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„Nutztiere“ – warum Tiere nicht dazu da sind, dass wir sie nutzen

Was sind „Nutztiere“?

Unter dem Begriff „Nutztier“ werden Tierarten zusammengefasst, die für einen bestimmten Zweck domestiziert und gezüchtet wurden – nämlich, um dem Halter einen wirtschaftlichen Nutzen zu bringen. Dazu werden Tiere willkürlich in verschiedene Kategorien eingeordnet, beispielsweise Tiere in der Nahrungsmittelindustrie, Tiere in der Bekleidungsindustrie und Tiere in der Unterhaltungsindustrie. Außerdem werden Tiere in Tierversuchen missbraucht, unter anderem für die Entwicklung von Arzneimitteln, Kosmetika und Lebensmitteln. Warum diese Einteilung nicht nur willkürlich, sondern auch sinnlos ist, erfahren Sie hier.  

Tiere in der Nahrungsmittelindustrie: ausgebeutet für Fleisch, Eier und Milch

Jedes Jahr werden in deutschen Schlachthöfen etwa 800 Millionen Hühner, Schweine, Puten, Rinder und andere Tiere getötet. Die Tiere stammen sowohl aus der Fleischindustrie als auch von Milch- und Eierbetrieben. [1] Fast alle Tiere, die für die Nahrungsmittelproduktion gezüchtet werden, leben aus Kostengründen in der konventionellen Tierhaltung. Hierbei werden sie zumeist auf engstem Raum, inmitten ihrer eigenen Fäkalien oder auf Spaltenböden gehalten, die ihnen Schmerzen bereiten. In kargen, überfüllten, verschmutzten Ställen und Käfigen steigt zwar das Risiko für Krankheiten, trotzdem ist es kosteneffizienter, Fleisch, Milch und Eier auf diese Weise zu „produzieren“.

In der industriellen Tierhaltung leiden Tiere unsäglich unter miserablen Lebens- und Haltungsbedingungen. Während ihres kurzen, erbärmlichen Lebens sind sie tagtäglichen Qualen ausgesetzt. Für die Tötung im Schlachthof werden sie auf LKW eng zusammengepfercht und teilweise über hunderte Kilometer transportiert. Beim Schlachtvorgang schlägt die Betäubung oft fehl, sodass viele Tiere den tödlichen Schnitt durch die Kehle bei vollem Bewusstsein erleben.

Tiertransport Kalb
In der Eierindustrie werden jährlich etwa 50 Millionen männliche Küken noch am Tag ihrer Geburt vergast, weil sie als wertlos gelten. [2] Die sogenannten Legehennen leiden in der industriellen Tierhaltung unter Überzüchtung und Krankheiten.

In der Milchindustrie leben Kühe, Schafe, Ziegen und Büffel meist auf beengtem Raum und können grundlegenden Bedürfnissen, wie der Versorgung ihrer Kälber, nicht nachgehen. Weil Kühe nur Milch geben, wenn sie ein Kalb geboren haben, werden die weiblichen Tiere schon sehr früh künstlich besamt. Die Kälber werden ihnen kurz nach der Geburt entrissen – oft rufen Mutter und Kalb noch tagelang verzweifelt nacheinander.

Fische, Krebse, Kraken und andere Meerestiere empfinden wie alle anderen Tiere Schmerzen und Angst. Da Fische an Land nicht atmen können, ersticken sie nach dem Fang meist langsam und qualvoll. Krebse und Kraken werden oft bei lebendigem Leib gekocht oder sogar lebend in Stücke geschnitten.

Tiere in der Bekleidungsindustrie: getötet für Leder und Pelz

Für Produkte wie Leder, Wolle, Pelz, Seide und Daunen leiden und sterben jährlich Millionen Tiere. Ein Großteil des weltweit gehandelten Leders stammt aus Indien, Brasilien oder China, wo es keine greifenden Tierschutzgesetze gibt. Tiere wie Schlangen oder Alligatoren werden auf Farmen gezüchtet, damit ihre Haut als sogenanntes Exotenleder zu vermeintlichen Luxusprodukten verarbeitet werden kann.

In Deutschland erhältlicher Pelz stammt überwiegend von Pelzfarmen in Europa und China, wo freiheitsliebende Tiere wie Füchse, Marderhunde oder Nerze in winzige Käfige gesperrt und auf grausame Weise getötet werden. Teilweise stammt der Pelz aber auch von Hunden und Katzen aus China.

Schafe, Kaninchen, Alpakas oder Ziegen müssen regelmäßig eine qualvolle Schur über sich ergehen lassen, denn der Mensch will ihre Wolle zu Kleidung verarbeiten. Die weit verbreitete Annahme, dass Tiere in der Wollindustrie in bestimmten Abständen geschoren werden müssen, stimmt zwar – jedoch nur, weil der Mensch ihnen den natürlichen Fellwechsel weggezüchtet hat. Ganz gleich, ob Schafwolle, Angora, Kaschmir oder Mohair – für die Produktion von Wolle leiden die Tiere immer.

Ähnlich sieht es bei Daunen aus: Aufgrund der wärmenden Eigenschaften von Daunen werden jedes Jahr allein in Deutschland 19 Millionen Enten und Gänse getötet, um ihre Federn zu verarbeiten. In vielen Ländern wird bis heute der grausame Lebendrupf praktiziert, bei dem den Vögeln die Federn bei lebendigem Leib ausgerissen werden.

Auch Seide bedeutet großes Tierleid: Bei der Produktion von Seide werden die Raupen des Seidenspinners in ihrem Kokon bei lebendigem Leib in kochendes Wasser geworfen oder heißem Dampf ausgesetzt und getötet.

Unterhaltungsindustrie: ein trostloses Leben voller Gewalt

Einige Tierarten wie Elefanten, Tiger und Affen werden besonders oft zur Unterhaltung des Menschen missbraucht, eingesperrt und gequält.

In Zirkussen werden die Tiere auf engstem Raum gehalten, rücksichtslos behandelt und meist bis zum letzten Atemzug ausgenutzt. Sie leiden unter mangelhaften Haltungsbedingungen und einer Dressur, die stets auf Zwang und Gewalt basiert. Nur unter Androhung körperlicher Schmerzen und psychischem Druck lassen sich die Tiere zu unnatürlichen Darbietungen zwingen.  

In deutschen Zoos und Tierparks sowie in Meereszoos leben unzählige Tiere in lebenslanger Gefangenschaft. Viele werden dafür ihrem natürlichen Lebensraum entrissen. Im Zoo fristen sie ein trostloses Leben in viel zu kleinen und artwidrigen Gehegen; schwerwiegende Verhaltensstörungen sind eine häufige Folge.

Schimpanse isst Kot in Wilhelma Stuttgart
© by Daniel Jüptner
In einigen Ländern gelten Stierkämpfe bis heute als „Tradition“. Bei dieser unsäglichen Tierquälerei fügen sogenannte Toreros den Stieren in einem langwierigen Akt schlimmste Verletzungen zu, bis die Tiere zunehmend geschwächt sind und nach einem langen Kampf schließlich getötet werden.

Als „Tradition“ gelten auch Reitsport und Pferdekutschen. Das Training von Pferden für den Einsatz beim Springreiten, Dressurreiten oder in Rennen ist immer mit Stress und Schmerzen verbunden. Oft kommt es bei Wettbewerben oder im Training zu gefährlichen Unfällen. Auch Pferdekutschen bergen ein großes Risiko – und zwar für Mensch und Tier. Vor allem Pferde, die Kutschen zur Beförderung von Touristen ziehen, müssen bei Kälte und Hitze meist stundenlang auf hartem Asphalt herumstehen oder die schweren Kutschen durch den lauten und gefährlichen Straßenverkehr ziehen.

Und auch die Tourismusbranche erzielt mit Tierleid Profite, denn in vielen Urlaubsländern werden Tiere, darunter vielfach Wildtiere, von skrupellosen Geschäftsleuten als „Touristenattraktionen“ ausgebeutet. Wildtiere sind jedoch nicht an das Leben mit Menschen gewöhnt und leiden furchtbar unter ihrer Gefangenschaft. Häufig werden sie in winzigen, trostlosen Käfigen oder Gehegen gehalten, sind ihr Leben lang angekettet, werden durch Unterdrückung und Gewalt gefügig gemacht oder mit Medikamenten ruhiggestellt.

Tierversuche: trotz Alternativen als Forschungsobjekte missbraucht und getötet

Ein weiterer Bereich, in dem Tiere für menschliche Zwecke unsägliches Leid ertragen müssen, sind Tierversuche: Alle elf Sekunden stirbt ein Tier in einem deutschen Versuchslabor. Tierversuche finden vor allem im Rahmen der sogenannten Grundlagenforschung statt, sind aber auch in der Pharmaindustrie fest etabliert. Auch Kosmetika, Lebensmittel oder Getränke stehen oftmals mit Tierversuchen in Verbindung.

Die Ergebnisse von Tierversuchen lassen sich meist nicht auf den Menschen und seine komplexen Krankheiten übertragen. So scheitern 95 Prozent der Medikamente, die sich in Tierversuchen als wirksam und sicher erwiesen haben, in klinischen Studien am Menschen. [3] Obwohl bereits heute zahlreiche tierfreie Methoden erfolgreich im Einsatz sind, werden Alternativmethoden weiterhin nicht ausreichend finanziert und entwickelt, denn Tierversuche sind in der Forschung leider zur Gewohnheit geworden. Vor allem Züchter und Laborausstatter erzielen Vorteile aus Tierversuchen – die Tiere selbst und die menschliche Gesundheit hingegen nicht.

Speziesismus: warum es keine humane Möglichkeit gibt, Tiere zu nutzen

All diese Beispiele zeigen, dass eine Einteilung von Tieren in sogenannte Nutz- oder Haustiere vollkommen willkürlich von Menschen festgelegt wurde. So gelten Hunde und Katzen beispielsweise in Europa als Haustiere, werden in China jedoch wegen ihres Fells getötet, das zu Pelz verarbeitet wird. Im Gegensatz dazu werden Kühe hierzulande als Nutztiere ausgebeutet, in Indien hingegen gelten sie als heilige Tiere. Mit einer solch willkürlichen Klassifizierung stellt sich der Mensch über die Tiere. Er nimmt sich das Recht, sie nicht nur in Kategorien einzuordnen, sondern sie nach seinem Willen zu züchten und zu halten, um einen möglichst großen wirtschaftlichen Nutzen zu erzielen. Dieser Ansatz, nach dem Tiere nur dazu da sind, die Bedürfnisse des Menschen zu erfüllen, nennt sich Speziesismus.

Es gibt keine „humane“ Möglichkeit, Tiere zu unserem Profit nutzen. Tiere leiden unter der Zucht und unter katastrophalen Haltungsbedingungen. Kein Tier will für die menschliche Unterhaltung, Ernährung, Bekleidung oder als Versuchsobjekt leiden und sterben.

Was kann jeder Einzelne gegen Speziesismus tun?

Damit wir den Speziesismus ablegen können, müssen wir zunächst erkennen, dass Tiere Rechte haben, zum Bespiel das Recht auf ein unversehrtes Leben ohne Schmerz und Leid. Wir sollten verstehen, dass wir Menschen ihre Bedürfnisse respektieren müssen und Tiere eigene Interessen haben. Dazu müssen wir uns Vorurteilen stellen, mit denen das unsagbare Leid in Versuchslaboren, Schlachthäusern, Zirkussen und anderen Bereichen der Tierausbeutung gerechtfertigt wird. Das Leid der Tiere muss ins öffentliche Bewusstsein gelangen, damit wir der Ausbeutung von Tieren ein Ende setzen können.

Was Sie tun können

  • Entscheiden Sie für eine vegane Ernährung, denn jeder Konsum tierischer Produkte unterstützt die Ausbeutung von Tieren.
  • Kaufen Sie vegane Kleidung. Jedes Kleidungsstück aus tierischen Materialien kann heute durch tierleidfreie Alternativen ersetzt werden – und neue Innovationen kommen ständig auf den Markt.
  • Unterstützen Sie keine Unternehmen, die Tierversuche für Kosmetika, Körperpflege, Haushaltsprodukte und Lebensmittel durchführen. Es gibt immer eine tierfreundliche Option.

[1] Albert Schweitzer Stiftung (2019): 2018: weniger Fleisch, mehr Schlachtungen, https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/schlachtzahlen-2018 (eingesehen am 27.08.2020)
[2] tagesschau.de (2020): 2019 mehr als 45 Millionen Küken getötet, https://www.tagesschau.de/investigativ/hsb/kuekenschreddern-103.html (eingesehen am 27.08.2020)
[3] National Center for Advancing Translational Sciences (NCATS). About NCATS. https://ncats.nih.gov/about (eingesehen am 23.04.2020)