Käfighaltung, Einsamkeit und Langeweile bedeuten für Kaninchen Qual und Leid

Kaninchen gelten irrtümlicherweise als pflegeleichte Tiere, die aufgrund ihres niedlichen Aussehens und ihrer Wehrlosigkeit als Spielgefährten für Kinder missverstanden werden. Doch für die sensiblen Gruppentiere bedeutet das einsame Dahinvegetieren in Gefangenschaft häufig großes Leid. Schlechte Haltung kann Kaninchen aggressiv und krank machen und zu Verhaltensstörungen führen.

Die Bedürfnisse von Zwergkaninchen unterscheiden sich kaum von denen ihrer wildlebenden Verwandten: Als Fluchttiere benötigen sie einen geräumigen und tiergerechten Lebensraum, der ihrem Bewegungsdrang entspricht und es ihnen ermöglicht, Haken zu schlagen, in Höhlen zu ruhen, sich zurückzuziehen oder zu buddeln. Kaninchen sind keine „Schmusetiere“.

Ein Käfig ist kein Lebensraum

Etwa 3 Millionen Kaninchen leben in deutschen Haushalten. [1] Damit gilt das Kaninchen mit Abstand als das beliebteste Kleintier in Deutschland. Jedoch müssen die sozialen und bewegungsfreudigen Langohren oftmals ihr Dasein in engen Käfigen fristen, häufig vereinsamen die geselligen Tiere in Einzelhaltung. Sie leiden in Kinderzimmern, Gärten, Kellern oder bei Kleintierzüchtern. Kaninchen sind in einem quasi rechtsfreien Raum gefangen, denn es fehlen verbindliche Vorschriften, die Mindeststandards für ein tiergerechtes Leben festschreiben.
 


Aufgrund der Unwissenheit und Ignoranz ihrer Halter müssen unzählige Tiere ein qualvolles Leben erleiden – vorangetrieben durch die Zoohandelsindustrie, die nicht nur am massenhaften Verkauf der „Ware Tier“ verdient, sondern auch an tierschutzwidriger Zubehör, wie z.B. über den Verkauf handelsüblicher Käfige. Auch wenn sie im Zoogeschäft mit Attributen wie „Castle“ oder „Palast“ als besonders luxuriös und groß angepriesen werden, sind sie als Lebensraum für Kaninchen in keinster Weise geeignet. Ebenso ist handelsübliches Fertigfutter für Kaninchen in der Regel eher schädlich als gesund.
 
Ein spontan gekauftes Kaninchen verliert schnell an Reiz – für Kinder wie für Erwachsene. Während sich Menschen einfach anderen Interessen zuwenden, müssen Kaninchen jahrelang Enge, Einsamkeit und Langeweile erdulden. Sie haben keine Chance auf ein besseres Leben.

Die ambitionierte und tiergerechte Kaninchenhaltung ist anspruchsvoll und kostspielig. Wer Kaninchen ein Zuhause bieten möchte, muss auch teure Tierarztkosten einkalkulieren. Neben den regelmäßigen Impf- und Kontrollbesuchen, sind Kaninchen auch aufgrund ihres Verdauungssystems und wegen zuchtbedingter physiologischer Veränderungen, sehr anfällig, an diversen Krankheiten zu leiden. Für den Lebensraum der Kaninchen muss viel Platz vorgesehen sein. Es erfordert Zeit und Interesse, sich über richtige Ernährung und Gestaltung des Geheges zu informieren.

Adoptieren statt kaufen

Wer einer Gruppe von Kaninchen aus dem Tierheim oder aus schlechter Haltung ein Zuhause geben möchte, sollte auf die kaninchengerechte Haltung achten. Bereits vor Aufnahme der Tiere müssen sich die Halter ausführlich über die Bedürfnisse von Kaninchen informieren. Von einem Kauf beim Züchter, in einer Zoohandlung oder über ein Internetportal ist immer abzuraten. In deutschen Tierheimen warten viele Kaninchen auf eine zweite Chance und ein Leben in einem schönen, kaninchengerechten Zuhause.
 
 

Was Sie tun können:

  • Kaufen Sie niemals ein Kaninchen oder ein anderes Tier auf einem Markt, in einer Zoohandlung oder bei einem Züchter. Wenn Sie nach reiflicher Überlegung tierische Mitbewohner aufnehmen möchten, besuchen Sie bitte ein Tierheim.
  • Deutschland braucht ein Heimtierschutzgesetz! Unterstützen Sie unsere Forderung nach einem rechtsverbindlichen Schutz unserer tierischen Freunde.
  • Kaufen Sie die Zubehör für Ihre tierischen Mitbewohner nur in Zoohandlungen, die keine Tiere verkaufen!

Quelle:
[1] Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe: Die Deutschen begeistern sich für Heimtiere. Online unter: https://www.zzf.de/themen/tierschutz/tierschutz/article/dei-deutschen-begeistern-sich-fuer-heimtiere.html, letzter Zugriff 27.03.2018