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Die ökologischen Folgen von Wolle

Viele Menschen glauben, dass „Natur“-Fasern wie Wolle nachhaltiger sind als synthetische Stoffe. Diese Annahme ist jedoch falsch. Die Wollindustrie führt nicht nur dazu, dass jedes Jahr Hunderte Millionen Tiere bei der Schur mit Schnittwunden übersäht oder betäubungslos kastriert werden, sondern trägt auch massiv zur Zerstörung unserer Lebensgrundlage bei.

Klimakatastrophe durch Wollproduktion beschleunigt

Der Klimawandel bedroht Menschen und Tiere gleichermaßen. Zu den Verursachern der Erderwärmung gehört auch die Produktion von Wolle, die den menschengemachten Klimawandel mit Unmengen an klimaschädlichen Gasen beschleunigt.
 
  • Bei der Produktion von Methan stehen Schafe im Vergleich zu allen sogenannten „Nutztieren“ weltweit an dritter Stelle. [1] Auch Ziegen und Alpakas produzieren das Gas für die Herstellung von Kaschmir, Mohair und Alpakawolle in großen Mengen.
  • Da Methan 25-mal klimaschädlicher als CO2 ist, trägt die Wollindustrie maßgeblich zum Klimawandel bei. [2]  
  • Die Methankonzentration in der Atmosphäre ist seit Beginn der Industrialisierung auf 259 % gestiegen. [3]

Umweltverschmutzung für Wolle

Die Wollindustrie kann ernste negative Auswirkungen auf Böden, Luft und Grundwasser haben.
 
  • Die Züchtung von Millionen Schafen auf engstem Raum führt häufig zur Unfruchtbarkeit der Böden und vermindert die Vegetation. [4]
  • Die Ausscheidungen der riesigen Herden haben einen negativen Einfluss auf die Biodiversität. Sie sorgen für die Versäuerung von Lebensräumen und stören den Nährstoffhaushalt in Böden und Gewässern. [5]
  • Der Urin von Alpakas ist stark nitrathaltig. Die Produktion von Alpakawolle führt daher in besonderem Maße zur Versäuerung von Böden und Gewässern.

„Sheep Dip“ – Desinfektionsbad

Als Schutz vor Parasiten werden Schafe und Ziegen in einer chemischen Mischung unterschiedlichster Pestizide gebadet oder damit eingesprüht. [6] Schon eine sehr geringe Menge dieser Chemikalien reicht aus, um große Wassermengen zu versuchen. [7] Beispielsweise wies der River Teifi in Wales über eine Distanz von 30 km Anzeichen von Verunreinigungen auf, die in Verbindung mit dem sogenannten „Sheep Dipping“ stehen. [8]
 

Desertifikation durch Schaf- und Ziegenzucht

Die Wollindustrie züchtet Millionen Alpakas, Schafe und Ziegen, die zur Bildung von Wüsten beitragen.
 
  • Die übermäßige Beweidung durch Ziegen und Schafe kann zur Bodendegradation führen. Ziegen, die millionenfach für die Produktion von Mohair und Kaschmir gehalten werden, reißen beim Essen von Pflanzen die Wurzeln mit aus der Erde und tragen dadurch zur Bildung neuer Wüsten bei.
  • In der Mongolei, dem zweitgrößten Kaschmirproduzenten der Welt, sind bereits 90 % des Landes von Wüstenbildung bedroht. Schwere Sandstürme sind die Folge. [9] [10] [11]

Tötung von Wildtieren für Wolle

Um die Profite der Wollindustrie nicht zu gefährden, werden oftmals lokale Wildtierbestände qualvoll bejagt und getötet, da diese eine potenzielle Konkurrenz zu Schafherden darstellen.
 
  • Viele Landbesitzer in Australien, dem Hauptproduktionsland für Schafswolle, töten Kängurus. Die Tiere gelten als „Plage“, da sie angeblich mit Schafherden in Konkurrenz um Ressourcen stehen. [12] [13]
  • Mit der Ausbreitung von Wölfen in Deutschland ist ein Konflikt zwischen Wolf und Schafhirten entstanden, die häufig keine geeigneten Schutzmaßnahmen ergreifen. Der Ruf nach Abschüssen wurde so laut, dass der Bundestag Ende 2019 beschloss, die Hürden für das Abschießen der streng geschützten Wölfe zu erleichtern. [14]

Tierleid in der Wollindustrie

 Alpakas, Kaninchen, Schafe und Ziegen leiden für die Wollindustrie und werden gewaltsam getötet.
 
  • PETA und ihre internationalen Partnerorganisationen haben auf vier Kontinenten über 170 Undercover-Recherchen durchgeführt, die zeigen, wie Alpakas, Kaninchen, Schafe und Ziegen für Wolle gequält und ihnen teilweise bei vollem Bewusstsein die Kehlen durchgeschnitten wurden.
  • Augenzeugen konnten dokumentieren, wie die Tiere geschlagen, getreten und herumgezerrt wurden, um ihnen das schützende Fell vom Körper zu schneiden oder herauszureißen.
  • Scherer in der Wollindustrie arbeiten schnell und rücksichtslos, wodurch die Tiere regelmäßig tiefe, blutige Wunden davontragen.
  • In der Wollindustrie ist es üblich, dass Lämmern der Schwanzwirbel abgeschnitten wird. Männliche Lämmer und Kitze werden sogar ohne Betäubung kastriert.
  • Mithilfe von Zertifikaten wie „Responsible Wool Standard“ oder „The Good Cashmere Standard“ versucht die Wollindustrie, das von ihr verursachte Tierleid zu verschleiern. Faktisch ändern solche Zertifikate jedoch nichts an den grausamen Standardpraktiken dieser Industrie.

Vergleich: Wolle und andere Fasern

Im Vergleich zu vielen pflanzlichen und synthetischen Fasern, die nachhaltiger sind, verursacht die Produktion von Wolle massive Umweltschäden. Weil die Zucht von Tieren ein großer Treiber der menschengemachten Klimakatastrophe ist, können Fasern auf tierischer Basis niemals nachhaltig sein.

 

Was Sie tun können

Die Zukunft der Wolle ist vegan

Wir brauchen keine Wolle, die von Tieren stammt. Die Wollindustrie versucht jedoch, ihr Überleben zu sichern, indem sie tierische Wolle fälschlicherweise als nachhaltig und synthetische Fasern als umweltschädlich positioniert. Tatsächlich weist die Produktion vieler synthetischer Stoffe bei ökologischen Vergleichsportalen wie dem Higg Index, eine bessere Umweltbilanz auf als tierische Wolle. Daneben gibt es zahlreiche umweltfreundliche pflanzliche Fasern, um Pullover, T-Shirts oder Decken herzustellen:

  • Hanf
  • Bio-Baumwolle
  • Nullarbor (aus Kokosnuss)
  • Soja-Fasern
  • Monocel (aus Bambus)
  • Nylon 6.6 (aus Glukose und anderen erneuerbaren Quellen)
  • Tencel (aus Holz oder Eukalyptus)
  • Woocoa (aus Kokosnuss und Hanf)


[1] Food and Agriculture Organisation: FAOSTAT, Enteric Fermentation, http://www.fao.org/faostat/en/#data/GE, (eingesehen am 03.11.2020)
[2] Umweltbundesamt: Die Treibhausgase, https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimaschutz-energiepolitik-in-deutschland/treibhausgas-emissionen/die-treibhausgase, (eingesehen am 23.06.2020)
[3] World Meteorological Organization, Greenhouse gas concentration in atmosphere reach yet another high, https://public.wmo.int/en/media/press-release/greenhouse-gas-concentrations-atmosphere-reach-yet-another-high, (eingesehen am 03.11.2020)
[4] Food and Agriculture Organisation, The State of Food and Agriculture 2009, http://www.fao.org/3/i0680e/i0680e04.pdf, (eingesehen am 03.11.2020)
[5]Business Wales, Lamb Production and Wales: A Holistic Environmental Footprint, https://businesswales.gov.wales/farmingconnect/news-and-events/technical-articles/lamb-production-and-wales-holistic-environmental-footprint, (eingesehen am 03.11.2020)
[6] Foundation for Water Research, Mobile dipping contractors – Handling and disposing of waste sheep dip, http://www.fwr.org/WQreg/Appendices/Handling_disposal_of_sheep_dip.pdf, (eingesehen am 03.11.2020)
[7] Pollution Prevention Infohouse, Sheep Dipping, https://p2infohouse.org/ref/16/15225.pdf, (eingesehen am 03.11.2020)
[8] Foundation for Water Research, The unseen threat to water quality, http://www.fwr.org/WQreg/Appendices/EA_Diffuse_Pollution_Report_geho0207bzlvee_1773088.pdf, (eingesehen am 03.11.2020)
[9] Schmitz, Rob: How Your Cashmere Sweater Is Decimating Mongolia’s Grasslands. NPR. Online: https://www.npr.org/sections/parallels/2016/12/09/504118819/how-your-cashmere-sweater-is-decimating-mongolias-grasslands?t=1555063342320, (eingesehen am 03.11.2020)
[10] Ministry of Nature, Environment and Tourism Mongolia: Fourth national report to the convention on combat desertification, https://eic.mn/DLDbase/upload/2012/tadesertbook/4/20121217_6416_4.pdf, (eingesehen am 03.11.2020)
[11] Beiser, Vince: China’s Green Great Wall is on the front line of its fight against desertification, but is it sustainable? South China Morning Post. Online: https://www.scmp.com/magazines/post-magazine/long-reads/article/2177586/chinas-green-great-wall-front-line-its-fight, (eingesehen am 03.11.2020)
[12] National Geographic, Australia’s beloved kangaroos are now controversial pests, https://www.nationalgeographic.com/magazine/2019/02/australia-kangaroo-beloved-symbol-becomes-pest/#:~:text=But%20there%20are%20more%20than,with%20livestock%20for%20scarce%20resources, (eingesehen am 03.11.2020)
[13] Australian Government – Departement of Agriculture, Water and the Environment, https://www.environment.gov.au/node/16678, (eingesehen am 03.11.2020)
[14] T-Online, Immer mehr Wölfe in Deutschland – das sorgt für Konflikte, https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/tiere/id_87063024/der-wolf-immer-mehr-exemplare-in-deutschland-das-sorgt-fuer-konflikte.html, (eingesehen am 03.11.2020)