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Die Tragödie der PMU Farmen

Stand Mai 2007
Zehntausende schwangerer Stuten verbringen ihr ganzes Leben zusammengepfercht in Massentierfarmen in Kanada und den USA für die Herstellung des begehrten Medikamentes Presomen das aus dem Urin schwangerer Stuten gewonnen wird. Ihre Fohlen sind ein unerwünschtes "Nebenprodukt" dieser grausamen Praxis, und viele von ihnen enden in den Todesreihen der Schlachthäuser. Presomen ist das in Deutschland am häufigsten verschriebene Östrogenpräparat und wird zur Zeit von ca. 1 Million Frauen eingenommen. Presomen wird von der Firma Kali-Chemie Pharma GmbH in Hannover hergestellt.

Der östrogenreiche Urin schwangerer Stuten (PMU = Pregnant Mare Urine) stellt eine lukrative Einnahmequelle für die 480 PMU-Farmen dar, die mit Ayerst Organics Verträge unterhalten, dem kanadischen Zweig der Wyeth-Ayerst. Bei einem Preis von 4-5 Dollar pro Liter erzielen die Farmer in North Dakota, Manitoba, Alberta und Saskatchewan leicht einen jährlichen Nettobetrag von 100.000 bis 200.000 Dollar aus dem Urinverkauf.

Leider sieht es für die 75.000 Stuten, die auf diesen Farmen leben müssen, weniger rosig aus. Jahr für Jahr verbringen sie den überwiegenden Teil ihrer langen Schwangerschaft angebunden in kleine Boxen, 24 Stunden täglich an eine Vorrichtung angeschlossen, die ihren Urin sammelt und wie eine Bettpfanne funktioniert und dabei fest an den Hinterteil des Pferdes gepreßt ist.

Tierschutzorganisationen haben ihre Betroffenheit hinsichtlich der sehr beschränkten Bewegungsfähigkeit vorgebracht, denn die Stuten können nicht mehr als einen Schritt oder zwei Schritte in irgendeine Richtung machen, können sich nicht bequem hinlegen, noch sich auf die Seite rollen oder ihren Kopf auf den Boden legen und ruhen. Pflege, insbesondere Hufpflege wird auf vielen PMU-Farmen nur mit einem minimalen Zeitaufwand betrieben. Hauptgrund für das Schlachten von Stuten, die zu entfernen sind, ist Lahmen, verursacht durch Bewegungsmangel. Auf einigen PMU-Farmen kümmert man sich so wenig um die Stuten, daß diese praktisch wieder zu Wildtieren und so scheu geworden sind, daß sie Menschen, die sich ihrer Box nähern, ausweichen.

Im amerikanischen Werbematerial der Firma wird behauptet, daß die "Stuten hochgeschätzt sind und gut versorgt werden" und man zitiert den Empfohlenen Praxiskodex für die Pflege und Handhabung von Pferden in PMU-Betrieben als Beweis für die ausgezeichnete Pflege. Leider verfügt der Praxiskodex über geradezu rührend niedrige Standardanforderungen, ist rein freiwillig und wird bestenfalls ganz locker gehandhabt bzw. umgesetzt. Im Jahre 1970 sah sich die PMU-Industrie mit gewissen Vorschriften in Ontario konfrontiert, woraufhin Ayerst sein Urin-Sammel-Geschäft einfach nach Manitoba verlegte.
Fohlen auf einer Urinfarm mit riesiger, unbehandelter offener Wunde.
Wesentliche veterinärmedizinische Schriften stimmen darin überein, dass Pferde täglich Bewegung benötigen; davon hat man in der PMU-Branche noch nie etwas gehört. Auf diesen Punkt hin befragt, antwortete ein Sprecher der Wyeth-Ayerst für Öffentlichkeitsarbeit, dass "einige Pferde sehr faul und bewegungsunfreudig sind." Der Praxiskodex gibt den PMU-Farmen lediglich bedeutungslose Anweisungen, indem er besagt, dass "alle Pferde soviel Bewegung erhalten sollen, wie für ihr Wohlbefinden erforderlich ist." Ein paar PMU-Farmer bewegen ihre Stuten wöchentlich, andere versuchen, sie alle 3 bis 4 Wochen einmal rauszulassen, und wieder andere geben zu, dass sie ihre Stuten während der gesamten 6 Monate nicht rauslassen.


Die Versorgung mit Trinkwasser
ist ein anderes besorgniserregendes Thema. Der Gebrauch von Wasser ist auf einer PMU-Farm streng limitiert. Nur wenige Stuten erhalten die in Wyeth`s Praxiskodex angegebene Menge Trinkwasser. Nach Aussagen der Inspektoren des US-amerikanischen Landwirtschaftsministeriums "ermutigt Ayerst offensichtlich zur Limitierung des Trinkwassers, um dadurch den ausgeschiedenen Urin zu konzentrieren, damit eine geringere Menge verarbeitet werden muß. Dies entbehrt jedoch jeder Logik, denn die Firma hat offensichtlich weder in einer Untersuchung den Östrogen-Gehalt des Urins von Pferden mit freiverfügbarem Trinkwasser gegenüber solchen mit begrenzter Wasserzufuhr gemessen, noch haben sie die ausgeschiedene Urinmenge dieser beiden Gruppen festgestellt". Ein Veterinär, der mit mehreren PMU-Farmen zusammenarbeitet, gibt an, dass er eine Zunahme an Nieren- und Leberproblemen feststellen mußte, seit Wyeth-Ayerst die Farmer zu einer begrenzten Wasseraufnahme der Stuten anhielt.

Die meisten PMU-Farmen ignorieren den Praxiskodex
, ohne deswegen Repressalien seitens der Firma befürchten zu müssen. Der Kodex verlangt eine angemessene Behandlung von Wunden sowie tierärztliche Versorgung, falls erforderlich. Ein PETA-Ermittler konnte jedoch Pferde beobachten, die an den Flanken klaffende Wunden aufwiesen, Augen, aus denen grüner Eiter sickerte, und Beine und Unterleibe, die von Flüssigkeitsaufbau geschwollen waren. Diese Pferde waren nicht tierärztlich versorgt worden.

Beamte der American Association of Equine Practitioners
(Amerikanische Vereinigung für praktische Tierärzte für Pferde), die ihre jüngsten Besuche auf von Ayerst ausgewählten PMU-Farmen beschrieben, sagten, dass "es zahlreiche Anomalien im Bereich der unteren Gliedmaßen (alte Wunden, Ödeme, Abschürfungen, Narbengewebe und anomales Hufenwachstum) gegeben habe,.... Die routinemäßig anfallenden medizinischen Probleme wurden von den Betreibern der Farm behandelt, und einige von ihnen wiesen keine befriedigenden Kenntnisse auf..."

Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, wie unwirksam der Praxiskodex tatsächlich ist. Der Kodex verlangt von den PMU-Farmern, dass sie jede einzelne Box warten und die Futterkrippe durch notwendige Reparaturen in einem ordnungsgemäßen Zustand zu halten haben. Im März und April 1994 machte der PETA-Ermittler zahlreiche Fotos eine PMU-Stalles mit angekauten Krippen und Boxen, die durch Tritte der Stuten in dem Versuch, einen Ausweg in die Freiheit zu finden, zertreten worden waren. Spitze Holzstücke stachen hervor, die für die ruhelosen Stuten eine ernsthafte Gefahr darstellten. In einem Untersuchungsbericht der Ayerst Organics vom Februar 1994 wird der Zustand eben dieses Stalles als "gut" bezeichnet.


Presomen ist eines der Produkte auf dem Markt, das unter grausamsten Bedingungen hergestellt wird. Die ethischen Aspekte, die durch die Ausbeutung der Stuten für die Herstellung eines vom Menschen verwendeten Medikamentes angesprochen werden, werden noch durch das verstärkt, was den Fohlen geschieht, die von den PMU-Stuten geboren werden. Ganze zwei Drittel dieser Fohlen, die quasi ein Nebenprodukt der PMU-Industrie darstellen, werden für den menschlichen Verzehr geschlachtet. Im Alter von 120 Tagen werden die Fohlen von ihren Müttern getrennt, noch lange vor dem Alter, in dem sie entwöhnt sind. Die, die kein Glück haben, werden versteigert und damit an diejenigen verkauft, die sie töten werden. Sie überwintern im Freien, auf den Schlachthaus-Mastanlagen, so lange den Tod vor Augen, bis ihr Wachstum nachläßt. Andere Fohlen werden auf den Farmen gehalten und gemästet, bis sie dann direkt an Schlachthäuser in Kanada und den USA geschickt werden können. Große Zugpferde werden oft gehalten, bis sie zwei Jahr alt sind, und dann lebend nach Japan verschifft, um dort geschlachtet zu werden.


Wyeth-Ayerst scheint zu erkennen, wie katastrophal diese "Nebenwirkung" von Presomen/Premarin auf die Öffentlichkeit wirkt, denn das Werbematerial der Firma behauptet, dass die Fohlen für eine Vielzahl von Verwendungszwecken aufgezogen würden, z.B. für Shows, zum Reiten, für Arbeitszwecke, für die Zucht und für Übersee-Märkte. Einige Fohlen werden für Shows oder als Arbeitspferde aufgezogen, jedoch kann unter "Arbeit" auch verstanden werden, dass aus ihnen Rodeo-Pferde werden. Zucht bedeutet häufig, dass sie Ersatz für eine zusammengebrochene Stute werden. Und die "Übersee-Märkte" sind nur eine Beschönigung für die Schlachtung.


Eine gute Nachricht besteht darin, dass Frauen als Östrogen-Ersatz therapeutische Verordnungen wählen können, die kein solch extremes Leiden mit sich bringen. Es gibt viele geeignete Östrogen-Präparate zur Behandlung von Hitzewallungen, nächtlichen Schwitzanfällen und Scheidentrockenheit, an denen Frauen im Verlaufe der Menopause leiden können. Diese Östrogene sind auch hinsichtlich der Prävention von Osteoporose und der Verringerung des Risikos einer Herzerkrankung genauso wirksam wie Presomen. Viele davon sind pflanzlichen Ursprungs. Keins von diesen Mitteln beutet Tiere in einer Weise aus, wie dies bei Presomen der Fall ist. Eine Änderung der Lebensweise, wozu auch regelmäßige Belastungsübungen und Aerobic gehören, und eine entsprechende Ernährung, z. B. mit Tofu und Soja, die einen natürlich hohen Gehalt an Östrogen haben, können ebenfalls hilfreich sein.



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