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Hundewolle: Wurden Hunde als Wolllieferanten genutzt?

Symbolbild

Als das US-amerikanische Hibulb Cultural Center im Jahr 2012 eine Wolldecke von Mitgliedern eines historischen indigenen Küstenstammes erhielt, ging das Museum wie selbstverständlich davon aus, dass die Decke aus Ziegenhaar gefertigt wurde. Doch Laborergebnisse zeigten ein überraschendes Ergebnis: Die Decke besteht aus Hundewolle!  

Hunde für Wolle gezüchtet und geschoren

Die um das Jahr 1850 entstandene Decke bestätigt mündliche Überlieferungen und Forschungsbemühungen, die unlängst davon ausgingen, dass indigene Stämme an der Pazifikküste über 5.000 Jahre lang Hunde für die Produktion von Wolle züchteten. Knochen der kniehohen, haarigen Hunde wurden bereits an mehr als 210 Ausgrabungsstätten an der Pazifikküste entdeckt, konnten zuvor aber keiner Hundeart zugeordnet werden. Um ihr Fell zu Wolle verarbeiten zu können, wurden die Tiere nicht gekämmt, sondern geschoren. Mittlerweile wurden viele weitere Produkte aus Hundehaar entdeckt.

Schafe, Ziegen, Kaninchen und Alpakas – bis heute Opfer der Wollindustrie

Während es in unserer Gesellschaft als „normal“ erachtet wird, Wolle aus dem Haar von Schafen oder Alpakas zu tragen, würden die meisten Menschen vermutlich niemals auf die Idee kommen, einen Hund gewaltsam auf den Boden zu drücken und ihm das Fell vom Körper zu scheren. Vielen Kaschmirziegen und Angorakaninchen wird das Fell sogar bei lebendem Leib büschelweise ausgerissen. Würde man Hunde dieser Qual aussetzen, wären die meisten Menschen vermutlich entsetzt, würden es als Tierquälerei bezeichnen und den Hund vor weiteren Misshandlungen beschützen. Warum also tolerieren wir, dass für die Produktion von Mohair, Kaschmir oder Merinowolle die gleiche Tortur anderen Tieren wie Schafen oder Alpakas angetan wird? Die Antwort lautet: Weil wir es so gewohnt sind.

Speziesismus: Hunde sind Familie und Schafe Wolllieferanten

Es macht keinen Unterschied, ob tierische Wolle von einem Schaf, einem Hund oder eine Ziege stammt. Sie alle können Angst, aber auch Freude und Zuneigung empfinden. Sie geraten in Panik, wenn sie für die Schur gewaltsam fixiert oder ihnen gar die Beine gefesselt werden. Sie haben Schmerzen, wenn die Schurmesser in ihr Fleisch schneiden und blutende Wunden hinterlassen. Die Tatsache, dass viele Menschen das Leid der einen Tierart tolerieren, aber die Rechte der anderen verteidigen, nennt sich Speziesismus. Die Grenze zwischen diesen Tieren wird dabei völlig willkürlich gezogen.

Was Sie tun können

Ganz gleich ob Mensch, Hund oder Schaf: Niemand hat es verdient, für die Produktion von Wolle in Angst und Panik versetzt oder gar verletzt zu werden. Zeigen Sie Mitgefühl für alle Lebewesen und lassen Sie tierische Materialien wie Leder, Wolle, Pelz, Daunen und Seide beim Einkauf im Regal liegen. Wir können uns heutzutage problemlos ohne Tierleid kleiden – synthetische und pflanzliche Alternativen gibt es in allen Formen und Farben.



[1] Ogden, Lesley Evans (2020): Man’s Best Friend Once Made Nice Wool Blankets, Too. New York Times. Online: https://www.nytimes.com/2020/10/09/science/dog-wool.html (zuletzt aufgerufen am 10.11.2020)