4 Gründe, warum auch Eier aus Freilandhaltung Leid verursachen

Immer wieder werden wir gefragt, welche Eier man nach den vielen Skandalen in der Eierindustrie noch bedenkenlos essen kann. Oftmals erkundigen sich tierliebe Menschen nach Höfen mit Bio- oder Freilandhaltung. Auch sogenannte Mobilställe, also bauwagenähnliche Ställe, die fahrbar sind, werden als Möglichkeiten genannt.

Unsere Antwort lautet immer: Eier sind grundsätzlich mit Tierleid verbunden – egal aus welcher Haltungsform. Hier finden Sie die Gründe:

1. Auch Hennen in Freiland- oder Biobetrieben sind überzüchtet 

Die Vorfahren des Haushuhns legten zur Fortpflanzung etwa 20 bis 30 Eier im Jahr. Durch die massive Zucht auf extreme Legeleistung legen Hühnerrassen in der Eierindustrie heute 300 Eier oder mehr im Jahr. Das führt unter anderem nach wenigen Monaten zu extrem schmerzhaften Entzündungen im Bauchraum der Tiere. Dennoch können die Hennen das Eierlegen nicht beenden – ihre Körper werden zuchtbedingt regelrecht dazu gezwungen, etwa alle 25 Stunden ein Ei zu legen.

Huhn mit entzündeter Kloake in einer Biofarm
Dieses Huhn lebte in einem Biobetrieb – jedes weitere Ei muss ihm unfassbare Schmerzen bereiten

​2. Auslauf bei Freilandhaltung wird oftmals nicht genutzt

Für ungenutzte Auslaufflächen kann es mehrere Gründe geben. Beispielsweise fehlt bei Grünflächen in vielen Fällen eine Bepflanzung, die den Vögeln Schutz vor Feinden bieten kann. Die Hühner haben schlichtweg Angst, sich weit vom Stall zu entfernen.

Rangniedere Tiere trauen sich zudem oft nicht an Ranghören vorbei, welche die Auslaufklappen blockieren können. Somit nutzen die Tiere die Ausläufe im schlimmsten Fall überhaupt nicht.

PETA und andere Organisationen decken immer wieder auf, dass die Auslaufklappen nicht regelmäßig geöffnet werden oder dass sogar Strom genutzt wird, um die Tiere am Hinausgehen zu hindern.
 
Zudem müssen die Ausläufe nur tagsüber und bei entsprechenden Witterungsverhältnissen zur Verfügung gestellt werden – in der restlichen Zeit sitzen die Tiere beengt im Stall. Laut den gesetzlichen Vorschriften müssen sich in der Freilandhaltung 9 Tiere einen Quadratmeter teilen – und selbst in der Biohaltung sind immer noch 6 Tiere pro Quadratmeter zulässig
 
Hühner im Freilauf sehen vermeintlich glücklich aus – doch auch sie erwartet der Tod im Schlachthaus

3. Elterntierfarmen und Brütereien

Auch wenn Hennen in Freiland- oder Biohaltung mehr Platz haben als ihre Artgenossinnen in der Boden- oder Käfighaltung: Für alle beginnt das Leben gleichermaßen leidvoll. Hühner auf Elterntierfarmen werden nur zu einem einzigen Zweck gehalten: Sie sollen Eier legen, um die Legebetriebe mit weiblichen Nachkommen für die Eierproduktion zu versorgen. Die Elterntiere werden regelmäßig ausgetauscht und getötet, denn irgendwann erbringt ihr ausgemergelter Körper nicht mehr die Legeleistung, die von der Industrie erwartet wird. Sämtliche Eier, welche die weiblichen Elterntiere in dieser Zeit legen, werden zu Brütereien gebracht. In der heutigen Zeit darf eine Henne kein einziges ihrer Eier mehr selbst ausbrüten. In den Brutautomaten schlüpfen die kleinen Hühnerbabys ohne die Zuneigung ihrer Mutter. Dies ist besonders grausam, da eine Hühnermutter schon vor der Geburt Kontakt zu ihren ungeborenen Küken aufnimmt und sich über verschiedene Pieplaute mit ihnen unterhält.

Nach dem Schlüpfen werden die Plastikkisten auf lange Förderbänder geleert und die Küken wie lebloses Gemüse nach Geschlecht sortiert.

Weibliche Küken werden in Kisten geworfen, bevor diese „verpackt“ und zu einem Legebetrieb transportiert werden. Auf die männlichen Küken wartet ein minutenlanger Todeskampf durch Vergasung. Lesen Sie weitere Informationen zu sogenannten Bruderhahnprojekten, bei denen die Hähne lediglich einige Wochen leben dürfen.
 
Kueken sexen
Frisch geschlüpfte Küken werden wie lebloses Gemüse nach Geschlecht sortiert

4. Der Tod im Schlachthaus

Egal aus welcher Haltungsform – nach etwa 1,5 Jahren sinkt die Eianzahl, weil die Tiere dann in die sogenannte Mauser gehen. Obwohl sie eigentlich bis zu zehn Jahre alt werden können, werden die Hennen an diesem Punkt durch junge Tiere ersetzt. Oftmals werden sie hierzu brutal eingefangen, in Kisten gestopft und zum Schlachthaus transportiert. Dort endet ihr Leben durch Betäubung per Strombad, in das sie kopfüber getaucht werden, oder die Hennen werden mit schleimhautreizendem CO2 betäubt, das zu Erstickungserscheinungen führt.
 
Diese Hühner werden kopfüber in ein Strombad getaucht. Versagt die schmerzhafte Betäubung, wird ihnen die Kehle bei vollem Bewusstsein durchtrennt.
© by Aitor Garmendia Tras los Muros
Wenn Sie das nächste Mal Eier vom „Bauern nebenan“ kaufen wollen, fragen Sie doch vorher einmal nach, woher die Hühner stammen, wann sie ins Schlachthaus transportiert werden und wie viele Tiere während der Legeperiode tot im Stall lagen oder aus wirtschaftlichen Gründen im Stall getötet wurden.

Was Sie tun könnnen

Hühner legen Eier, um sich fortzupflanzen. Der Mensch hingegen braucht für eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung keine Eier. Sie suchen Ei-Alternativen zum Backen oder Kochen? Oder eifreie Rezepte? Alle Informationen finden Sie auf www.peta.de/eifrei 
 
Sie wollen Hühnern aus der Eierindustrie den Tod im Schlachthaus ersparen und die Tiere stattdessen adoptieren? Der Verein „Rettet das Huhn“ bietet genau das an.

Unsere Autoren

Lisa Kainz

ist Fachreferentin für Tiere in der Ernährungsindustrie. Sie hat Agrarwissenschaften studiert und will sich nun für alle Tiere stark machen, egal ob sie muhen, grunzen, gackern, bellen oder miauen.