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Erster Fall von Afrikanischer Schweinepest in Deutschland

Nachdem die Afrikanische Schweinepest bereits mehrfach in Polen aufgetreten ist, wurde nun im Spree-Neiße-Kreis das erste infizierte Wildschwein in Deutschland bestätigt.

Wie zeigt sich die Afrikanische Schweinepest?

Das Virus befällt ausschließlich Schweine. Somit können sich nur Wildschweine oder domestizierte Hausschweine in der Mast anstecken. Infizierte Schweine leiden zunächst an Fieber, Atemproblemen und Schwäche. Nach sieben bis zehn Tagen erliegen die Tiere dem Virus und sterben. Für Menschen und andere Tiere ist die Afrikanische Schweinepest völlig ungefährlich. [1]

Unzählige gesunde Wildschweine „vorsorglich“ getötet

Aus Angst vor einem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland forderte der Deutsche Bauernverband bereits vor einigen Jahren Präventionsmaßnahmen. Dahinter steckt die Befürchtung der Schweinehalter, durch infizierte Schweine finanzielle Verluste zu erleiden. Denn sollte ein Tier in ihren Mastanlagen an dem Virus erkranken, müssen alle Schweine, deren Fleisch die Betreiber verkaufen wollen, vorsorglich getötet und entsorgt werden.

Als „Präventionsmaßnahme“ wurden im Jagdjahr 2017/2018 sehr viel mehr Wildschweine von Jägern getötet als im Jahr davor: Die Tötungsrate stieg um 42 Prozent auf über 800.000 Wildschweine an. [2] All diese Tiere wurden lediglich unter dem Vorwand der Prävention getötet.

Sind Schweine in der Mast überhaupt gefährdet?

Da die Mehrheit der Schweine in Mastanlagen ihr Leben in geschlossenen Ställen verbringt und niemals nach draußen gelangt, ist es für die Tiere nicht möglich, sich bei Wildschweinen mit dem Virus anzustecken. Die einzige Möglichkeit, wie der Erreger in den Stall geraten könnte, ist eine Übertragung durch den Menschen. So könnten Landwirte oder Arbeiter das Virus beispielsweise über kontaminierte Speise- oder Schlachtabfälle in den Stall einbringen. In diesem Bereich sind Präventionsmaßnahmen daher sinnvoll. Der Konsum von Fleisch und Fleischprodukten trägt somit maßgeblich zur Gefahr durch die Afrikanische Schweinepest und ihrer Verbreitung bei.

Virus durch Drückjagden verbreitet

Die verstärkte Bejagung von Wildschweinen erhöht das Risiko einer Verbreitung der Seuche zusätzlich, denn die aufgeschreckten Tiere flüchten revierübergreifend und tragen das Virus über weite Distanzen. Auch das Friedrich-Loeffler-Institut befürchtet Wanderbewegungen der Wildschweine durch die Drückjagden und damit ein erhöhtes Risiko für die Verschleppung des Erregers. [3] Das Institut empfiehlt daher im Fall des Ausbruches eine Jagdruhe.

Zusätzlich sorgt die Bejagung von Wildschweinen dafür, dass die Tiere sich stärker vermehren. Sie reagieren auf den hohen Jagddruck mit einer erhöhten Fortpflanzungsrate, und die Geschlechtsreife der weiblichen Schweine tritt früher ein. [4]

Wir von PETA fordern daher ein sofortiges Ende der grausamen Drückjagden auf Wildschweine.



[1] Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit: Tierseuchengeschehen, Afrikanische Schweinepest, https://www.fli.de/de/aktuelles/tierseuchengeschehen/afrikanische-schweinepest/, zuletzt eingesehen am 10.09.2020
[2] Deutscher Jagdverband: Jagdstatistik 2017/18, https://www.jagdverband.de/node/3304, zuletzt eingesehen am 10.09.2020
[3] Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (2014): Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest in Wildschweinen in Deutschland: Jagdruhe im Ausbruchsfall sinnvoll, tote Wildschweine ab sofort untersuchen, https://www.fli.de/fileadmin/FLI/Publikationen/FLI-Informationen/Zusatzinformationen/FLI-Zusatzinformation_ASP-WS.pdf, zuletzt eingesehen am 10.09.2020
[4] Servanty et al. (2009): Pulsed resources and climate-induced variation in the reproductive traits of wild boar under high hunting pressure. Journal of Animal Ecology. Nr. 78, Issue 6.