Schächten, unreine Tiere ... welchen Wert haben Tiere im Islam?

Es kursieren viele Mythen darüber, welchen Stellenwert Tiere im Islam einnehmen und wie der Umgang mit ihnen aussehen sollte. Der Islam ist eine Religion, die Tiere als besonderen Teil der Schöpfung Allahs ansieht. Doch häufig wird gerade das Schächten von Tieren als Beweis gewertet, der Islam sei per se tierfeindlich. Gehen wir den Fragen also einmal auf den Grund.

Fest steht, dass sich im Islam zahlreiche Hinweise auf Mitgefühl und Respekt gegenüber Tieren finden. So soll der Prophet Mohammad besonders Katzen sehr gemocht haben. Tierquälerei wird verurteilt, und der Mensch wird angehalten, Verantwortung gegenüber Tieren und der Umwelt zu übernehmen.(1)

Genau wie in anderen Religionen, gibt es mit Blick auf viele Fragen auch im Islam nicht die eine richtige Antwort, sondern verschiedene Auslegungen. Unterschiedliche Rechtsschulen und Islamgelehrte deuten den Koran und die Sunna auf ihre jeweils eigene Weise und geben ihre Ansichten an die Gläubigen weiter. Diese entscheiden dann ganz individuell, wem sie ihr Vertrauen und somit Glauben schenken.

Gelten Hunde als unreine Tiere?

Hunde werden in Berichten über den Islam immer wieder als „unreine“ Tiere genannt, die nur gehalten werden dürften, wenn sie einen „Nutzen“ erfüllen (z. B. Herdenschutz). Allerdings gibt es auch viele Hinweise, die in eine andere Richtung deuten. So sollen etwa mehrere Personen von Allah und Mohammad dafür belohnt worden sein, notleidenden Hunden zu helfen.(2) Entsprechend gibt es auch unterschiedliche Auslegungen darüber, welche Rolle der Hund im Islam nun einnimmt. Während einige Gelehrte die Hundehaltung verbieten, sehen andere kein Problem darin, und so finden sich in Deutschland, aber auch in mehrheitlich muslimischen Ländern, immer mehr Hunde als tierische Begleiter.
Zu Hunden gibt es ganz unterschiedliche Einstellungen.

Schächten – was ist die Halal-Schlachtung?

Ein besonders heiß diskutiertes Thema ist das Schächten, also die rituelle Schlachtung von Tieren (den Begriff gibt es übrigens auch im Judentum). Fleisch gilt als „halal“ (also als erlaubt oder rechtmäßig), wenn das Tier vollständig ausgeblutet wurde und dafür Luftröhre, Speiseröhre und Arterien am Hals durchtrennt wurden. In einem entscheidenden Punkt sind sich die Gelehrten jedoch uneinig: Einige halten eine vorherige Betäubung des Tieres für zulässig, andere nicht. Immer stärker setzt sich die Meinung durch, dass eine Betäubung nicht gegen Halal-Vorschriften verstößt. Dem stimmt unter anderem das Europäische Halal-Zertifizierungsinstitut (3) zu. Denn Recherchen haben mehrfach gezeigt, welch unsägliche Qualen Tiere beim betäubungslosen Schlachten erleiden. Grundsätzlich ist eine betäubungslose Schlachtung in Deutschland verboten. Weil aber sowohl die freie Religionsausübung als auch der Tierschutz im Grundgesetz verankert sind, wird abgewogen, und es werden Ausnahmegenehmigungen erteilt.

Religiösen Quellen zufolge soll die Halal-Schlachtung gewährleisten, dass die Tiere so wenig wie möglich leiden. Sie sollen vorher und währenddessen keinen Stress empfinden, denn nur das entspricht der islamischen Vorstellung, Tiere mitfühlend zu behandeln. Doch die Praxis zeigt seit jeher: Ein fühlendes Lebewesen zu töten, ist immer mit Gewalt und Leid verbunden. Die Kluft zwischen Theorie und Praxis ist hier genauso groß wie der Unterschied zwischen den offiziellen Aussagen der Fleischindustrie und der Realität im Schlachthof. In vielen Religionen wird die Achtung vor dem Leben gelehrt, doch wenn es darum geht, ein Tier umzubringen, kann Achtung keine Rolle mehr spielen. Tiere schreien, winden sich in Panik, leiden unsägliche Schmerzen.

Besser mit Betäubung?


Es gibt zahlreiche Berichte und Aufnahmen, die belegen: Auch wenn Tiere im Schlachthof betäubt werden, leiden sie unsagbar. Sei es, weil die Betäubung nicht richtig funktioniert oder weil das Betäubungsgerät mehrfach angesetzt werden muss. Selbst in sogenannten Bioschlachthöfen bleiben Tieren die Qualen nicht erspart. Wer sich tierfreundlich ernähren will – ob halal oder nicht –, dem bleibt nur eine Option: eine rein pflanzliche Ernährung. Diese erfüllt auch den im Islam geforderten Respekt gegenüber dem eigenen Körper, der Umwelt und den Tieren. Offizielle Statistiken über die Anzahl der in Deutschland geschächteten Tiere werden nicht geführt. Fest steht jedoch, dass sie einen Bruchteil der insgesamt in Deutschland getöteten Tiere ausmachen. In Niedersachsen etwa verfügt ein einziger Betrieb (4) aktuell über die Ausnahmegenehmigung für das grausame betäubungslose Schlachten. Die Todesqualen von Tieren während der Schlachtung zu einem muslimischen Problem zu machen, verzerrt deshalb die Realität.
 
In allen Schlachthöfen geht es blutig zu – ob halal oder nicht.

Islamische Tierrechtsbewegung

Viele Muslime und Muslima setzen sich für Tierrechte ein. Vor allem immer mehr junge Menschen wollen mehr darüber erfahren, was ihre Religion über Tiere sagt, und teilen diese Informationen mit anderen. 

Die islamische Theologie fordert Mitgefühl und Respekt gegenüber allen Lebewesen. Deshalb ist es nur logisch, dass sich viele gläubige Muslime fragen, ob sie überhaupt Tiere essen sollten – unabhängig von der Schlachtmethode. Denn unschuldige Lebewesen werden zu Opfern der industriellen Fleisch-, Milch- und Eierindustrie. Die meisten von ihnen verbringen ihr ganzes Leben unter trostlosen und schrecklichen Lebensbedingungen, abgeschottet von allem, was das Leben erträglicher machen könnte. Oft leiden sie dabei an schweren Krankheiten. Schon Kinder werden eiskalt geschlachtet: Für Kalbfleisch etwa werden Kühe schon im Alter von wenigen Monaten umgebracht. Tiere werden über hunderte Kilometer, egal bei welchen Witterungen, zum Schlachthof gekarrt und in den Schlachtraum getrieben. Die Tiere können erahnen, dass ihnen etwas Schreckliches bevorsteht, ihre Augen weiten sich vor Angst. Auch wenn wir das Leid der Tiere in den großen und dunklen Ställen und Hallen nicht sehen können, dürfen wir nicht vergessen, dass es existiert!

Was Sie tun können

Wer möchte, dass Tiere mit Respekt und Mitgefühl behandelt werden, sollte auf eine vegane Ernährung umsteigen. Mit unserem kostenlosen Veganstart-Programm erhalten Sie nützliche Tipps und Rezeptideen.


Quellen:
(1) Ibrić, Almir: Bilder und Tätowierungen im Islam. Eine Einführung in die Ethik und Ästhetik des Polytheismusverbots, Wien 2010.
(2) Buḫārī, Sharb 9, Übersetzung nach A. Th. Khoury, So sprach der Prophet, Gütersloh 1988, S. 350.
(3) www.eurohelal.de/images/Dokumente/11%20-%20EHZ%20Halal%20Richtlinien.pdf
(4) www.fraktion.gruene-niedersachsen.de/landtag/plenarinitiativen/artikel/antrag-qualfreies-lebensende-bei-landwirtschaftlich-genutzten-tieren-tierschutzverstoesse-beim-schla.html
(5) themuslimvibe.com/faith-islam/animal-welfare-is-islamic-heres-nine-ways-to-show-your-support