Leid und Tod: Die Eierindustrie tötet jährlich Millionen von Küken

Jahr für Jahr werden unzählige Küken Opfer der deutschen Eierindustrie. Jeder Konsument, der Eier oder eihaltige Produkte kauft, ist für den Tod von rund 50 Millionen männlichen Küken mitverantwortlich. Da männliche Tiere keine Eier legen und für die übliche Mast nicht geeignet sind, gelten sie für die Eierindustrie als unprofitabel. Auch wenn das millionenfache Kükentöten ab 2022 verboten werden soll, werden auch in Zukunft unzählige Hühner in der ausbeuterischen Industrie leiden. [1]

Nach langen Diskussionen: Kükentöten wird ab 2022 verboten

Nach jahrelangen Diskussionen und Kritik an der Politik ist das Töten von männlichen Küken in der Eierindustrie ab Januar 2022 verboten. Ab diesem Zeitpunkt müssen Züchter das Geschlecht der Küken vor dem Schlüpfen bestimmen und die Eier mit männlichen Küken aus der Brut entfernen. Einige Unternehmen beteiligen sich an der sogenannten Bruderhahn-Initiative. Zu den Maßnahmen dieser Initiative gehören die Zucht von Zweitnutzungsrassen, die Verlängerung der „Nutzungsdauer“ sowie die Mast von männlichen Küken. [2] Männliche Küken sollen im Rahmen der Bruderhahn-Initiative also nicht unmittelbar nach dem Schlüpfen getötet werden, sondern bekommen eine „Verwendung“ und werden erst später wegen ihres Fleischs getötet. Leider vermittelt die Initiative jedoch ein irreführendes Bild, denn die Versprechen geben den Anschein, als dürften die männlichen Tiere leben. Fakt ist jedoch, dass sie bereits nach wenigen Monaten im Schlachthaus getötet werden.

Alle anderen männlichen Küken werden direkt aussortiert. Die Küken werden 21 Tage lang bebrütet, eine Geschlechtsbestimmung ist nach aktuellem Stand innerhalb des neunten bis vierzehnten Bebrütungstags möglich – das Problem: Kükenembryos sollen bereits ab dem siebten Tag Schmerzen empfinden. Das Gesetz soll daher ab Januar 2024 verschärft werden; männliche Küken müssen dann vor dem siebten Bruttag aussortiert werden.

Prinzipiell ist ein solches Verbot ein guter Ansatz, das unnötige Leiden von Millionen männlicher Küken zu verhindern. Doch da das Gesetz in zwei Stufen erlassen wird, werden bis 2024 unzählige weitere Küken einen schmerzhaften Tod sterben. Zudem ist nicht abschließend geklärt, an welchem Tag das Schmerzempfinden der Hühnerembryos tatsächlich einsetzt.

Ein solches Gesetz verbessert jedoch nicht die Haltungs- und Lebensbedingungen der Hühner, die in der Eierindustrie leiden. Vielmehr könnte ein Verbot des Kükentötens Verbraucher sogar verstärkt zum Kauf von Eiern verleiten, da sie nun kein schlechtes Gewissen wegen der Tötung der „Eintagsküken“ mehr haben müssen; der Großteil der Konsumenten wird sich vermutlich nicht mit dem Tierleid auseinandersetzen, das mit jeder Haltungsform in der Eierindustrie verbunden ist.

Millionen weitere Küken leiden in der Eierindustrie und werden gewaltsam getötet

Die landwirtschaftliche Tierhaltung ist auf Wirtschaftlichkeit ausgelegt – das einzelne Individuum spielt normalerweise keine Rolle. Im Rahmen von Zuchtprogrammen werden Tiere in der industriellen Landwirtschaft so gezüchtet, dass sie immer mehr „Leistung“ bringen. Das gilt auch für Hühner: Eine hohe Eianzahl wirkt sich negativ auf den Fleischansatz aus. Hühner, die viele Eier legen, können nicht gleichzeitig schnell genug zunehmen, sodass sie sich wirtschaftlich gesehen nicht zur Mast eignen. Daher gibt es heute zwei „Hühnerlinien“, die entsprechend ihrer geplanten „Verwendung“ gezüchtet wurden: sogenannte Legehennen und Masthühner, die sowohl männlich als auch weiblich sind. Die kleinen Brüder der späteren „Legehennen“ sind wertlos für die Industrie, da sie weder Eier legen können noch einen wirtschaftlich rentablen Fleischansatz haben [3].

Aus diesem Grund werden allein in deutschen Brütereien jährlich immer noch rund 50 Millionen männliche Küken routinemäßig vergast, bis das Verbot 2022 bzw. 2024 in Kraft tritt – dies gilt auch für Bio-Eier und Eier aus Freilandhaltung.


Die Zahl von etwa 50 Millionen errechnet sich aus der Anzahl der jährlich in Deutschland geschlüpften Küken für Elterntierfarmen und Legebetriebe sowie der biologischen Regel, nach der über einen längeren Zeitraum hinweg etwa gleich viele weibliche und männliche Nachkommen schlüpfen [4].

Eine unvorstellbar große Zahl ungeborener Küken schafft es außerdem nicht selbstständig aus dem Ei – in der Natur hilft ihnen ihre Mutter beim Schlüpfen. Viele weitere Küken hätten noch weitere Stunden oder Tage im Ei verbracht. Daher werden unzählige weitere ungeborene, aber voll entwickelte und lebensfähige Küken in den Brütereien geschreddert und im Müll entsorgt. Auch viele weibliche Tiere, die von den Brütereine als „Überschuss“ produziert, aber von den Legebetrieben nicht abgenommen wurden, werden getötet.

Elterntierfarmen und Brütereien – wo der Leidensweg beginnt

Einige wenige Großkonzerne dominieren auf dem Markt der Küken-Produktion. Aus diesem Grund kommen auch Hennen, die später in Biobetrieben gehalten werden, meist aus dieser „Hochleistungszucht“. Diese auf maximalen Profit, also auf eine unnatürlich hohe Eianzahl, ausgelegte Zucht führt bei Hühnern oftmals zu starken gesundheitlichen Problemen und einem qualvollen Leben.

Auf den sogenannten Elterntierfarmen gelten noch geringere Haltungsvorschriften als in den späteren Legebetrieben. Die Hühner auf diesen Farmen werden nur zu einem einzigen Zweck gehalten: Sie sollen Eier legen, um die Legebetriebe mit weiblichen Nachkommen für die Eierproduktion zu versorgen. Nach kurzer Zeit können die ausgemergelten Elterntiere nicht mehr die Legeleistung erbringen, die für die Industrie am profitabelsten ist: Die Elterntiere werden also regelmäßig ausgetauscht und im Schlachthaus getötet. Sämtliche Eier, welche die weiblichen Elterntiere in dieser Zeit legen, werden zu Brütereien gebracht; eine Henne darf kein einziges ihrer Eier selbst ausbrüten. In den Brütereien werden die Eier in große Plastikkisten sortiert und künstlich ausgebrütet. In den Brutautomaten schlüpfen die Küken ohne Zuneigung ihrer Mutter. Dies ist besonders grausam, da Hühnermütter schon vor der Geburt Kontakt zu ihren ungeborenen Küken aufnehmen und mit verschiedenen Laute mit ihnen kommunizieren.

Küken werden in Fließbandarbeit aussortiert und teilweise weggeworfen

Nach dem Schlüpfen werden die Küken aus Plastikkisten auf lange Förderbänder geschüttet und wie leblose Ware sortiert. Arbeiter greifen dann immer wieder schwache, kleine oder verletzte Küken heraus und werfen sie lebendig in nebenstehende Eimer – diese aussortierten Tiere werden später mit den männlichen Küken getötet.

Anschließend folgt das sogenannte Sexen. Auch hier greifen sich die Arbeiter blitzschnell Küken aus der Masse. Weibliche Küken werfen sie in eine weitere Kiste, bevor diese „verpackt“ und zu einem Legebetrieb transportiert wird. Männliche Tiere hingegen werfen sie zurück aufs Förderband. Am Ende wartet für diese Küken ein minutenlang andauernder Todeskampf durch Vergasen. Zudem erhalten die Neugeborenen in der Zeit bis zu den Betrieben meist kein Wasser oder Nahrung. Wie viele Tiere auf dem Transport zu den Betrieben sterben, ist unbekannt. Ein gewisser Prozentsatz ist jedoch von vornherein einkalkuliert. Die Eierindustrie verursacht millionenfaches Tierleid. Die Mehrheit der Tiere leidet unter schlechten Haltungsbedingungen, und im Normalfall droht den Hühnern und Hähnen ein Tod lange vor ihrer natürlichen Lebenserwartung – auch Eier aus der Bio-Haltung stellen keine Ausnahme dar. Unabhängig vom Geschlecht steht in der Eierindustrie der Profit über dem Wohl der Tiere.

Was Sie tun können

Bitte entscheiden Sie sich für eine vegane Lebensweise, um der systematischen Ausbeutung von Tieren in der Landwirtschaft entgegenzuwirken. Mittlerweile gibt es für jeden Bedarf tierfreundliche Ei-Alternativen. Finden Sie heraus, welche Produkte versteckte Eier enthalten können. Und informieren Sie sich über das massive Tierleid, das mit der Eierindustrie verbunden ist.

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