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Wolle

Die Qual der Schur

Stand Juli 2013
Schafe sind soziale Lebewesen, die ebenso wie andere Tiere Schmerz, Angst und Einsamkeit fühlen. Da der internationale Markt jedoch nur an ihrer Wolle und ihren Häuten interessiert ist, werden sie lediglich als Produktionsmaschinen und nicht wie einfühlsame Lebewesen behandelt.

Ohne die genetische Manipulation durch den Menschen würden Schafe nur so viel Wolle bekommen, wie sie benötigen, um sich in der Natur vor extremer Witterung zu schützen. Ihr Vlies ist ein wirksamer Schutz, weil es sowohl gegen Hitze und Kälte isoliert.
Die heutigen Schafarten werden in Deutschland zwar jedes Frühjahr geschoren, doch landet ihre Wolle meist auf dem Müll, weil sie nicht so fein ist, wie die der australischen Merino-Schafe. Australien liefert mit schätzungsweise 80 Millionen hochgezüchteten Merinoschafen ein Viertel der globalen Wolle.

Wenige Wochen nach ihrer Geburt werden Lämmern die Ohren durchstochen; ihre Schwänze werden gekürzt, und männliche Lämmer werden kastriert – das alles meist ohne Betäubung. Schafscherer werden gewöhnlich nach der Menge der geschorenen Schafe bezahlt, nicht nach Stunden. Das motiviert sie dazu, schnellstmöglich und ohne Rücksicht auf das Wohlbefinden der Schafe zu arbeiten. Dazu ein Augenzeuge: „Die Scherhalle ist vermutlich einer der schlimmsten Orte im Hinblick auf Tierquälerei ...Ich habe Scherer gesehen, die die Schafe so lange mit Schermessern oder Fäusten schlugen, bis diese aus der Nase bluteten. Ich habe Schafe gesehen, denen man das halbe Gesicht weggeschoren hatte …“

 

Cashmere, Angora und Alpaka


 

Cashmere stammt von der feinen Unterwolle der Kaschmirziegen, die in China und der Mongolei zu Millionen gezüchtet werden. Tiere, deren Fell „Mängel“ aufweist, werden gewöhnlich getötet, bevor sie zwei Jahre alt sind. Experten dieser Industrie gehen davon aus, dass Farmer 50 bis 80 Prozent ihrer Jungtiere töten, weil ihre Felle nicht den Anforderungen entsprechen. Zur Schur werden die Ziegen gefesselt und auf den Boden geworfen. Die Hirten reißen die Unterwolle mit Drahtbürsten aus dem Fell der schreienden Tiere.

Schur eines Angora-Kaninchens © macronix/flickr.com
Angora-Kaninchen werden zu Zehntausenden in engen Drahtkäfigen gehalten. China dominiert den internationalen Markt für Angorawolle mit über 90 Prozent. Da Angoras sehr empfindliche Fußsohlen haben, ist ein Leben auf Maschendraht in Käfigen für die Tiere eine absolute Qual und führt häufig zu Geschwüren an den Füßen. Zum Scheren werden die Tiere auf ein Brett gespannt. Dennoch versuchen die Angora-Kaninchen, aus Angst um sich zu treten und die Messer schneiden ihnen unausweichlich ins Fleisch und verursachen blutige Wunden. Da die Wollausbeute bei männlichen Angora-Kaninchen im Vergleich zu der von weiblichen Tieren nur etwa 75 bis 80 Prozent beträgt, werden die männlichen Tiere auf vielen Farmen sofort nach der Geburt getötet.

Schur eines Alpakas © maystone1/flickr.com
Alpakas sind höckerlose Kamele, die hauptsächlich in Südamerika speziell für Wolle gezüchtet werden. Laut Angaben des Alpakazuchtverbands Deutschland halten Züchter auch hierzulande 12.000 bis 15.000 Tiere. Bei der Schur werden die großen Tiere an allen vier Beinen gefesselt und von mehreren Farmern niedergedrückt, damit sie vor der stressreichen Schur nicht fliehen können. Bei nachlassender Wollproduktion werden Alpakas frühzeitig geschlachtet. Viele Tiere werden nicht einmal sieben Jahre alt, obwohl Alpakas normalerweise ein Alter von bis zu 20 Jahren erreichen können.

 

Was Sie tun können

Tragen und kaufen Sie tierfreundliche Materialien, die im Gegensatz zu Wolle, sogar wasserabweisend sind. Tencel beispielsweise ist atmungsaktiv, haltbar und biologisch abbaubar. Lyocell (aus Zellulose) hat den gleichen weichen Griff wie Cashmere und Polartec Wind Pround ist feuchtigkeitsabweisend. Weitere Alternativen zu Wolle sind auch Polyestervlies, synthetisches Shearling, Sisal, Bambus, Baumwollflanell, Viskose, Vlies, Acryl und Sojaseide.