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Studie: Mit einer veganen Welt lassen sich 16 Jahre CO2-Emissionen kompensieren

Eine im September 2020 veröffentlichte Studie kam zu dem Ergebnis, dass eine vegane Welt bis zum Jahr 2050 die Menge an Kohlenstoffemissionen (CO2) aus der Atmosphäre rückgängig machen könnte, die in 16 Jahren durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe erzeugt wurde. [1] Wie kamen die Forscher zu diesem Ergebnis und warum hat die Tierwirtschaft so verheerende Folgen?

3 Zukunftsszenarien für das Jahr 2050

Die Studie untersuchte drei mögliche Szenarien für das Jahr 2050:

1. Wenn die Nachfrage nach tierischen Produkten auf ihrem derzeitigen Kurs weiter steigt, würde dies unweigerlich zu weiterer Umweltzerstörung führen, um Platz für zusätzliche „Nutztiere“ zu schaffen. Dies würde nicht nur einen Anstieg der gesamten Treibhausgasemissionen zur Folge haben und somit erheblich zum Klimawandel beitragen; die zusätzliche Rodung von Land und Zerstörung von Ökosystemen – hauptsächlich für die Futtermittelproduktion und für neue Weideflächen – würden zudem das Potenzial der Wälder zur CO2-Aufnahme verringern.

2. Das Szenario einer 70-prozentigen Reduzierung des weltweiten Fleischkonsums würde die Menge an CO2 aus der Atmosphäre kompensieren, die in den letzten neun Jahren durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe erzeugt wurde.

3. Eine vegane Welt würde die Menge an CO2 aus der Atmosphäre kompensieren, die in 16 Jahren durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe erzeugt wurde – somit fast doppelt so viel wie im zweiten Szenario. [1, 2, 3]

Größtes Potenzial in Ländern mit hohem und mittlerem Einkommen

Die Studie legte ihre Augenmerk auf die Wiederherstellung lebensfähiger Ökosysteme und untersuchte hierzu unterschiedliche Regionen, in denen eine Veränderung des Nahrungsmittelanbaus und -konsums Platz für die Regeneration von Ökosystemen schaffen und damit CO2-Emissionen reduzieren könnte. In diesem Zusammenhang untersuchten die Forschenden Möglichkeiten für einen reduzierten Tierproduktekonsum in verschiedenen Ländern. Sie wollten ermitteln, welche Regionen hinsichtlich der Wiederherstellung von Ökosystemen besonders berücksichtigt werden sollten und kamen zu folgendem Ergebnis: Länder mit hohem und mittlerem Einkommen bieten das größte Potenzial für eine Wiederaufforstung und die damit verbundenen klimarelevanten Vorteile. [1, 2]

Tierwirtschaftlich genutzte Flächen sind entscheidend

Die Studie berücksichtigte ausschließlich Regionen, in denen sich Samen auf natürliche Weise verbreiten, wachsen und letztlich zu dichten, artenreichen Wäldern und anderen Ökosystemen entwickeln können. Diese kompensieren wiederum CO2 und tragen somit zum Kampf gegen den Klimawandel bei. Die Forschenden kamen zu folgender Erkenntnis: Wenn die derzeit für die Produktion von Fleisch und Milchprodukten genutzten Landflächen wieder in ihre heimischen Ökosysteme zurückgeführt würden, könnte die gleiche Menge an CO2 rückgängig gemacht werden, die in den letzten 16 Jahren durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe entstanden ist.

Eine vegane Welt würde jedoch nicht nur erhebliche Emissionsmengen kompensieren, sondern auch enorme Landflächen für die Wiederherstellung der einheimischen Vegetation freigeben, in der Wälder wieder nachwachsen und natürlich gedeihen können. Auf diese Weise ließe sich eine Fläche von über sieben Millionen Quadratkilometer wiederherstellen, das entspricht der Größe Australiens. Laut der Studie kann eine Wiederaufforstung von ehemals tierwirtschaftlich genutzten Landflächen erhebliche zusätzliche Mengen an CO2 absorbieren und zudem Zeit für effektivere, erneuerte Nachhaltigkeitsbemühungen auf der ganzen Welt gewinnen. Matthew Hayek, Autor der Hauptstudie, betonte, dass die Wiederherstellung einheimischer Wälder den Ländern die benötigte Zeit verschaffen könnte, um ihre Energienetze auf eine erneuerbare, fossilfreie Infrastruktur umzustellen. [1, 2, 3]

Tierwirtschaft als verheerender Faktor

Der Flächenbedarf für den Anbau von Tierprodukten macht 83 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Erde aus – eine enorme Landverschwendung für nur 18 Prozent der Kalorien und 37 Prozent der Proteine. Die ausgedehnte Flächennutzung zur Haltung und Ernährung sogenannter Nutztiere unterdrückt die einheimische Vegetation und verhindert die Entwicklung von Ökosystemen. Im Gegensatz dazu kann der Anbau von Nahrungsmitteln aus pflanzlichen Proteinen, wie etwa Linsen und Bohnen, die Menschheit mit lebenswichtigen Nährstoffen versorgen, beansprucht dabei jedoch nur einen geringen Teil der für die Fleisch- und Milchproduktion benötigten Fläche. Untersuchungen zeigen, dass die weltweite Nutzung landwirtschaftlicher Flächen um mehr als 75 Prozent reduziert werden könnte, wenn die Weltbevölkerung den Konsum von Fleisch- und Milchprodukten einstellen würde. Dies entspricht einer Fläche, die so groß ist wie die USA, China, Australien und die EU zusammengenommen. [4]

Eine vegane Welt wäre außerdem vorteilhaft für die Wasserqualität und -quantität, den Lebensraum von Wildtieren und die biologische Vielfalt. Die Co-Autorin der Studie, Helen Harwatt, betonte, dass intakte, funktionierende Ökosysteme und angemessene Lebensräume für Wildtiere dazu beitragen, das Risiko für Pandemien zu verringern. [5]

Zusätzlich produziert die Tierwirtschaft große Mengen an Methan, ein Treibhausgas, das 25 Mal klimaschädlicher ist als CO2. Im Zusammenhang mit dem Konsum tierischer Produkte und den damit verbundenen Emissionen berufen sich viele auf Methanemissionen, doch wie die vorliegende Studie verdeutlicht, wirkt sich der Verzehr von Tierprodukten auch deutlich auf die CO2-Emissionen aus und muss somit dringend thematisiert werden. [1, 2]

Was Sie tun können

Je weniger wir als Verbraucher die Erzeugung tierischer Produkte mit unserem Einkauf und Verhalten unterstützen, desto weniger tragen wir zu Klimawandel, Artensterben, Rodungen und einem erhöhten Pandemierisiko bei. Helfen auch Sie, Tier, Mensch und Klima zu schützen, indem Sie sich vegan ernähren. Das kostenlose Veganstart-Programm unterstützt Sie mit nützlichen Tipps und leckeren Rezepten für einen spielend leichten Einstieg in die vegane Lebensweise.


[1] Nature Sustainability: The carbon opportunity cost of animal-sourced food production on land, https://www.nature.com/articles/s41893-020-00603-4, (eingesehen am 13.10.2020)
[2] Science Focus: Global veganism could undo 16 years’ of fossil fuel emissions, https://www.sciencefocus.com/news/global-veganism-could-undo-16-years-of-fossil-fuel-emissions/, (eingesehen am 12.10.2020)
[3] Livekindly: STUDY: GLOBAL VEGANISM COULD UNDO 16 YEARS OF CO2 EMISSIONS, https://www.livekindly.co/study-global-veganism-could-undo-16-years-of-co2-emissions/, (eingesehen am 12.10.2020)
[4] Science: Reducing food’s environmental impacts through producers and consumers, https://science.sciencemag.org/content/360/6392/987, (eingesehen am 16.10.2020)
[5] Plant Based News: Ditching Meat Could Sequester Up To 16 Years Of CO2 Emissions By 2050, Says Study, https://plantbasednews.org/news/-ditching-meat-sequester-16-years-co2-emissions-2050/, (eingesehen am 14.10.2020)

Unsere Autoren

Ilana Bollag

Fachreferentin für Klima und Umwelt bei PETA Deutschland. Um Missständen entgegenzuwirken, erhebt Ilana ihre Stimme für die Tiere und die Umwelt.