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Bodendegradation durch landwirtschaftliche Tierhaltung

So schaden Fleisch, Milch und Co der Erde

Stand November 2016
2015 wurde als Internationales Jahr des Bodens ausgerufen, um dem für uns so selbstverständlich gehaltenen Element Aufmerksamkeit zu schenken – und dies wird allerhöchste Zeit.
 
Warum der Boden so wichtig ist
In unserem Alltag denken wir nicht viel darüber nach, auf was wir stehen und gehen. Dabei spielt der Boden die zentrale Rolle im Ökosystem, und ein Leben ohne guten, fruchtbaren Boden ist undenkbar. Seine mineralischen und organischen Bestandteile sowie die wichtigen Lufträume dazwischen sind die Lebensgrundlage für Pflanzen und somit auch für Mensch und Tier. Eine Versorgung einer immer wachsenden Weltbevölkerung mit ausreichend Nahrung hängt entscheidend von ihm ab.
Er ist Lebensraum für Milliarden Organismen. In einer Handvoll Boden steckt mehr Leben, als es Menschen auf unserem Planeten gibt; zwei Drittel aller Arten leben unter der Erdoberfläche. Sein Zustand wirkt sich direkt und indirekt auf die Artenvielfalt aus.
Außerdem bedingt er auch andere Umweltschutzziele, etwa den Klimawandel. So sind Böden extrem wichtig, um CO2 zu speichern: Sie binden 3x mehr als die gesamte lebende Biomasse, einschließlich Bäume, Sträucher und Gräser. (1)
 
Warum der Boden bedroht ist
Laut Bodenbericht 2015 ist den meisten Bauern klar, dass sich ihr Boden verschlechtert, denn ohne den Einsatz von Chemie und Technik würden die Ernten von Jahr zu Jahr geringer ausfallen. Durch die intensivere landwirtschaftliche Nutzung mit engeren Fruchtfolgen, Monokulturen und Düngung haben 45 % der Böden in Europa deutlich an Substanz verloren, d. h., die Bodenstruktur zerfällt, da der Humusgehalt abnimmt. Dadurch sterben die Organismen, die den Boden auflockern und er kann seine wichtigen Lebensraums-, Regelungs- und Produktionsfunktionen nicht mehr erfüllen. Je intensiver die Bewirtschaftung ist, desto negativer sind die ökologischen Folgen. Derzeit sind schon etwa 20-15 % aller Böden weltweit durch falsche oder zu intensive Nutzung nicht mehr voll funktionsfähig – und jährlich kommt etwa eine Fläche der Größe Österreichs hinzu.
Das große Problem: Boden kann sich in menschlichen Zeiträumen nicht regenerieren oder neu entstehen. Hierfür sind bei einer 10 cm dünnen Schicht Oberboden zweitausend Jahre nötig - diese kann jedoch bereits durch einen einzigen starken Regen weggeschwemmt oder durch zu schwere Maschinen verdichtet werden. Darüber hinaus können Pestizide und Mineraldünger das enthaltene Leben verringern und so degradieren. (1)
 
Warum Fleisch und tierische Produkte schaden
Die weltweite Tierwirtschaft nimmt 70 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche für sich ein, das sind 30 % der gesamten Erdoberfläche. Dies beinhaltet Ackerflächen für die Erzeugung von Futtermitteln und Weideflächen. In der EU landen 60 % des angebauten Getreides in den Trögen, dabei ist dies äußerst ineffizient, da aus 100 Kalorien Nutzpflanzen nur zwischen 17-30 Kalorien Fleisch entstehen können, oder anders, oder anders ausgedrückt: In einem kg Rindfleisch stecken bis zu 16 kg Getreide – eine regelrechte Verschwendung! Aus diesem Grund wäre es möglich, 22 Personen von einem Hektar Kartoffeln zu ernähren, aber nur eine einzige, würde die Fläche zur Rindfleischproduktion genutzt.
Auch nahezu jegliches Sojaschrot, nämlich über 90 %, landen in der Tierhaltung. Gerade dieser Sojaanbau ist ein Hauptgrund für die Abholzung der Wälder Südamerikas und ein Anfeuern des Klimawandels. Doch nicht nur die Umnutzung des dortigen Landes führt zu einer Verschärfung der Klimakrise: Jede Rodung und jeder Umbruch, die angesichts des steigenden Bedarfs weiter zunehmen, setzt CO2 frei. Hinzu kommen Methan- und Lachgasemissionen durch Kühe, Gülle sowie Dünger.
Obwohl Pflanzen Stickstoff, Nitrate und Phosphate benötigen, schaden diese Stoffe dem Boden, da große Mengen, da große Mengen Dünger oder Gülle nicht problemlos von einer begrenzten Bodenfläche aufgenommen werden können. Daher gelangen die Stoffe in den Wasserkreislauf - mit schädlichen Auswirkungen für Trinkwasser und Meere. Die stärkere Bewässerung intensiv genutzter Flächen führt obendrein zu einer Versalzung des Bodens. Der Einsatz von Herbiziden und Pestiziden schließlich, damit der Boden nicht verkrautet und der Ertrag hoch ist, hat erschreckende „Nebeneffekte“: Alles, was nicht resistent ist, ganz gleich ob Tier oder Pflanze, stirbt - noch dazu werden die Oberflächen- und Grundwasser belastet.
Doch nicht nur Acker-, sondern auch Weideflächen verschlechtern sich durch die Aktivitäten der Tierwirtschaft; etwa 20 Prozent von ihnen sind von Überweidung, Verdichtung (etwa durch den Einsatz schwerer Maschinen oder zu großen Herden) und Erosion betroffen. (1, 2, 3, 4, 5)
Warum unser Lebensstil zulasten anderer geht
Die EU hat einen Land-Fußabdruck, der eineinhalbmal so groß ist wie ihre eigentliche Fläche. Gerade Deutschland ist mit Importen von 80 Millionen Hektar ganz weit vorne dabei. Das bedeutet, dass wir, vor allem für die Anpflanzung von Futtermitteln, auf Gebiete zurückgreifen, die außerhalb unseres Kontinents liegen, um unseren hohen, teilweise verschwenderischen Lebensstil zu wahren - Tendenz steigend. So benötigen wir allein für unseren Bedarf an Sojaschrot eine Fläche so groß wie Mecklenburg-Vorpommern bzw. Brandenburg – doch diese Fläche liegt nicht innerhalb Deutschlands oder der EU, sondern in Südamerika. Demnach bedienen wir uns Ressourcen und Flächen anderer Länder; Länder, die teilweise ihre eigene Bevölkerung nicht einmal mit Grundnahrungsmitteln versorgen können! Würden wir all das von uns benötigte Soja hier anpflanzen, so müsste Rheinland-Pfalz bzw. Sachsen komplett mit Sojaplantagen übersät werden.
Doch Land und Boden ist und bleibt begrenzt, auch wenn die Ländergrenzen verschwimmen. Wächst die Nachfrage wie bisher weiter, so müsste man bis 2050 eine Agrarfläche schaffen, die zwischen der Größe von Indien bis Brasilien läge. Doch irgendwann kann kein Wald mehr gerodet, kein Weideland mehr umgenutzt werden – und bestehende Böden sind ausgelaugt. Was also tun? Ein „weiter wie bisher“ geht nicht, gerade wir in den Industrienationen müssen unseren Konsum umstellen.
Und dabei ist es so einfach: Würde jeder EU-Bürger keine tierischen Produkte essen, so könnten 70 Millionen Hektar Äcker und 18 Millionen Hektar Weizen eingespart – und somit nicht nur die Umwelt geschützt, sondern auch die Welt sozialer und gerechter gestaltet werden. (1, 2, 4)
 

Was Sie tun können

Gerade mit der Ernährung kann jeder sehr viel zum Schutz unseres Planeten beitragen. Stellen Sie deshalb Ihren Speiseplan um und leben Sie vegan – für die eigene Gesundheit, die Tiere und die Umwelt! Tipps, Informationen und Rezepte, die den Umstieg erleichtern, erhalten Sie in der Veggie-Broschüre oder in PETAs kostenlosem Veganstart-Programm.


Quellen:
1) Heinrich-Böll-Stiftung/IASS/BUND/Le Monde diplomatique: Bodenatlas 2015
2) WWF 2011: Fleisch frisst Land.
3) FAO 2006: Livestock’s Long Shadow
4) Compassion in World Farming 2004: The Global Benefits of Eating Less Meat
5) Josef Reichholf 2004: Der Tanz um das goldene Kalb, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin