Tierversuche werden immer wieder verharmlost oder als unverzichtbar dargestellt. Es wird behauptet, wir würden Tierversuche brauchen, es gäbe keine Alternativen oder den Tieren ginge es im Labor gut – jedoch sind all diese Aussagen falsch und irreführend. Wir von PETA Deutschland klären Sie über die gängigsten Tierversuchs-Irrtümer auf und berichten Ihnen, wie es den Tieren in Tierversuchslaboren wirklich geht.
Irrtum Nr. 1: „Tiere leiden nicht in Tierversuchen. Unseren Tieren muss es gut gehen, sonst würden wir keine verwertbaren Ergebnisse bekommen“
Oftmals behaupten Menschen, die Tierversuche durchführen, dass es den Tieren gut gehen muss, da sie sonst keine verwertbaren Ergebnisse bekämen. Dabei werden die Tiere doch in vielen Tierversuchen absichtlich krank gemacht: Hunde werden vergiftet, Ratten werden Tumore angezüchtet, Katzen bekommen Elektroden in ihr Gehirn implantiert oder ihnen wird Wasser und Schlaf entzogen. In der Realität stirbt allein in deutschen Laboren alle neun Sekunden ein Tier.[1] Und das, obwohl die Ergebnisse von Tierversuchen ohnehin nicht gut auf den Menschen übertragbar sind und es bessere Methoden gibt.
Recherchen decken immer wieder Skandale in deutschen Tierversuchslaboren auf: So starben im März 2024 hunderte Mäuse den Hitzetod an der Universität Gießen. Im November 2023 deckte eine Recherche des NDR zahlreiche illegale Tierversuche auf. Dies sind keine Einzelfälle – Tiere sind fühlende Lebewesen und der Missbrauch an ihnen für vermeintlich wissenschaftliche Zwecke ist moralisch falsch.
Irrtum Nr. 2: „Wir machen Tierversuche, weil es nicht anders geht. Es gibt keine Alternativen“
Tierversuche zeigen lediglich, wie eine bestimmte Spezies auf ein Medikament oder einen Wirkstoff reagiert. Zwischen den Spezies gibt es erhebliche physiologische Unterschiede, weshalb die Ergebnisse nicht zuverlässig auf den Menschen übertragbar sind.[2, 3] Mittlerweile gibt es eine Menge an tierfreien Versuchsmethoden, beispielsweise In-Vitro-Methoden, Simulationsmodelle und Computermodelle. Um solche Forschungsmethoden, die Tierversuche oftmals übertreffen und präzisere Ergebnisse liefern, hat sich bereits jetzt ein boomender Wirtschaftszweig entwickelt.[4]
Irrtum Nr. 3: „Den Tieren geht es im Tierversuchslabor besser als in freier Wildbahn. Die Tiere werden artgerecht gehalten“
Tiere in Versuchslaboren verbringen ihr ganzes Leben in Gefangenschaft. Makaken etwa bekommen nur zwei Quadratmeter Platz zugestanden – in freier Wildbahn sind sie in bis zu 20 Quadratkilometer großen Arealen unterwegs. Obwohl es eigentlich verboten ist, werden sie versuchsbedingt zudem immer wieder einzeln in engen Käfigen eingesperrt: Dies ist besonders für soziale Tiere wie Affen, die in der Natur in Familiengruppen zusammenleben, sehr belastend. [5] Im Labor gefangen gehaltene Tiere können ihre natürlichen Verhaltensweisen – wie graben, klettern, jagen oder Sozialkontakte pflegen – kaum oder gar nicht ausleben. Auch Mäuse, Hunde und Katzen haben meist zu wenig Platz und nicht genügend Möglichkeiten, ihre Instinkte auszuleben. Das Leben im Labor bedeutet für die Tiere ständige Einschränkung und Stress. Die Bedingungen dort haben nichts mit dem Leben in ihrem natürlichen Lebensraum zu tun.
Irrtum Nr. 4: „Wenn wir keine Tierversuche machen, wandern Wissenschaftler:innen ab und Deutschland geht den Bach runter“
Ethics Dumping – das Abwandern von Wissenschaftler:innen in Länder mit weniger Aufsicht und weniger bis gar keinen Tierschutzgesetzen – besorgt einige Forschende und Tierschützer:innen.
Doch viele Nachwuchswissenschaftler:innen möchten ethisch und modern arbeiten. Forschende bleiben vor allem dort, wo die Arbeitsbedingungen gut sind und Projekte mit modernen Methoden gefördert werden. Ein Fokus auf tierfreie Methoden kann auch neue Chancen für Wissenschaft und Wirtschaft bieten. Hier hinkt Deutschland anderen Ländern, in denen im dreistelligen Millionenbereich gefördert wird, hinterher: Das 2009 gegründete Wyss-Institut in Harvard zählt mittlerweile zu den weltbesten Zentren für New Approach Methodologies (NAMs). [6] In den Niederlanden werden in den nächsten 10 Jahren knapp 125 Millionen Euro in ein Forschungszentrum für humanbasierte Forschung investiert. [7] Und in der Schweiz wurde durch das Pharmaunternehmen Roche kürzlich ein Institut zur Etablierung von NAMs zur effektiveren Medikamentenentwicklung gegründet – ein tierversuchsfreies Forschungszentrum mit 250 neuen Arbeitsplätzen. [8]
Ganz unabhängig davon, in welchem Land Experimente an Tieren stattfinden, sind sie immer grausam und ethisch nicht vertretbar – und im Gegensatz zu modernsten tierversuchsfreien Methoden behindern sie wissenschaftliche Durchbrüche, die das Leben von Menschen besser schützen würden.
Irrtum Nr. 5: „Tierversuche werden streng reglementiert“
In Deutschland werden jährlich circa 3,5 Millionen Tiere in Tierversuchen missbraucht und oftmals getötet.[9] Zwar gibt es in Deutschland und der Europäischen Union Gesetze und Vorgaben, die Tierversuche regeln und sie nur dann zulassen sollen, wenn es keine tierversuchsfreien Methoden gibt – in der Realität werden jedoch 99 % der Anträge auf Tierversuche genehmigt.
Solange Experimentator:innen Mäusen den Kopf aufbohren, Kaninchen Chemikalien einflößen, Affen bewusst mit Krankheiten infizieren und Hunden lähmende Muskelerkrankungen anzüchten dürfen, sind die Regelungen und Gesetze nicht streng genug.[10]
Irrtum Nr. 6: „Viele Tierversuche kommen den Tieren zugute“
Versuche, die unter Tierethologie, Tiererkrankungen, Tierernährung und Tierschutz fallen, machen noch nicht einmal drei Prozent aus. [11] Zudem sind Tierversuche „Zum Wohl der Tiere“ in vielen Fällen eine Farce: Sie werden an sogenannten Nutztieren gemacht, die ihr Leben lang eingesperrt sind, für die Herstellung tierischer Produkte ausgebeutet werden und aus genau diesem Grund körperliche Schäden und Schmerzen erleiden. Die Versuche sollen oft zu mehr Profit führen oder die Tiere noch länger in dem grausamen System halten.
Die allermeisten Tierversuche werden jedoch in der Grundlagenforschung und der Entwicklung von Medikamenten und Produkten für den Menschen durchgeführt – dies dient nicht dem Wohl der Tiere und meist auch nicht dem Wohl der Menschen, denn Ergebnisse aus Tierversuchen sind kaum auf den Menschen übertragbar. Die mangelnde Übertragbarkeit der Ergebnisse vom Tier auf den Menschen ist dabei ein wichtiger Faktor. [12]

Irrtum Nr. 7: „Den Tieren wird überhaupt kein Wasser vorenthalten“
Tieren wird für Experimente gezielt sowohl Wasser als auch Nahrung und Schlaf vorenthalten, um bestimmte Reaktionen und Verhaltensweisen zu testen. Solche Methoden werden regelmäßig angewendet, obwohl sie für die Tiere erheblichen Stress und gesundheitliche Schäden bedeuten. Es zeigt, dass selbst auf die einfachsten Grundbedürfnisse der Tiere keine Rücksicht genommen wird. Wasserentzug ist keine Ausnahme, sondern Teil der grausamen Realität in Bereichen wie der Hirnforschung: Ein Beispiel für den eingeschränkten Zugang zu Wasser ist eine in Deutschland durchgeführte Forschungsarbeit aus dem Jahr 2025.
Hier wurde der freie Zugang zu Flüssigkeit schon dann als gegeben definiert, wenn die Affen vier Stunden am Tag selbstbestimmt trinken durften.
Irrtum Nr. 8: „Niemand macht freiwillig Tierversuche, wir haben keine andere Wahl“
Sogenannte Forschende sind sich darüber bewusst, dass sie mit tierversuchsfreien Methoden forschen oder diese (weiter)entwickeln könnten – doch wenn die eigene „Forschung“ an Tieren als zu „spannend“ empfunden wird, ist das Interesse an einem Umdenken meist nicht unbedingt groß.[13] Im Gegenteil: Wenn ein Institut vermehrt Computersimulationen und ähnliche Verfahren nutzt, die Tierversuche nach und nach verdrängen können, kann das manchen Tierexperimentator:innen schon mal zu viel des Guten sein und zu Abwanderung führen. [14]
Helfen Sie, Tierversuche zu beenden
Tierversuche sind unnötig und grausam. Werden Sie jetzt aktiv für die Tiere, die immer noch in Laboren ausgebeutet werden. Unterstützen Sie unseren Research Modernisation Deal, ein Strategiepapier, das aufzeigt, wie effektive Forschung ohne Tierversuche etabliert werden kann.
-
Quellen
[1] Deutsches Zentrum zum Schutz von Versuchstieren. Verwendung von Versuchstieren im Berichtsjahr 2023. December 12, 2025. Accessed October 22, 2025. https://www.bf3r.de/angebote/versuchstierzahlen/versuchstierzahlen-2023/
[2] Pound P, Ritskes-Hoitinga M. Is it possible to overcome issues of external validity in preclinical animal research? Why most animal models are bound to fail. J Transl Med 2018;16(304). doi:10.1186/s12967-018-1678-1
[3] Seyhan AA. Lost in translation: the valley of death across preclinical and clinical divide – identification of problems and overcoming obstacles. Transl Med Commun. 2019;4(18). doi:10.1186/s41231-019-0050-7
[4] Meigs L, Smirnova L, Rovida C, Leist M, Hartung T. Animal Testing and its Alternatives – the Most Important Omics is Economics. ALTEX. 2018;35(3):275-305. doi:10.14573/altex.1807041.
[5] Längin M, Mayr T, Reichart B et al. Consistent success in life-supporting porcine cardiac xenotransplantation. Nature. 2018;546:430-433. doi:10.1038/s41586-018-0765-z
[6] Innovate UK. A non-animal technologies roadmap for the UK. Advancing predictive biology. UK Research and Innovation. November 10, 2015. Accessed October 22, 2025. https://www.ukri.org/wp-content/uploads/2015/11/IUK-071221-RoadmapNonAnimalTech.pdf
[7] The National Growth Fund Reserves 125 million euros for the Transition to Animal-Free Innovation. Utrecht University. June 30, 2023. Accessed October 22, 2025.
https://www.uu.nl/en/news/the-national-growth-fund-reserves-125-million-euros-for-the-transition-to-animal-free-innovation[8] Roche gründet Institut für Humanbiologie. Basel Area. 04.05.2023. Accessed October 22, 2025. https://baselarea.swiss/de/blog-post/roche-grundet-institut-fur-humanbiologie/
[9] Deutsches Zentrum zum Schutz von Versuchstieren. Verwendung von Versuchstieren im Berichtsjahr 2023. December 12, 2025. Accessed October 22, 2025. https://www.bf3r.de/angebote/versuchstierzahlen/versuchstierzahlen-2023/
[10] Bewegungsanalyse mittels biplanarer Hochfrequenz-Fluoreszenz-Kinematografie (FluoKin) und Druckmessung bei Legehennen zur Untersuchung von Risikofaktoren für Brustbeinfrakturen. Datenbank zu Tierversuchsvorhaben in Deutschland. AnimalTestInfo. Accessed October 22, 2025. https://www.animaltestinfo.de/dsp_show_ntp.cfm?ntpID=69973&showPage=qry_param_showPage&CFID=105648479&CFTOKEN=8976bb38ac9f170d-129EA9A9-AA8B-64D8-D573263C4C49FF55
[11] Deutsches Zentrum zum Schutz von Versuchstieren. Verwendung von Versuchstieren im Berichtsjahr 2023. December 12, 2025. Accessed October 22, 2025. https://www.bf3r.de/angebote/versuchstierzahlen/versuchstierzahlen-2023/
[12] Seyhan AA. Lost in translation: the valley of death across preclinical and clinical divide – identification of problems and overcoming obstacles. Transl Med Commun. 2019;4(18). doi:10.1186/s41231-019-0050-7
[13] Feldwisch-Drentrup H, Tröndle T. Brauchen wir noch Tierversuche? ZEIT Campus. July 22, 2022. Accessed October 21, 2025. https://www.zeit.de/campus/2022/04/tierversuche-aerzte-peta-vegan.
[14] Feldwisch-Drentrup H. Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Regierungspräsidium. Frankfurter Allgemeine. June 27, 2024. Accessed October 21, 2025. https://www.faz.net/aktuell/wissen/forschung-politik/streit-um-tierversuche-staatsanwaltschaft-ermittelt-gegen-regierungspraesidium-19812079.html.
