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Kangal als Hund: Warum Sie niemals einen Kangal kaufen sollten

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Der Kangal ist auch als „Anatolischer Hirtenhund“ bekannt, denn die Herdenschutzhunde stammen ursprünglich aus der Türkei. Dort zogen sie mit Nomad:innen umher und beschützten Schafherden vor Wölfen und anderen Tieren. Mit einer Schulterhöhe von bis zu 80 cm sind Kangals eine der größten „Hunderassen“ der Welt. [1] Hundehalter:innen unterschätzen oftmals, was die Haltung eines solchen Hundes mit sich bringt. Deshalb werden Kangal-Hunde gekauft und dann häufig im Tierheim abgegeben. Bitte überlegen Sie sich gut, ob Sie die nötigen Ressourcen wie Zeit, finanzielle Mittel und Platz haben, bevor Sie ein Tier adoptieren.

Erfahren Sie hier, was Sie über Kangal-Hunde wissen sollten und warum Sie niemals einen Kangal bei Züchter:innen kaufen sollten.

Inhalte im Überblick

Ist ein Kangal in Deutschland erlaubt?

Grundsätzlich ist es in Deutschland erlaubt, einen Kangal-Hund zu halten. In manchen EU-Ländern ist die Haltung verboten, beispielsweise in Dänemark. Dort dürfen Kangal-Hunde nicht einreisen. [2] Das hat den Hintergrund, dass Dänemark diese „Hunderasse“ und Kreuzungen daraus pauschal als gefährlich eingestuft hat. Ob Hunde „gefährlich“ sind, hängt jedoch nicht von ihrer „Rasse“ ab, sondern von ihrem Umfeld und ihrer Erziehung. Kein Hund ist aufgrund seiner „Rasse“ gefährlich, dennoch kann aufgrund von Körperbau und angezüchteten Verhaltensweisen von manchen Hunden im falschen Umfeld eine größere Gefahr ausgehen.

Ist der Kangal in Deutschland ein Listenhund?

Ob ein Hund ein Listenhund ist, variiert je nach Bundesland. In Hamburg beispielsweise ist der Kangal ein Listenhund der Kategorie zwei – dort besteht also Maulkorb- und Leinenpflicht. Mit einem Wesenstest können Sie dort jedoch auch ein Negativzeugnis bekommen, mit dem Sie die „Gefährlichkeit“ Ihres Hundes widerlegen können.

Auch in Hessen ist der Kangal ein Listenhund. Dort ist die Haltung eines Listenhundes genehmigungspflichtig. Es gilt Leinen- und Maulkorbpflicht sowie die Pflicht für einen Sachkundenachweis und einen Wesenstest. [3] Diese Bestimmungen können sich jederzeit ändern, informieren Sie sich also bei Ihren lokalen Behörden, bevor Sie einen Kangal oder einen anderen Hund, der als Listenhund gelten könnte, adoptieren.

Ist ein Kangal schwer zu erziehen?

Kangal-Hunde gelten als anspruchsvoll, da sie dafür gezüchtet wurden, Schafherden unter Einsatz ihres Lebens selbstständig zu bewachen. Diese Aufgabe hat ihren Charakter geprägt: Kangals sind sehr intelligent, selbstbewusst und treffen gerne eigenständige Entscheidungen. Zudem haben sie einen ausgeprägten Beschützerinstinkt. Deshalb können sie territorial sein und teilweise von Natur aus skeptisch auf Fremde reagieren.

Die Erziehung eines Kangals ist nicht leicht, aber zwingend notwendig – Erfahrung mit Hunden sowie die Hilfe von Hundetrainer:innen, die gewaltfrei arbeiten, sind unbedingt erforderlich. Kangal-Hunde sollten früh sozialisiert werden, brauchen klare Strukturen und müssen gut körperlich und geistig ausgelastet werden. Sie benötigen wie alle Hunde eine vertrauensvolle Bindung zu ihren Halter:innen, welche die Basis für eine gute Erziehung liefert.

Ein untrainierter und unausgelasteter Kangal kann gefährlich werden für Menschen und auch für andere Hunde, denn die Tiere haben durch ihre Größe und ihren Kopfbau eine enorme Beißkraft. Bitte adoptieren Sie keinen Kangal, wenn Sie sich nicht gut mit Hunden und deren Training auskennen sowie nicht den benötigten Platz haben. Holen Sie sich in jedem Fall professionelle Hilfe für die Erziehung Ihres Hundes.

So lasten Sie einen Kangal richtig aus

Kangal-Hunde sind meist sehr bewegungsfreudig und sollten sich daher täglich mehrere Stunden bewegen. Lange Spaziergänge sind also ein Muss. Joggen oder schnelles Rennen mögen die meisten Kangal-Hunde allerdings nicht – und es ist auch aufgrund ihrer Größe nicht ideal für ihre Gelenke. Stattdessen bevorzugen sie gleichmäßige, ausdauernde Bewegung in ruhigen Umgebungen.

Neben der körperlichen Auslastung sollte auch der Geist regelmäßig gefordert werden. Trainieren Sie dafür beispielsweise Grundkommandos, machen Such- und Intelligenzspiele oder Fährtenarbeit mit Ihrem Hund. Die Lieblingsbeschäftigung eines Kangals ist jedoch das Bewachen. Sie beobachten gerne das Grundstück oder „beschützen“ ihr Rudel. Dafür sollten Sie ihm aber klare Strukturen und Regeln geben, um potenziell gefährliche Situationen zu vermeiden.

Kann man einen Kangal in der Wohnung halten?

Ein Kangal ist keinesfalls geeignet, um in der Stadt und in kleinen Wohnungen gehalten zu werden. Kangals nehmen Fremde oftmals als Bedrohung wahr und betrachten das Haus oder die Wohnung als ihr Revier, welches von ihnen „überwacht“ wird. Andere Menschen gelten daher oftmals als Eindringlinge. Ein Kangal sollte niemals die Aufgabe bekommen, sein Zuhause beschützen zu „müssen“ oder diese Aufgabe eigenverantwortlich übernehmen.

Allein aufgrund ihrer Größe brauchen Kangal-Hunde viel Platz – am besten einen großen, eingezäunten Garten oder Hof. Ein klassischer Familienhund ist der Kangal nicht.

Kangal bewacht sein Grundstück

Welche Krankheiten können bei Kangals auftreten?

Kangals sind sehr robuste Hunde, aufgrund ihrer Größe haben sie aber oftmals Probleme mit ihren Gelenken. [1] Wie Schäferhunde und andere große „Hunderassen“ haben auch Kangals häufig Hüftdysplasien, also Fehlbildungen des Hüftgelenks. Das führt oft zu starken Schmerzen und schränkt die Hunde beim Laufen und Aufstehen ein. 

Auch Magendrehungen kommen bei großen Hunden häufiger vor als bei kleinen. Magendrehungen müssen akut behandelt werden, ansonsten können sie zum Tod des Hundes führen. Zu den Symptomen gehören unter anderem ein aufgeblähter Bauch, Würgereiz und Atemnot. Zudem können entzündete Augen bei den Hunden häufiger auftreten. [4]

Warum sind so viele Kangals in Tierheimen?

Kangal-Hunde landen oftmals in Tierheimen, weil die Halter:innen mit der Zeit merken, dass sie mit den Anforderungen überfordert sind. Kangals sind sehr große Hunde mit speziellen Bedürfnissen. Leider überlegen sich manche Menschen nicht ausreichend, ob sie der Haltung eines solchen Hundes gewachsen sind. Häufig wird die Entscheidung nach dem Aussehen getroffen, ohne zu bedenken, wie viel Zeit dieses Tier im Alltag erfordert.

Bei Züchter:innen kann sich meist jede beliebige Person einen Hund kaufen. Es wird nicht ausreichend überprüft, ob sich die Käufer:innen auch wirklich gut um diesen Hund kümmern können – sprich, die nötige Erfahrung, Zeit und die erforderlichen finanziellen Ressourcen haben. Irgendwann merken die Halter:innen dann, dass sie nicht zurechtkommen und geben ihn im besten Fall im Tierheim ab. Im schlimmsten Fall werden Tiere auch einfach ausgesetzt.

Aufgrund der Größe der Hunde und wegen ihrer besonderen Ansprüche bleiben Kangals oft länger in Tierheimen als kleinere Hunde. Wer sich also auskennt mit den Hunden und den nötigen Platz und die Zeit hat, sollte unbedingt im Tierschutz nach einem Gefährten suchen, anstatt die Zucht weiterer Hunde zu unterstützen, solange so viele Tiere im Tierheim auf ein neues zuhause warten. 

Kangal im Tierheim

Wie viel kostet ein Kangal-Hund?

Für einen Kangal verlangen Züchter:innen um die 1000 bis 2000 Euro – denn ihnen geht es vor allem um Profit. Züchter:innen produzieren Hunde wie Ware, während deutsche Tierheime überfüllt sind. Welpen werden zudem häufig anonym über Online-Plattformen verkauft, sodass nicht erkennbar ist, wo die Hunde herkommen oder um welche „Rasse“ es sich handelt. Viele Tiere stammen von Vermehrerfarmen aus Osteuropa. Sie werden meist zu früh von ihren Müttern getrennt und illegal nach Deutschland transportiert, wobei einige schon auf der langen Fahrt sterben.

Einen Hund aus der Zucht zu kaufen, trägt aktiv dazu bei, dass deutsche Tierheime überfüllt sind mit Tieren. Bitte kaufen Sie keine Tiere aus der Zucht, aus Zoohandlungen oder aus dem Internet. Adoptieren Sie stattdessen Hunde aus dem Tierschutz, dort gibt es viele Tiere, die auf ein liebevolles Zuhause warten.

Was muss man über Kangals wissen?

  • Kangal-Hunde müssen gut trainiert, sozialisiert und ausgelastet werden.
  • Kangal-Hunde sind nicht für Anfänger:innen und das Leben in der Stadt geeignet.
  • Sie werden oftmals in Tierheimen abgegeben oder ausgesetzt, weil Halter:innen überfordert sind.
  • In manchen Ländern sind Kangals verboten oder ihre Haltung ist stark eingeschränkt – auch in Hamburg und Hessen gelten Kangal-Hunde als Listenhunde.
  • Mit dem Kauf eines Kangals oder eines anderen Tieres bei Züchter:innen tragen Sie aktiv dazu bei, dass Tiere weiterhin wie Ware produziert werden und Tierheime überfüllt sind.
  • Adoptieren Sie lieber Tiere aus dem Tierheim. Dort warten zahlreiche Hunde auf ein liebevolles Zuhause.