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Neozoen: vom Menschen angesiedelte, gejagte und getötete Tierarten

Neozoen

Sogenannte Neozoen sind gebietsfremde Tierarten, die vom Menschen aus anderen Ländern und Kontinenten nach Deutschland eingeführt wurden und sich in unserer Natur niedergelassen haben. So fühlen sich beispielsweise ausgebrochene oder freigelassene Nachfahren von Waschbären und Nerzen aus der Pelzindustrie inzwischen bei uns heimisch. Auch Wildkaninchen, Sikahirsche, Nutrias sowie zahlreiche Insekten-, Vogel- und Fischarten wurden durch den Menschen in Deutschland angesiedelt.

Leider werden viele dieser Tierarten von Jägern zu sogenannten „invasiven Arten“ degradiert, da sie angeblich Probleme in unserem Ökosystem verursachen. Jagdverbände fordern regelmäßig die unbegrenzte Bejagung von gebietsfremden Tierarten.

Waschbär, Marderhund und Nerz im Kreuzfeuer

Rund 165.000 Waschbären wurden in Deutschland im Jagdjahr 2018/2019 getötet [1] – meist angeblich zum Schutz bedrohter Arten wie der Sumpfschildkröte. Deren Bestand ist jedoch hauptsächlich durch die menschliche Fischerei-, Land- und Forstwirtschaft und die damit einhergehende fortwährende Zerstörung ihres natürlichen Lebensraumes bedroht. Zudem stellt der Waschbär keine wesentliche Gefahr für die Artenvielfalt dar, da er sich der Regel vornehmlich von leichter Beute wie Regenwürmern, Insekten oder Obst ernährt [2, 3, 4].

Neozoen
Ebenso rücksichtslos ist die Jagd auf den eingewanderten Asiatischen Waschbär oder Marderhund. Die Tiere wurden ehemals von russischen Pelzfarmern ausgesetzt und sind in Ostdeutschland heimisch. Rund 28.000 der scheuen Familientiere fielen 2018/2019 der Jagd zum Opfer [1], obgleich bisher keine großen negativen Auswirkungen des früchteliebenden Allesfressers auf das Ökosystem nachgewiesen wurden.
 
Neozoen
Bereits ab 1920 flohen Amerikanische Nerze aus den winzigen Drahtkäfigen von Pelzfarmen und breiten sich seitdem in den ostdeutschen Bundesländern aus. Ihre evolutionär stärkere Durchsetzungskraft gegenüber dem Europäischen Nerz, der durch die Pelzindustrie und menschliche Lebensraumzerstörung fast ausgerottet war, wurde ihnen jedoch zum Verhängnis. Bodenbrütende Vogelarten haben sich durch Vermeidungsstrategien an den Nerz teilweise angepasst, sodass keine großen negativen Auswirkungen durch die Tiere bekannt sind.
 
Neozoen

Wildkaninchen, Damhirsche und Nutrias zu tausenden getötet

Wildkaninchen wurden bereits in der Antike von den Römern in Europa angesiedelt und haben sich über die Jahrhunderte an unser Ökosystem angepasst [5]. Obwohl die Population der Tiere durch natürliche Feinde, Krankheiten und Nahrungsverfügbarkeit reguliert wird, töteten Jäger im Jagdjahr 2018/2019 etwa 70.000 Wildkaninchen [1]. Auch andere sogenannte Neozoen wie Damhirsche, Sikahirsche, Mufflons und Nutrias finden in Deutschland keine Ruhe und werden von Jägern zu tausenden auf grausame Weise getötet.

Tierquälerische Giftköder, Schusswaffen oder der qualvolle Fallenfang fügen den Tieren unfassbares Leid zu und haben sich bei der Bekämpfung gebietsfremder Tierarten zudem langfristig als wirkungslos herausgestellt. Effektiver Arten- und Naturschutz ist in erster Linie durch die Wiederherstellung zusammenhängender natürlicher Lebensräume für Flora und Fauna möglich.

Was Sie tun können

  • Wenden Sie sich an den Landtagsabgeordneten Ihres Wahlkreises und bitten Sie ihn höflich, sich für den Schutz der Waschbären auf Landesebene einzusetzen.
  • Grundstücks- und Waldbesitzer in Deutschland können die Jagd auf ihrem Privatbesitz verbieten.
  • Geben Sie den Tieren Ihre Stimme, indem Sie unsere Petition unterschreiben und dabei helfen, dass grausame Totschlagfallen endlich bundesweit verboten werden.

[1] Deutscher Jagdverband: Jagdstatistik 2018/19, https://www.jagdverband.de/sites/default/files/2020-02/2020-02_Infografik_Jahresjagdstrecke_Bundesrepublik_Deutschland_2018_2019.jpg, (eingesehen am 09.10.2020)
[2] Michler B. (2015): Unsuspicious immigrant or ecological threat: A long-term fieldwork study on the introduced raccoon in Germany ECM Stockholm 2015
[3] Michler, B.A.; Michler, F.-U.; Rieger, S. & Roth, M. (2014): Effects of raccoon settlement in Germany - a closer look at the ecology of an unfamiliar invasive species. - In: Ulbrych, L.; Jankow, W.; Zalewski, A.; Wypychowski, K. (eds.): Ekologia i wplyw na srodowisko gatunków inwazyjnych. - Park Narodowy "Ujscie Warty", pp. 69-71. Abstract
[4] Badische Zeitung (2017): Invasive Art Jetzt streunen die Waschbären durch unsere Wälder, http://www.badische-zeitung.de/suedwest-1/jetzt-streunen-die-waschbaeren-durch-unsere-waelder--135843094.html, (eingesehen am 09.10.2020)
[5] Deutscher Jagdverband: Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus), https://www.jagdverband.de/zahlen-fakten/tiersteckbriefe/wildkaninchen-oryctolagus-cuniculus, (eingesehen am 09.10.2020)