
Eine neue Recherche von August 2025 im Zoo Rostock zeigt, dass Tiere wie Seehunde und Südafrikanische Seebären unter unnatürlichen Lebensbedingungen gehalten werden. Trotz Millionen an öffentlichen Geldern für neue Anlagen bleibt das Wohl der Tiere auf der Strecke. Die Aufdeckung zeigt, wie weit Anspruch und Realität im Zoo Rostock auseinanderliegen.
Neues Robbengehege im Zoo Rostock: Nicht artgerechtes Millionenprojekt
Anfang Juli 2025 hat der Zoo Rostock eine neue Anlage für Robben in Betrieb genommen. Wir von PETA Deutschland bewerten das Projekt als teure Tierquälerei auf Kosten der Steuerzahlenden.
In dem neuen Gehege leben nun Seehunde gemeinsam mit Südafrikanischen Seebären. Für den Bau wurden rund 12,5 Millionen Euro aufgewendet, die überwiegend aus öffentlichen Mitteln des Wirtschaftsministeriums Mecklenburg-Vorpommern sowie der Rostocker Bürger:innenschaft stammen. Statt echten Artenschutz in realen Lebensräumen der Tiere zu fördern, wurde das Geld für ein Becken mit lediglich 3,5 Metern Tiefe ausgegeben.
Zuvor wurden die Seehunde im Rostocker Zoo sogar in Süßwasser gehalten – was zu Augen- und Hauterkrankungen führen kann. Auch „modernisierte“ Becken mit Salzwasser und etwas mehr Fläche können den natürlichen Lebensraum nicht annähernd ersetzen. Die permanente Reizarmut, der Lärm und die Zurschaustellung können zu Verhaltensstörungen führen. In Freiheit legen Robben täglich Dutzende Kilometer im offenen Ozean zurück und tauchen bis zu 200 Meter tief.
Seehunde und Seebären: Keine bedrohten Arten
Zur Rechtfertigung verweisen Zoos immer wieder auf ihre vermeintliche Bedeutung für den Artenschutz. Doch bei den meisten Tierarten in den Gehegen handelt es sich nicht um gefährdete Spezies – darunter auch Seehunde und Südafrikanische Seebären. Die Weltnaturschutzunion IUCN listet beide Arten derzeit als „nicht gefährdet“. [1, 2] Erfolgreiche Auswilderungen aus Zoos bleiben ohnehin eine Ausnahme. Dennoch werden immense Summen aus Steuermitteln in Tiergefängnisse wie das in Rostock gesteckt, während dringend notwendige Maßnahmen zum Erhalt natürlicher Lebensräume zu kurz kommen.
Unnatürliche Vergesellschaftung und widersprüchliche Botschaften
Auch beim Thema Bildung zeigt sich ein Widerspruch. In der Natur hätten Seehunde und Südafrikanische Seebären keine Begegnung, im Zoo werden sie gezwungen, zusammen in einem Gehege zu leben. Zwar informieren Schautafeln über Bedrohungen wie „Überfischung“ und Plastikmüll, die für die Tiere gravierend sind, doch konsequente Schlüsse zieht die Einrichtung nicht: Statt Besucher:innen auf eine nachhaltige Lösung – etwa eine vegane Ernährung ohne Fischkonsum – aufmerksam zu machen, serviert das Zoo-Restaurant Backfisch und unterläuft damit die eigene Botschaft.
Welche Tiere leiden unter der Gefangenschaft im Zoo Rostock?
Im Rahmen der Recherche wurden im Zoo Rostock weitere Missstände festgestellt und dokumentiert.
- In der 2018 eröffneten Themenwelt namens „Polarium“ werden sowohl Pinguine als auch die in der Arktis lebenden Eisbären zusammen präsentiert. Doch die im Zoo Rostock eingesperrte Art – der Humboldtpinguin – lebt gar nicht am Südpol, sondern an der Küste Südamerikas, hauptsächlich von Chile und Peru, bei Lufttemperaturen von 14 bis 22 °C und einer Wassertemperatur zwischen 6 und 12 °C im kalten Humboldtstrom. Auf einem Infoschild am Gehege werden Humboldtpinguine auf einer weißen, im Wasser treibenden eckigen Platte abgebildet, die verdächtig nach Eisscholle aussieht. Außerdem sind die Glasscheiben des Pinguinbeckens so niedrig, dass Besuchende ohne weiteres darüber greifen können. Wir haben dokumentiert, wie eine Person einen Pinguin einfach angefasst hat. Wir haben das natürlich der zuständigen Veterinärbehörde gemeldet. So viel zum „Bildungsauftrag“ von Zoos.
- Bei unserem Besuch beobachteten wir einen Eisbären, der bei den spätsommerlichen Temperaturen von 23 °C deutlich hechelte. Angesichts der immer heißer werdenden Sommer in Deutschland ist es umso verantwortungsloser, die Arktisbewohner zwanghaft in diesem Klima gefangen zu halten. Außerdem leiden Eisbären in Gefangenschaft in der Regel an schweren Verhaltensstörungen – auch aus Rostock wurden uns von Augenzeug:innen bereits kurz nach der Eröffnung des „Polariums“ solche Aufnahmen zugespielt.
- Außerdem dokumentierten wir Pelikane mit gestutzten Flügeln, die dadurch flugunfähig gemacht wurden. Auf unsere Meldung vom 18. September meldete uns das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt der Stadt Rostock zurück, dass im Rostocker Zoo das routinemäßige Flugunfähigmachen von natürlicherweise flugfähigen Vögeln nicht praktiziert werde; allerdings gebe es eine Ausnahmegenehmigung für einzelne Tiere. Wir von PETA fordern, dass das Flugunfähigmachen ein Ende hat und die Haltungen zeitnah auslaufen – denn Vögel gehören in Freiheit, nicht in Zoos.
- Im Aquarium werden marine Korallenfische ausgestellt – bei diesen handelt es sich jedoch meist um Wildfänge, also Tiere, die aus ihrem natürlichen Lebensraum gerissen wurden, um sie lebenslang im Zoo einzusperren. [3] Viele sterben bereits beim Fang und Transport. Zudem tragen diese Wildfänge zur Plünderung und Zerstörung von Korallenriffen bei.
Zukunft ohne Zoos: Schutz natürlicher Lebensräume und tierfreundliche Alternativen
Zoos stellen für viele Tiere ein lebenslanges Gefängnis dar. Die Gehege sind viel zu klein, um die natürlichen Bedürfnisse von Wildtieren zu erfüllen. Viele Wildtiere wie Großkatzen, die in freier Wildbahn täglich große Strecken zurücklegen, entwickeln stereotype Verhaltensweisen wie ständiges Hin- und Herlaufen. Die Haltung verursacht massiven Stress und psychische Störungen.
Auch der vermeintliche Beitrag zum Artenschutz ist eine Illusion. Die meisten Tiere in Zoos gehören nicht zu bedrohten Arten, erfolgreiche Auswilderungen bleiben die Ausnahme. Stattdessen entstehen Probleme durch Inzucht und das Züchten von Hybriden. „Überschüssige“ Tiere werden verkauft, getötet oder an Zirkusse und Jagdanlagen abgegeben. Auch die Bildung leidet: Besuchende erfahren kaum etwas über die wahren Lebensweisen oder die Bedrohungen der Tiere, sondern sehen sie in unnatürlicher Umgebung. Zoos dienen vor allem der Unterhaltung, nicht dem Schutz von Arten.
Echte Alternativen bieten Dokumentationen, Schutzprojekte in natürlichen Lebensräumen und Lebenshöfe. Bitte unterstützen Sie die Ausbeutung in Zoos nicht – der einfachste Weg ist, keine Zoos oder Tierparks zu besuchen.
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Quellen:
[1] Lowry, L. (2016): Phoca vitulina. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T17013A45229114, https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-1.RLTS.T17013A45229114.en (eingesehen am 29.09.2025)
[2] Hofmeyr, G.J.G. (2015): Arctocephalus pusillus. The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T2060A45224212, https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2015-4.RLTS.T2060A45224212.en (eingesehen am 29.09.2025)
[3] Peh, Jia Hui, Azra, Mohamad Nor: A global review of ornamental fish and shellfish research, https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0044848624011815 (eingesehen am 29.09.2025)