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Zoonosen: Warum unser Hunger auf Fleisch immer wieder Pandemien auslöst

Die WHO hat bestätigt, dass wir uns in einer Pandemie befinden. Jeder sollte nun die Anweisungen des Robert-Koch-Instituts befolgen – es wird aber auch Zeit, dass wir uns der Tatsache stellen, dass es unser Appetit auf Fleisch, Milch und Eier ist, der sogenannte Zoonosen befördert. Zudem sorgt dieses Verhalten dafür, dass wir in immer geringeren Abständen mit neuartigen und schwer kontrollierbaren Viren konfrontiert sein werden.

Was sind Zoonosen?

75 Prozent aller neu auftretenden Krankheitserreger wurden vom Tier auf den Menschen übertragen – diese nennt man Zoonosen. [1] Die Ansteckung vom Tier zum Menschen kann durch direkten Kontakt mit Tieren oder auch durch kontaminierte Lebensmittel erfolgen.

Was hat das mit Fleisch, Milch und Eiern zu tun?

COVID-19, die Vogelgrippe H5N1, der hunderte Menschen zum Opfer fielen, die SARS-Pandemie 2002/2003 mit weltweit über 770 Toten, das 2012 erstmals aufgetretene MERS-CoV, das gefährliche Ebolafieber, unzählige Opfer durch multiresistente Keime und sogar Aids – sie alle haben einen gemeinsamen Nenner: Die Gier des Menschen nach Fleisch und anderen tierischen Produkten. [2]
Bereits 2004 benannte unter anderem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die steigende Nachfrage nach tierischen Produkten als eine der Hauptursachen für die Entstehung von Zoonosen [3]. Der im Juli 2020 veröffentlichte gemeinsame Bericht des UN-Umweltprogramms (UNEP) und des International Livestock Research Institute (ILRI) verdeutlicht, dass das Risiko von Zoonosen in Zukunft steigen könnte. Der Report verweist auf sieben Punkte, die Zoonosen begünstigen, darunter die steigende Nachfrage nach tierischen Produkten, die zunehmende Nutzung und Ausbeutung von Wildtieren durch Jagd und Handel sowie der Klimawandel. Die Chefin des UNEP warnt: „Wenn wir weiterhin die Tierwelt ausbeuten und unsere Ökosysteme zerstören, können wir einen stetigen Strom dieser Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden, in den kommenden Jahren erwarten“ [4]. Auch ein weiterer wissenschaftlicher Fachbeitrag nennt das menschliche Verhalten gegenüber Natur und Tieren als hauptverantwortlich für die Zunahme der Häufigkeit von Zoonosen. Wie der Bericht aufzeigt, fordern die Wissenschaftler mit Nachdruck die weltweite Schließung aller Einrichtungen der intensiven Tierhaltung und die von Lebendtiermärkten, um das Risiko der Entstehung und Verbreitung von Krankheiten wie COVID-19 zu vermindern sowie zum Wohl der Tiere, der Menschen und der Umwelt. Zusätzlich motivieren sie zu einem raschen Übergang vom Konsum anderer Proteinformen wie pflanzliche Alternativen, die für den Menschen sicherer sind [5].
 
Nachfolgend finden Sie eine Übersicht der Erkrankungen, die mit dem Konsum von Tieren in Verbindung stehen:
 

Die neuartige Coronavirus-Pandemie hatte ihren Ursprung allem Anschein nach Ende 2019 auf einem Tiermarkt in der chinesischen Stadt Wuhan. Wie bei anderen Formen des Coronavirus stammte das Virus-Genom ursprünglich von einem Tier, bevor es auf den Menschen überging. Aktuellste Forschungsergebnisse zeigen einen Bezug zu Fledermäusen und Schuppentieren – zwei Tierarten, die ihres Fleisches wegen auf dem Markt in Wuhan verkauft wurden.

Durch den massiven Einsatz antibiotisch wirksamer Medikamente in den landwirtschaftlichen Tierställen werden immer mehr Bakterien resistent, sodass mehrere Antibiotika nicht mehr wirken. Die Antibiotikaresistenz führt dazu, dass jedes Jahr Tausende Menschen an bakteriellen Erkrankungen sterben, die normalerweise unkompliziert behandelt werden können. Laut Experten wird dies bis 2050 eine der Haupttodesursachen sein und jährlich 10 Millionen Menschen das Leben kosten.

Die Ebola-Viruskrankheit wird von einem Virus ausgelöst, das Wildtiere wie Fledermäuse, Stachelschweine und Primaten auf den Menschen übertragen. Zwischen 2014 und 2016 sind in Westafrika über 11.000 Menschen dem Virus zum Opfer gefallen.

Das Middle East Respiratory Syndrome (MERS) ist eine weitere durch das Coronavirus ausgelöste Krankheit. Erstmals bekannt wurde die Atemwegserkrankung in Saudi-Arabien. Mittlerweile hat sie sich in der ganzen Welt verbreitet und bereits 858 Menschen das Leben gekostet. Die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass Kamele bei der Übertragung des Virus auf den Menschen eine Rolle gespielt haben. Sie empfiehlt deshalb, vom Konsum von Kamelmilch und Kamelfleisch abzusehen.

Das H1N1-Virus löste eine Pandemie aus, nachdem es von Schweinen auf den Menschen übertragen worden war. Bis zu 575.400 Menschen sind weltweit bereits daran gestorben.

Das Severe Acute Respiratory Syndrome (SARS) ist eine Krankheit, die durch ein Coronavirus ausgelöst wird und ihren Ursprung ebenfalls in Wildtieren wie Fledermäusen und Schleichkatzen hat. Sie wurde von Tieren auf den Menschen übertragen. Die SARS-Pandemie nahm ihren Anfang in China. Es folgte ein Ausbruch tödlicher Lungenentzündungen, denen 774 Menschen zum Opfer fielen. Man geht davon aus, dass auch dieses Virus von einem Tiermarkt herrührte.

Der H5N1-Stamm der Vogelgrippe trat zuerst bei Gänsen in der landwirtschaftlichen Tierhaltung auf und sprang dann auf Hühner über, die zur Produktion von Fleisch und Eiern gehalten wurden. Einige Stämme der Vogelgrippe können von Vögeln auf den Menschen übertragen werden. Die tödlichsten davon sind H5N1 und H7N9, an denen in China und weltweit bereits hunderte Menschen verstarben. Das Virus kann auf Menschen übertragen werden, wenn diese mit Federn, Fleisch oder Ausscheidungen infizierter Tiere in Berührung kommen.

Die variante Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJK) ist eine seltene Erkrankung, die beim Menschen Hirnschäden verursacht. Die Ansteckung erfolgt durch den Verzehr des Fleisches von Rindern mit BSE („Rinderwahn“). Da Rinder Pflanzenfresser sind, entwickelten sie BSE, nachdem sie mit gemahlenem Fleisch und den Knochen anderer Tiere, z. B. Schafen und anderer Rinder, gefüttert wurden. So wurden die Tiere unfreiwillig zu Kannibalen. Weltweit sind 226 Menschen an vCJK gestorben.

Für unsere eigene Zukunft müssen wir radikal umdenken

Weltweit pferchen wir Milliarden Tiere in enge und kotverdreckte Ställe – ihr Leben ist eine reine Qual. Diese Agraranlagen, Tiermärkte und auch die Schlachthöfe voller gequälter, verletzter, kranker Tiere sind Brutstätten für tödliche Keime. Dadurch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit von Mutationen, antibiotikaresistenten Keimen und Zoonosen – immer mehr Viren springen vom Tier auf den Menschen über, mit nicht absehbaren Konsequenzen für die gesamte Menschheit. Auch der Verzehr von und Handel mit Wildtieren begünstigt die Übertragung von Viren auf uns Menschen. Die Corona-Krise könnte nur ein erster Vorgeschmack sein für das, was in der Zukunft, ausgelöst durch die zunehmende Tierhaltung, immer öfter passieren kann.
 
Rinder Steinhorst
Was kann jeder von uns dagegen tun? Wir müssen vom Essen von Tieren und tierischen Produkten komplett abrücken, denn dies ist in den meisten Fällen die Ursache für die gefährlichen Zoonosen. Eine ausgewogene pflanzliche Ernährung ist darüber hinaus wichtig für die Tiere, unsere Umwelt und unseren Körper.

Hintergrund

Im Falle von Corona wird meist der Tiermarkt in Wuhan als Ausgangspunkt der Pandemie genannt, dort werden vor allem Fische und sogenannte „Meeresfrüchte“ gehandelt – aber auch zahlreiche exotische Säugetiere. Die Vermutungen gehen in die Richtung, dass das Genom ursprünglich von Fledermäusen stammte und dann auf mindestens ein Säugetier übergesprungen ist, bevor es Ende vergangenen Jahres dann einen Menschen infizierte. [6]

Das Problem ist der Politik durchaus bekannt. So schreibt zum Beispiel der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft schon 2015 in einem Gutachten:

„Tierische Lebensmittel bergen grundsätzlich Risiken für die menschliche Gesundheit. Mögliche Beeinträchtigungen der Gesundheit ergeben sich zum einen durch Erreger von Zoonosen, die in den Tierbeständen vorkommen und auf unterschiedlichen Wegen zu den Konsumenten/Konsumentinnen gelangen können, zum anderen durch verschiedene stoffliche Belastungen aus der Tierhaltung sowie durch die Entstehung von Resistenzen gegenüber Medikamenten.“ [7]

Was Sie tun können

Wir alle können mithelfen, dies zu vermindern, indem wir die nächsten Monate nicht nur Solidarität mit unseren Mitmenschen zeigen und physische Kontakte so gut wie möglich vermeiden, sondern auch, indem wir unser Mitgefühl ausweiten und auf eine vegane Ernährung umsteigen. Gerne unterstützen wir Sie dabei. Unter www.veganstart.de geben wir Ihnen Tipps und Informationen mit auf den Weg, dass auch Sie die vegane Lebensweise unverbindlich für 30 Tage ausprobieren können.



[1] OneHealth: OIE - World Organisation for Animal Health, online: https://www.oie.int/en/for-the-media/onehealth/ (zuletzt abgerufen am 19.03.2020)
[2] Gefährliche Eindringlinge - Droht nach der Schweine- und Vogelgrippe in Zukunft eine Fledermausgrippe?, online: https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/gefahrliche-eindringlinge-droht-nach-der-schweine-und-vogelgrippe-in-zukunft-eine-3200.php (zuletzt abgerufen am 19.03.2020)
[3] WHO/FAO/OIE: Report of the WHO/FAO/OIE joint consultation on emerging zoonotic diseases, https://apps.who.int/iris/bitstream/handle/10665/68899/WHO_CDS_CPE_ZFK_2004.9.pdf?fbclid=IwAR2ha8hDMHV8gDJYEadsk7-lxLS84Z3kSlq3E4-zG5kaWUh1Xc5vgJhTsJ4 (eingesehen am 23.07.2020)
[4] UN Environment Programme: Unite human, animal and environmental health to prevent the next pandemic – UN Report, https://www.unenvironment.org/news-and-stories/press-release/unite-human-animal-and-environmental-health-prevent-next-pandemic-un (eingesehen am 23.07.2020)
[5] Karger: What the COVID-19 Crisis Is Telling Humanity, https://www.karger.com/Article/FullText/508654 (eingesehen am 23.07.2020)
[6] Coronavirus Sars-CoV-2: Wissenschaftler suchen im Virenerbgut Ursprung von Covid-19 - DER SPIEGEL, online: https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/coronavirus-sars-cov-2-wissenschaftler-suchen-im-virenerbgut-nach-ursprung-von-covid-19-a-b4f5a5c8-9c3a-416f-b27f-8ffcb5ad64ae (zuletzt abgerufen am 19.03.2020)
[7] Gutachten „Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung“, online: https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Ministerium/Beiraete/Agrarpolitik/GutachtenNutztierhaltung.pdf%3F__blob%3DpublicationFile (zuletzt abgerufen am 19.03.2020)