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Der Wels – eine Gefahr für Menschen? 10 spannende Fakten über die friedlichen Fische

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Der Europäische Wels (Silurus glanis) bewohnt unsere Seen und Flüsse, er ist riesig – und doch begegnet man ihm selten. Zuletzt sorgte ein Wels durch Vorfälle im Brombachsee im Fränkischen Seenland mehrfach für Schlagzeilen und öffentliche Diskussionen: Das Tier biss im Sommer 2025 vermehrt Menschen, die im See badeten – und wurde schließlich erschossen. [1]

Seit der vermeidbaren Tötung des Welses sind die faszinierenden Fische  beinahe ebenso prominent wie Schottlands „Nessi“. Auch wenn er nicht so schillernde Farben aufweist wie die bunten Korallenfische in tropischen Meeren, so hat er doch seinen ganz eigenen Charme, was ihn zu einer fragwürdigen Social-Media-Trophäe macht.

Um mit Vorurteilen, die mit seiner Größe zu tun haben, aufzuräumen, haben wir spannende Fakten über den friedlichen Süßwasserriesen zusammengestellt und geben Ihnen Tipps, wie Sie Welse schützen können.

Inhalte im Überblick

1. Welse sind friedliche Tiere

Welse sind in der Regel ruhige und einzelgängerische, teilweise auch sozial interagierende Fische, die den Kontakt zu Menschen meiden.

  • Sie sind nachtaktiv und verstecken sich tagsüber.
  • Sie ernähren sich von anderen Fischen, Kleintieren und Aas.

Interaktionen mit Menschen sind extrem selten und finden nur statt, wenn der Wels sein Nest verteidigen muss. Sensationsberichte verzerren häufig die Realität.

Ist ein Wels gefährlich für den Menschen?

Nein, Welse sind nicht gefährlich. Es gibt nur sehr wenige dokumentierte Zwischenfälle, bei denen sich die Fische durch rücksichtsloses Verhalten gestört fühlten:

  • Grundsätzlich meiden Welse den Kontakt zu Menschen.
  • Solange man sie in Ruhe lässt und sich nicht ihrem Nest nähert, besteht keine Gefahr.
  • Während der Brutzeit verteidigen die Männchen ihr Gelege – auch gegenüber Schwimmer:innen, die ihnen zu nahe kommen. Das ist kein aggressives Verhalten, sondern elterlicher Schutzinstinkt.

Ist ein Wels-Biss gefährlich?

Ein Biss ist nicht gefährlich. Denn Welse besitzen keine großen Zähne, sondern viele kleine, nach hinten gerichtete Zähnchen. Ein Biss kann höchstens eine Schürfwunde verursachen, ist aber in der Regel harmlos.

Kann ein Wels einen Menschen unter Wasser ziehen?

Nein: Große Welse haben zwar Kraft, aber kein Jagdverhalten gegenüber Menschen. Mit ihren kleinen Zähnchen könnten sie einen Menschen auch gar nicht unter Wasser ziehen, selbst wenn sie es wollten.

2. Männliche Welse kümmern sich hingebungsvoll um ihre Kinder

Der Europäische Wels betreibt Brutpflege: Die männlichen Tiere bauen eine Laichgrube im flachen Wasser und bewachen die zahlreichen Eier etwa fünf Tage, abhängig von der Wassertemperatur. Sie schützen die Eier vor Feinden und sorgen durch Bewegungen mit den Brustflossen für eine gute Sauerstoffversorgung. Wird das Männchen gestört oder getötet, kann das gesamte Gelege sterben. Vermutlich hat der Wels vom Brombachsee nach Schwimmenden geschnappt, weil sie seinem Nest zu nahe kamen. [1] Welse sind nicht aggressiv – sie beschützen lediglich ihren Nachwuchs. Während der Brutpflege ist es das Beste, Welsgelege in Ruhe zu lassen.

3. Der Europäische Wels ist der größte Süßwasserfisch Europas: Wie groß kann ein Wels werden?

Der Flusswels oder Europäische Wels (Silurus glanis) kann bis zu drei Meter lang werden und ist somit der größte Süßwasserfisch Europas. [2] Er lebt auf dem Grund von Gewässern und hat sich farblich an den Untergrund angepasst: Er ist grau oder braun, oft mit marmorierten oder gefleckten Mustern.

Wer einen Wels sehen möchte, muss gezielt Ausschau halten – und sich auch in tiefere Zonen wagen:

  • Welse leben in Flüssen, Seen und gelegentlich auch in Brackwasserzonen in der Ostsee oder im Schwarzen Meer.
  • Die Tiere halten sich in bis zu 30 Metern Wassertiefe auf,
  • zur Brutpflege findet man sie in 1 bis 2 Metern Tiefe,

im Winter ziehen sie sich in größere Tiefen zurück, um dort inaktiv zu überwintern. [3]

Ein See im Sommer
Welse leben bevorzugt in Seen und Flüssen.

4. Der Wels wächst ein Leben lang

Welse wachsen ein Leben lang, was bedeutet, dass besonders große Tiere eben auch schon älter sind. Sie erreichen ein Gewicht von bis zu 100 Kilogramm, was sie leider zu einer begehrten „Trophäe“ von Angelnden macht. Ihre Lebenserwartung wird auf bis zu 100 Jahre geschätzt, wenn die Tiere in Ruhe gelassen und nicht durch Menschen getötet werden. [3]

5. Es gibt auch kleine Welsarten

Nicht alle Welse werden riesig: Neben dem Europäischen Wels gibt es zahlreiche kleine Welsarten.

Welcher Wels bleibt klein?

  • Antennenwelse werden 10 bis 15 Zentimeter lang
  • Zwergpanzerwelse werden 2 bis 4 Zentimeter groß

Ist der Wels für die Haltung im Aquarium geeignet?

Nein, ein Aquarium wird den Bedürfnissen von Fischen grundsätzlich nicht gerecht – auch nicht denen von kleinen Wels-Arten.

Fische sind fühlende Lebewesen mit ausgeprägtem Verhalten:

  • Sie schwimmen in freier Natur oft weite Strecken.
  • Sie kommunizieren und interagieren mit Artgenossen.
  • Sie reagieren sensibel auf Umweltreize.

Selbst kleinere Wels-Arten brauchen:

  • ausreichend Platz
  • komplex strukturierte Lebensräume
  • Rückzugsmöglichkeiten und soziale Kontakte

Ein Aquarium kann diese natürlichen Bedingungen nur stark eingeschränkt nachbilden.

Deshalb gilt: Auch wenn bestimmte Wels-Arten klein bleiben, bedeutet das nicht, dass sie sich für ein Leben im Aquarium eignen.

6. Welse sind nachtaktive Schlammliebhaber  

Die standorttreuen Riesen suchen sich geschützte Plätze mit wenig Strömung. Der langgestreckte, abgeflachte Körper ist ideal zum Gleiten über den Gewässergrund und zum Verstecken auf schlammigem Grund, in Mulden oder unter Ästen und Wurzeln. Welse sind keine Pflanzenesser, sondern gehen, überwiegend nachts, auf die Jagd nach kleineren Tieren wie lebenden oder toten Fischen, Krebsen, Insekten, Amphibien oder Nagetieren. [2]

Wo hält sich der Wels tagsüber auf?

  • am Gewässergrund
  • in Höhlen
  • unter Baumstämmen

7. Welse haben kleine Augen und orientieren sich über ihren Tastsinn

Aufgrund seiner Lebensweise auf dem dunklen Gewässergrund sind die Augen des Welses im Verhältnis zur Körpergröße sehr klein.

Welse verlassen sich stark auf ihre Barteln (Kinnfäden) und das Seitenliniensystem – denn Tasten und Fühlen sind für sie wichtiger als Sehen. Welse besitzen bis zu sechs Barteln: zwei lange am Oberkiefer, vier kürzere am Unterkiefer.

Diese hochentwickelten Sinnesorgane sind auch für das Riechen, Schmecken, die Orientierung und die Nahrungssuche wichtig. Mit ihnen können sie selbst kleinste Veränderungen im pH-Wert des Wassers wahrnehmen. Atmet ein Tier aus, sinkt der pH-Wert um 0,1 und die potenzielle Beute wird entdeckt. [4] Im Gegensatz zu Menschen haben Welse auch ein Seitenlinienorgan und Elektrorezeptoren. Diese erkennen Wasserbewegungen und Vibrationen und helfen selbst nachts im Dunkeln bei der Orientierung und der Ortung von Beute.

8. Welse sind Anzeichen für ein gesundes Ökosystem

Der Europäische Wels wurde zum Fisch des Jahres 2026 gewählt [5] – unter anderem, um auf seine ökologische Bedeutung aufmerksam zu machen:

  • Die Anwesenheit von Welsen zeigt oft, dass ein Gewässer ökologisch stabil und strukturreich ist.
  • Als Beutegreifer sind sie ein wichtiger Teil der Nahrungskette und tragen durch ihre Ausscheidungen zur Nährstoffversorgung von Pflanzen und Mikroorganismen bei.
Welse sorgen dafür, dass Flüsse und Seen gesund bleiben.

Welche Welsarten gibt es?

  • Europäischer Wels (Silurus glanis)
  • Afrikanischer Raubwels
  • Zwergwelse, darunter bspw. Antennenwelse

Wie viele Welsarten gibt es?

  • Die Familie der Echten Welse (Siluridae) umfasst mehr als 100 Arten, die in Asien und Europa zuhause sind. Der Europäische Wels oder Flusswels wurde von Carl von Linné 1758 als Silurus glanis wissenschaftlich erstbeschrieben und ist neben dem Aristoteleswels (Silurus aristotelis) eine der beiden europäischen Arten.

Was ist der Unterschied zwischen Wels und Waller?

Es gibt keinen Unterschied – „Waller“ ist einfach ein anderer Name für den Europäischen Wels.

9. Der Afrikanische Raubwels kann auch an Land überleben

Der Afrikanische Raubwels weist eine körperliche Besonderheit auf: Er hat über den Kiemen ein zweites Atemorgan, das ihm auch das Atmen und Überleben an Land ermöglicht.

Diese anatomische Besonderheit führte zu dem Irrglauben, dieser Wels hätte zwei Herzen – das stimmt jedoch nicht. Welse besitzen wie alle anderen Wirbeltiere ein einziges Herz, das direkt hinter den Kiemen liegt. [6]

10. Welse werden für Klicks auf Social Media und für Angelwettkämpfe gejagt

Da Welse große und schwere Fische sind, wird der Kampf mit einem Wels an der Angelrute häufig als „Drill“ beschrieben. Nach teils stundenlangem Kampf – oft auch im Rahmen der verbotenen Angelmethode Catch and Release – wird der Wels anschließend fotografiert und gewogen. Dabei kann er an Land nicht atmen, ist erschöpft und vielleicht sogar verletzt.

Anschließend wird das Foto mit dem oft als „Monsterfisch“ verunglimpften Tier in den sozialen Netzwerken gepostet. [7] Das ist jedoch keine bewundernswerte Leistung, sondern unnötige Grausamkeit.

Wann ist die beste Fangzeit für Wels?

Es gibt keine „gute Fangzeit“ für Welse und andere Fische. Angeln ist immer mit dem Leid und Tod von fühlenden Lebewesen verbunden.

So können Sie Welsen helfen

Bitte helfen Sie uns, Welse zu schützen:

  • Fordern Sie Angelnde auf, ihre Angelrute und Kescher an den Haken zu hängen.
  • Wenn Sie im See schwimmen oder tauchen und dabei das Glück haben, einem Wels zu begegnen, bewundern Sie den Wels mit genug Abstand, um seine Tagesruhe nicht zu stören oder Schlamm aufzuwirbeln. Bitte halten Sie auch Abstand zu Welsnestern.
  • Bitte essen Sie keine Welse oder andere Tiere.

Sammeln Sie Müll im See oder am Gewässerrand ein, um die Heimat des Welses sauber zu halten, und unterstützen Sie unsere Forderung nach Wasserschutzgebieten, auch in Süßgewässern, in denen jegliche Fischerei verboten ist.