Circus Afrika missbraucht verhaltensgestörte Elefanten zum Reiten

Elefanten Circus Afrika

Der berüchtigte Circus Afrika will nicht mehr ständig auf Tournee gehen, sondern wird nun im thüringischen Starkenberg eine Art stationären Zirkus einrichten. Obwohl den Tieren damit zumindest einige der belastenden Transporte erspart bleiben, geht ihr Leid doch unvermittelt weiter: In dem „Erlebnispark“ sollen den Besuchern neben Zirkusshows auch direkte Interaktionen mit den Elefanten angeboten werden. Die Elefanten-Damen Moja, Tonga und Gandhi dürfen nicht nur gefüttert und gestreichelt werden, auch Fotoshootings mit den Tieren und ein „Elefantenführerschein“ können gebucht werden. Dabei werden die sensiblen Wildtiere gezwungen, Besucher auf ihrem Rücken zu tragen. Während Reiseanbieter im Ausland Angebote wie das Elefantenreiten aus Gründen des Tierschutzes und zur Sicherheit der Touristen zunehmend streichen, wirbt Circus Afrika nun hierzulande mit dieser tierschutzwidrigen Attraktion. Es ist unverantwortlich, diese Tierquälerei zuzulassen und zudem Besucher einer derart großen Gefahr auszusetzen.

Verhaltensgestörte Elefanten zum Vergnügen der Besucher ausgebeutet

Zahlreiche Videoaufnahmen aus den letzten Jahren zeigen die Elefantenkühe beim sogenannten „Weben“. Dies ist eine Verhaltensstörung, bei dem sie mit Kopf und Körper hin und her schwingen, und die als Anzeichen für schweres seelisches Leiden gilt. Auch ein Sachverständigengutachten hat die Verhaltensstörungen bereits bestätigt und sogar in ein fortgeschrittenes Stadium eingeordnet [1]. Dennoch werden die Elefanten weiterhin im Zirkus eingesperrt und zur Unterhaltung von Besuchern missbraucht.
 

Elefanten im Zirkus – eine tickende Zeitbombe

Die Dressur von Elefanten ist von Gewalt und Zwang geprägt. Darum sind auch die Gefahren für Zirkus-Besucher nicht zu unterschätzen: Die misshandelten Tiere können unberechenbar sein und zur tickenden Zeitbombe werden. Seit 1980 wurden mindestens 52 Personen von Elefanten in Zirkussen in Europa und Nordamerika getötet. Mindestens 148 Personen wurden teilweise schwer verletzt. Die meisten dieser Vorfälle wurden durch Weibchen ausgelöst, obwohl Elefantenbullen generell als aggressiver gelten. [2] In den USA und in Indien wurden Elefanten, die für Unterhaltungszwecke eingesetzt wurden, zudem positiv auf Tuberkulose getestet. Da die Erreger auf Menschen übertragbar sind, müssen die Behörden dieses Risiko ebenfalls berücksichtigen.

Circus Afrika eilt sein schlechter Ruf voraus

Circus Afrika ist nicht nur wegen Missständen in der Tierhaltung schon häufiger negativ aufgefallen. Auch wegen Gewalt gegen Menschen macht der Zirkus immer wieder von sich reden, wie Beschimpfungen und Drohungen gegen Bürgermeister und Mitarbeiter der Stadtverwaltung an Gastspielorten. [3] 2018 wurde Zirkus-Direktor Hardy Weisheit sogar wegen Körperverletzung an einer Weimarer Amtsveterinärin rechtskräftig verurteilt. [4] Ein Clown des Zirkusunternehmens verprügelte einen Teenager. [5]

Zusätzlich fiel der Zirkus immer wieder durch Ausbrüche und „Spaziergänge“ der Elefanten und die Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung auf. Als es zu Sachschäden während ungenehmigter Spaziergänge mit den Elefanten kam, wurde er auch hierfür zu einem Bußgeld verurteilt. Dass dem Zirkus sein schlechter Ruf vorauseilte und es damit zunehmend schwierig wurde, Genehmigungen für Zirkus-Gastspiele zu erhalten, dürfte zu der Entscheidung beigetragen haben, aufs Reisen zu verzichten – dies geschah nicht zum Wohle der Tiere.
 
Entlaufene Elefanten von Circus Afrika
Im Juni 2019 brachen die Elefanten beim Gastspiel in Cham aus und liefen durch den Straßenverkehr. Zu Werbezwecken wurden die Elefanten auch in der Öffentlichkeit „spazieren“ geführt.

Darum bedeuten Zirkusse immer Leid und Qualen für Tiere

Alle Elefanten in deutschen Zirkussen wurden als Babys ihrer Familie und ihrem natürlichen Lebensumfeld in Afrika und Asien entrissen – auch Tonga, Moja und Gandhi bei Circus Afrika. Im Zirkus werden sie jahrelang gequält, angekettet und eingesperrt.
Ohne Zwang würden Tiere im Zirkus die unnatürlichen und beängstigenden Darbietungen verweigern. Die lebenslangen Misshandlungen und Entbehrungen führen häufig zu Verhaltensstörungen, Krankheiten und einem frühen Tod.  

Was Sie tun können

  • Bitte besuchen Sie niemals einen Zirkus mit Tieren oder andere Einrichtungen, in denen Tiere zur Unterhaltung missbraucht werden.
  • Appellieren Sie mit uns gemeinsam an die Bundesregierung, Tiere im Zirkus zu verbieten.


[1] Sachverständigengutachten vom 11. Oktober 2019, angefertigt am Veterinärwissenschaftlichen Department, Lehrstuhl für Tierschutz, Verhaltenskunde, Tierhygiene und Tierhaltung der LMU München.
[2] Elefantenschutz Europa e. V.: Hintergrund, Unfälle mit Elefanten, https://www.elefanten-schutz-europa.de/Wissen/Hintergrund-Unfaelle/, zuletzt eingesehen am 28.04.2020.
[3] Frankenpost: Münchbergs Bürgermeister erstattet Anzeige gegen Zirkus-Direktor, https://www.frankenpost.de/region/muenchberg/Muenchbergs-Buergermeister-erstattet-Anzeige-gegen-Zirkus-Direktor;art2441,6912086, zuletzt eingesehen am 28.4.2020.
[4] Thüringer Allgemeine: Zirkus „Afrika“ gastiert in Weimar: „Überleben ist ein Drahtseilakt“, https://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/leben/detail/-/specific/Zirkus-Afrika-gastiert-in-Weimar-Ueberleben-ist-ein-Drahtseilakt-2041061767, zuletzt eingesehen am 28.4.2020.
[5] TAG24, Zirkusclown verprügelt Teenager, doch der Direktor will ihn vor Gericht nicht kennen, https://www.tag24.de/nachrichten/riesa-zirkusclown-verpruegelt-teenager-doch-direktor-will-ihn-vor-gericht-nicht-kennen-circus-afrika-1092263, zuletzt eingesehen am 28.04.2020.