Schur: Alles über das qualvolle Scheren für Wolle

Schafe und Ziegen sind soziale Lebewesen, die Schmerz, Angst und Einsamkeit fühlen. Da der internationale Markt jedoch an ihrer Wolle und ihren Häuten interessiert ist, werden sie wie Produktionsmaschinen behandelt. Um an das Haar der Tiere zu gelangen, müssen sie geschoren werden – und das geht nur mit Gewalt, denn kein Tier gibt sein schützendes Fell freiwillig her.

Stress und Panik während der Schur

Die meiste Wolle stammt von Schafen, Ziegen und Kaninchen. Für die sensiblen Fluchttiere bedeuten bereits die Trennung von ihrer Herde und der direkte Kontakt zum Menschen größten Stress. Oftmals geraten sie in Panik und wehren sich mit aller Kraft gegen die Schur. Arbeiter machen die Tiere daher mit Gewalt gefügig und knien sich häufig auf ihren Kopf und Körper oder verdrehen ihre Arme und Beine. Um sie zu fixieren, werden Ziegen meist an ihren Gliedmaßen gefesselt und Angorakaninchen ausgestreckt an einem Holzbrett festgebunden.
 

Die meisten Tiere werden bei der Schur verletzt

Da sich die Tiere während der Schur trotz aller Bemühungen wehren und unkontrollierbare Bewegungen machen, können Schnittwunden selbst bei der sanftesten Schur nicht immer verhindert werden. Die meisten Scherer arbeiten jedoch nicht rücksichtsvoll, sondern schnell, achtlos und gewaltsam – denn sie werden nicht nach Stunden, sondern nach der Anzahl geschorener Tiere bezahlt. PETA und ihre internationalen Partnerorganisationen konnten dokumentieren, wie Tiere während der Schur getreten, gestoßen oder ihnen die Brustwarzen abgeschnitten wurden. Klaffende Schnittwunden werden oftmals ohne Betäubung mit Nadel und Faden vernäht und gar nicht oder nur unzureichend behandelt. Schwer verletzte oder unbrauchbare Tiere werden in der Wollindustrie meist getötet oder sich selbst und damit einem langsamen, schmerzhaften Tod überlassen.
 
Schafe Schnittverletzungen

Ist die Schur wirklich notwendig?

Die Tiere müssen die Qualen der Schur nur aus einem Grund über sich ergehen lassen: weil Menschen ihre Wolle tragen wollen. Die Zucht auf möglichst viel Wolle und das Ausbleiben des Fellwechsels haben dazu geführt, dass heutzutage viele Schafe, Ziegen und Kaninchen geschoren werden müssen. Wenn Schäfer die Zucht von Tieren ohne Fellwechsel einstellen würden, müsste auch kein Tier mehr die Strapazen der Schur ertragen. Dies wird aus Profitgründen aber nicht getan. Zudem leiden die Tiere im Sommer enorm unter ihrer dichten Felllast und sind nach der Schur anfällig für Lungenerkrankungen oder können bei Kälteeinbrüchen sogar erfrieren. Ohne die Fähigkeit, ihr Fellwachstum eigenständig zu regulieren, sind die Tiere Hitze wie Kälte schutzlos ausgeliefert und in der Natur oftmals lebensunfähig. Auch das Argument Artenschutz ist somit kein guter Grund, diese sogenannten Wollrassen – und damit auch ihr Leid – zu erhalten.

Welche Tiere werden geschoren?

Neben Schafen, Ziegen und Kaninchen werden viele weitere Tiere geschoren. Einige von ihnen, darunter Yaks, Vikunjas, Kaschmirziegen, Trampeltiere oder Moschusochsen, haben sogar noch einen natürlichen Fellwechsel, sodass man ihnen die Strapazen der Schur eigentlich ersparen könnte. Doch ihre Wolle gilt als Luxusprodukt, aus dem teure Produkte wie Schals, Pullover oder Mäntel hergestellt werden. Besonders beliebt sind derzeit Alpakas und Lamas – auch diesen Tieren wurde der natürliche Fellwechsel durch die Qualzucht genommen. Dasselbe gilt für Angoraziegen (Mohair) und Angorakaninchen. Bei den Schafen nutzt die Wollindustrie derzeit besonders häufig das Merinoschaf; dieses leidet unter einem extrem dichten Fellwachstum und ist äußerst anfällig für den schmerzhaften und oftmals tödlichen Befall mit Fliegenmaden. In Australien werden daher fast allen Lämmern unter dem Begriff Mulesing handtellergroße Haut- und Fleischstücke vom Hinterteil entfernt.  

Schurwettbewerbe: Horror für Schafe

Neben der Produktion von Wolle werden Schafe auch für Schurwettbewerbe, wie die jährlich stattfindende Deutsche Schafschurmeisterschaft, missbraucht. Bei diesen Veranstaltungen werden die Tiere unter Wettkampfbedingungen geschoren, was die Gefahr von Schnittwunden gegenüber dem Schuralltag weiter erhöht. Auch der Transport zum Wettbewerb, der Andrang vieler applaudierender und johlender Menschen, laute Musik und die vielen fremden Geräusche sind für die Fluchttiere eine Zumutung. PETA hat in der Vergangenheit bereits Strafanzeige gegen Schurwettbewerbe gestellt und setzt sich auch weiterhin für ein Ende dieser tierquälerischen Veranstaltungen ein.

Was Sie tun können

Bitte kaufen Sie den Tieren zuliebe keine Wolle und greifen Sie zu veganer Mode. Tencel, Sojaseide oder Acryl sind tolle tierfreie Alternativen, die deutlich pflegeleichter sind als Wolle und sich auf der Haut kuschelig weich anfühlen. Klären Sie Ihre Mitmenschen über die Qualen der Schur auf und besuchen Sie keine Veranstaltungen, bei denen Schafe oder andere Tiere unter Wettbewerbsbedingungen geschoren werden.