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Ein Blick hinter die Kulissen der Gänsestopfleberindustrie

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Autor: Sir Roger Moore

Stand Juli 2008
Als ich den Geheimagenten James Bond spielte, bekämpfte ich machtbesessene Bösewichte, die die Weltherrschaft an sich reißen wollen. Jetzt bin ich zum Ritter des Vereinten Königreiches geschlagen worden und möchte deshalb Bösewichte einer ganz anderen Art bekämpfen: die Produzenten von Gänsestopfleber. Auch ich aß früher Foie Gras, doch als mich PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) über die Produktion informierte, wurde mir geradezu schlecht und ich schwor mir, es nie wieder zu essen. Ich habe mich auch bereiterklärt, PETAs Dokumentation über die Grausamkeiten hinter der Produktion von Gänsestopfleber zu besprechen.

Wie ich schon in der Dokumentation mit dem Titel „Delicacy of Despair“ erkläre, ist Foie Gras in Wahrheit eine Krankheit, keine Delikatesse. Die Produzenten von Foie Gras lösen absichtlich eine schmerzhafte und behindernde Erkrankung bei Enten oder Gänsen aus, die unter dem Begriff Steatosis Hepatis (Fettleber) bekannt ist. Die Vögel werden in winzigen Drahtkäfigen oder überfüllten Scheunen gehalten. Zwei bis drei Mal am Tag werden sie fest gehalten und man pumpt ihnen 1-2 Kilogramm Getreide und Fett mit einem langen Metallrohr Rachen in den Magen. Diese Zwangsfütterung verursacht, dass die Leber der Tiere erkrankt und bis auf das 10-fache ihrer Normalgröße anschwillt. Manchmal verursachen die Röhren Löcher in den Hälsen der Vögel. Diese großen Futtermengen können die inneren Organe der Tiere stark schädigen.

© StopGavage.com
So widerlich es ist, das kranke Organ eines Tieres zu essen, so ist es doch die inhumane Behandlung der Tiere, die mich am meisten aufwühlt. Als ich die PETA Dokumentation besprach, habe ich gelernt, dass Enten und Gänse interessante Individuen mit einzigartigen Persönlichkeiten sind. Sie bauen hingebungs- und liebevolle Beziehungen untereinander auf. Sie sind extrem sauber und halten auch ihr Nest schmutzfrei. Enten sind von Natur aus echte Athleten, die jedes Jahr hunderte von Kilometern bei bis zu 95km/h zurücklegen. Ich würde diese sozialen, stolzen Tiere genauso wenig essen, wie ich Hunde oder Katzen essen würde.

Es sollte ihnen freistehen, über Seen und Flüsse zu schweben, die klare Luft, den Sonnenschein und die Gegenwart anderer Vögel zu genießen. In Foie Gras Betrieben werden sie jedoch auf schlimmste Weise missbraucht und geschlachtet, wenn sie erst 3 Monate alt sind.

Man sollte meinen, diese unverfrorenen und entsetzlichen Grausamkeiten an Vögeln sollten überall so illegal sein, wie sie es in Großbritannien sind. Tierschutzexperten geben an, dass die Zwangsfütterung den Vögeln schreckliches Leid verursacht. Das Scientific Committee on Animal Health and Animal Welfare der EU, eine Gruppe von 25 Pathologen aus verschiedenen Ländern, studierte die wissenschaftliche Literatur zur Produktion von Gänsestopfleber und gab einen 89 Seiten langen Bericht heraus, der die unterschiedlichen Faktoren für das Wohlergehen eines Tieres herausarbeitete, einschließlich physiologischer Einflüsse, der Leberpathologie und der Sterblichkeitsrate.

Nachdem sich die Forscher das Beweismaterial angesehen hatten, kamen sie zu dem Schluss, dass „die normale Leberfunktion der Vögel extrem eingeschränkt ist“ und als pathologisch angesehen werden sollte. Das Komitee merkte ebenfalls an, dass Vögel mit verstopfter Leber Schwierigkeiten hatten, stehen zu können und dass ihr normaler Gang und ihre Fähigkeit, zu gehen, besonders eingeschränkt war. Viele zwangsgefütterte Vögel können nicht einmal mehr stehen oder laufen.

Dem Bericht zufolge, kann die Zwangsfütterung einen frühzeitigen Tod bedeuten, die Vögel werden jedoch normalerweise schon geschlachtet, bevor sie den Auswirkungen der Fütterung erliegen. Die Sterblichkeitsrate von Vögeln, die für die Stopfleberproduktion gezüchtet werden, liegt bis zu 20 Mal höher als die von Vögeln, die auf normale Weise aufgezogen werden und die Kadaver der Tiere zeigen Flügelbrüche und ernsthafte Gewebsverletzungen der Rachenmuskulatur auf.

Ein Bericht belgischer Tierärzte lautete: “Es besteht absolut kein Zweifel daran, dass die Zwangsfütterung bei Vögeln physiologisches und psychisches Leid auslöst, welches ihr Wohlbefinden dramatisch reduziert.“ Der Bericht erklärte, dass „die Zwangsfütterung aus ethischer Sicht verurteilt werden muss“.

Jeder, der sich die von mir für PETA besprochene Dokumentation angesehen hat, wird zustimmen, dass die Stopfleberproduktion verwerflich ist. Die „Szenen“ des Videos sind wesentlich grausamer als all meine 007 Filme, einschließlich „Leben und sterben lassen“, „A view to a kill“ und „Der Mann mit dem goldenen Colt“. Einige Vögel haben durch Verletzungen der Sonden Löcher im Hals, viele blutige Schnäbel und verletzte Flügel. Andere Tiere baumeln an Drähten, Blut spritzt aus ihren Hälsen und tropft auf die Vögel unter ihnen. Es ist nicht leicht, sich die Bilder anzusehen, aber wenn die Menschen Foie Gras essen möchten, sollten sie wissen, dass sie zu immensem Leid beitragen.

© StopGavage.com
Die Produktion von Stopfleber ist so grausam, dass sie in 15 Ländern verboten wurde – einschließlich Großbritannien, Israel, der Schweiz, der Tschechei, Dänemark, Finnland, Luxemburg, Norwegen, Polen, Schweden und den Niederlanden. Im Jahr 2004 unterschrieb der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger einen Gesetzesentwurf, der sowohl die Produktion als auch den Verkauf von Stopfleber in Kalifornien verbietet. Das Gesetz wird 2012 in Kraft treten.
Umfragen haben ergeben, dass 60% der Briten der Ansicht sind, der Verkauf von Foie Gras sollte auch in Großbritannien verboten sein. Frankreich ist der führende Exporteur von Foie Gras nach Großbritannien; das bedeutet, dass britische Restaurants und Läden französische Produzenten dafür bezahlen, Enten und Gänse in ihrem Namen zu misshandeln.

Jedes Mal wenn ich Foie Gras auf der Speisekarte eines Restaurants oder Hotels sehe, bitte ich darum, mit dem Chefkoch oder dem Manager sprechen zu können und erkläre ihm dann, warum ich der Meinung bin, dass diese Produkt nicht verkauft werden sollte.

Der ehrenwerte Hugh Bayley reichte den Verfahrensantrag „Early Day Motion (EDM) 1247“ ein, indem er die britische Regierung aufforderte, den Verkauf von Foie Gras in Großbritannien zu verbieten. Die EDM merkt an, dass „bestehende britische Tierschutzgesetze solch grausame Zuchtmethoden verbieten, gibt zu bedenken, dass ein Verkaufsverbot von Foie Gras in Großbritannien mit dem EG Vertrag und den Regulierungen der Welthandelsorganisation einhergehen würde, welche beide Verbote aufgrund der öffentlichen Moral erlauben; weiterhin befürwortete de EDM die Bemühungen der Website www.banfoiegras.org.uk, die Menschen aufzuklären und öffentliche Personen aufzufordern, ein Verbot zu verlangen und bittet die Regierung, den Verkauf von Foie Gras in Großbritannien zu verbieten.“

Im Mai 2007 schickte ich einen Brief an jedes Parlamentsmitglied, um den Antrag zu unterstützen. Jedem Brief legte ich eine Kopie der DVD „Delicacy of Despair“ bei.

Die EDM, die den Verkauf von Foie Gras in Großbritanninen verbieten würde, ist zwar noch nicht verabschiedet worden, aber alle großen Supermärkte, einschließlich Waitrose, Sainsbury’s und Marks & Spencer, weigern sich mittlerweile, die erkrankte Leber zu verkaufen und der Starkoch Wolfgang Puck hörte sogar auf, das Produkt in seinen Restaurants anzubieten. Die Anti-Stopfleber Bewegung in Großbritannien wird immer stärker. Sogar Prinz Charles hat sie von der königlichen Speisekarte gestrichen und die Köche in all seinen Residenzen angewiesen, keine Stopfleber mehr auf den Teller zu bringen. Einem Sprecher zufolge, war sich seine königliche Hoheit nicht bewusst, dass das House of Cheese in Tetbury, Gloucestershire, Foie Gras verkaufte und überlegt nun, den Hoflieferantenstatus des Unternehmens zurückzuziehen.

Leider verkaufen manche andere, einschließlich Selfridges, noch immer Gänsestopfleber. Der Herzog und die Herzogin von Hamilton haben bekanntgegeben, Selfridges boykottieren zu wollen, bis das Kaufhaus aufhört, Foie Gras zu verkaufen und die Herzogin hat dem Geschäftsführer von Selfridges, Paul Kelly, schon mindestens zwei Briefe diesbezüglich geschrieben. In ihrem zweiten Brief erklärt die Herzogin, dass es keine „tierfreundlich produzierte“ Stopfleber gibt und kritisiert das Unternehmen aufgrund der Angabe, eines Tages „humane Foie Gras“ verkaufen zu wollen, wo doch immer noch ein Produkt in den Regalen steht, da somit als inhuman anerkannt wird. „In einem Wort zusammengefasst, ist es schlichtweg unmoralisch – genauso wie Profit aus den Verkäufen zu schlagen“, so Kathleen Hamilton.

Auch ich habe, wie der Herzog und die Herzogin, den Besitzer von Selfridges, Galen Weston, darüber informiert, dass ich Selfridges bei meinen häufigen Besuchen in London solange boykottieren werde, wie noch dieses verabscheuenswürdige Produkt verkauft wird. Ich habe das PETA Video meinem Brief vom 13. Mai beigelegt, in der Hoffnung, dass dies den Verantwortlichen die Augen für die Grausamkeiten, die sie mit dem Verkauf von Foie Gras unterstützen öffnen wird.

Ich möchte alle anderen mitfühlenden Menschen bitten, mir – einem in Rente gegangenen Bond, James Bond – zu helfen, um die Produktion und den Verkauf von Foie Gras endlich zu stoppen. Bitte besuchen Sie www.peta.de für weitere Details der Kampagne und Informationen darüber, wie Sie helfen können.