In Europa werden jährlich Millionen Tiere wie Mäuse, Kaninchen, Hunde, Katzen und Affen für „wissenschaftliche“ Zwecke vergiftet, Nahrungs-, Wasser- oder Schlafentzug ausgesetzt, absichtlich mit Krankheiten infiziert, zwangsernährt, an Apparaturen gefesselt, Haut- oder Augenreizstoffen ausgesetzt, gelähmt, vergast oder durch Stromschlag getötet.
Die aktuelle Tierversuchsstatistik, welche das Jahr 2023 umfasst, zeigt: 8,1 Millionen missbrauchte Tiere allein in diesem Jahr in Tierversuchen innerhalb der EU und Norwegen. [1]
- Im Durchschnitt lagen die Jahre 2020 bis 2022 mit 8,6 Millionen Tieren pro Jahr unverändert auf demselben Niveau wie 2019 vor Corona.
- Von einer Reduktion konnte also lange nicht die Rede sein.
- Verglichen mit 2018 hat sich die Zahl der missbrauchten Tiere nun aber endlich um fast zehn Prozent reduziert.
Die meisten der 8.076.595 Tiere im Jahr 2023 wurden in Frankreich und Norwegen für Experimente und Tests missbraucht, Deutschland folgt auf Platz drei dieser traurigen Statistik. Die Tiere leiden in Giftigkeitstests für Chemikalien, in Versuchen für die Entwicklung von Medikamenten oder für die Grundlagenforschung.
Die Reduktion der Zahlen ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung, doch sie ersetzt keine Strategie: Nach wie vor werden jedes Jahr Millionen Tiere in „Forschung“, Tierversuchen, Ausbildung und der routinemäßigen Produktion eingesetzt. Was fehlt, sind Entschlossenheit und eine klare Richtung. Die EU braucht dringend einen klaren, zeitgebundenen Strategieplan, um Tierversuche zu beenden – nicht nur den für gesetzlich vorgeschriebene Versuche, der noch dieses Jahr erscheinen soll.
Tierversuche in der EU: Gesamtzahl getöteter Tiere deutlich höher
Dabei ist die tatsächliche Zahl der Tiere, die im Zusammenhang mit Tierversuchen getötet werden, sogar weitaus höher: Zusätzlich zu den über 8 Millionen Tieren, die 2023 in Versuchen missbraucht wurden, wurden 997.013 Tiere zur „Herstellung oder Erhaltung genetisch veränderter Linien“ ausgebeutet – insgesamt sind es damit schon über 9 Millionen Tiere.
Weitere Millionen Lebewesen kommen hinzu, die im Namen der „Wissenschaft“ gezüchtet und anschließend getötet wurden, ohne zuvor in einem Versuch „eingesetzt“ worden zu sein. Wie viele das sind, wird nur alle 5 Jahre veröffentlicht – die letzte Statistik dazu ist von 2022, als es sich um knapp 9,5 Millionen Tiere handelte. [2] Davon wurden 1,6 Millionen Tiere für die Entnahme von Organen getötet sowie 7,9 Millionen sogenannte „Überschusstiere“: Diese werden getötet, weil sie nicht das gewünschte Geschlecht, Krankheitsbild oder die „passende“ genetische Veränderung aufweisen – oder weil schlicht zu viele Tiere gezüchtet wurden, um den „Bedarf“ ohne Lieferverzögerung decken zu können.
Insgesamt wurden in der EU im Jahr 2023 so wahrscheinlich um die 18 Millionen Tiere im Namen der „Wissenschaft“ getötet.

Speziesismus im Versuchslabor
Tausende Primaten, Hunde und Katzen leiden jedes Jahr in EU-Tierversuchslaboren, doch Mäuse, Ratten und Fische machen zusammengenommen mit mehreren Millionen den Großteil aller Tiere in Versuchen aus. Diese Tiere fühlen Schmerz und Angst wie wir, aber da man sie in großer Zahl auf kleinstem Raum halten kann, werden sie am häufigsten als Versuchsobjekte ausgebeutet.
Dazu kommt, dass viele Menschen weniger emotionalen Bezug zu diesen Tierarten haben und die Hemmschwelle, sie in Experimenten zu missbrauchen, geringer ist – ein typisches Beispiel für Speziesismus.
Entwicklung der Tierversuchszahlen in der EU und Norwegen im Laufe der Jahre
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2022: 8.477.8458 missbrauchte Tiere
Knapp 8,5 Millionen Tiere wurden 2022 in den EU-Mitgliedsstaaten und Norwegen in Tierversuchen missbraucht – davon fast 7 Millionen Mäuse und Fische. Dazu wurden knapp 10 Millionen weitere Tiere als sogenannter „Überschuss“ getötet, nachdem sie gezüchtet, jedoch nicht „gebraucht“ wurden, sowie 863.000 weitere Tiere zur „Herstellung oder Erhaltung genetisch veränderter Linien“. Wie auch im Vorjahr litten die meisten Tiere in Frankreich, Deutschland folgte auf Platz zwei der Statistik. [2]
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2021: 9.513.214 missbrauchte Tiere
Im zweiten Corona-Jahr stieg die Zahl der in Versuchen missbrauchten Tiere an: In den EU-Mitgliedsstaaten und Norwegen wurden 2021 über 9,5 Millionen Tiere in Versuchen ausgebeutet. [3] Angeführt wird diese traurige Statistik von Frankreich, gleich danach folgt Deutschland: In diesen beiden Ländern mussten die meisten Tiere in Versuchslaboren leiden.
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2020: 8.083.175 missbrauchte Tiere
Im Jahr 2020 wurden in Laboren der 27 EU-Mitgliedstaaten und in Norwegen über 8 Millionen Tiere in Versuchen missbraucht. [4] 7.316 Affen und Halbaffen, 14.064 Hunde und 3.959 Katzen litten in EU-Tierversuchslaboren. Mäuse, Ratten und Fische machen zusammengenommen mit über 6,8 Millionen den Großteil aller Tiere in Versuchen aus. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Gesamtzahl der Tiere um 7,5 Prozent gesunken – das liegt aber hauptsächlich an Einschränkungen durch die Corona-Pandemie. Deutschland bleibt, verglichen mit dem Vorjahr 2019, trauriger Spitzenreiter.

EU-Studie: Mehr als 70 Prozent der EU-Bürger:innen lehnen Tierversuche ab
Dass die Bevölkerung europaweit Tierversuche nicht akzeptiert, zeigt der Erfolg der Europäischen Bürgerinitiative „Save Cruelty Free Cosmetics“, die mit 1,2 Millionen Stimmen bereits zu Maßnahmen der EU-Kommission geführt hat. Auch eine im Jahr 2020 durchgeführte repräsentative Umfrage spiegelt dies wider. Insgesamt wurden dort rund 5.700 EU-Bürger:innen zu ihrer Einstellung gegenüber Tierversuchen befragt. [5] Dabei zeichnete sich folgendes Bild:
- 74 Prozent finden Tierversuche für Kosmetika und deren Inhaltsstoffe nicht akzeptabel.
- 72 Prozent der Befragten wünschen sich verbindliche Ziele und Fristen für die schrittweise Abschaffung von Tierversuchen in der EU.
- 70 Prozent geben an, dass die vollständige Ersetzung von Tierversuchen durch tierversuchsfreie Methoden für die EU Priorität haben sollte.
- 66 Prozent fordern die sofortige Abschaffung aller Tierversuche in der EU.
Die Zukunft der Wissenschaft ist tierversuchsfrei
Wissenschaftlicher Fortschritt geht auch ohne Tierversuche – das zeigt allen voran der Rückgang an gesetzlich vorgeschriebenen Tierversuchen in den vergangenen fünf Jahren (1,9 Millionen in 2018 [6], 1,1 Millionen in 2023). Dieser Bereich nutzt mehr und mehr tierversuchsfreie Methoden, da diese nicht nur wissenschaftlich genauer, sondern oftmals auch kostengünstiger und effizienter sind: Die Zahl der Tierversuche für Arzneimitteltests sank von 1 Million im Jahr 2018 auf knapp unter 500.000 im Jahr 2023.
Doch trotz zahlreicher tierversuchsfreier Technologien wie Organ-Chips und innovativen Computermodellen werden nach wie vor immer mehr Tiere missbraucht – was die Grenzen freiwilliger Veränderungen deutlich aufzeigt. Gebraucht wird ein strategischer Ausstiegsplan, um realistische Schritte verbindlich festzuhalten und die Modernisierung der Wissenschaft zu beschleunigen.
Immerhin wurde für die biomedizinische Forschung 2025 ein Europäischer Forschungsraum für tierfreie Methoden initiiert und entsprechendes Budget freigegeben, um diese zu fördern und schneller in die Anwendung zu bringen [7] – solche Räume können helfen, Ressourcen zu bündeln sowie Forschende, Wissen und Technologien frei zwischen Mitgliedsstaaten auszutauschen. [8] Sie ersetzen jedoch kein klares Commitment, die Zukunft der Wissenschaft ohne Ausbeutung von Tieren gestalten zu wollen.
Millionen Tiere werden in der EU nach wie vor jedes Jahr in „Forschung“, Tests, Lehre und routinemäßiger Produktion „eingesetzt“. Was fehlt, ist Priorisierung – und ein klarer, zeitgebundener Strategieplan zur Beendigung aller Tierversuche. Die EU verfügt über das Wissen, die Technologie und die öffentliche Unterstützung, Tierversuche zu beenden. Was es jetzt braucht, ist der politische Wille zum Handeln.

Jetzt helfen, Tierversuche zu beenden!
Tierversuche müssen endlich beendet werden – und Sie können aktiv darauf Einfluss nehmen! Bitte unterstützen Sie unseren Research Modernisation Deal – einen Leitfaden zum Ausstieg aus Tierversuchen, der von PETA Deutschland gemeinsam mit unseren internationalen Partnerorganisationen erstellt wurde.
Unterschreiben Sie unsere Petition und helfen Sie uns dabei, Tierversuche nachhaltig und sicher zu beenden.
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Quellen
[1] European Commission. Summary Report on the statistics on the use of animals for scientific purposes in the Member States of the European Union and Norway in 2023. March 31, 2026. Accessed April 10, 2026. https://data.consilium.europa.eu/doc/document/ST-7917-2026-INIT/en/pdf
[2] European Commission. Summary Report on the statistics on the use of animals for scientific purposes in the Member States of the European Union and Norway in 2022. July 19, 2024. Accessed April 10, 2026. https://data.consilium.europa.eu/doc/document/ST-12496-2024-INIT/en/pdf
[3] European Commission. Summary Report on the statistics on the use of animals for scientific purposes in the Member States of the European Union and Norway in 2021. July 19, 2024. Accessed April 10, 2026. https://circabc.europa.eu/ui/group/8ee3c69a-bccb-4f22-89ca-277e35de7c63/library/10ad28d6-e17e-4367-b459-20883402cfcc/details
[4] European Commission. Summary Report on the statistics on the use of animals for scientific purposes in the Member States of the European Union and Norway in 2020. March 31, 2023. Accessed April 10, 2026. https://circabc.europa.eu/ui/group/8ee3c69a-bccb-4f22-89ca-277e35de7c63/library/10ad28d6-e17e-4367-b459-20883402cfcc/details
[5] Savanta. Cruelty Free Europe – Animal Testing in the EU. July 17, 2020. Accessed December 14, 2022. https://savanta.com/knowledge-centre/poll/cruelty-free-europe-animal-testing-in-the-eu.
[6] European Commission. Summary Report on the statistics on the use of animals for scientific purposes in the Member States of the European Union and Norway in 2018. July 14, 2021. Accessed April 10, 2026. https://circabc.europa.eu/ui/group/8ee3c69a-bccb-4f22-89ca-277e35de7c63/library/e9234275-dd95-44ba-b4c6-8babfb449e78/details?download=true
[7] Ministère de l’Enseignement supérieur de la Recherche et de l’Espace. Support to European Research Area (ERA) action on accelerating New Approach Methodologies (NAMs) to advance biomedical research and testing of medicinal products and medical devices. April 16, 2026, https://www.horizon-europe.gouv.fr/support-european-research-area-era-action-accelerating-new-approach-methodologies-nams-advance
[8] Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Der Europäische Forschungsraum. https://www.horizont-europa.de/de/Der-Europaische-Forschungsraum-1742.html
