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Artensterben: Warum sind so viele Tierarten vom Aussterben bedroht?

Neben dem Klimawandel ist das Artensterben heute eine der größten Bedrohungen für unsere Welt. Insgesamt drohen eine Million Tierarten innerhalb der nächsten zehn Jahre auszusterben – damit hätten wir das größte Artensterben seit dem Ende der Dinosaurierzeit. [1] Doch was bedroht die Artenvielfalt und was können wir tun, um so viele Arten wie möglich zu schützen?

Jeden Tag sterben 150 Tierarten aus

Nach Angaben des NABU sterben jeden Tag etwa 150 Arten unwiderruflich aus. Damit sterben die Arten 1.000 mal schneller, als neue Arten entstehen. [2]

Zudem stehen auf der roten Liste der bedrohten Tierarten mittlerweile über 30.000 Arten – und damit mehr als je zuvor. [3] Dazu zählen ein Viertel aller Säugetierarten und ein Achtel der Vogelarten. Auch 40 Prozent der Amphibienarten und 30 Prozent der Haie und Rochen sind akut vom Aussterben bedroht. [1] In Deutschland sind unter anderem der Schweinswal, die Smaragdeidechse, die Geburtshelferkröte, die Fledermausart Graues Langohr und der Schwarze Apollofalter stark gefährdet.

Graues Langohr
Graues Langohr

Warum sind Arten vom Aussterben bedroht?

Zwar ist das Aussterben von Arten ein natürlicher Prozess, doch durch menschliche Aktivitäten wird dieser Vorgang extrem beschleunigt. Seit Anbeginn der Zivilisation hat die Menschheit den Verlust von 83 Prozent aller wildlebenden Säugetiere, 80 Prozent der Meerestiere und 15 Prozent der Fische verursacht. [4] Die Zerstörung von Lebensräumen, der menschengemachte Klimawandel und die Überfischung und Wilderei sind mitverantwortlich für die derzeitige Artenkatastrophe.

Landwirtschaft, Bergbau und Städtebau tragen zur Vernichtung der Lebensräume vieler Arten bei. Im Amazonas-Regenwald verlieren unzählige Tiere ihren Lebensraum, weil dort hektargroße Waldflächen hauptsächlich für die Tierwirtschaft gerodet werden. Denn für Tierprodukte wie Fleisch, Milch und Eier werden in diesen Gebieten Futtermittel wie Soja angebaut und Flächen zur Weidehaltung genutzt.

Waldrodung für Landwirtschaft
Das Legen von Zufahrtsstraßen zwischen Weiden, Anbaugebieten und Abholzungsgebieten zerteilt die Lebensräume der Wildtiere, verkleinert sie damit und verhindert die Ausbreitung der Arten. Auch in Deutschland zerstört die konventionelle Land- und Tierwirtschaft die Lebensräume vieler Arten und verschmutzt Luft, Boden und Gewässer durch Dünger, Pestizide und Herbizide. [1] Auch die Tierwirtschaft an sich fördert das Artensterben: 60 Prozent aller Säugetiere auf der Erde sind sogenannte Nutztiere, meist Rinder und Schweine, 36 Prozent sind Menschen und nur 4 Prozent sind Wildtiere. [4]

Neben dem Lebensraumverlust hat auch der Klimawandel einen großen Einfluss auf die Artenvielfalt. So könnte die menschengemachte Erderwärmung bereits 5 Prozent aller Arten auslöschen, wenn sich die Temperatur um 2 Grad Celsius erhöht. [5] Auch hier ist die Tierwirtschaft in der Verantwortung, denn sie zählt zu den Hauptverursachern der Umweltkrise. So erzeugen allein die fünf größten Fleisch- und Milchkonzerne mehr CO2-Emissionen als multinationale Ölkonzerne. [6]

Jagd und Fischerei bringen das ökologische Gleichgewicht völlig durcheinander; zudem schrecken Jäger und Angler auch nicht davor zurück, bedrohte Arten zu töten. Die Wilderei, wie auch die legale Jagd, auf Tiere wie Elefanten, Eisbären oder Tiger bedroht diese Arten stark. [1] Forscher haben Daten zu über 300 Großtierarten weltweit ausgewertet und kamen zum Ergebnis, dass 59 Prozent dieser Populationen akut vom Aussterben bedroht sind, weil der Mensch gezielt Jagd auf sie macht. [7]
 

So können wir Arten schützen

Unser Konsum hat einen großen Einfluss auf die Umwelt und Artenvielfalt. Jeder Einzelne von uns trägt dazu bei, dass Plastik im Meer landet, dass sich die Erde erwärmt und dass die Lebensräume von Tieren und Menschen zerstört werden. Durch ein bewusstes Konsumverhalten und den Kauf umweltfreundlicher Produkte können wir konkret dabei helfen, Arten zu schützen.

Da die Tierwirtschaft Verursacher unzähliger Naturprobleme ist, tragen eine pflanzliche Ernährung und eine vegane Lebensweise dazu bei, die Umwelt und die Lebewesen auf unserem Planeten nachhaltig zu schützen.



[1] WWF: Artenschutz und biologische Vielfalt, https://www.wwf.de/themen-projekte/artenschutz-und-biologische-vielfalt/, (eingesehen am 19.06.2020)
[2] NABU (02.03.2020): NABU: Jeden Tag verschwinden 150 Arten / Krüger zum Tag des Artenschutzes: Bundesregierung muss handeln, bevor es zu spät ist, https://www.verbaende.com/news.php/NABU-Jeden-Tag-verschwinden-150-Arten-Krueger-zum-Tag-des-Artenschutzes-Bundesregierung-muss-handeln-bevor-es-zu-spaet-ist?m=133339, (eingesehen am 19.06.2020)
[3] WWF (13.12.2019): Die Rote Liste bedrohter Tier- und Pflanzenarten, https://www.wwf.de/themen-projekte/weitere-artenschutzthemen/rote-liste-gefaehrdeter-arten/, (eingesehen am 19.06.2020)
[4] The Guardian (21.05.2018): Humans just 0.01% of all life but have destroyed 83% of wild mammals – study, https://www.theguardian.com/environment/2018/may/21/human-race-just-001-of-all-life-but-has-destroyed-over-80-of-wild-mammals-study, (eingesehen am 23.06.2020)
[5] Spiegel Wissenschaft (06.05.2019): Eine Million Arten vom Aussterben bedroht, https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/artensterben-uno-bericht-beschreibt-dramatischen-verlust-der-artenvielfalt-a-1265482.html, (eingesehen am 19.06.2020)
[6] Planet Wissen (09.09.2019): Was kann der Einzelne tun?, https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/wirtschaft/kampf_um_nahrungsmittel/pwiewaskanndereinzelnetun100.html, (eingesehen am 12.06.2020)
[7] Süddeutsche (06.02.2019): Tödlicher Hunger auf Fleisch, https://www.sueddeutsche.de/wissen/artensterben-tiere-aussterben-fleisch-jagd-1.4319893, (eingesehen am 23.06.2020)