Krebs: Mit veganer Ernährung das Krebsrisiko senken

Die meisten vegan lebenden Menschen entscheiden sich aus ethischen Gründen – also für die Tiere – für diese Ernährungsform. Auch ökologische Gründe sprechen für eine rein pflanzliche Ernährung. Vegan lebende Menschen können aber auch gesundheitlich profitieren. So haben Veganer ein geringeres Krebsrisiko als Fleischesser. Ursache hierfür scheint neben dem Meiden von Fleisch und verarbeiteten Fleischprodukten wie Wurst vor allem der meist höhere Verzehr von Gemüse und Obst sowie generell eine ballaststoffreichere Kost zu sein.

Häufigkeit und Ursachen von Krebserkrankungen

Krebs ist eine allgemeine Bezeichnung für eine große Gruppe von Erkrankungen. Diese sind durch das Wachstum abnormaler Zellen über ihre normalen Grenzen hinaus charakterisiert, die sich in andere Teile des Körpers ausbereiten können. Krebs ist eine sogenannte multifaktorielle (durch viele Faktoren bedingte) Erkrankung. Die Entstehung wird durch Alter, genetische Veranlagung sowie Umweltfaktoren und individuelles Verhalten bestimmt. [1, 2]

Schätzungen der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC), einer Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), zufolge erkrankten 2018 weltweit 18,1 Millionen Menschen an Krebs, und 9,6 Millionen starben daran. In Deutschland allein waren es über 600.000 Neuerkrankungen und fast 250.000 Todesfälle. [3, 4]

Die Zahl der Krebserkrankungen und -todesfälle hat in den letzten Jahren in Millionengröße zugenommen. Die Zunahme selbst ist eine Folge der steigenden Lebenserwartung und des Bevölkerungswachstums. Laut der WHO könnten jedoch zwischen 30 und 50 Prozent dieser Krebserkrankungen vermieden werden. Neben dem Verzicht auf Tabakprodukte und einem geringeren Alkoholkonsum spielen dabei unter anderem regelmäßige körperliche Bewegung, ein gesundes Körpergewicht und eine gesunde Ernährung eine entscheidende Rolle. [2, 5, 6]
 
Fleisch oder Gemüse: Unsere Ernährungsweise hat einen entscheidenden Einfluss auf unser Krebsrisiko

Veganer haben ein geringeres Risiko für Krebserkrankungen

Eine gut geplante vegane Ernährung, die eine Supplementation von Vitamin B12 einschließt, deckt nicht nur den Nährstoffbedarf eines Menschen. Ein veganer Ernährungsplan und die vegane Ernährungspyramide können dazu eine gute Hilfe sein. Ernährungsgesellschaften gehen zudem davon aus, dass eine vegane Ernährung gesundheitliche Vorteile für die Prävention bestimmter Krankheiten bieten kann, darunter Adipositas sowie bestimmte Krebsarten. [7]
 
So haben Veganer nach der derzeitigen Studienlage ein geringeres Krebsrisiko als Fleischesser bzw. als die Allgemeinbevölkerung. In der „Adventist Health Study 2“ war das Gesamtkrebsrisiko von Veganern im Vergleich zu Mischköstlern um 16 % reduziert und damit mehr als bei allen anderen Ernährungsformen. Unterschiede zeigten sich mit einer Reduktion von 34 % vor allem für frauenspezifische Tumore sowie mit 35 % für Prostatakrebs. In der EPIC-Oxford-Studie waren es 19 % verglichen mit Mischköstlern. Eine Analyse von insgesamt sieben Studien kam mit einem rund 18 % niedrigeren Risiko für Vegetarier (einschließlich Veganern) für alle Krebsarten zu einem ähnlichen Ergebnis. Darüber hinaus fand eine Metaanalyse von 18 Studien ein reduziertes Krebsrisiko von 15 % für Veganer ebenfalls für alle Krebsarten. Forschungsbedarf besteht jedoch noch dahingehend, für welche Krebsarten genau das Risiko reduziert ist, da Ergebnisse teilweise widersprüchlich sind. [8, 9, 10, 11, 12, 13, 14]

Ursachen für das geringere Krebsrisiko bei veganer Ernährung

Es ist unumstritten, dass die Ernährung generell einen großen Einfluss auf die Krebsentstehung hat. Der Einfluss scheint dabei ähnlich groß wie der des Rauchens und weitaus größer als der von Umweltschadstoffen oder Genetik. [2]

Warum Veganer ein geringeres Risiko für Krebserkrankungen haben, scheint dabei mehrere Ursachen zu haben.  So haben Veganer im Vergleich zu Mischköstlern oft ein geringeres Körpergewicht bzw. seltener Übergewicht. Übergewicht und Adipositas scheinen aber mit verschiedenen Krebsarten in Verbindung gebracht zu werden. Daneben ist es wohl auch der meist höhere Verzehr von gesundheitsfördernden pflanzlichen Lebensmitteln und vermutlich der Verzicht auf bestimmte tierische Lebensmittel. [6, 8]

Welche Nahrungsfaktoren die Krebsentstehung im Speziellen und auf welche Art beeinflussen, ist jedoch noch nicht abschließend geklärt und Gegenstand der Forschung. Genaue kausale Zusammenhänge sind schwierig herzustellen, weil bei Tumorerkrankungen eine lange Zeit zwischen der Schädigung des Erbguts und der eigentlichen Tumorentwicklung liegt und viele andere individuelle Faktoren eine Rolle spielen. [2]

Klar ist, dass unsere Nahrung sowohl krebsfördernde als auch krebshemmende Substanzen enthält. Diese können sowohl natürlich vorkommen oder durch Verarbeitung und Lagerung entstehen. Die Art und Weise, wie sich eine Person ernährt (also ob z.B. vegan oder mit reichlich Fleisch), beeinflusst, in welchen Mengen diese Substanzen aufgenommen werden. [2]

Pflanzliche Lebensmittel können das Krebsrisiko senken

Veganer meiden nicht nur bestimmte Lebensmittelgruppen, sondern verzehren andere mehr bzw. gezielt. So essen Veganer durchschnittlich mehr pflanzliche Lebensmittel als Mischköstler. Dabei wirken wohl vor allem eine ballaststoffreiche Kost, viel Gemüse und Obst und die antioxidativ wirksamen Inhaltsstoffe wie Vitamin C und E, Carotinoide und andere sekundäre Pflanzenstoffe krebsvorbeugend. [2, 8]
 
Ein hoher Verzehr von Obst und Gemüse senkt möglicherweise das Krebsrisiko.
Auch der dritte Expertenreport des World Cancer Research Fund (WCRF) und des American Institute for Cancer Research (AICR) kommt zum dem Schluss, dass eine Ernährung reich an Vollkorn, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten empfehlenswert ist. So gibt es laut des Reports starke Beweise dafür, dass Vollkorn und ballaststoffreiche Lebensmittel das Risiko für Darmkrebs reduzieren. Zudem gibt es eingeschränkte Beweise dafür, dass nicht-stärkehaltiges Gemüse, Obst sowie Lebensmittel mit Carotinoiden, Vitamin C und Isoflavonen das Risiko für verschiedene Krebsarten des Verdauungstraktes, der Lunge oder der Brust reduzieren können. Ein niedriger Verzehr von nicht-stärkehaltigem Gemüse bzw. Obst erhöht hingegen eventuell das Risiko einer Darm- bzw. Darm- und Magenkrebserkrankung. [15]
Obst und Gemüse beinhalten letztendlich eine große Anzahl möglicherweise krebshemmender Substanzen wie unter anderem Ballaststoffe, Carotinoide, Vitamin C und E, Selen, Flavonoide, Proteaseinhibitoren und viele mehr. Dabei scheint es sehr wahrscheinlich, dass das komplexe Zusammenspiel dieser Stoffe das Risiko für manche Krebserkrankungen senkt und eine schützende Wirkung während verschiedener Phasen der Krebsentstehung hat. [2, 15]

Zusammenhang zwischen tierischen Produkten und Krebserkrankungen

Veganer haben vermutlich nicht nur ein etwas geringeres Krebsrisiko durch den erhöhten Verzehr pflanzlicher Lebensmittel, sondern vermutlich auch durch das Meiden mancher tierischen Produkte. So kann das Risiko für verschiedene Krebsarten, vor allem für Dickdarm- und Mastdarmkrebs, verringert werden, wenn kein rotes und insbesondere verarbeitetes Fleisch verzehrt wird. [8]
Laut des dritten Expertenreports des WCRF und des AICR gibt es starke Beweise dafür, dass rotes Fleisch und verarbeitetes Fleisch das Risiko für Darmkrebs erhöhen. Es gibt zudem limitierte Beweise, dass rotes und verarbeitetes Fleisch das Krebsrisiko unter anderem für Lunge und Bauchspeicheldrüse erhöhen. Als zugrundeliegende Mechanismen werden das Grillen bzw. sehr hohe Erhitzen des Fleisches und dadurch entstehende Stoffe diskutiert. Ebenso könnten das enthaltene Hämeisen* sowie Nitrosamine, die unter anderem Folgeprodukte des Nitritpökelsalzes aus der Fleischverarbeitung sein können, und der höhere Fett- und Eiweißverzehr dazu beitragen. [16]

Der Einfluss des Verzehrs von Milch und Milchprodukten auf das Krebsrisiko ist nicht so eindeutig und unterscheidet sich wohl auch je nach Krebsart oder Milchprodukt. Während es starke Beweise dafür gibt, dass Milchprodukte das Darmkrebsrisiko senken, gibt es auch eingeschränkte Beweise, dass Milchprodukte das Prostatakrebsrisiko erhöhen. Im Report des WCRF und des AICR werden diesbezüglich daher keine Empfehlungen ausgesprochen. Diskutiert wird jedoch, ob das niedrige Darmkrebsrisiko auf das enthaltene Calcium zurückzuführen ist. Auch Calciumpräparate bzw. eine calciumreiche Ernährung zeigten in Studien einen ähnlichen Effekt. Calcium selbst muss aber nicht über Milchprodukte zugeführt werden, sondern ist auch in vielen pflanzlichen Lebensmitteln, calciumreichem Mineralwasser und angereicherten Pflanzendrinks enthalten. [2, 16]

Empfehlungen für eine krebshemmende Ernährung lassen sich vegan leicht umsetzen

Mit einer ausgewogenen veganen Ernährung können nicht alle Krebserkrankungen verhindert werden, doch das Risiko lässt sich reduzieren. Die allgemeinen (Ernährungs-)Empfehlungen zur Krebsprävention lassen sich mit einer veganen Ernährung und Lebensweise zudem leicht umsetzen.

Die Empfehlungen zur Krebsprävention des World Cancer Research Fund und des American Institute for Cancer Research umfassen neben dem Verzicht auf Rauchen/Tabak sowie übermäßige Strahlenbelastung u.a.: [17]
 
  1. Gesundes Körpergewicht
  2. Körperliche Aktivität
  3. Reichlicher Verzehr von Vollkorn, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten
  4. Eingeschränkter Verzehr von „Fast Food“ und anderen verarbeiteten Lebensmitteln, die reich an Fett, Stärke und Zucker sind
  5. Begrenzter Verzehr von rotem Fleisch und stark eingeschränkter Verzehr, wenn überhaupt, von verarbeitetem Fleisch
  6. Eingeschränkter Konsum von zuckergesüßten Getränken
  7. Eingeschränkter (am besten kein) Konsum von Alkohol
  8. Keine Verwendung von Supplementen zur Krebsprävention (eine notwendige Supplementation wie Vitamin B12 bei veganer Ernährung ist hiermit nicht gemeint)
  9. Stillen
Es lohnt sich also, nicht nur für die Tiere vegan zu leben, sondern auch für die eigene Gesundheit. Gesunde Ernährungsgewohnheiten, wie eine ausgewogene vegane Ernährung, beugen nicht nur ernährungs-assoziierten Krebserkrankungen vor. Sie senken auch das Risiko für andere sogenannte nichtübertragbare Erkrankungen, wie z. B. Diabetes oder Herzerkrankungen. [6]

Was Sie tun können

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* Hämeisen: Eisen, das an Hämoprotein gebunden ist, Bestandteil des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) in Fleisch und Fisch

[1] Weltgesundheitsorganisation: Cancer, https://www.who.int/cancer/en/, (eingesehen am 1.2.2019)
[2] Leitzmann, Claus/Keller, Markus (2013): Vegetarische Ernährung (3. aktualisierte Auflage). Stuttgart: Verlag Eugen Ulmer
[3] Bray, F. et al. (2018): Global cancer statistics 2018: GLOBOCAN estimates of incidence and mortality worldwide for 36 cancers in 185 countries. CA: A Cancer Journal for Clinicians, 68: 394-424. doi:10.3322/caac.21492
[4] International Agency for Research on Cancer (2019): The Global Cancer Observatory, Factsheet – Germany, https://gco.iarc.fr/today/data/factsheets/populations/276-germany-fact-sheets.pdf (Quelle: GLOBOCAN 2018)
[5] aerzteblatt.de (2018): Weltweite Zahl der Krebsdiagnosen steigt, https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/97838/Weltweite-Zahl-der-Krebsdiagnosen-steigt (eingesehen am 1.2.2019)
[6] Weltgesundheitsorganisation: Cancer prevention, https://www.who.int/cancer/prevention/en/, (eingesehen am 1.2.2019)
[7] Academy of Nutrition and Dietetics (2016): Position of the Academy of Nutrition and Dietetics: Vegetarian Diets. J Acad Nutr Diet. 2016; 116:1970-1980
[8] Keller, Markus (2016): Vegan und vegetarisch: Die Gesundheit profitiert, UGBforum spezial: Ernährungsrichtungen - aktuell bewertet 2016, S. 6-9
[9] Tantamango-Bartley, Yessenia et al. (2013): Vegetarian Diets and the Incidence of Cancer in a Low-risk Population, Cancer Epidemiol Biomarkers Prev February 1 2013 (22) (2) 286-294. doi: 10.1158/1055-9965.EPI-12-1060
[10] Tantamango-Bartley, Yessenia et al. (2016): Are strict vegetarians protected against prostate cancer?, The American Journal of Clinical Nutrition, Volume 103, Issue 1, 1 January 2016, Pages 153–160, https://doi.org/10.3945/ajcn.114.106450
[11] Key, Timothy J et al (2014): Cancer in British vegetarians: updated analyses of 4998 incident cancers in a cohort of 32,491 meat eaters, 8612 fish eaters, 18,298 vegetarians, and 2246 vegans, American journal of clinical nutrition vol. 100 Suppl 1,1 (2014): 378S-85S.
[12] Huang T, Yang B, Zheng J, Li G, Wahlqvist M, L, Li D: Cardiovascular Disease Mortality and Cancer Incidence in Vegetarians: A Meta-Analysis and Systematic Review. Ann Nutr Metab 2012;60:233-240. doi: 10.1159/000337301
[13] Dinu, Monica et al. (2017): Vegetarian, vegan diets and multiple health outcomes: A systematic review with meta-analysis of observational studies, Critical Reviews in Food Science and Nutrition, 57:17, 3640-3649. doi: 10.1080/10408398.2016.1138447
[14] Appleby, Paul/ Key, Timothy (2016): The long-term health of vegetarians and vegans. Proceedings of the Nutrition Society, 75(3), 287-293. doi:10.1017/S0029665115004334
[15] World Cancer Research Fund/American Institute for Cancer Research (2018): Continuous Update Project Expert Report 2018. Wholegrain, vegetables and fruit and the risk of cancer, einsehbar unter https://www.wcrf.org/dietandcancer/exposures/wholegrains-veg-fruit
[16] World Cancer Research Fund/American Institute for Cancer Research (2018): Continuous Update Project Expert Report 2018. Meat, fish and dairy products and the risk of cancer, einsehbar unter https://www.wcrf.org/dietandcancer/exposures/meat-fish-dairy
[17] World Cancer Research Fund/American Institute for Cancer Research (2018): Continuous Update Project Expert Report 2018. Recommendations and public health and policy implications, einsehbar unter https://www.wcrf.org/dietandcancer/recommendations-about