreferent für Tiere in der Bekleidungsindustrie bei PETA Deutschland tätig.