Knochenbrüche und Federpicken: Alltag in der Eierindustrie

Stellen Sie sich vor, Ihre Knochen brechen oder verformen sich schmerzhaft – und niemand hilft Ihnen. Unvorstellbar, oder? Genau das ist jedoch Alltag für die meisten Hennen in der Eierindustrie.

Federpicken und Knochenbrüche – das Leid der Hennen hat viele Gesichter

Viele Menschen wissen heute um die Problematik, dass sich Hühner in der Eierindustrie gegenseitig die Federn ausrupfen. Grund für das Federpicken sind unter anderem die Enge in den Ställen und die Haltung mit hunderten Artgenossen im gleichen Stall. Der dadurch ausgelöste Stress kann bis zum Kannibalismus führen. Ein weiteres schwerwiegendes und tierschutzrelevantes Problem in der Eierindustrie, das weniger bekannt ist, stellt das Brechen oder Deformieren des Brustbeins dar.

Das Brustbein ist der größte Knochen und hält das Skelett der Hühner zusammen. Es nimmt eine Schlüsselfunktion im Körper ein, und Schäden am Brustbein beeinträchtigen das Tier stark.
 

Eines unter vielen – damit die Haltung von Hühnern profitabel ist, dürfen selbst in Biobetrieben bis zu 3.000 Hennen in einem Stallabteil eingesperrt werden.

Qualzucht: Verletzungen am Brustbein kommen in allen Haltungssystemen vor

Die Ursachen für Frakturen oder Deformationen am Brustbein liegen vermutlich zum einen darin, da sich die Hühner in den Ställen oftmals verletzen. Sie stürzen beispielsweise von höheren Ebenen ab, wenn sie panisch vor Artgenossen oder Arbeitern flüchten. Teilweise fehlen rutschfeste Sitzstangen, Hilfen für den Auf- und Abstieg auf höhere oder tiefere Ebenen oder schlichtweg genügend Licht, um beim Anflug alles genau erkennen zu können. Zum anderen wird die Qualzucht auf unnatürlich viele Eier als ein Hauptgrund dafür benannt, dass nahezu 100 Prozent der Hühnergruppen sowohl von Frakturen als auch von Deformationen betroffen sind – und das in jeder Haltungsform [1].

Wie jeder andere Vogel auch, legen ursprüngliche Hühnerrassen nur so viele Eier, wie sie zur Fortpflanzung benötigen. Das sind bei Vorgängern des Haushuhns maximal 20 bis 30 Eier im Jahr – eher weniger. Da diese geringe Menge für die Eierindustrie nicht wirtschaftlich wäre, wurde den Vögeln eine krankmachende „Legeleistung“ von weit mehr als 300 Eiern im Jahr angezüchtet.
 

Kahlgepickt und mit gebrochenem Brustbein – so fristen viele Hennen in der Eierindustrie ihr trauriges Dasein – auch in Biobetrieben.

Für jedes dieser unnatürlich vielen Eier benötigt das Huhn zur Bildung der Eierschale etwa drei Gramm Calcium [1]. Da die Aufnahme von Calcium über die Nahrung natürlicherweise nur begrenzt möglich ist und das überzüchtete Huhn seine Calciumspeicher nicht so schnell wieder auffüllen kann, werden die Knochen entmineralisiert und damit anfälliger für Brüche.

Hennen in der Eierindustrie sind genetisch bedingt also gezwungen, jeden Tag ein Ei zu legen. Es wurde beobachtet, dass Hennen, die durch ein Langzeitimplantat von diesem Zwang befreit wurden, im Gegensatz zu ihren Artgenossen nicht an Frakturen des Brustbeins litten. Dennoch traten auch bei diesen Tieren Deformationen auf, was die Vermutung nahelegt, dass die beiden Krankheitsformen unterschiedliche Ursachen haben könnten [1].

Langzeitimplantate bei Hennen wirken ähnlich wie Hormonpräparate gegen eine mögliche Fortpflanzung bei anderen Tieren. Sie verhindern die Auswirkungen der Qualzucht und sorgen dafür, dass die Hennen keine Eier mehr legen. Dadurch verbessern sich sowohl Gesundheit als auch Lebenserwartung der Tiere meist beträchtlich, was verdeutlicht, dass Hennen unter der Belastung der hohen Eierzahl immens leiden – egal in welcher Haltungsform.

Jedes gekaufte Ei verursacht Leid

Frakturen und Deformationen des Brustbeins führen zu chronischen Schmerzen und eingeschränkter Mobilität, sodass die Henne nicht mehr ausreichend an Nahrung oder Wasser gelangt. Hilfe erhält sie meist jedoch nicht, denn sie ist nur eine von vielen Hunderten oder gar Tausenden in ihrem Stall. Eine einzelne Henne hat für die Betriebe so gut wie keinen wirtschaftlichen Wert und leidet daher still und ungesehen im Legestall – und zwar in jeder Haltungsform. Viele Tiere überleben nicht einmal die Zeit bis zum Tod im Schlachthaus, sondern sterben langsam und qualvoll in den Ställen oder werden von den Betreibern getötet und wie Müll entsorgt. Für die Eierindustrie ist ein Huhn nur von Nutzen, solange es Eier legt. Die Bereitschaft, Tierarztkosten zu übernehmen, die wir für unsere Hunde oder Katzen als selbstverständlich einplanen, gibt es für Tiere in der landwirtschaftlichen Tierhaltung nicht.

SIE haben es in der Hand

Hühner in der Eierindustrie werden nur eingesperrt und getötet, weil Menschen Eier essen. Würden wir die Tiere nicht länger als Nutzungsobjekte betrachten, dann würde die Industrie mit ihrem Leid kein Geld mehr verdienen. Die Legebetriebe wären innerhalb kürzester Zeit leer – und die Supermarktregale gefüllt mit leidfreien Eialternativen.  

Genau wie unsere Hunde und Katzen müssen auch Hühner endlich als Individuen wahrgenommen werden, die das Recht auf ein unversehrtes Leben haben.

Was Sie tun können

Hühner sind intelligente Tiere, die nicht länger zur bloßen Ware degradiert werden dürfen. Helfen Sie den Hühnern, indem Sie Eier und eihaltige Produkte, wie Kekse, Gebäck und Nudeln, von Ihrem Speiseplan streichen. Weitere Informationen finden Sie unter PETA.de/eifrei. Das kostenlose und unverbindliche Veganstart-Programm unterstützt Sie bei einem mühelosen Start in ein veganes Leben mit nützlichen Tipps, interessanten Infos und leckeren Rezepten.
 

  • Quellen

    [1] DGS – Magazin für Geflügelwirtschaft: Brustbeinschäden bei Legehennen – Was das Huhn zusammenhält; Ausgabe 36/2020, erschienen am 5. September 2020