Menschen werden aufgrund ihrer Herkunft, ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Religion, ihrer äußeren Merkmale, ihrer sozialen Herkunft oder einer Behinderung diskriminiert. Obwohl sich die Diskriminierungsformen unterscheiden, liegt ihnen häufig ein ähnlicher Mechanismus zugrunde: Individuen werden aufgrund eines bestimmten Merkmals unterschiedlich bewertet und behandelt. Auch Tiere sind von einer solchen Ungleichbehandlung betroffen: Milliarden fühlende Lebewesen werden jedes Jahr für Nahrung, Kleidung, Unterhaltung oder Tierversuche ausgebeutet, weil sie einer anderen Spezies angehören als wir Menschen.
Als Tierrechtsorganisation setzen wir bei PETA Deutschland uns gegen die Ausbeutung von Tieren ein und lehnen zugleich jede Form von Hass, Ausgrenzung und Diskriminierung ab. Doch was genau bedeutet Speziesismus, und warum zeigen wir uns solidarisch mit anderen sozialen Bewegungen?
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Was bedeutet Speziesismus?
Speziesismus ist die Diskriminierung von Individuen aufgrund ihrer Artzugehörigkeit. Speziesismus zeigt sich überall dort, wo die Interessen nichtmenschlicher Tiere allein deshalb als weniger wichtig angesehen werden, weil sie nicht zur menschlichen Spezies gehören.
Im Alltag wird diese Ungleichbehandlung oft als selbstverständlich betrachtet:
- Mäuse, Ratten und andere Tiere werden in Tierversuchen misshandelt.
- Nerze und Füchse werden für Pelz, und Rinder für Leder getötet. Schafe, Ziegen und Kaninchen werden für Wolle gequält und ausgebeutet.
- Elefanten, Großkatzen, Primaten und viele weitere Wildtiere werden in Zoos und Zirkussen zur Unterhaltung von Menschen zur Schau gestellt und ihrer Bedürfnisse beraubt.
Dabei haben all diese Tiere etwas gemeinsam: Sie können Freude, Angst, Schmerz und Leid empfinden. Trotzdem bestimmt häufig ihre Artzugehörigkeit darüber, welchen Schutz und welche Berücksichtigung sie in unserer Gesellschaft erhalten.
Was haben Speziesismus und andere Diskriminierungsformen gemeinsam?
Jede Form von Diskriminierung hat ihre eigene Geschichte, ihre eigenen Ursachen und ihre eigenen Betroffenen. Dennoch lassen sich zwischen Diskriminierungsformen wie Speziesismus, Rassismus oder Homophobie strukturelle Gemeinsamkeiten erkennen:
- Einteilung in Gruppen: Individuen werden aufgrund bestimmter Merkmale einer Gruppe zugeordnet. Es entstehen zwei Gruppen: „wir“ und „die anderen“. Menschen werden dabei nach Geschlecht, Herkunft, Hautfarbe oder sexueller Orientierung kategorisiert. Tiere werden nach Spezies eingeteilt.
- Stereotypisierung: Menschen oder Tiere werden auf vermeintlich „typische“ Eigenschaften ihrer Gruppe reduziert. Das Individuum verschwindet hinter dem Stereotyp.
- Hierarchisierung: Aus einem Unterschied wird eine Rangordnung. Einer Gruppe wird mehr Wert zugeschrieben, während die andere abgewertet wird.
- Ausschluss aus moralischer Berücksichtigung: Die Interessen der als „anders“ definierten Gruppe werden weniger ernst genommen.
- Normalisierung: Die bestehende Ungleichbehandlung erscheint irgendwann selbstverständlich. Das wird beispielsweise im alltäglichen Sprachgebrauch deutlich, in dem speziesistische, misogyne oder rassistische Begriffe oftmals ohne Weiteres verwendet werden.
Soziale Bewegungen: Die Antwort auf unterschiedliche Diskriminierungsformen
Im Laufe der Geschichte haben unterschiedliche soziale Bewegungen immer wieder bestehende Ungleichheiten infrage gestellt, auf Missstände aufmerksam gemacht und gesellschaftliche Veränderungen angestoßen.
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Feministische Bewegungen
Feministische Bewegungen hinterfragen gesellschaftliche Vorstellungen, die Frauen weniger Rechte, Einfluss oder Selbstbestimmung zugestehen. Durch den Einsatz von Feminist:innen wurden bereits zahlreiche Fortschritte erzielt, darunter das Wahlrecht, ein besserer Zugang zu Bildung und Beruf sowie die rechtliche Gleichstellung in vielen Lebensbereichen. So konnten beispielsweise verheiratete Frauen bis 1977 nicht ohne die Zustimmung ihres Ehemanns arbeiten und die Vergewaltigung in der Ehe wurde erst 1997 als Straftat anerkannt. [1]
Tatsächlich ist auch die Ausbeutung von Kühen und Hennen ein feministisches Thema. In der Milch- und Eierindustrie werden Tiere aufgrund ihres gebärfähigen Körpers ausgebeutet. Kühe produzieren nur Muttermilch, wenn sie Nachwuchs bekommen haben. Sie werden also ein Leben lang zu Gebärmaschinen degradiert, immer wieder künstlich besamt, ihre Kinder werden ihnen weggenommen und sobald sie nicht mehr genug Milch geben, werden sie getötet. Auch Hennen werden gezielt auf eine möglichst hohe Legeleistung gezüchtet und dafür ausgebeutet, bis diese Leistung nachlässt.
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LGBTQIA+-Bewegung
Die LGBTQIA+-Bewegung setzt sich für die Rechte und gesellschaftliche Akzeptanz von queeren – also beispielsweise homo-, bi- und asexuellen, nicht-binären oder transgeschlechtlichen – Menschen ein. Durch die Bewegung konnten in vielen Ländern wichtige Fortschritte erzielt werden. In Deutschland wurde Paragraf 175, der sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe stellte, beispielsweise 1994 vollständig abgeschafft. [2]
Wie unter anderem die LGBTQIA+-Bewegung hinterfragt auch die Tierrechtsbewegung gesellschaftliche Normen, die lange Zeit als selbstverständlich galten. Beide Bewegungen verdeutlichen, dass gesellschaftliche Vorstellungen nicht unveränderlich sind und dass Fortschritt häufig dadurch entsteht, dass bestehende Vorurteile und Machtverhältnisse kritisch hinterfragt und aufgelöst werden.
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Umweltbewegung
Die Umweltbewegung setzt sich für den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen von Menschen, Tieren und Ökosystemen ein. Viele Probleme, die heute in weiten Teilen anerkannt sind, wurden lange Zeit unterschätzt oder ignoriert. Durch jahrzehntelanges Engagement konnten wichtige Umwelt- und Naturschutzgesetze angestoßen und das öffentliche Bewusstsein für Themen wie Umweltverschmutzung und die Klimakatastrophe gestärkt werden.
Zwischen der Umwelt- und Tierrechtsbewegung bestehen zahlreiche Berührungspunkte. Die industrielle Tierhaltung trägt erheblich zu Umweltproblemen wie hohem Flächenverbrauch, Gewässerverschmutzung und Treibhausgasemissionen bei. Beide Bewegungen setzen sich für einen verantwortungsvolleren Umgang mit anderen Lebewesen und den natürlichen Ressourcen unseres Planeten ein.
Obwohl diese Bewegungen unterschiedliche Themen behandeln, verbindet sie ein gemeinsames Anliegen: Sie hinterfragen gesellschaftliche Normen und fordern Gerechtigkeit und Respekt. Viele Rechte und Freiheiten, die heute selbstverständlich erscheinen, wurden durch soziale Bewegungen erkämpft. Gleichzeitig ist keine dieser Bewegungen am Ziel. Sexismus, Rassismus, Queerfeindlichkeit und Umweltzerstörung bestehen weiterhin. Denn gesellschaftlicher Wandel ist ein fortlaufender Prozess, der über Generationen hinweg erkämpft wird.
Auch die Tierrechtsbewegung ist eine soziale Bewegung, die gesellschaftliche Normen infrage stellt. So verfolgt die Tierrechtsbewegung das Ziel, den Speziesismus zu überwinden. Seit Jahrzehnten setzen sich Aktivist:innen und Organisationen wie wir bei PETA Deutschland für die Rechte und den Schutz von Tieren ein. So konnte die Bewegung bereits zahlreichen Tieren ein besseres Leben ermöglichen, die vegane Lebensweise weiter voranbringen und das Bewusstsein für Tierleid in der Gesellschaft stärken.
Warum sich Tier- und Menschenrechte nicht gegenseitig ausschließen
Der Einsatz für Tiere und der Einsatz für Menschenrechte werden häufig als getrennte Anliegen betrachtet. Dabei gilt: Mitgefühl ist keine begrenzte Ressource. Wer sich gegen Tierleid engagiert, muss sich nicht weniger für Menschenrechte einsetzen. Tatsächlich engagieren sich viele Menschen gleichzeitig gegen Rassismus, Sexismus, Queerfeindlichkeit und setzen sich zugleich für Tiere ein.
Gesellschaftliche Probleme lassen sich nicht isoliert voneinander betrachten. Wie wir mit Tieren umgehen, ist ebenso Teil unserer gesellschaftlichen Werte und Strukturen wie der Umgang mit unseren Mitmenschen und unserer Umwelt. Das zeigt sich unter anderem in folgenden Zusammenhängen:
- Menschen, die Tiere quälen, machen auch vor anderen Menschen oftmals keinen Halt. [3]
- Die Ausbeutung von Tieren hat Folgen für das ganze Ökosystem.
- Der Welthunger wird durch die tierische Landwirtschaft verstärkt – ein Großteil der Ernten, die derzeit als Tiernahrung verwendet werden, könnten direkt für den menschlichen Verzehr genutzt werden.
- Neben Tieren werden auch Arbeiter:innen in der Fleischindustrie oftmals ausgebeutet. Insbesondere Arbeitsmigrant:innen sind häufig von niedrigen Löhnen, unsicheren Arbeitsverhältnissen und belastenden Arbeitsbedingungen betroffen. [4]
- Die Tierwirtschaft ist ein System, das auf Ausbeutung von Tieren, Menschen und der Umwelt aufgebaut ist. Wer Tiere schützt, engagiert sich deshalb auch für den Schutz unserer Umwelt und zukünftiger Generationen.
Tierschutz, Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit stehen nicht in Konkurrenz zueinander. Sie entspringen häufig ein und demselben Wunsch nach einer gerechteren Welt, in der Leid verringert wird. Deshalb positionieren wir uns klar gegen jegliche Form von Hass, Gewalt und Ausgrenzung.
So werden Sie aktiv für Tierrechte
Soziale Bewegungen haben in der Vergangenheit immer wieder bewiesen: Es lohnt sich gegen Diskriminierung, Hass und Gewalt einzustehen. Millionen Tiere leiden jedes Jahr, weil ihre Interessen als weniger wichtig angesehen werden als die von Menschen. Setzen Sie ein Zeichen gegen Speziesismus und erfahren Sie, wie Sie sich für eine gerechtere Welt für alle fühlenden Lebewesen einsetzen können.
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Quellen
[1] Bundeszentrale für politische Bildung (08.04.2026): 1976: Bundestag reformiert das Ehe- und Familienrecht, https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/576893/1976-bundestag-reformiert-das-ehe-und-familienrecht/ (eingesehen am 19.08.2026)
[2] Bundeszentrale für politische Bildung (07.03.2014): 1994: Homosexualität nicht mehr strafbar, https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/180263/1994-homosexualitaet-nicht-mehr-strafbar/ (eingesehen am 19.08.2026)
[3] Arnold Arluke/Jack Levin/Carter Luke/Frank Ascione, The Relationship of Animal Abuse to Violence and Other Forms of Antisocial Behavior, Journal of Interpersonal Violence, Vol. 14 No. 9, September 1999, S. 963–975.
[4] Tagesschau (21.04.2026): Wie Arbeiter für die Fleischindustrie angelockt werden, https://www.tagesschau.de/investigativ/monitor/fleischindustrie-arbeitskraefte-ausbeutung-100.html (eingesehen am 17.08.2026)