Ist vegan schlecht für die Umwelt? 6 Mythen im Faktencheck

Die landwirtschaftliche Tierhaltung hat schwerwiegende negative Auswirkungen auf Umwelt und Klima. Trotzdem versucht die Industrie weiterhin, Zucht und Haltung von sogenannten Nutztieren zu rechtfertigen und als umweltfreundlich darzustellen. Zudem wird immer wieder behauptet, dass pflanzliche Produkte wie Soja oder auch verarbeitete vegane Alternativen der Umwelt schaden würden.

Wir von PETA Deutschland haben uns die gängigsten Argumente der Tierindustrie angesehen und zeigen in diesem Beitrag auf, wie klima- und umweltschädlich die Herstellung von tierischen Produkten wie Fleisch, Milch, Eiern und Co. tatsächlich ist. Erfahren Sie außerdem, warum eine tierfreie vegane Lebensweise immer umweltfreundlicher ist.

Inhalt im Überblick

1. Wir brauchen zum Erhalt von Grünland keine Tiere

Weiden werden normalerweise bewirtschaftet, indem Rinder, Schafe, Ziegen und andere Tiere darauf grasen. Allerdings ist der Erhalt von Weideland nicht zwingend auf Tiere angewiesen, denn es gibt Alternativen – beispielsweise den veganen Ökolandbau, der die Ausbeutung von Tieren gänzlich vermeidet. Eine effektive Methode ist etwa das „Cut & Carry“-Verfahren. Dabei wird das Grünland gemäht und das Gras auf einer anderen Fläche aufgebracht, damit es zur Bodengesundheit beiträgt.

Darüber hinaus ist es möglich, das gemähte Gras zur Kompostierung oder für die Gewinnung von Humuserde zu nutzen. In Gegenden, wo Grünland nicht erhalten werden muss, können zudem Wälder aufgeforstet oder Moore renaturiert werden. Bei diesem Prozess kann die natürliche Vegetation zurückkehren, was sich positiv auf das Klima und die Biodiversität auswirkt. [1]

Ein weisses Schaf liegt auf einer Wiese und kaut an Grashalmen.
Tiere wie Schafe oder Kühe können auf Grünland auch grasen, ohne für Fleisch oder Milch ausgebeutet zu werden.

2. Kuhhaltung auf der Weide ist nicht klimaneutral

Eine sorgfältige Graslandbeweidung kann sich positiv auf das Klima auswirken, denn durch das Abgrasen der Tiere wächst das Gras stärker nach und kann mehr Kohlenstoff binden. Dieser positive Klimaeffekt der Weidehaltung ist jedoch sehr gering oder entfällt gänzlich. Er wiegt die großen Emissionsmengen, die Tiere verursachen, nicht auf [2], was unter anderem an den Methan-Emissionen liegt. Insgesamt sind Produkte aus Weidehaltung also nicht klimaneutral oder gar klimanegativ, sondern verursachen im Vergleich zu pflanzlichen Alternativen vielmehr einen zwei- bis dreifachen Treibhausgasausstoß. [3] [4]

Ohnehin wird nur ein sehr geringer Anteil der Tiere in der Landwirtschaft auf Weiden gehalten. 83 Prozent der Rinder in Deutschland leben vor ihrer Tötung im Schlachthof in sogenannten Laufställen oder in der (zeitweisen) Anbindehaltung, wo sie unter tierquälerischen Bedingungen leiden. [5]

Beim veganen Ökolandbau hingegen können Tiere weiterhin auf Weiden grasen und diese Flächen als Weideland erhalten, falls dies ökologisch sinnvoll ist. Im Gegensatz zur Tierwirtschaft würden sie aber weder zu diesem Zweck gezüchtet noch nach ihrer (Aus-)Nutzung getötet werden.

Online-Petition
Helfen Sie, die Anbindehaltung von Kühen endlich zu beenden!
Fordern Sie den Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft auf, das mittelalterliche Haltungssystem einschließlich aller Alternativformen endlich abzuschaffen.

Online-Petition

Kühe in der Milchindustrie: Helfen Sie das Leid zu beenden! 

Werden Sie jetzt aktiv!

Tierquälerische Anbindehaltung jetzt beenden!

 

Sehr geehrter Herr Bundesminister,

in Deutschland werden knapp eine Million Rinder fixiert und an ein und derselben Stelle im Stall gehalten – entweder das ganze Jahr über oder während der langen Wintermonate. Die sogenannte Anbindehaltung geht unverkennbar mit gravierenden Tierschutzverstößen einher, da den Tieren nahezu jedes arteigene Verhalten verwehrt wird: Sie können kaum Körperpflege betreiben, kaum soziale Interaktionen mit ihren Artgenossen eingehen, sich kaum bewegen – nicht einmal umdrehen. Die Haltung an Halsrahmen oder Ketten führt vermehrt zur Schädigung der Haut, zu Klauenfäule, Gelenkerkrankungen und anderweitigen Verletzungen.

Diverse Gremien und Institutionen lehnen die Anbindehaltung ab, darunter die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. Und auch Alternativformen wie die sogenannte „Kombinationshaltung“, der „zeitweise Weidegang“ und die „saisonale Anbindehaltung“ stellen lediglich Schlupflöcher für die fortgesetzte Anbindehaltung dar. Denn auch bei diesen Alternativformen werden die Tiere die meiste Zeit ihres Lebens fixiert und mehr oder weniger bewegungsunfähig an ein und derselben Stelle im Stall gehalten.

Das antiquierte System der Anbindehaltung verursacht enormes psychisches und physisches Leid sowie lang anhaltende Schmerzen und Schäden. Ich appelliere deshalb an Sie, die tierquälerische Anbindehaltung – inklusive aller „Kombinationshaltungen“ – zeitnah zu verbieten.

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3. Auch ohne Gülle gibt es Dünger für die Felder

Die bei der Haltung von Tieren in der Landwirtschaft anfallenden Ausscheidungen werden meist als Dünger in Form von Gülle für die Felder genutzt – jedoch in einem Ausmaß, dass mit enormen negativen Folgen für die Umwelt einhergeht.

Das Grundwasser, unsere wichtigste Quelle zur Trinkwassergewinnung, wird durch die übermäßig hohen Güllemengen verunreinigt. [6] Da in großen Teilen der Tierindustrie massenhaft wichtige (Reserve-)Antibiotika verabreicht werden, enthält diese Gülle oft antibiotikaresistente Keime. [7] Zudem belastet sie das Klima, denn sie dünstet Lachgas aus, das über einen Zeitraum von 20 Jahren bis zu 268-mal klimaschädlicher ist als Kohlendioxid. [8] Durch das ebenfalls freigesetzte Umweltgift Ammoniak trägt sie außerdem zur Feinstaubbelastung bei, an der jedes Jahr rund 50.000 Menschen in Deutschland sterben. [9]

All diese Negativfolgen der Gülledüngung beim Anbau von Pflanzen lassen sich mit einer Düngung ohne tierische Exkremente vollständig vermeiden. Der vegane Ökolandbau etwa führt dem Boden Nährstoffe mit nachhaltigen Techniken und Methoden zu, was die biologische Vielfalt der Pflanzen erhöht. Dazu zählen beispielsweise Fruchtfolgen und der Anbau von Zwischenfrüchten.

Ein Traktor verstreut Guelle ueber ein Feld.
Ohne Tiere keine Gülle: Das Ausmaß, in dem Gülle eingesetzt wird, ist problematisch.

4. Der Regenwald wird nicht für Tofu abgeholzt

Die Produktion von Tofu, Fleischalternativen und Soja steht entgegen anderslautender Behauptungen nicht in Verbindung mit der Abholzung des Regenwaldes. Vielmehr stammen die in Deutschland hergestellten Sojaprodukte für den direkten menschlichen Verzehr überwiegend aus Europa. Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) sind rund 80 Prozent der Verluste in der Amazonas-Region auf Umwandlungen in Weideland zurückzuführen. [10]

Soja, das auf abgeholzten Regenwaldflächen angebaut wird, dient vorwiegend als Nahrung für Tiere in der Landwirtschaft, denn es ist kostengünstig in der Produktion und hat einen hohen Proteingehalt. Dies betrifft rund 75 Prozent des weltweiten Sojas. [11] Wollte man das für den deutschen Konsum von tierischen Produkten benötigte Soja hierzulande anbauen, wäre dafür die Fläche des gesamten Bundeslandes Brandenburg notwendig. Aus diesem Grund gehört Deutschland zu den weltweit größten Sojaimporteuren. [12]

5. Regionale, saisonale oder tierische Bio-Produkte sind nicht nachhaltiger als vegan

Im Allgemeinen ist es für die Ökobilanz eines Produkts von entscheidender Bedeutung, ob es sich um ein Tierprodukt oder ein pflanzliches Nahrungsmittel handelt. Aspekte wie Regionalität, Saisonalität und ökologische Herstellungsmethoden spielen zwar auch eine Rolle, doch eine umfassende Metastudie der Oxford-Universität zeigte auf: Selbst die am umweltfreundlichsten erzeugten Tierprodukte weisen eine schlechtere Umweltbilanz auf als pflanzliche Nahrungsmittel. [13]

Eine weitere Untersuchung kam zu folgendem Ergebnis: Im Vergleich zu einer omnivoren Ernährung mit 100 g Fleischverzehr pro Tag entstehen bei einer veganen Ernährungsweise 75 Prozent weniger klimaschädliche Emissionen. [14] Zudem werden zum Beispiel bei der Herstellung von Haferdrink 70 Prozent weniger Treibhausgase freigesetzt als bei der Produktion von Kuhmilch. [15] Die Erzeugung von einem Liter Kuhmilch benötigt außerdem weitaus mehr Fläche, nämlich rund 9 Quadratmeter. Zum Vergleich: Die gleiche Menge Sojadrink erfordert lediglich 0,7 Quadratmeter, also fast 13-mal weniger. [16]

Nicht zuletzt zeigte eine 2020 veröffentlichte Studie auf, dass Biofleisch im Hinblick auf Klimaschäden genauso hohe Kosten verursacht wie Fleisch aus konventioneller Produktion. Die pflanzliche Alternative ist demnach am klimafreundlichsten. [17] Natürlich sollte aber bei veganen Lebensmitteln darauf geachtet werden, möglichst bio, regional und saisonal einzukaufen.

Grafik. Uebersicht zu klimafreundlicher Ernaehrung

6. Vegetarische Produkte verursachen hohe Umweltschäden

Die Herstellung aller tierischen Produkte geht mit erheblichen Umweltschäden einher. Auch für die Produktion von Eiern und Milchprodukten wie Käse, Butter oder Joghurt müssen Tiere gehalten und ernährt werden. Vor allem Rinder stoßen erhebliche Mengen an Methan aus, das über einen Zeitraum von 20 Jahren eine 84-mal stärkere Klimawirkung als CO₂ entfaltet. [18] Butter gilt als klimaschädlichstes Produkt überhaupt, was unter anderem darauf zurückzuführen ist, dass sie eine sehr hohe Milchmenge erfordert und hochkonzentriert ist. Käse und Sahne belegen in puncto Klimaschädlichkeit Platz 3. [19]

Ein weiterer Faktor für die negative Umweltbilanz von Tierprodukten ist der enorm hohe Flächenbedarf. Der Anbau von Nahrungsmitteln für landwirtschaftlich gehaltene Tiere und die Weidehaltung sogenannter Nutztiere beanspruchen rund 83 Prozent der globalen landwirtschaftlichen Flächen. [20] Hierzu werden artenreiche Ökosysteme wie der Amazonas-Regenwald zerstört. Nicht zuletzt kommt es bei der Haltung der Tiere und beim Anbau ihrer Nahrungsmittel auch zur Wasserverschmutzung durch Pestizide, Herbizide, Gülle und Medikamente wie Antibiotika.

Die Lösung: Der vegane Ökolandbau

Um die Umweltprobleme zu lösen und die Ausbeutung von Tieren zu beenden, brauchen wir einen Umstieg auf den veganen Ökolandbau. Hierbei steht vor allem der biozyklisch-vegane Anbau im Fokus, der im November 2017 von der internationalen Vereinigung der ökologischen Landbaubewegung (IFOAM) zertifiziert wurde. Der vegane Ökolandbau bietet eine nachhaltige und tierfreie Alternative zur bestehenden Kreislaufwirtschaft mit Düngemitteln aus der Tierproduktion und zu den chemischen Düngern der konventionellen Landwirtschaft.

Wenn wir zudem Feldfrüchte wie Soja oder Weizen direkt verzehren, anstatt damit zuerst Tiere zu ernähren und anschließend ihr Fleisch zu konsumieren, ließen sich die lebensmittelbedingten Emissionen um bis zu 73 Prozent reduzieren. Wenn alle Menschen weltweit keine Fleisch- und Milchprodukte mehr konsumieren würden, könnte die globale landwirtschaftliche Nutzfläche um 75 Prozent verringert werden. [21]

Immer mehr landwirtschaftliche Betriebe stellen auf diese zukunftsweisende Art der Bewirtschaftung um und lassen sich nach den Richtlinien für biozyklisch-veganen Anbau zertifizieren. [22] Der Förderkreis Biozyklisch-Veganer Anbau e.V. veröffentlicht auf seiner Website eine Übersicht zu Onlineshops, über die man ein wachsendes Angebot an biozyklisch-vegan erzeugten Nahrungsmitteln beziehen kann. [23]

Eine Person steht an einem Gemuesestand auf einem Markt. In gruenen Kisten liegt diverses Gemuese.
Für eine Zukunft ohne Ausbeutung: Achten Sie beim Einkauf auf das Biozyklisch-Vegane Gütesiegel.

Möchten Sie dazu beitragen, Tiere und die Umwelt zu schützen?

Möchten Sie dazu beitragen, Tiere und die Umwelt zu schützen? Eine vegane Lebensweise ist von großer Bedeutung für Tiere und die Umwelt. Bitte entscheiden Sie sich für die rein pflanzliche Ernährung und unterstützen Sie die Förderung des veganen Öko-Landbaus. Nützliche Tipps und Informationen zum Einstieg in die vegane Lebensweise finden Sie in unserem kostenlosen Veganstart-Programm.