Tödliche Gefahr: Antibiotikaeinsatz in deutschen Ställen

Die landwirtschaftliche Tierhaltung kostet tagtäglich Millionen Tieren das Leben und schadet unserer Umwelt. Doch das ist noch nicht alles, denn sie kann uns Menschen auch in vielerlei Hinsicht krank machen. Laut des Robert Koch-Instituts sterben jährlich über 30.000 Menschen in Europa an Infektionen, die wegen antibiotikaresistenten Keimen nicht behandelt werden konnten. [1]

Inhaltsverzeichnis

Worin besteht die Gefahr?

Bakterien sind nicht per se krankheitserregend – an der falschen Stelle oder im Ungleichgewicht können sie jedoch schwere Entzündungen, Vergiftungen oder andere Infektionen auslösen. Glücklicherweise können viele bakterielle Infektionen seit der Entdeckung des Penicillins, und damit der Entwicklung des Antibiotikums, relativ einfach und schnell behandelt werden. Leider aber werden Antibiotika seitdem nicht nur falsch, sondern auch unnötig eingesetzt. Durch diese fehlerhafte Anwendung können die Bakterien Resistenzen gegenüber einem oder mehreren Antibiotika entwickeln und diese so wirkungslos machen – bakterielle Infektionen können also wieder vermehrt tödlich enden. Dort wo die meisten Antibiotika verabreicht werden, entwickeln sich auch die meisten Resistenzen. Es verwundert also nicht, dass neben Krankenhäusern unter anderem auch Tierställe Brutstätten für Resistenzentwicklungen sind.

Was sind Reserveantibiotika?

Im Jahr 2019 wurden allein in Deutschland insgesamt 670 Tonnen Antibiotika an Schweine, Puten, Hühner, Rinder und andere Tiere verabreicht. [2] Darunter befinden sich auch Präparate, die in der Humanmedizin angewendet werden, und sogar solche, die für den Menschen sogenannte Reserveantibiotika darstellen – also jene Antibiotika, die die letzte Rettung sein sollen, wenn andere Präparate zuvor aufgrund von Resistenzbildungen unwirksam waren.

Gesundheitskrise durch resistente Keime

Aufgrund des massiven Einsatzes antibiotisch wirksamer Medikamente in der Tierhaltung werden immer mehr Keime resistent, was dazu führt, dass eines, mehrere oder alle Antibiotika nicht mehr wirken. Der kanadische Wirtschaftsprofessor Aidan Hollis von der University of Calgary warnte schon vor Jahren vor einer Gesundheitskrise im globalen Maßstab: „Ihr [Antibiotika] wahrer Wert ist, Menschen vor dem Tod zu retten. Alles andere ist trivial.“ [3]  Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) listete antibiotikaresistente Keime sogar als eine der zehn Bedrohungen für die globale Gesundheit im Jahr 2019. [4]

Da Wissenschaftler seit Jahren Alarm schlagen, sinkt der Antibiotikaeinsatz in Deutschland zwar stetig, doch der Einsatz an Reserveantibiotika ist weiterhin hoch und steigt in Teilen sogar [5]. Unter anderem durch den Medikamentenmissbrauch in der Tierindustrie entwickeln sich aber auch gegen diese Reserveantibiotika vermehrt Resistenzen, und so muss im Krankheitsfall entweder auf alte Medikamente mit schwerwiegenden Nebenwirkungen zurückgegriffen werden oder der Krankheitsverlauf endet im schlimmsten Fall tödlich. Unter anderem das Methillicin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) spielt eine große Rolle als livestock-assoziiertes (LA-MRSA), also aus der Tierhaltung kommendes, Bakterium, das gegen die meisten oder alle wirksamen Antibiotika resistent ist. [6]

Was ist MRSA?

Methicillin-resistente Staphylococcus aureus, kurz MRSA, sind Bakterien, die im Laufe der Zeit resistent gegen das Antibiotikum Methicillin oder gegen andere Antibiotika geworden sind. Einige diese resistenten Staphylococcus aureus entwickeln sich aufgrund falscher oder zu häufiger Antibiotika-Gaben im Darm der Abermillionen Schweine, Hühner, Puten und Rinder, die in Deutschland zur Produktion von Fleisch, Milch und Eiern gehalten werden. Aufgrund der Herkunft werden diese Bakterien „livestock-assoziierte“ MRSA (LA-MRSA) genannt. Vergleichende Analysen haben gezeigt, dass im Zuge der Intensivtierhaltung eine Anpassung von ursprünglich beim Menschen vorkommenden Erregern an die Tiere in den Ställen erfolgte. Laut des Robert Koch-Instituts haben umfangreiche Studien in konventionell geführten Mastanlagen gezeigt, dass insbesondere Schweine und Geflügel mit LA-MRSA besiedelt sind. Fleisch, das im Handel angeboten wird, ist also ein häufiger Übertragungsweg auf den Menschen. Ein weiterer Weg ist der direkte Tierkontakt. Bis zu 86 % der Landwirte, die in MRSA-positiven Ställen arbeiten, sind mit LA-MRSA besiedelt – und können diese Resistenzen natürlich an andere Menschen weitergeben. [6] Schon heute erhalten Landwirte in einigen Krankenhäusern eine weitaus kostenintensivere Sonderbehandlung und werden von anderen Patienten isoliert untergebracht.

Was sind ESBL?

ESBL steht für „Extended-Spektrum-β-Laktamase“. β-Laktamasen sind bakterielle Enzyme, die bestimmte Antibiotika unwirksam machen können. Das Fatale ist, dass diese Enzyme unter Bakterien leicht ausgetauscht werden können und somit praktisch jedes Bakterium Antibiotikaresistenz erlangen kann. Laut einer Veröffentlichung des Robert Koch-Instituts ist auch in Deutschland ein deutlicher Anstieg bestimmter Bakterien mit ESBL zu verzeichnen. Da sich Bakterien mit Resistenzeigenschaften vor allem dort ausbreiten, wo der Selektionsdruck zugunsten der Resistenz infolge des Antibiotikaeinsatzes hoch ist, ist es nicht verwunderlich, dass ESBL-bildende Bakterien gerade in industriellen Tierställen häufig vorkommen. Wie Untersuchungsergebnisse aus dem Jahr 2012 zeigen, wurde ESBL-E. coli im Großteil der Schweine- und Geflügelbestände nachgewiesen, und die Übertragung der Resistenzen vom Tier auf den Menschen ist seit Längerem bekannt. [6]

Resistenzen in der Umwelt – und nicht viele neue Wirkstoffe in Sicht

Das Problem dehnt sich jedoch noch weiter aus und kann im schlimmsten Fall unkontrollierbar werden, wenn man bedenkt, dass auch in den Ausscheidungen der Tiere, der späteren Gülle, resistente Keime zu finden sind und damit unsere Felder gedüngt werden. Laut einer Studie, die im Jahr 2019 durchgeführt wurde, enthalten 12 von 15 untersuchten Proben multiresistente Keime; 10 davon wiesen Antibiotika-Wirkstoffe auf. [7]

Neue Antibiotika für die Behandlung von Infektionen mit derart resistenten Erregern sind noch immer nicht vollumfänglich in Sicht. [7] Um eine weitere Resistenzentwicklung und -ausbreitung schnellstmöglich zu unterbinden, muss der Einsatz von antibiotisch wirksamen Medikamenten daher drastisch gesenkt werden.

Fakt ist: Ohne diesen massiven Einsatz an Medikamenten würden viele Tiere die kurze „Nutzungsdauer“ meist nicht überleben. Das liegt zum einen an den auf Leistung statt auf Gesundheit gezüchteten Tieren und zum anderen an den unhygienischen Zuständen, der mit Ammoniak verseuchten Stallluft vieler Anlagen und natürlich an den artwidrigen Haltungsbedingungen. Millionen Tiere werden in diesem grausamen System verstümmelt und auf engstem Raum zusammengepfercht. Die allermeisten Tiere dürfen sich niemals unter freiem Himmel aufhalten und können demnach auch eine Vielzahl ihrer natürlichen Verhaltensweisen nicht ausleben. Schlimmer noch: Die Tiere leiden unter der reizarmen Umgebung an ständiger Langeweile und Unterforderung. All dies sind Ursachen für Erkrankungen, gegen die dann Antibiotika eingesetzt werden. Es werden jedoch nicht nur einzelne, wirklich kranke Tiere behandelt, denn wenn Zehntausende Hühner in einem Stall leben, ist klar, wie schnell sich krankmachende Keime ausbreiten würden. Demnach wird bei einer Erkrankung einzelner Tiere fast immer der gesamte Tierbestand über das Futter oder das Trinkwasser behandelt [7] und Resistenzen können sich hervorragend entwickeln.

Was fordern wir von der Politik?

Politiker fordern zwar eine drastische Senkung des Antibiotikaverbrauchs, gleichzeitig fördern sie aber ein tierquälerisches System, das den Menschen auf Dauer krank macht, die Umwelt belastet und Millionen Tierleben kostet. Neue Meldepflichten und strengere Vorgaben, die ab April 2014 für Bauern und Tierärzte gelten, sollen den umstrittenen Einsatz von Antibiotika in der Tiermast spürbar eindämmen. Dennoch wird sich der Verbrauch nicht drastisch ändern können, wenn das System der Tierhaltung nicht grundlegend geändert wird.

Wir brauchen deshalb einen Strukturwechsel in der Landwirtschaft – weg von der industriellen Tierhaltung und hin zu einer bio-veganen Landwirtschaft. Im Gegensatz zur konventionellen und Bio-Landwirtschaft kommt die bio-vegane Landwirtschaft ohne Tierquälerei oder tierischen und künstlichen Dünger aus. Damit schont sie Tiere, die Natur und die menschliche Gesundheit. Wir fordern die Politik seit langem auf, diese fortschrittliche Art der Landwirtschaft zu fördern. Alleine in Deutschland würde dies jedes Jahr fast einer Milliarde Tiere einen gewaltsamen Tod im Schlachthaus ersparen – und lebensrettende Antibiotika für Tausende Menschen könnten ihre Wirkung behalten.

Was Sie tun können

Wir müssen den Umgang mit Tieren in der Ernährungsindustrie grundsätzlich überdenken. Wenn Sie das nächste Mal im Supermarkt vor der Kühltheke mit Kuhmilch, Käse, Joghurt, Eiern oder vor der Fleischtheke mit toten Tieren stehen, denken Sie bitte an die Lebewesen, die für diese Produkten leiden und sterben mussten. Sie wurden meist artwidrig gehalten, qualvoll getötet und nicht selten mit Medikamenten behandelt. Bitte kaufen Sie keine tierischen Produkte, sondern steigen Sie auf die vegane Ernährung um. Es gibt keine bessere Möglichkeit den Tieren, der Umwelt und Ihrem eigenen Körper Gutes zu tun.

Melden Sie sich noch heute bei unserem kostenlosen und unverbindlichen Veganstart-Programm an – Sie erhalten leckere Rezepte, nützliche Informationen und praktische Tipps, die Sie dabei unterstützen, sich für die Tiere zu engagieren.