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Knockout-Mäuse: Diesen Mäusen wird Krebs angezüchtet

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Zwei graue  Maeuse sitzen in einem Terrarium.
Symbolbild

Eine „Knockout-Maus“ ist eine Maus, deren Zellen im Rahmen von Tierversuchen genetisch verändert wurden. Dafür werden unzählige Mäuse gezüchtet, missbraucht und getötet. Für die Tiere bedeuten solche Versuche ein Leben voller Leiden und Schmerzen. Erfahren Sie hier, wie eine Knockout-Maus entsteht, unter welchen Bedingungen die Tiere im Labor leben müssen und wie Sie sich gegen Tierversuche einsetzen können.

Was ist eine Knockout-Maus?

Eine sogenannte Knockout-Maus ist eine Maus, bei der die embryonalen Stammzellen genetisch manipuliert wurden – es werden also ein oder mehrere Gene gezielt deaktiviert. Anschließend beobachten „Forschende“, welche Auswirkungen das Fehlen dieses Gens auf die Entwicklung oder das Verhalten der Maus hat. Mäuse werden gezielt darauf gezüchtet, bestimmte Krankheiten zu entwickeln, darunter:

  • krebsartige Tumore [1]
  • erhöhtes Risiko für Herzkrankheiten [2]
  • Muskeldegeneration [3] und Lähmungen [4]
  • Fettleibigkeit [5]
  • Suchtkrankheiten [6]
  • Depressionen, Angstzustände und Furcht [7]

Mäuse leiden extrem durch solche Tierversuche – Verhaltensstörungen, schwere Krankheiten, Missbildungen und Organversagen sind die Folge.

Wie entsteht eine Knockout-Maus?

Um eine Knockout-Maus zu züchten, werden schwangere Mäuse getötet, damit „Forschende“ ihnen Eizellen entnehmen können. In diese Eizellen wird fremde, im Labor veränderte DNA injiziert. Die veränderten Zellen werden anschließend in Mäuseembryonen eingesetzt, die ebenfalls von getöteten Muttertieren stammen. Die Embryonen werden dann in den Uterus anderer Mäuse eingepflanzt – Tiere, die als „Gebärmaschinen“ missbraucht werden. [8]

Die geborenen Mäusebabys haben teils normale, aber auch veränderte Zellen in sich – sie sind sogenannte Chimären. Wenn sich solche Tiere fortpflanzen, können einige ihrer Nachkommen die genetische Veränderung vollständig erben. Diese nennt man dann Knockout-Mäuse – sie tragen die Genveränderung in allen Zellen ihres Körpers. [9]

Symptome der Genmanipulation: Krankheiten, Entzündungen und Infektionen

Je nachdem, welches Gen manipuliert wird, zeigen Knockout-Mäuse unterschiedliche Symptome:

  • Interleukin-10 Knockouts: Interleukin-10 ist ein Protein, das normalerweise entzündungshemmend wirkt. Mäuse ohne dieses Gen entwickeln oftmals Geschwüre im Darm, chronische Darmentzündungen, Durchfall, Infektionen und Irritationen der Haut. Teilweise quillt ihr Dickdarm aus dem After. [10,11,12] Die Mäuse leiden extrem unter diesen Symptomen, erreichen aber oftmals trotzdem das gebärfähige Alter und werden dann zur Weiterzucht verwendet.
  • SCID-Mäuse und RAG1-Knockouts: SCID-Mäuse und RAG1-Knockouts werden so gezüchtet, dass ihr Immunsystem extrem geschwächt ist – diese Mäuse müssen deshalb in sterilen, streng kontrollierten Umgebungen gehalten werden und bekommen sterile Nahrung und Trinkwasser. Sie sind von Geburt an apathisch und sterben oft an Infekten.

Knockout-Mäuse können an schweren Verhaltensstörungen leiden, was sich häufig durch Aggressivität und Apathie zeigt. [13] Teilweise fehlt den Mäusen der Mutterinstinkt und sie vernachlässigen oder töten ihre Kinder. [14]

  • Die Geschichte von Maus p53

    Meine Mama hat mich Lini genannt. Ich mag meinen Namen – er hilft mir, mich daran zu erinnern, dass ich jemand bin und nicht irgendetwas.

    Ich bin eine p53-defiziente Maus, was bedeutet, dass ich gezüchtet wurde, um eine Veranlagung für Krebs zu haben. In Mäusen, bei denen das p53-Gen nicht ausgeschaltet wurde, kontrolliert es das Zellwachstum und verhindert, dass sich Tumore bilden. Mäuse wie ich neigen daher dazu, im Alter von sechs Monaten Tumore zu entwickeln.

    Man könnte sagen, dass meine Zukunft schon lange vor meiner Zeugung entschieden war. Das klingt vielleicht wie etwas aus einem gruseligen Science-Fiction-Film, aber es ist mir wirklich passiert. Es passiert Hunderten von Millionen von uns.

    Experimentator:innen spielen Dr. Frankenstein, indem sie unsere Gene verändern. Zunächst töten sie schwangere Mäuse, indem sie ihr Rückenmark vom Gehirn trennen. Dann stehlen sie ihre Eizellen und injizieren fremde DNA in sie. Schließlich pflanzen sie diese befruchteten Eizellen in andere Mäuse. Es schaudert mich, wenn ich daran denke, dass meine Mama und andere wie sie auf diese Weise misshandelt werden.

    Es ist ziemlich klar, dass diejenigen, die uns Mäusen diese schrecklichen Dinge antun, uns nicht als Lebewesen mit Gefühlen und Familien sehen. Das Jackson Laboratory, in dem meine Mama geschwängert und ich geboren wurde, rühmt sich damit, dass es die „größte Vielfalt an Inzucht-, Hybrid- und Mutantenmäusen in der Industrie“ produziert. Mutanten. Genau das sind wir für sie.

    Meine Mama lebte in einem winzigen Käfig mit einem Metalldach und Plastikwänden. Wir Mäuse sind nachtaktiv, aber das Licht, die Geräusche und die ständige Aktivität im Labor hielten sie Tag für Tag wach. Sie hatte keinen Zufluchtsort, kein Plätzchen zum Verstecken. In der engen Kiste konnte sie nicht springen, klettern oder andere Dinge tun, die Mäuse glücklich machen. Es war ein freudloses Dasein.

    Ich war eines von neun Kindern, aber nur zwei von uns haben überlebt. Fünf meiner Geschwister starben.

    Mein Bruder und ich blieben bei meiner Mama, bis wir vier Wochen alt waren. Wir lebten alle im selben Käfig, und obwohl es eng war, hatten wir wenigstens einander. Wir waren uns so nah – wir spielten und kämpften den ganzen Tag und schliefen in einem gemütlichen kleinen Haufen, wenn wir müde wurden. Wir schätzten unsere gemeinsamen Tage.

    Doch dann kamen die Arbeiter:innen. Sie öffneten den klobigen Metalldeckel unseres Käfigs, griffen mit ihren kalten, behandschuhten Händen hinein und packten meinen Bruder und mich an den Schwänzen. Wir haben alle drei vor Angst gequiekt. Ich habe Mama nie wiedergesehen.

    Jetzt sitze ich hier in einem Schiffscontainer mit vielen Mäusen, die ich noch nie gesehen habe. Sie streiten sich um die Nahrung und das Wasser, denn es gibt kaum genug für alle. Und mein Bruder ist nirgends zu finden. Wie lange werde ich noch in dieser dunklen Transportkiste festsitzen? Was passiert als Nächstes? Ich habe die Menschen etwas über ein Krebslabor sagen hören. Das muss mein endgültiger Bestimmungsort sein.

    Aber warum? Wenn die Experimentator:innen kranken Menschen wirklich helfen wollen, warum experimentieren sie dann an Mäusen wie mir? Wir empfinden Schmerz und Angst wie ihr, aber unser Körper reagiert anders auf Krebs und andere Krankheiten. Behandlungen, die bei Mäusen funktionieren, wirken bei Menschen fast nie.

    Warum wurde ich also in ein Leben mit extremen Leiden hineingeboren? Das frage ich mich jeden Tag. Vielleicht liest dies ein freundlicher Mensch und setzt sich für mich und die Millionen anderen Tiere ein, die in Versuchslaboren gefangen sind und leiden. Wir haben das Recht, frei von Schmerzen und Leiden zu leben – und wir brauchen deine Hilfe.

Banner: Jeder Beitrag zaehlt doppelt fuer Tierversuche. Hund im Labor.

„Überschusstiere“: Was passiert mit Tieren, die nicht für Versuche missbraucht werden?

Sogenannte Überschusstiere sind Tiere, die für Tierversuche gezüchtet wurden, dann aber nie in Versuchen eingesetzt werden. Gerade durch Knockout-Züchtungen werden viele „Überschusstiere“ generiert – denn nicht alle Nachfahren tragen das Gen in sich und sind somit teilweise nicht „brauchbar“ für Tierversuche. Fühlende Lebewesen, die keinen Nutzen für „Forschende“ haben, werden oftmals getötet.

Aktuell soll die Tierschutz-Versuchstierordnung aktualisiert werden. Es ist vorgesehen, das Töten von überschüssigen Tieren, die für Tierversuche gezüchtet worden sind, aber nicht in Versuchen eingesetzt werden, zu legitimieren. Wir von PETA Deutschland haben uns bereits im Oktober 2024 gegen dieses grausame Vorhaben ausgesprochen.

Tierfreie Alternativen zu Knockout-Mäusen

Knockout-Mäuse und andere Tierversuche sind nicht nur grausam und unethisch, sondern auch unwissenschaftlich. Denn die Ergebnisse von Tierversuchen lassen sich häufig nicht zuverlässig auf Menschen übertragen. Es gibt inzwischen zahlreiche tierfreie Methoden, die oft präzisere und effizientere Ergebnisse liefern. So können durch Organoide, also Mini-Organe aus menschlichen Stammzellen, Computermodelle oder 3D-Bioprinting menschliche Krankheitsprozesse simuliert und abgebildet werden. Diese Ansätze ermöglichen Wissenschaft ohne Leid und liefern aussagekräftige Daten.

Helfen Sie, Tierversuche zu beenden

Gemeinsam können wir die Tierversuchsindustrie stoppen! Wir von PETA Deutschland haben den Research Modernisation Deal entwickelt, ein Strategiepapier, in dem wir aufzeigen, wie der Ausstieg aus Tierversuchen gelingen kann. Unterschreiben Sie jetzt unsere Petition und werden Sie aktiv für das Ende von Tierversuchen.

  • Quellen

    [1] Taneja P, Zhu S, Maglic D, Fry EA, Kendig RD, Inoue K. Transgenic and knockout mice models to reveal the functions of tumor suppressor genes. Clinical Medicine Insights Oncology. 2011;5. doi:10.4137/cmo.s7516

    [2] Rypdal KB, Melleby AO, Robinson EL, et al. ADAMTSL3 knock-out mice develop cardiac dysfunction and dilatation with increased TGFβ signalling after pressure overload. Communications Biology. 2022;5(1). doi:10.1038/s42003-022-04361-1

    [3] Reifler A, Li X, Archambeau AJ, et al. Conditional knockout of PIK3C3 causes a murine muscular dystrophy. American Journal of Pathology. 2014;184(6):1819-1830. doi:10.1016/j.ajpath.2014.02.012

    [4] Scarrott JM, Alves-Cruzeiro J, Marchi PM, et al. Ap4b1-knockout mouse model of hereditary spastic paraplegia type 47 displays motor dysfunction, aberrant brain morphology and ATG9A mislocalization. Brain Communications. 2022;5(1). doi:10.1093/braincomms/fcac335

    [5] Butler AA, Cone RD. Knockout models resulting in the development of obesity. Trends in Genetics. 2001;17(10):S50-S54. doi:10.1016/s0168-9525(01)02481-7

    [6] Zhang J, Xu M. Generating gene knockout mice for studying mechanisms underlying drug addiction. Humana Press eBooks. November 2003:351-364. doi:10.1385/1-59259-358-5:351

    [7] Scherma M, Giunti E, Fratta W, Fadda P. Gene knockout animal models of depression, anxiety and obsessive compulsive disorders. Psychiatric Genetics. 2019;29(5):191-199. doi:10.1097/ypg.0000000000000238

    [8] Zuo E, Cai YJ, Li K, et al. One-step generation of complete gene knockout mice and monkeys by CRISPR/Cas9-mediated gene editing with multiple sgRNAs. Cell Research. 2017;27(7):933-945. doi:10.1038/cr.2017.81

    [9] Spektrum: Knockout-Mäuse, https://www.spektrum.de/lexikon/biologie/knockout-maeuse/ (eingesehen am 17.10.2025)

    [10] Knoch B, Nones K, Barnett MPG, McNabb WC, Roy NC. Diversity of caecal bacteria is altered in interleukin-10 gene-deficient mice before and after colitis onset and when fed polyunsaturated fatty acids. Microbiology. 2010;156(11):3306-3316. doi:10.1099/mic.0.041723-0

    [11] Knoch B, Barnett MPG, Cooney J, et al. Molecular characterization of the onset and progression of colitis in inoculated interleukin-10 Gene-Deficient mice: a role for PPARΑ. PPAR Research. 2010;2010:1-18. doi:10.1155/2010/621069

    [12] Specht S, Arriens S, Hoerauf A. Induction of chronic colitis in IL-10 deficient mice requires IL-4. Microbes and Infection. 2006;8(3):694-703. doi:10.1016/j.micinf.2005.09.006

    [13] Nelson RJ, Chiavegatto S. Aggression in knockout mice. ILAR Journal. 2000;41(3):153-162. doi:10.1093/ilar.41.3.153

    [14] Ogawa S, Taylor JA, Lubahn DB, Korach KS, Pfaff DW. Reversal of sex roles in genetic female mice by disruption of estrogen receptor gene. Neuroendocrinology. 1996;64(6):467-470. doi:10.1159/000127154