Plastik im Meer: Wie viel Müll stammt von Ihnen?

Plastik im Meer
Wussten Sie, dass jedes Jahr mehr als 10 Millionen Tonnen Plastik und anderer Müll im Meer landen? (1) Dieser Müll sammelt sich zu fünf großen Müllstrudeln. Einer von ihnen befindet sich im Pazifik und hat in etwa die Größe von Mitteleuropa. (2) Hinzu kommt, dass es sich bei dem sichtbaren Müllstrudel an der Wasseroberfläche um den kleineren Teil des Mülls handelt. Die wahre Katastrophe spielt sich am Grund des Meeres ab: Dort befindet sich etwa siebzig Prozent des Plastikabfalls.

Gefahr für Mensch und Tier

Plastik verrottet nicht, es wird im Meer nur in immer winzigere Teile zerrieben, bis es nur noch eine Art Plastikpulver ist. Eine einzelne Ein-Liter-Flasche beispielsweise zerlegt sich in so viele Einzelteile, dass man auf jeden Kilometer Strand weltweit ein Stückchen davon verteilen könnte. (2)
 
Plastik Meer
Im Müllstrudel werden die Mikroplastikteilchen dann zuerst von sogenannten Filtrierern aufgenommen. Die Tiere, die ihre Nahrung aus dem Wasser filtern, verwechseln das Mikroplastik mit Plankton. Wasserflöhe werden durch Mikroplastik gelähmt und Wattwürmer und Entenmuscheln fressen die winzigen Plastikteilchen, die am Strand angespült werden. (3) Indem diese Tiere wiederum von anderen Tieren gefressen werden, wandern die Giftstoffe langsam die Nahrungskette hinauf, bis sie schließlich auf den Tellern der Menschen landen. Für den Menschen geht die gesundheitliche Bedrohung dadurch eher schleichend voran. Für die Tiere stellt das Plastik eine lebensbedrohliche Gefahr dar.

Möwen, aber auch Wale und Delfine verheddern sich in sogenannten Geisternetzen und ertrinken. Seeotter ersticken an den Plastikringen von Dosen-Sixpacks, Meeresschildkröten verwechseln Einkaufstüten mit Quallen. Vögel füttern ihre Jungen aus Versehen mit Plastikmüll, wodurch die Küken mit vollem Bauch verhungern. Weichmacher, wie sie sich oft in Plastik finden, beeinflussen zudem das hormonelle System von Fischen und es entstehen Intersexfische.
 
Plastik Meer

Dieser Müll stammt von Ihnen

Wussten Sie, dass auch Sie für den Plastikanteil im Meer verantwortlich sind? Auch wenn die meisten von uns ihren Müll vorbildlich entsorgen, kaufen wir doch ständig, meistens ohne es zu wissen, Produkte mit Mikroplastik ein. So findet sich oft nicht nur in Peelings, sondern auch in Shampoos, Sonnencreme und Make-up Plastik in flüssiger oder fester Form. Welche Produkte Mikroplastik enthalten, erfahren Sie im Einkaufsguide des BUNDs. Vor Ort können Sie die Produkte mit der App Codecheck prüfen. 


Auch beim Waschen unserer Kunstfaserkleidung spülen wir mit jedem Waschgang etliche kleinste Plastikbruchstücke ins Abwasser. Das Problem dabei ist, dass unsere Waschmaschinen sowie Kläranlagen Mikroplastik nicht herausfiltern können. Es gelangt so in unsere Flüsse, Seen und Meere. (4) Eine vorläufige Lösung ist der Guppy Friend – ein Waschbeutel, der das Mikroplastik in der Waschmaschine auffängt.

Eine Studie von Wissenschaftlern, die mit dem Projekt Ocean Cleanup zusammenarbeiten, hat den sogenannten Great Pacific Garbage Patch untersucht - eine riesige Ansammlung von Plastikmüll im Nordpazifik zwischen Hawaii und Kalifornien. Ihre Erkenntnis war, dass 46 Prozent des „Plastikmüllflecks“ aus Fischernetzen bestehen. (5) So wird mit jedem gekauften Fisch enorm zur Vermüllung der Meere beigetragen.
 
Müll im Meer

Was Vegan mit Zero Waste zu tun hat

Diese Erkenntnisse sowie die Einsicht, dass Recycling allein nicht ausreicht, um der Umweltkrise entgegenzuwirken, hat eine Bewegung namens Zero Waste ausgelöst. Die Menschen, die dieser Bewegung angehören, reduzieren ihren Müll und damit ihren Ressourcenverbrauch auf ein Minimum. Ethisch motivierte Veganer verfolgen dieselben Ziele wie die Menschen der Zero-Waste-Bewegung: Durch ihren Lebensstil wollen sie die Umwelt und die Tiere schützen. Nun kann oder will zwar nicht jeder von uns seinen Jahresmüll auf ein Einmachglas reduzieren, aber nicht nur im Unverpacktladen kann man Obst ohne kleine Plastiktüten aufs Band legen. Und vielleicht findet sich ja auch ein neues Lieblingsshampoo ohne Mikroplastik und natürlich ohne Tierversuche.


Außerdem können Sie mit der Teilnahme an der Trash Challenge dabei helfen, das Meer ein wenig freier von Müll zu machen: Sammeln Sie einfach in Ihrem nächsten Urlaub am Strand Müll auf oder fischen Sie ihn aus dem Wasser – die Tiere und die Umwelt werden es Ihnen danken!
 
Müll Meer

(1) Naturschutzbund Deutschland (2018): Müllkippe Meer, Plastik und seine tödlichen Folgen. Im Internet abrufbar unter: https://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/naturschutz/meeresschutz/181203-nabu-broschuere_muellkippe_meer.pdf, abgerufen am 03.04.2019

(2) Gerhard Pretting, Werner Boote (2010): Plastic Planet, Die dunkle Seite der Kunststoffe. Im Internet abrufbar unter: http://www.orange-press.com/fileadmin/PDF/plastic_leseprobe.pdf, abgerufen am 03.04.2019

(3) Rundfunk Berlin-Brandenburg (2017): Gefährliches Mikroplastik? Im Internet abrufbar unter: https://www.rbb-online.de/wissen/aktuell/2017/01/gefaehrliches-mikroplastik-.html, abgerufen am 03.04.2019

(4) Naturschutzbund Deutschland (2016): Mikroplastik: Von der Waschmaschine ins Meer. Im Internet abrufbar unter: https://blogs.nabu.de/mikroplastik-landet-im-meer/, abgerufen am 03.04.2019

(5) L. Lebreton, B. Slat, F. Ferrari, B. Sainte-Rose, J. Aitken, R. Marthouse, S. Hajbane, S. Cunsolo, A. Schwarz, A. Levivier, K. Noble, P. Debeljak, H. Maral, R. Schoeneich-Argent, R. Brambini & J. Reisser: Evidence that the Great Pacific Garbage Patch is rapidly accumulating plastic. Im Internet abrufbar unter: https://www.nature.com/articles/s41598-018-22939-w, abgerufen am 17.04.2019