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12 Fakten über Karpfen und Tipps für ihren Schutz

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Wir alle kennen sie: Karpfen! Die wunderschönen Fische leben in unseren Seen, Teichen und Flüssen. Dabei erreichen sie eine stattliche Größe und gehören zu den meistfotografierten Fischen bei uns im Land.

Hier erhalten Sie spannende Informationen über die Biologie der beliebten Wassertiere und Tipps, wie Sie sie schützen können.

Inhalte im Überblick

1. Karpfen sind weltweit verbreitet und können Jahrzehnte alt werden

Der wissenschaftliche Name des „Gemeinen Karpfen“ lautet Cyprinus carpio und er gehört zur großen Überordnung der Ostariophysi, einer artenreichen Gruppe von Süßwasserfischen. [1] Karpfen leben vor allem in langsam fließenden Flüssen, Seen, Stauseen und Teichen, sie mögen weichen Grund, dichten Pflanzenbewuchs und wärmeres Wasser. Ursprünglich stammen Karpfen aus Europa, heute sind sie weltweit verbreitet. [1] Sie können über einen Meter lang und mehr als 30 Kilogramm schwer werden. Frei lebende Tiere erreichen ein Alter von bis zu 30 Jahren. Einzelne Tiere können sogar bis zu 50 Jahre alt werden. In der Aquakultur werden sie bereits im Alter von zwei bis vier Jahren getötet.

2. Ihre Schwimmblase ist Teil des Hörapparats

Der Name „Ostariophysi“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet Knochen (Osteon) und Blase (Physa). Alle Fischarten, die zu dieser Überordnung zählen, haben ein spezialisiertes Hörorgan: den Weberschen Apparat. Und dieser funktioniert so: Eintreffende Schallwellen versetzen die Schwimmblase in Schwingung. Über eine Kette winziger Knochen, die Weberschen Knöchelchen, werden diese Schwingungen dann an das Innenohr weitergeleitet. Sie haben also einen ausgezeichneten Hörsinn. Auch Piranhas, Welse, Goldfische und zahlreiche weitere Arten zählen zur Überordnung der Ostariophysi. [1]

3. Karpfen sind sanfte Riesen ohne Zähne im Kiefer

Sie sind groß und schwer – aber völlig wehrlos, denn Karpfen haben keine Zähne im Kiefer. Erst im hinteren Rachenbereich sitzen die sogenannten Pharyngal- oder Rachenzähne. Mit ihrer Hilfe zermahlen sie kleine Weichtiere und Pflanzenteile. [1] Ein Karpfen kann sich also nicht durch Beißen wehren, auch wenn es manchmal hilfreich wäre.

4. Karpfen riechen mit ihrer Nase, atmen aber nicht durch sie

Anders als bei uns Menschen spielt die Nase der Karpfen – wie bei anderen Fischen – keine Rolle bei der Einatmung, denn sieatmen mit ihren Kiemen. Die Nasenöffnungen werden zum Riechen genutzt. Vor ihrem Mund besitzen Karpfen vier Nasenöffnungen. Wasser strömt durch die vorderen Nasenöffnungen ein und Duftstoffe gelangen so zu den Riechzellen. Durch die hinteren Nasenöffnungen fließt das Wasser dann wieder hinaus. So werden unter anderem auch Pheromone wahrgenommen, die wichtig sind für das Sozialleben und die Fortpflanzung. [2]

5. Karpfen riechen Gefahr, bevor sie sie sehen

Karpfen können die Gefahr riechen, bevor sie sie sehen, zum Beispiel, wenn Artgenossen sie passiv über chemische Signale vorwarnen. Wird ein Fisch von einem Angreifer verletzt, werden sogenannte Alarm- oder Schreckstoffe, die in speziellen Hautzellen gespeichert sind, durch die beschädigte Haut ins Wasser abgegeben. [1] Andere Karpfen erkennen den Stoff und reagieren oft sofort mit Flucht oder erhöhter Vorsicht.

6. Die Barteln von Karpfen sind Tast- und Geschmacksorgane

Besonders charakteristisch für Karpfen sind ihre zwei Paar Barteln im Mundbereich. Diese helfen ihnen beim Schmecken und Tasten und dienen sowohl zur Orientierung als auch als Hilfe bei der Nahrungssuche auf dem Gewässergrund. Geschmackssinneszellen befinden sich zusätzlich auch im Mund, an den Flossen und anderen Körperteilen.

7. Karpfen haben einen Sinn, der Menschen fehlt

Karpfen nehmen ihre Umwelt nicht nur über Augen, Nase, Ohren und Barteln wahr. Mit ihrem Seitenlinienorgan können sie, wie andere Fische auch, zusätzlich feinste Wasserbewegungen und Druckwellen registrieren. Dieser besondere Sinn hilft ihnen bei der Wahrnehmung und Orientierung. [1] Wir Menschen müssen leider ohne ihn auskommen.

Das Seitenlinienorgan hilft Karpfen, Wasserbewegungen zu registrieren und sich in ihrer Umwelt zu orientieren.

8. Karpfen essen auch Früchte und Nüsse

Sie prüfen ihre Nahrung sehr genau und filtern zunächst Sand und Schlamm heraus, bevor sie entscheiden, was heute gegessen wird. Sie sind Allesesser und ernähren sich von Insekten, Würmern, Muscheln, Schnecken, Krebstieren, Pflanzen, Algen und sogar von ins Wasser gefallenen Früchten und Nüssen. Sie essen auch die Samen aquatischer Pflanzen und verbreiten sie. [3]

9. Karpfen sind schlau und lernen, Angelhaken zu meiden

Studien zeigen, dass Karpfen über ein Langzeitgedächtnis verfügen und sich an bestimmte Situationen über Monate hinweg erinnern können. Nach dem Kontakt mit einem Angelhaken meiden die meisten Karpfen die Falle. Sie können sogar aus reiner Beobachtung lernen, Haken zu meiden, wenn sie Zeugen wurden, wie andere Karpfen am Haken hingen. Selbst erlerntes Hakenvermeidungsverhalten konnte noch nach bis zu sieben Monaten nachgewiesen werden. [4-5] Das beweist, dass die Tiere ein ausgezeichnetes Erinnerungsvermögen haben, auch durch reine Beobachtung lernen und ihr Verhalten an erlernte Erlebnisse anpassen.

10. Karpfen fühlen Schmerz

Die Vermeidung von Angelhaken, nachdem sie mindestens einmal in die Falle gegangen waren, zeigt zudem, dass das Erlebnis schmerzvoll und unangenehm war und künftig gemieden werden sollte. Auch andere Fischarten lernen, schmerzhaften Reizen gezielt aus dem Weg zu gehen, selbst wenn sie dafür ein Opfer bringen müssen, wie zum Beispiel ihre „Futterecke“ im Aquarium aufzugeben. [6] In der Fachliteratur anerkannte anatomische und physiologische Studien zum Schmerzempfinden von Fischen gibt es bereits seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Auch Empfehlungen von Wissenschaftler:innen liegen dem Bundesministerium für Ernährung vor, samt der Empfehlung, dass Fische besser geschützt werden sollten. [6] Dennoch dürfen Karpfen und andere Fische immer noch an Angelhaken aufgespießt werden – und das sogar ohne Betäubung.

Karpfen an der Luft in einer Hand mit Angelhaken und Schnur am Mund
Angeln verursacht Tierleid: Karpfen werden mit Haken aufgespießt, obwohl ihr Schmerzempfinden wissenschaftlich belegt ist.

11. Karpfen sind widerstandsfähig

Karpfen tolerieren Bedingungen, unter denen viele andere Fischarten nicht mehr überleben würden. Sie können Sauerstoffmangel erstaunlich gut überstehen. Im Winter ziehen sich Karpfen in tiefere Gewässerbereiche zurück und senken ihren Stoffwechsel. Sie essen dann nur noch wenig und überstehen die kalte Jahreszeit mithilfe ihrer Energiereserven.

12. Karpfen sind Social-Media-Stars wider Willen

Man sieht sie auf Titelseiten von Angelmagazinen und auf Social-Media-Plattformen: große Karpfen. Sie bekommen Küsschen für ein Foto und hierfür gibt es dann Zigtausende Likes. Hinzu kommen Fischzuchtbetriebe, die Karpfen für ihr Fleisch mästen, und Politiker:innen posieren regelmäßig mit besonders großen Karpfen im Rahmen der „Karpfenwochen“. In manchen europäischen Ländern verkauft man sie als „Weihnachtskarpfen“ lebendig auf Märkten und hält sie bis zu ihrem Tod an Weihnachten in der Badewanne gefangen. Angelnde jagen gezielt Karpfen für Catch & Release, als Trophäe für YouTube oder um „Fischerkönig“-Preise bei Wettbewerben zu gewinnen.

So können Sie helfen, Karpfen zu schützen

Karpfen haben leider nicht nur tierfreundliche Fans. Karpfen brauchen daher Ihre Stimme und Ihre Lobby! Bitte sprechen Sie sich für den Schutz von Karpfen aus, wann immer sich eine Gelegenheit bietet. Ob bei einem Fest, an Weihnachten, mit Leserbriefen oder auf Social Media.

Helfen Sie uns, das Angeln in die Geschichtsbücher zu verbannen, und streichen Sie Karpfen von Ihrem Speiseplan. Wenn Sie auf eine vegane Ernährung umsteigen, retten Sie zudem nicht nur Karpfen das Leben, sondern auch allen anderen Tieren.

  • Quellen

    [1] Paxton, J. R. & Eschmeyer, W. N. (Hrsg.) 1998, Die Enzyklopädie der Fische, Bechtermünz Verlag, 240 S.

    [2] Jacob, N., & Padodara, R. J. (2024). Pheromones in Aquatic Animals. International Journal of Ecology and Environmental Sciences, 50(6), 831–841. https://doi.org/10.55863/ijees.2024.0352 (eingesehen am 06.10.2026)

    [3] VonBank, J. A., DeBoer, J. A., Casper, A. F. & Hagy, H. M. 2018, Ichthyochory in a temperate river system by common carp (Cyprinus carpio), Journal of Freshwater Ecology, Bd. 33, Nr. 1, S. 83-96, https://doi.org/10.1080/02705060.2018.1423645 (eingesehen am 06.10.2026)

    [4] Wallerius, M. L., Johnsson, J. I., Cooke, S. J. & Arlinghaus, R. 2020, Hook Avoidance Induced by Private and Social Learning in Common Carp, Transactions of the American Fisheries Society, Bd. 149, Nr. 4, S. 498-511,: DOI 10.1002/tafs.10246 (eingesehen am 06.10.2026).

    [5] Beukema, J. J. 1968, Angling experiments with carp (Cyprinus carpio L.): II. Decreasing catchability through one-trial learning, Netherlands Journal of Zoology, Bd. 19, Nr. 4, S. 596-609, https://doi.org/10.1163/002829668X00151 (eingesehen am 06.10.2026).

    [6] Dunlop, R., Millsopp, S. & Laming, P. 2006, Avoidance learning in goldfish (Carassius auratus) and trout (Oncorhynchus mykiss) and implications for pain perception, Applied Animal Behaviour Science, Bd. 97, Nr. 2-4, S. 255-271, DOI: 10.1016/j.applanim.2005.06.018.

    [7] Stellungnahme des FLI zu den Veröffentlichungen von Rose et al. (2012) sowie Arlinghaus und Cyrus (2013) (Berichterstatter: Dr. Michael Marahrens, Dr. Inga Schwarzlose), 2013.