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Fakten über die Milchindustrie

Das steckt hinter der Produktion von Milch

Stand September 2012

Kühe in ihren eigenen Exkrementen © PETA
Der Schein trügt
Die Werbung zeigt noch immer Bilder einer glücklichen Familie, die auf der Wiese frühstückt und Milch trinkt, während im Hintergrund einige Kühe zufrieden auf der Weide grasen. Hinter den Kulissen sieht es jedoch anders aus. Den Konsumenten die Wahrheit über Milch bewusst zu machen, ist allerdings keine leichte Aufgabe. Denn allein 2010 gab der Milchindustrieverband rund 500 Millionen Euro für die Bewerbung von Milch und Milchprodukten aus (1).
Befragte Milchkäufer kennen gängige Slogans oder angebliche Gesundheitsaussagen über Milch, doch sie wissen nur wenig über Hauterkrankungen, Akne oder Übergewicht, die durch den Konsum von Milchprodukten gefördert werden.

Fakten über die Milchproduktion
Die fünf größten Unternehmen in der Milchbranche, Nestlé, Danone, Lactalis, FrieslandCampina und Arla Foods, machten 2010 fast 60 Milliarden Euro Umsatz mit Milchprodukten (2).
Doch nicht nur die Industrie kurbelt durch Werbung den Absatz von Milch und Milchprodukten an. Auch die EU fördert den Milchkonsum bei Kindern – durch das EU-Schulmilchprogramm. Die EU-Kommission gibt dafür rund 75 Millionen Euro in Form von Zuschüssen aus. Deutschland erhält davon mehr als 17 Millionen Euro (2).

Rund 120 Kilo Milch und Milchprodukte verbrauchen die Deutschen in einem Jahr (3). Mit über 36.000 Beschäftigten ist die Milchindustrie in der Ernährungsindustrie ganz vorne (2).
Die Anzahl der Betriebe in Deutschland, die Kühe für die Milchproduktion halten, wird mit 90.200 angegeben. Für die Kühe in der deutschen Milchproduktion gibt es fast 5 Millionen Haltungsplätze. Weniger als die Hälfte aller Kühe, die Milch produzieren müssen, haben Zugang zur Weide (4).

Tote Kuh in einem Milchbetrieb © PETA
Das „Leben“ von „DE 1300188124“
Bei einer Tagung sagte ein Bauer, dass er einen Kuhverlust von 8 Prozent und einen Kälberverlust von 15 Prozent habe. Das Leben und Sterben einer Kuh wird in Zahlen angegeben. Das einzelne Tier wird zum bloßen Produktionsfaktor degradiert. Die Kälber werden ihren Müttern bereits nach einem Tag weggenommen, doch von den verzweifelten Schreien einer Mutterkuh nach ihrem Kälbchen ist keine Rede. Jedes Tier bekommt statt eines Namens eine Kennnummer. „Kasperin29” oder „Virgini137“ lauten die Erfassungsnamen der leistungsfähigsten Kühe, aber die Mehrheit läuft unter einer Bezeichnung wie „DE 1300188124“. Sie werden als „Hochleistungskühe“ missbraucht. Die Milchleistungsprüfung 2011 konnte durchschnittliche Milchleistungen pro Kuh und Jahr von 8.000 bis 9.000 kg verzeichnen. Der Kalorienbedarf einer Kuh pro Tag liegt bei 50.000 Kilokalorien (5). Alle acht Stunden werden sie gemolken. Heute ist es jedoch nicht mehr der Bauer, der die Kuh von Hand melkt, sondern ein Melkroboter. Selbst der Bauer verliert damit den Bezug zu den Tieren.

Blutendes Kuheuter © PETA
Das Leiden der Kühe für Hochleistungen
Sogenannte Hochleistungskühe „dürfen“ länger leben, denn von ihnen erwarten sich die Bauern einen hohen Gewinn. Während nach rund vier Jahren die Milchleistung der Kühe nachlässt und sie zum Schlachter gebracht werden, kann eine Kuh, die über 50 Liter am Tag gibt, auch schon mal achtfache Mutter werden. Ohne jedoch jemals länger als einen Tag mit ihren Kindern zusammen gewesen zu sein, wird sie einige Jahre später zum Schlachthof transportiert, da irgendwann selbst die „beste“ Kuh „unrentabel“ wird.

Das Euter der Kühe ist besonders empfindlich. Die aufgrund der Züchtung unnatürlich hohe Milchmenge, die die heutigen Kühe in der Hochleistungszucht geben, führt dazu, dass die ganze Nahrungsenergie in die Milchproduktion gesteckt wird. Der restliche Körper erscheint im Gegensatz zum Euter ausgemergelt und eingefallen. Die für die Milchproduktion benötigten Aminosäuren werden der Muskulatur entzogen. Das hat zur Folge, dass die Kuh bis zu 100 Kilo abmagert (5). Doch im Mittelpunkt steht nicht der Leidensdruck der Tiere, sondern die maximale Produktionsmenge.

Knapp 800 Tonnen Antibiotika wurden 2005 in der „Nutztierhaltung“ verwendet, erheblich mehr als in der Humanmedizin. Bei Kühen sind es vor allem Euterentzündungen und Atemwegserkrankungen, die zur Antibiotikagabe führen, aber auch Haut- oder Darmerkrankungen werden damit behandelt (6). Rund 30 Prozent aller Kühe in der Milchproduktion leiden an Mastitis, einer Euterentzündung. Unter anderem aus diesem Grund raten Experten vom Rohmilchkonsum ab. Zu groß ist die Gefahr, Keime mit aufzunehmen. Schwangere, die ja besonders empfindlich sind, werden vor dem Rohmilchkonsum regelrecht gewarnt.

Entwicklungen auf dem Weltmarkt
In China lag der bisherige Pro-Kopf-Konsum von Milch und Milchprodukten pro Jahr bei rund 10 Litern. Ein steigender Milchverbrauch wird angenommen, obwohl in Asien viel mehr Menschen eine Laktoseintoleranz haben. Mit stärkeren Werbemaßnahmen und Sonderangeboten werden die Menschen an den Milchkonsum herangeführt. Babys werden bereits häufiger mit Milchpulver gefüttert und gerade die Menschen in den Städten passen sich westlichen Ernährungsmustern an und konsumieren mehr Fleisch- und Milchprodukte.
Nicht nur die Nachfrage nimmt zu, auch die Bevölkerung wächst stetig. Im Jahr 2010 gab es rund 4 Milliarden Asiaten auf der Erde, die UN schätzt, dass es im Jahr 2050 über 5 Milliarden sein könnten. Das hat zur Folge, dass immer mehr Kühe importiert werden, die zur Milchproduktion oder als Fleischlieferant dienen sollen. Rund 100.000 Tiere werden daher voraussichtlich jedes Jahr verschifft. In den vergangenen zehn Jahren hat sich allein die Fleischerzeugung in Asien verdoppelt (7).

Umweltschäden in Deutschland durch Milch und Milchprodukte
Butter beispielsweise ist eines der klimaschädlichsten Produkte. Laut Öko-Institut e.V. werden bei der Produktion von einem Kilo Butter fast 24.000 g CO2 ausgestoßen, im Vergleich dazu sind es bei einem Kilo Brot nur 780 g CO2 (8). Laut BMELV-Statistik liegt der Selbstversorgungsgrad zwischen 92 Prozent (Butter) und 280 Prozent (Magermilchpulver). Käse liegt bei 120 Prozent, Frischmilcherzeugnisse bei 124 Prozent (9). Anhand des Selbstversorgungsgrades wird deutlich, dass viel mehr Erzeugnisse im eigenen Land hergestellt werden, als wir essen können, und somit ein Überfluss produziert wird. Ein Überfluss, der den Tieren Schaden zufügt, das Klima belastet und negative Folgen für die eigene Gesundheit mit sich bringt.

Quellen:
(1) www.meine-milch.de/artikel/werbekosten-fuer-milchprodukte (13.01.2012)
(2) www.milchindustrie.de
(3) CMA, ZMP 2010
(4) Statistisches Bundesamt (2010): Wer produziert unsere Nahrungsmittel? Aktuelle
Ergebnisse der Landwirtschaftszählung 2010
(5) www.zeit.de/2009/06/N-Milch?page=1 (28.01.2011)
(6) Yvonne Mollenhauer (2010): Verbrauchsmengenerfassung von Antibiotika bei
Lebensmittel liefernden Tieren in landwirtschaftlichen Betrieben im Kreis Kleve
(7) Politik & Unterricht (2011): Weltweite Ernährungskrisen. Ursachen und Konsequenzen.
Landeszentrale für politische Bildung. Baden-Württemberg.
(8) Öko-Institut e.V. (2007)
(9) berichte.bmelv-statistik.de/SJT-8040100-0000.pdf



Weiterführende Links und nützliche Informationen rund um das Thema Milch:
Tagesspiegel vom 16.04.2008: Warum gibt die Kuh ständig Milch?
Focus online vom 25.07.2012: Familie: Schwangere sollten Rohmilchkäse meiden.
NDR 45 Minuten vom 30.07.2012: Die Milch-Lüge.
Quarks und Co (2010): Milch – von der Kuh in die Tüte

Zitate:
„Milch ist ein warmes, fettiges Drüsensekret stark riechender Tiere.“
„Milch ist Babynahrung. Babynahrung einer anderen Tierart, die bei uns Abwehrreaktionen hervorrufen kann.“
Quelle ZDF: Ist Milch wirklich gesund?