Skip to Content

Der Wels: 10 Fakten über die sanften Riesen

Teilen:

Er bewohnt unsere Seen und Flüsse, er ist riesig und doch begegnet man ihm selten: der Wels. Seit der vermeidbaren Tötung des Welses aus dem Brombachsee [1] sind die faszinierenden Fische beinahe ebenso prominent wie Schottlands „Nessi“. Auch wenn er nicht so schillernde Farben aufweist wie die bunten Korallenfische in tropischen Meeren, so hat er doch seinen ganz eigenen Charme, was ihn zu einer fragwürdigen Social-Media-Trophäe macht.

Um mit Vorurteilen, die mit seiner Größe zu tun haben, aufzuräumen, haben wir spannende Fakten über den friedlichen Süßwasserriesen zusammengestellt und geben Ihnen Tipps, wie Sie Welse schützen können.

1. Ist der Wels ein Süß- oder Salzwasserfisch?

Der Flusswels oder Europäische Wels (Silurus glanis) kann bis zu drei Meter lang werden und ist somit der größte Süßwasserfisch Europas. [2] Er lebt auf dem Grund von Gewässern und hat sich farblich an den Untergrund angepasst: Er ist grau oder braun,oft mit marmorierten oder gefleckten Mustern. Diesen Fisch muss man  gezielt Ausschau halten, um ihn zu finden – und sich auch in tiefere Zonen wagen. Wer ihn sucht, findet ihn in Flüssen, Seen und gelegentlich auch in Brackwasserzonen in der Ostsee oder im Schwarzen Meer. Welse halten sich in bis zu 30 Metern Wassertiefe auf, zur Brutpflege findet man sie in 1 bis 2 Metern Tiefe und im Winter ziehen sie sich in größere Tiefen zurück, um dort inaktiv zu überwintern. [3]

2. Welse sind nachtaktive Schlammliebhaber  

Die standorttreuen Riesen suchen sich geschützte Plätze mit wenig Strömung. Der langgestreckte, abgeflachte Körper ist ideal zum Gleiten über den Gewässergrund und zum Verstecken auf schlammigem Grund, in Mulden oder unter Ästen und Wurzeln. Welse sind keine Pflanzenesser, sondern gehen, überwiegend nachts, auf die Jagd nach kleineren Tieren wie lebenden oder toten Fischen, Krebsen, Insekten, Amphibien oder Nagetieren. [2]

3. Welse orientieren sich über ihren Tastsinn

Aufgrund seiner Lebensweise auf dem dunklen Gewässergrund sind die Augen des Welses im Verhältnis zur Körpergröße sehr klein. Welse verlassen sich stark auf ihre Barteln (Kinnfäden) und das Seitenliniensystem – denn Tasten und Fühlen sind für sie wichtiger als Sehen. Welse besitzen bis zu sechs Barteln: zwei lange am Oberkiefer, vier kürzere am Unterkiefer.

Diese hochentwickelten Sinnesorgane sind auch für das Riechen, Schmecken, die Orientierung und die Nahrungssuche wichtig. Mit ihnen können sie selbst kleinste Veränderungen im pH-Wert des Wassers wahrnehmen. Atmet ein Tier aus, sinkt der pH-Wert um 0,1 und die potenzielle Beute wird entdeckt. [4] Im Gegensatz zu Menschen haben Welse auch ein Seitenlinienorgan und Elektrorezeptoren. Diese erkennen Wasserbewegungen und Vibrationen und helfen selbst nachts im Dunkeln bei der Orientierung und der Ortung von Beutetieren.

4. Wie viele Welsarten gibt es?

Die Familie der Echten Welse (Siluridae) umfasst mehr als 100 Arten, die in Asien und Europa zuhause sind. Der Europäische Wels oder Flusswels wurde von Carl von Linné 1758 als Silurus glanis wissenschaftlich erstbeschrieben und ist neben dem Aristoteleswels (Silurus aristotelis) eine der beiden europäischen Arten.

5. Der Wels wächst ein Leben lang

Welse wachsen ein Leben lang, was bedeutet, dass besonders große Tiere eben auch schon älter sind. Sie erreichen ein Gewicht von bis zu 100 Kilogramm, was sie leider zu einer begehrten „Trophäe“ von Angelnden macht. Ihre Lebenserwartung wird auf bis zu 100 Jahre geschätzt, wenn die Tiere in Ruhe gelassen und nicht durch Menschen getötet werden. [3]

6. Männliche Welse kümmern sich hingebungsvoll um ihre Kinder

Der Europäische Wels betreibt Brutpflege: Die männlichen Tiere bauen eine Laichgrube im flachen Wasser und bewachen die zahlreichen Eier etwa fünf Tage, abhängig von der Wassertemperatur. Sie schützen die Eier vor Feinden und sorgen durch Bewegungen mit den Brustflossen für eine gute Sauerstoffversorgung. Wird das Männchen gestört oder getötet, kann das gesamte Gelege sterben. Vermutlich hat der Wels vom Brombachsee nach Schwimmenden geschnappt, weil sie seinem Nest zu nahe kamen. [1] Welse sind entsprechend nicht aggressiv – sie beschützen lediglich ihren Nachwuchs. Während der Brutpflege ist es das Beste, Welsgelege in Ruhe zu lassen.

7. Welse sind Anzeichen für ein gesundes Ökosystem

Die Anwesenheit von Welsen zeigt oft, dass ein Gewässer ökologisch stabil und strukturreich ist. Als Räuber sind sie ein wichtiger Teil der Nahrungskette und tragen durch ihre Ausscheidungen zur Nährstoffversorgung von Pflanzen und Mikroorganismen bei.

8. Welse für Klicks auf Social Media und für Angelwettkämpfe gejagt

Da Welse große und schwere Fische sind, wird der Kampf mit einem Wels an der Angelrute häufig als „Drill“ beschrieben. Nach teils stundenlangem Kampf – oft auch im Rahmen der verbotenen Angelmethode Catch and Release – wird der Wels anschließend fotografiert und gewogen. Dabei kann er an Land nicht atmen, ist erschöpft und vielleicht sogar verletzt. Anschließend wird das Foto mit dem oft als „Monsterfisch“ verunglimpften Tier in den sozialen Netzwerken gepostet. [5] Das ist jedoch keine bewundernswerte Leistung, sondern unnötige Grausamkeit.

9. Hat ein Wels zwei Herzen?

Es existiert der Mythos, dass eine Welsart, der Afrikanische Raubwels, zwei Herzen besäße. Dieser Wels weist eine körperliche Besonderheit auf: Er hat über den Kiemen ein zweites Atemorgan, das ihm auch das Atmen und Überleben an Land ermöglicht. Diese körperliche Besonderheit führte zu dem Irrglauben, dieser Wels hätte zwei Herzen – das stimmt jedoch nicht. Welse besitzen wie alle anderen Wirbeltiere ein einziges Herz, das direkt hinter den Kiemen liegt. [6]

10. Sind Welse gefährlich für Menschen?

Welse meiden den Kontakt zu Menschen. Solange man sie in Ruhe lässt und sich nicht ihrem Nest nähert, besteht keine Gefahr. Während der Brutzeit verteidigen die Männchen ihr Gelege – auch gegenüber Schwimmer:innen, die ihnen zu nahe kommen. Das ist kein aggressives Verhalten, sondern elterlicher Schutzinstinkt.

Welse besitzen keine großen Beißzähne, sondern viele kleine, nach hinten gerichtete Zähnchen. Ein Biss kann höchstens eine Schürfwunde verursachen, ist aber in der Regel harmlos. Zwar sind Welse groß und kräftig, aber sie können keine Menschen unter Wasser ziehen. Zudem stehen wir auch nicht auf ihrem Speiseplan.

Was Sie tun können

Bitte helfen Sie uns, Welse zu schützen. Fordern Sie Angelnde auf, ihre Angelrute an den Haken zu hängen. Wenn Sie im See schwimmen oder tauchen und dabei das Glück haben, einem Wels zu begegnen, bewundern Sie den Wels mit genug Abstand, um seine Tagesruhe nicht zu stören oder Schlamm aufzuwirbeln. Bitte halten Sie auch Abstand zu Welsnestern. Bitte essen Sie keine Welse oder andere Tiere.

Sammeln Sie Müll im See oder am Gewässerrand ein, um die Heimat des Welses sauber zu halten, und unterstützen Sie unsere Forderung nach Wasserschutzgebieten, auch in Süßgewässern, in denen jegliche Fischerei verboten ist.