Spenden
 »  »  »  »  » Die Jagd – unnötig, kontraproduktiv und grausam

 

Die Jagd – unnötig, kontraproduktiv und grausam

Stand Mai 2014
Jäger töten in Deutschland jedes Jahr zwischen vier und fünf Millionen Wildtiere sowie mehrere hunderttausend Hunde und Katzen – obgleich die Jagd zahlreichen wissenschaftlichen Studien und renommierten Wildbiologen zufolge unnötig ist. Prof. Dr. Josef Reichholf von der TU München beispielsweise betont, dass sich waldbewohnende Tierpopulationen schon immer selbst reguliert haben. Dies geschah keineswegs durch Beutegreifer wie Wölfe oder Bären, weil sie nur einen sehr geringen Einfluss auf die Anzahl ihrer Beutetiere haben. Die ausschlaggebenden Faktoren für die Populationsentwicklung sind natürliche Umwelteinflüsse wie Witterung, Krankheiten und Nahrungsverfügbarkeit (1). Auch Prof. Dr. Manfred Niekisch, international anerkannter Experte für Naturschutz und Direktor des Frankfurter Zoos, unterstreicht, dass eine etwaige Überpopulation einer Tierart aufgrund von Nahrungsmangel irgendwann von ganz alleine zusammenbricht. Des Weiteren beschreibt Niekisch die Jagd als komplett überschätztes Mittel der Regulation (2). Die Jagd zerstört Familienverbände und Sozialstrukturen und führt dazu, dass sich die Tiere unkontrolliert und losgelöst von ihrem natürlichen Fortpflanzungsrhythmus vermehren. Durch die intensive Bejagung sinkt die Lebenserwartung der Wildtiere drastisch. Dies hat eine frühzeitige Geschlechtsreife zur Folge, was die Geburtenrate ansteigen lässt. (3)
 
Den Jägern geht es nicht um Arten- oder Tierschutz. In Fachzeitschriften und auf internen Veranstaltungen geben sie offen zu, dass sie ihre Motivation vor allem aus der Lust am Töten, dem damit verbundenen Machtgefühl sowie dem Sammeln von Trophäen schöpfen (4).
 
Bewiesen: Die Natur würde sich selbst regulieren, wenn man sie ließe
Dass Wild und Wald eine natürliche Balance finden, ist anhand von zahlreichen jagdfreien Gebieten im Ausland längst bewiesen. Im Schweizer Kanton Genf herrscht seit 40 Jahren ein weitgehendes Jagdverbot. Die Bilanz: eine hohe Artenvielfalt und gesunde, stabile Wildtierpopulationen (5). Nicht der Jäger, sondern die ökologische Tragfähigkeit und die daraus resultierende natürliche Selektion halten die Geburten- und Sterberate im Gleichwicht (6) (7). Schwache Tiere überleben den Winter nicht. Nur die Stärksten setzen sich bei der Partnerwahl oder Revierkämpfen durch und überstehen Hungerzeiten. Die Jagd stört jedoch den natürlichen Kreislauf in erheblichem Ausmaß. Der Abschuss von Leittieren, die in Familienverbänden auf natürlichem Weg einer übermäßigen Vermehrungsrate entgegenwirken, bedingt anwachsende Populationen. (9)  Auf die intensive Bejagung und die dadurch verkürzte Lebenserwartung reagieren die Tiere mit frühzeitiger Fortpflanzung. Sie werden früher geschlechtsreif und sorgen schon im Jungtier-Alter für Nachkommen, um Populationsverluste durch die Jagd auszugleichen. (3) Durch das Zufüttern, die sogenannte Hege, überbrücken die Jäger Nahrungsengpässe und unterbinden somit die natürliche Selektion. Schließlich soll die Jägerschaft bei ihrem nächsten Feldzug voll auf ihre Kosten kommen – ein Teufelskreis.
 
Vor diesem Hintergrund verwundert es kaum, dass die Jagdlobby gänzlich jagdfreie Gebiete in Deutschland strikt ablehnt. Denn dann würde sich schnell herauskristallisieren, dass die Jagd unnötig und kontraproduktiv ist.
 
Der Hass der Jäger auf Fuchs, Marder und andere Beutegreifer
Der Fuchs- und Marderhass der Jäger hat seine Ursachen vor allem in der Tatsache, dass diese Beutegreifer mit den Waidmännern um dieselben Beutetiere konkurrieren. Die Jägerschaft duldet keine Jagdkonkurrenten in „ihrem“ Wald. In der Natur stehen Beute und Beutegreifer in einer komplexen Beziehung zueinander (8). Wechselwirkend halten sie ihre Populationen stabil. Natürliche Beutegreifer sind ein wichtiges Glied im Kreislauf der Natur. Sie sichern nicht zuletzt auch ihren Beutearten das Überleben, indem sie schwache und kranke Tiere erbeuten und somit Krankheitsherde sofort eliminieren (9). Jäger haben es jedoch meistens auf die schönsten und stärksten Tiere des Waldes abgesehen oder töten bestenfalls nichtselektiv.
 
Der Feldzug der Jäger gegen die Füchse
Um den regelrechten Vernichtungsfeldzug gegen die Füchse zu rechtfertigen, wurde dem Fuchs kurzerhand das Image des Krankheitsüberträgers verpasst – ungeachtet der Tatsache, dass die Fakten eine völlig andere Sprache sprechen. Die von den Jägern immer wieder zur Begründung der Fuchsjagd angeführte Tollwut gilt dank dem Einsatz von Impfködern in Deutschland seit 2008 offiziell als ausgemerzt. Durch die Bejagung war es dagegen nicht möglich, die Tollwut zu bekämpfen. Ganz im Gegenteil, die Jagd führte sogar zur Krankheitsverbreitung. Im Familienverband eines Fuchsrudels bekommt nur die älteste Füchsin Jungtiere. Werden diese Verbände regelmäßig auseinandergeschossen, zerbricht die Sozialstruktur. Die Männchen haben kaum noch feste Reviere mit fester Paarbindung. Sie ziehen umher und begatten jede läufige Fähe, die ihren Weg kreuzt (9). So bedingt die Jagd nicht nur einen Anstieg der Geburtenrate, sondern auch die Verbreitung von Krankheiten. Auch der von den Jägern immer wieder angeführte Fuchsbandwurm rechtfertigt die Verfolgung des Fuchses nicht. Die Wahrscheinlichkeit, sich mit dem Fuchsbandwurm zu infizieren, ist laut Prof. Brehm vom Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Würzburg heutzutage geringer als ein Sechser im Lotto – die Infektion zählt zu den seltensten Parasitosen Europas (10). Eine Ansteckung des Menschen findet ausschließlich über den Kontakt der Bandwurmeier mit dem Mund statt. Diese befinden sich in den Ausscheidungen des Wirtes (11). Die Jäger selbst, sowie ihre Jagdhunde stellen durch den direkten Kontakt mit Füchsen eine besonders hohe Risikogruppe dar (12). Bei der Jagd auf den Fuchs geht es nicht um das Allgemeinwohl – das fadenscheinige Argument des Fuchsbandwurms ist lediglich der Versuch, die sinnlose Tötung von etwa einer halben Million Füchse pro Jahr zu rechtfertigen.
 
„Wildschäden“ und Autounfälle
Aufgrund des anhaltenden Jagddrucks suchen die Tiere Schutz im Dickicht der Wälder (6). Wildtiere sind keineswegs von Natur aus scheu. Rehe und Hirsche sind ursprünglich tagaktive Tiere, die sich an Waldlichtungen aufhalten (13). Erst durch die künstlich hochgehaltenen, in den Wald gedrängten Wildtierpopulationen kommt es zu sogenannten „Wildschäden“.
Förster und Wissenschaftler sehen das Problem auf der Seite der Land- und Forstwirtschaft und der einseitigen Ausrichtung auf Monokulturen und Ertragsmaximierung (6) (14). Bruno Bassano, Tierarzt im jagdfreien Nationalpark Gran Paradiso, spricht aus Erfahrung: „Wenn der Wald aus rein wirtschaftlichen Gründen gepflanzt wird, dann ist es klar, dass ein Huftier wie der Hirsch Probleme verursachen kann. Wenn man aber den Wald aus ökologischer Sicht betrachtet, dann muss dieses Problem nicht existieren; dann werden Tier und Pflanze ein Gleichgewicht finden (15).“ Gleiches gilt für die Landwirtschaft, die den Tieren mit Monokulturen an energiereichen Pflanzen ein Überangebot an Nahrung liefert, die zudem leicht zu erreichen ist.
 
Auch die immer wieder vorkommenden Wildunfälle auf Deutschlands Straßen werden häufig von Jägern verursacht. Bei der Jagd, insbesondere bei großen Treib- und Drückjagden, werden die Tiere aufgescheucht. Dabei flüchten sie und rennen in Todesangst um ihr Leben – dabei auch über Straßen. Der Fluchtinstinkt der Tiere wird durch den anhaltenden Jagddruck größer. Selbst ein harmloser Spaziergänger reicht aus, um ein Reh in panische Angst zu versetzen.
 
99,6 Prozent der Bevölkerung werden ihrer Natur beraubt
Die Jägerschaft macht nur ca. 0,4 Prozent der deutschen Bevölkerung aus. Sie raubt jedoch allen Nichtjägern ein wertvolles Gut – die Natur. In unseren Wäldern bekommen Spaziergänger Wildtiere kaum zu Gesicht. Schon die kleinste Annäherung versetzt die Tiere in Panik und lässt sie flüchten. In Gebieten ohne Jagddruck haben Rehe und Hirsche ihre unnatürliche Scheu wieder abgelegt. Dies macht die Natur erlebbar. Kindern wird ein reales Bild der Umwelt vermittelt und Naturfreunde profitieren von friedlichen Wäldern und atemberaubenden Begegnungen mit unberührter Wildnis (5).
 
Das sogenannte „Bio-Wildfleisch“ – eine Verbrauchertäuschung
Der Verzehr getöteter Wildtiere birgt Gefahren. Die giftige Bleimunition hinterlässt Rückstände im Körper der Tiere. Bereits in den 1990er Jahren, wiederholt in den Jahren 2007 (16) und 2010 (17), stieß das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) im Rahmen seines Lebensmittel-Monitorings auf Wildfleischproben, die den zulässigen Grenzwert von 0,25 Milligramm Blei je Kilo Fleisch um ein Vielfaches überschritten. Blei wird als krebserregend eingestuft und schädigt das Nervensystem und die Nieren (18). Auch das Berliner Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnte in einem Gutachten mehrfach davor, zu viel Wildbret zu essen, das mit Bleimunition erlegt wurde (19). Mangelhafte Wildbrethygiene stellt ein weiteres Problem dar. Panische Todesangst und der Kampf ums Überleben bedeuten unermessliches Leid und Schmerzen für die Tiere. Laut einer wissenschaftlichen Studie sorgt der hervorgerufene Stress für eine Qualitätsminderung des Wildbrets durch Keimbildung. Der Keimgehalt in der Tierleiche steigt bei Verzögerung des Ausweidens drastisch an. Dies ist besonders der Fall bei der Nachsuche angeschossener Tiere und dem „Streckelegen“, also der zeremoniellen Leichenschau der Jäger. Fälle von gesundheitlich bedenklichem Wildfleisch, das durch Tierärzte als tauglich deklariert und vom Amtstierarzt dagegen als nicht verkehrsfähig sichergestellt wurde, sind ebenfalls oftmals Grund zur Beunruhigung. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. (TVT) führt dies auf unzureichende Kenntnis der Tierärzte zurück und stellt die Zuverlässigkeit der Wildfleischbeurteilung durch äußere Betrachtung in Frage (20).
 
Haustierabschuss
Schätzungen zufolge werden in Deutschland jährlich 350.000 Katzen und Hunde durch Jäger getötet. Genaue Zahlen zu den Haustierabschüssen gibt es nicht, weil in den meisten Bundesländern keine Meldepflicht besteht. Bei den betroffenen Tierhaltern löst der Verlust stets große Trauer aus. Da das Töten von Katzen und Hunden durch Jäger in der Bevölkerung auf breite Ablehnung stößt, werden die Vierbeiner nach dem Abschuss meist vergraben, am Straßenrand „entsorgt“ oder sogar zusätzlich überfahren, um einen Unfalltod vorzutäuschen. Begründet werden diese grausamen Taten damit, dass Hunde und Katzen Wildtiere reißen könnten – seriöse Beweise oder belastbare Studien aus der Wissenschaft fehlen für diese These jedoch. „Bei freilaufenden Hunden geht es vielmehr um die mögliche Vertreibung von Wild aus dem Revier“, so der Wildtierbiologe Prof. Dr. Reichholf (6). Ebenso belegt keine seriöse Studie den negativen Einfluss von streunenden Katzen auf Singvögel. Katzen jagen in erster Linie Mäuse; Bestandsrückgänge bestimmter Vogelarten sind laut Experten weitgehend auf Veränderungen oder Verluste der Lebensräume zurückzuführen (21). Beim Jagen von Katzen und Hunden geht es den Jägern nicht um Arten- oder Tierschutz, sondern lediglich um Beuteneid und die Lust am Töten. Der Abschuss von Haustieren ist in Deutschland leider legal und darf bei angeblich „wildernden“ Tieren angewendet werden. Eine Katze gilt als „wildernd“, wenn sie sich 200 bis 500 Meter (je nach Bundesland) vom nächstgelegenen Haus entfernt. Ein Hund gilt als „wildernd“, wenn er sich außerhalb der Einwirkung seines Herrn befindet und (je nach Bundesland) Wildtieren nachstellt.
 
Tierquälerische Jagdpraktiken an der Tagesordnung
Ungeachtet des Tierschutzgesetzes sowie zahlreicher Belege aus der Wissenschaft, die aufzeigen, dass die Jagd unnötig und kontraproduktiv ist, begehen Jäger unter Ausschluss der Öffentlichkeit abscheuliche Tierquälereien.
 
Bei der Treibjagd werden die Wildtiere von Treibern, Jägern und ihren Hunden zu den Schützen getrieben, die auf ihren Hochsitzen abschussbereit warten. Nur wenige treffen beim ersten Schuss auf die um ihr Leben rennenden Tiere. Nicht ohne Grund gibt es im Jägerlatein den Begriff der „Nachsuche“ für angeschossene Tiere. Laut der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz sterben bei einer Drückjagd bis zu 70 Prozent der Wildtiere nicht sofort (22). Mit zerschossenen Knochen und heraushängenden Innereien flüchten die Tiere, quälen sich oft tagelang und sterben einen qualvollen Tod.
 
Bei der grausamen Baujagd werden Füchse und Dachse von Jägern mit Hunden aus ihrem schützenden Bau getrieben und erschossen. Hierbei kommt es immer wieder zum blutigen Kampf zwischen Hund und Wildtier. Eine Fuchsmutter kämpft bis zum letzten Atemzug für ihre Kinder. Auch die Jagdhunde tragen oft schwere Verletzungen davon. Das Abrichten der Jagdhunde findet, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, in sogenannten „Schliefanlagen“ statt. Hier lernen die Hunde am lebenden Fuchs, diesen aus dem Bau zu jagen. Für diese perverse Praxis werden meist unerfahrene Jungfüchse mittels Lebendfallen gefangen und in Käfige mit einem künstlich angelegten Bau aus Betonrohren gesperrt, der mit Schiebern und flexiblen Gittern versehen ist. Der Jäger entscheidet, wie weit der Fuchs flüchten kann und wie nahe der Hund ihm kommt. Die Füchse werden dabei wiederholt in Todesangst versetzt. Verzweifelt versuchen sie, aus ihrer Folterkammer zu entkommen – vergeblich, denn nach einem qualvollen Dasein wartet der sichere Tod.
 
Für die Entenjagd werden die Hunde, ebenfalls unter Ausschluss der Öffentlichkeit, an lebenden Enten ausgebildet. Wie einer Landtagsanfrage der Grünen zu entnehmen ist, wurden in den vergangenen Jahren allein in Baden-Württemberg rund 400 Enten jährlich für die Ausbildung von Hunden getötet. Dazu werden den Enten zunächst die Flügel mit Papiermanschetten abgebunden, damit sie nicht flüchten können. Anschließend werden sie ins Wasser geworfen oder im Gebüsch versteckt, so dass der Hund sie aufstöbern und verfolgen kann. Anschließend schießt der Jäger auf die aufgescheuchte Ente, die nicht den Hauch einer Chance für eine erfolgreiche Flucht hat.
 
Lebend- und Totschlagfallen werden als gängige Jagdmethoden auf Fuchs und Marder eingesetzt. Durch die ausgelegten Lockstoffe kommen jedoch auch Haustiere oder andere Wildtiere zu Tode. Totschlagfallen sollen zwar sofort töten, in der Praxis werden die Tiere aber häufig „nur“ schwer verletzt. Aufgrund von abgetrennten Gliedmaßen, Trümmerbrüchen oder zerquetschten Körperteilen sterben die Tiere einen langsamen und unerträglichen Tod bzw. verhungern oder verdursten qualvoll, während sie in der Falle eingeklemmt sind. Lebendfallen sind nicht weniger grausam für die Tiere. Wissenschaftlichen Studien zufolge gerät das Tier in höchste Panik, wenn sich die Falle schließt und zieht sich bei verzweifelten Fluchtversuchen oftmals schwere Verletzungen zu. Laut der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz stehen die gefangenen Wildtiere unter hohem Stress, was erhebliches Leiden verursacht. Nicht selten sterben sie an Kreislaufversagen (23).
 
 
 
Wer Tiere quält, belässt es selten dabei
Ob Mensch oder Tier – bei der Jagd besteht Gefahr für jedes Lebewesen, das einem Hobbyjäger vor das Gewehr läuft. Jährlich werden in Deutschland mehrere Dutzend Menschen von schießwütigen Jägern versehentlich oder auch absichtlich verletzt oder sogar getötet. Kontrollen der Polizei zeigen, dass dabei häufig Alkoholkonsum eine Rolle spielt. Viele Jagdunfälle sind darauf zurückzuführen, dass Jäger so betrunken sind, dass sie Spaziergänger nicht mehr von Wildtieren unterscheiden können (24). Spaziergänger und Landwirte ziehen häufig den Zorn der Jäger auf sich, da sie Tiere verscheuchen und die Jagdausübung stören könnten. „Für jeden, der sich einmal daran gewöhnt hat, das Leben irgendeines Lebewesens als lebensunwürdig anzusehen, besteht die Gefahr, dass er eines Tages auch zu dem Schluss kommt, menschliches Leben sei wertlos“, schrieb der Humanist Albert Schweitzer. Gewalttaten gegenüber Tieren werden schon seit Langem als Indikatoren für eine Störung des Sozialverhaltens angesehen. Eine wachsende Zahl von Studien, wie beispielsweise die Kölner GAP-Studie, belegt diesen Zusammenhang. Täter, die in der Kindheit oder Jugend Tiere gequält haben, zeigen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit auch Gewaltbereitschaft gegenüber Menschen (25). Schon der erste Bundespräsident, Theodor Heuss, nannte die Jagd „eine Nebenform der menschlichen Geisteskrankheit“.
 
Jäger machen ihre eigenen Gesetze
Die Jäger spielen sich als Herrscher über Leben und Tod auf. Im Wald herrscht weitgehend Rechtsfreiheit, weil das blutige Treiben der Jäger kaum kontrolliert werden kann. Die Jäger entscheiden gerne selbst, was Recht und Unrecht ist, denn die im leitenden Dienst arbeitenden Beamten der Jagdbehörden sind oftmals selbst Jäger. Behördlich-jagdliche Entscheidungen basieren daher häufig nicht auf fundierten wissenschaftlichen Kenntnissen und Ermittlungen. Die tatsächlichen Wildbestände sind unbekannt und werden anhand der Abschusszahlen hochgerechnet. Die kleine, aber in Politik, Behörden und Wirtschaft bestens vernetzte Lobby der Jägerschaft schafft es immer wieder, sich gegen die Interessen von 99,6 Prozent der Bevölkerung durchzusetzen, die sich einen friedvollen Wald wünscht.
 
 
Quellen:
(1) Reichholf J. H. (ohne Datum) Die Wahrheit über die Jagd - Evolutionsbiologe Prof. Josef Helmut Reichholf widerlegt Jägerlügen. TV- Dokumentation SWR BW (abgerufen am 15.05.2014).
(2) Niekisch M. in Lill T. (2012) Deutschlands Jagd-Lobby setzt sich schleichend durch. Zeit online 2012/08 (abgerufen am 07.05.2014).
(3) Servanty S., Gaillard J., Toigo C., Brandt S.& Baubet E. (2009) Pulsed resources and climate‐induced variation in the reproductive traits of wild boar under high hunting pressure. Journal of animal ecology 78.6 1278-1290.
(4) Asche F. (2012) Jagen, Sex und Tiere essen: Die Lust am Archaischen. Neumann-Neudamm Verlag Melsungen.
(5) Dandliker G. (2014) 40 Jahre Jagdverbot im Kanton Genf. Freiheit für Tiere Nr.2/2014. 16-19.
(6) Reichholf, J. H. (2013) Gibt es eine ethische Rechtfertigung der Jagd? TIERethik 5 Jahrgang 2013/2 Heft 7. 33-45.
(7) Pullin A. S. (2002) Genetic Management of species. Conservation Biology. University of Cambridge. 216-222.
(8) Stevens A. N. P. (2010) Dynamics of Predation. Nature Education Knowledge 3(10):46.
(9) Frommhold D. (2007) Füchse im Fadenkreuz – über Sinn und Unsinn der Fuchsjagd. www.fuechse.info (abgerufen am 15.05.2014).
(10) Brehm K. in Apothekenumschau (2012) Fuchsbandwurm: Keine Angst vor Waldbeeren. Apothekenumschau online (abgerufen am 15.05.2014).
(11) Landesgesundheitsamt BWB (2005) Der Kleine Fuchsbandwurm. Gesundheitsamt Baden-Württemberg, 2005.
(12) Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung (2003) Berufskrankheiten -Verordnung Merkblätter zu Berufskrankheiten. Bek. des BMGS vom 1. September 2003 – 414- 45222-3102. Bundesarbeitsblatt 10/2003, S. 26ff.
(13) Deutsche Wildtierstiftung (2006) Leitbild Rotwild Wege für ein fortschrittliches Management. Deutsche Wildtierstiftung, 2006.
(14) ZDF Redaktion (2014) Jäger in der Falle. TV- Dokumentation ZDF (abgerufen am 15.05.2014).
(15) Bassano B. (2012) Tiere und Natur sind im Gleichgewicht. Freiheit für Tiere 1/2012, S 37.
(16) Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (2007) Bericht zur Lebensmittelsicherheit. Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, 2007.
(17) Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (2010) Bericht zur Lebensmittelsicherheit. Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, 2010.
(18) Bundesamt für Risikobewertung (2011) Fragen und Antworten zum Verzehr von Wild, das mit bleihaltiger Munition geschossen wurde. Bundesamt für Risikobewertung, 2011.
(19) Berliner Bundesinstitut für Risikobewertung (2012) Belastetes Wildfleisch: Blei im Magen. Spiegel Online 24.12.2012 (abgerufen am 08.05.2014).
(20) Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (1997) Jagd-Tierschutz-Wildbretqualität. Merkblatt Nr. 45.
(21) Niemann S. (2010) Katzen und Vögel. Der Falke 57.
(22) Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (ohne Datum) Tierschutz und Bewegungsjagden.
 Stellungnahme der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT)
Arbeitskreis Wildtiere und Jagd (AK 6).
(23) Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (2010) Tierschutz für Jäger. Merkblatt Nr. 123.
(24) PETA Deutschland e.V. (2014) Jäger töten oder verletzen jedes Jahr Dutzende Menschen. www.peta.de/Jagdunfaelle (abgerufen am 15.05.2014).
(25) Krischer K. M. & Sevecke K. (2009) Tierquälerei und Persönlichkeitspathologie bei delinquenten Jungen und Mädchen. Ergebnisse aus der Kölner GAP-Studie.