Tierquälerei für Halal-Fleisch: Strafverfahren gegen Verantwortliche der Schäferei Karl Kurz
Wir von PETA Deutschland berichteten bereits im Winter 2023 über tierquälerische Zustände in einem Schlachtbetrieb in Baden-Württemberg: Uns zugespieltes Bildmaterial dokumentierte grausame Fälle von illegalem Schächten und unzureichender Betäubung im Landkreis Ludwigsburg in Eberdingen – zu sehen sind fehlbetäubte und gänzlich betäubungslos getötete Tiere.
Am 20. Juli 2026 findet am Amtsgericht Vaihingen an der Enz die Hauptverhandlung im Strafverfahren (Aktenzeichen 1 Ds 258 Js 965/23) gegen Verantwortliche der Schäferei Karl Kurz statt. Nachdem wir Anfang 2023 von der Tierquälerei berichtet hatten, wurde der Betrieb zwischenzeitlich geschlossen, doch mittlerweile wird vor Ort wieder Fleisch verkauft – wo und von wem diese Tiere getötet werden, ist unklar. Jedoch sind auf dem Gelände weiterhin Dutzende Lämmer und Schafe untergebracht.
Angeklagt sind ein Mitarbeiter wegen Verstoßes gegen § 17 Nr. 2 a, b Tierschutzgesetz in fünf Fällen und der Betreiber wegen einer Strafbarkeit durch Unterlassen, weil die Staatsanwaltschaft nach dem Ergebnis der Ermittlungen davon ausgeht, dass er Kenntnis vom Schächten der Tiere ohne Betäubung gehabt habe.
„Drei Jahre nach unserer Anzeige müssen sich Verantwortliche der Schäferei Karl Kurz, die Schafen ohne Betäubung die Kehle durchtrennt haben sollen, endlich vor Gericht verantworten. Wir hoffen auf empfindliche Strafen sowie Tierhalte- und ‚Schlachtverbote‘ für das unsägliche Leid, das sie zahlreichen Schafen angetan haben sollen.“
Lisa Kainz, Agrarwissenschaftlerin bei PETA Deutschland
Wir fordern ein Tierhalte- und Betreuungsverbot für die Verantwortlichen sowie ein Ende des Fleischverkaufs vor Ort. Wer Tiere vor einem qualvollen Tod im Schlachthof bewahren will, entscheidet sich für eine tierfreundliche vegane Lebensweise.
Das uns vorliegende Material zeigt die Tötung von Schafen, die unter Todesangst leiden:
Einzelne Schafe werden betäubungslos geschächtet, indem ihre Kehle aufgeschlitzt wird.
Die Tiere werden auf Metalltischen fixiert, dann wird ihnen die Luft- und Speiseröhre sowie die Halsschlagader durchtrennt. Es beginnt eine minutenlange Phase der Todesangst.
Während weitere Schafe neben ihnen aufgeschnitten werden, liegen die Tiere da und verbluten langsam. Aufgrund der liegenden Haltung und der Position des Halsschnitts wird der qualvolle Prozess durch den Blutentzug in die Länge gezogen, bis die Bewusstlosigkeit bzw. der Tod eintritt. Die Schafe treten um sich, richten ihren Körper auf, versuchen der Situation zu entkommen – doch vergeblich.
Ab und zu kommen Angestellte und schneiden noch einmal in ihre Kehle – die Schmerzen müssen unvorstellbar schlimm sein.
Darüber hinaus zeigen die Aufnahmen zahlreiche Fälle, in denen Schafe offenbar unzureichend betäubt wurden. Unmittelbar nachdem die Betäubungszange angesetzt und die Tiere auf den Entblutungstisch geworfen wurden, sind Bewegungen zu sehen, die erkennen lassen, wie sie ihr Wahrnehmungs- und Empfindungsvermögen zurückerlangen. Dies liegt daran, dass in diesen Fällen die Zange inkorrekt angesetzt wurde oder die Betäubungszeit nicht ausreichend war – beides ist auf den Videos teils erkennbar.
Videomaterial aus einem Schlachtbetrieb in Eberdingen deckt massive Tierquälerei auf.
Die unzureichende Betäubung fügt den Tieren die gleichen Schmerzen zu wie ihren Artgenossen, die geschächtet werden. Die grausamen Szenen zeigen bei gänzlich betäubungslosen oder fehlbetäubten Schafen ähnliche Abwehrreaktionen und den gleichen verzweifelten Todeskampf.
Eines ist unverkennbar: Die Betäubung wird bei keinem einzigen Schaf kontrolliert. Und kein einziges Tier wird nachbetäubt, was die einzige Möglichkeit darstellt, um eine Fehlbetäubung von normalen Muskelzuckungen zu unterscheiden.
Die Aufnahmen zeigen außerdem einen Mann, der sich während der Tötung von Tieren, die zuvor betäubt wurden, Notizen auf einem Klemmbrett macht. Ob zu dieser Zeit eine Kontrolle, möglichweise durch das zuständige Veterinäramt, stattgefunden hat, muss nun die Staatsanwaltschaft prüfen. Genau wie andere, teils betriebsfremde, Personen trägt auch dieser Mann keine Schutzkleidung. Es verwundert nicht, dass der Tierschutz in diesem Betrieb ganz offensichtlich vernachlässigt wird, wenn nicht einmal Hygieneschutzmaßnahmen eingehalten werden.
Skalpiertes Schaf, schreiende Ziege und schwangere Schafe
Einige Tötungen machen uns besonders fassungslos. Auf den Aufnahmen sind betriebsfremde Personen zu sehen, die unsachgemäß und ohne Schutzkleidung den Hals eines Schafsbocks regelrecht durchsäbeln. Das Tier wird skalpiert, obgleich es noch deutliche Anzeichen von Bewusstsein zeigt. Es muss Schmerzen erlitten haben, die sich niemand von uns auch nur ansatzweise vorstellen kann. Bei dieser Tötung ist zudem ein kleines Kind anwesend.
Wie das Videomaterial zeigt, wurden in diesem Schlachthof offenbar auch schwangere Schafe getötet. Obgleich die Tötung von Schafen während der Schwangerschaft gesetzlich nicht verboten ist, ist diese Praxis für uns nicht nachvollziehbar. Die ungeborenen Lämmer wurden zusammen mit den restlichen Innereien offenbar wie Müll entsorgt.
Andere Aufnahmen zeigen eine Ziege, die unter lauten Schreien ins Schlachthaus getragen und grob auf dem Metalltisch fixiert wird. Erst nach dem dritten Anlegen der Betäubungszange verstummen ihre Schreie.
Verängstigte Schafe und roher Umgang im Wartestall
Der allgemeine Umgang mit den Tieren im vorgelagerten Wartebereich ist äußerst grob. Die Schafe sehen, hören und riechen den Tod ihrer Artgenossen, die nur wenige Meter entfernt im Schlachtraum um ihr Leben kämpfen. In unmittelbarer Nähe der Tiere im Wartebereich steht ein Ständer, über dem das frisch abgezogene Fell von gerade getöteten Tieren aus ihrer Herde hängt.
Die Schafe versuchen panisch, den Fangversuchen zu entkommen. Einige von ihnen werden mithilfe von Anhängern grob gezogen und unter Schmerzen aus dem Wartestall in den Schlachtraum gezogen. Viele werden an ihrem empfindlichen Vlies, also ihrer Wolle, gezerrt und getragen. Dies ist verboten, denn es ist, als würde man uns Menschen an den Haaren schleifen und in die Höhe ziehen.
Schafe sind sensible Fluchttiere, für die die Trennung von ihrer Herde mit großem Stress und Angst verbunden ist. All diese Strapazen, Ängste, Qualen und letztlich den verzweifelten Todeskampf erleiden Schafe und andere Tiere aus einem einzigen Grund: weil wir Menschen ihr Fleisch essen wollen.
PETA erstattet Anzeige und fordert harte Strafen
Wir von PETA Deutschland haben Strafanzeige gegen die Beteiligten erstattet und fordern für diese Taten hohe Haftstrafen. Wer Tiere quält und ihre Rechte missachtet und mit Füßen tritt, muss mit Strafen rechnen, die über Geldbußen hinausgehen. Daneben fordern wir das Veterinäramt Ludwigsburg auf, gegenüber den Verantwortlichen ein Tierbetreuungs- und erforderlichenfalls Tierhalteverbot auszusprechen. Diese Menschen dürfen nie wieder die Erlaubnis erhalten, mit Tieren zu arbeiten – alles andere ist inakzeptabel.
Der Eberdinger Schlachtbetrieb wurde nach der Meldung an das Veterinäramt vorerst geschlossen. Leider war diese Schließung nur temporär, weshalb es den Tieren nur hilft, wenn wir alle unser Ernährungsverhalten ändern und keine tierischen Produkte konsumieren. Denn sonst werden die Schafe einfach in einem anderen Schlachthof getötet – und das womöglich unter denselben oder noch grausameren Bedingungen.
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Tierqual und Fehlbetäubungen in deutschen Schlachthäusern betreffen uns alle
Laut Bundesregierung sind je nach Betäubungsart 3,3 bis 12,5 Prozent der Schweine und 4 bis über 9 Prozent der Rinder nicht ausreichend betäubt, wenn sie kopfüber an einem Bein aufgehängt werden und ihre Kehle durchtrennt wird. [1] In absoluten Zahlen bedeutet dies jährlich über 300.000 Rinder und bis zu 6 Millionen Schweine. Da es jedoch keine Pflicht zur Statistikführung über unzureichende Betäubungen gibt, liegt die Dunkelziffer wahrscheinlich weitaus höher.
Für andere Tierarten, wie etwa Schafe oder befiederte Tiere, wurde bislang noch keine Fehlbetäubungsrate ermittelt. Alleine diese Tatsache verdeutlicht erneut die Gleichgültigkeit, die Verantwortliche dem haarsträubenden Problem der Fehlbetäubung entgegenbringen.
Angesichts der entsetzlichen Aufnahmen aus dem Eberdinger Schlachtbetrieb wird deutlich, dass das Thema Tierleid in deutschen Schlachtbetrieben nicht zum Problem muslimischer oder jüdischer Gemeinden gemacht werden sollte. Vor dem Hintergrund täglicher Fehlbetäubungen in deutschen Schlachthäusern, die einer Schächtung nahezu gleichkommen, wäre dies eine Realitätsverzerrung. Das Schächten von Tieren ist laut Tierschutzgesetz generell verboten, und nur in höchst seltenen Fällen und unter hohen Hürden werden Ausnahmegenehmigungen erteilt. Im Gegensatz dazu sind Grausamkeit und Fehlbetäubungen leider Alltag an deutschen Schlachthöfen.
Vegan werden und die Tierquälerei in der Ernährungsindustrie verringern
Solange es Schlachthäuser gibt, wird es Tierleid geben. Bitte leben Sie daher vegan, denn damit tragen Sie aktiv dazu bei, das Leid der Tiere nach und nach zu beenden. Wenn wir alle Tierschutz konsequent zu Ende denken, wird es irgendwann keine Schlachthäuser mehr geben.
Eine vegane Ernährung ist der einfachste und effektivste Weg, um Millionen empfindungsfähiger Lebewesen wie Schafe, Schweine, Hühner und Rinder vor einem Leben voller Leid und nicht erfüllter Bedürfnisse zu bewahren. Mit unserem 30-tägigen Veganstart-Programm erhalten Sie kostenlose Tipps für den veganen Alltag, köstliche vegane Rezepte und spannende Informationen über den positiven Einfluss, den die vegane Ernährung außerdem auf das Klima, die Gesellschaft und Ihre Gesundheit hat.
Lisa Kainz ist studierte Agrarwissenschaftlerin. Bei PETA Deutschland ist sie als Fachreferentin für die Tiere in der Ernährungsindustrie tätig und macht sich für alle Lebewesen stark, egal ob sie muhen, grunzen, gackern oder bellen.