Wer mit einem Tier zusammenlebt, muss früher oder später eine geeignete Tierarztpraxis finden. Hier finden Sie alle Informationen zur Suche nach einer guten tierärztlichen Praxis, die zu Ihren und den Bedürfnissen Ihres „Haustiers“ passt.
So finden Sie eine gute Praxis für Ihren tierischen Mitbewohner
Kompetenz, Vertrauen, ein liebevoller und sorgsamer Umgang mit unseren tierischen Mitbewohnern: Das erhoffen wir uns von guten Tierärzt:innen. Daher sollten Sie sich im Voraus umfassend darüber informieren, welche Praxis zu Ihnen und Ihrem „Haustier“ passt.
Hier finden Sie die wichtigsten Fragen, die Sie sich bei der Suche nach einer geeigneten Tierarztpraxis stellen sollten.
Kennt sich die Praxis mit Ihrem Tier aus?
Nicht alle Tiermediziner:innen sind auf alle Tierarten spezialisiert. Suchen Sie daher nach einer Praxis, die sich mit Kleintieren, Vögeln oder Reptilien auskennt – je nachdem, mit welchen Tieren Sie zusammenleben.
Bei vielen sogenannten „Exoten“ oder „Heimtieren“ wie Kaninchen, Meerschweinchen, Chinchillas, Degus, Hamstern, Vögeln und Reptilien braucht es besondere tierärztliche Fachkenntnisse, die im regulären Veterinärmedizinstudium oft nur am Rande behandelt werden.

Kleinnager und „Heimtiere“ wie Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster und Chinchillas
- Spezialisierung nötig: Viele Tierärzt:innen sind auf Hunde und Katzen fokussiert. Heimtiere wie Kaninchen oder Meerschweinchen haben jedoch eine ganz andere Anatomie, Physiologie und Bedürfnisse.
- Häufige Probleme: Zahnfehlstellungen, Verdauungsstörungen, Atemwegserkrankungen – oft werden Symptome falsch gedeutet oder zu spät erkannt.
- Fachkundige Tierärzt:innen: Es gibt spezialisierte Praxen oder Tierkliniken, die sich auf Heimtiere konzentrieren. Diese haben meist Zusatzausbildungen oder langjährige Erfahrung mit diesen Arten.
Vögel wie Wellensittiche, Papageien und Kanarienvögel benötigen spezialisierte Tierärzt:innen
- Ornithologische Kenntnisse erforderlich: Nicht jede:r Tierärzt:in kann Vögel fachgerecht behandeln. Ihre Anatomie (z. B. Luftsäcke, Schnabel, Kloake) und Krankheitsbilder sind sehr speziell und nicht mit denen von Säugetieren vergleichbar. Zudem handelt es sich bei Vögeln und Reptilien um „Wildtiere die unter einer Haltung in Käfigen extrem leiden und dadurch häufig erkranken und Verhaltensstörungen bekommen..
- Fortbildungen und Erfahrung: Vogelkundige Tierärzt:innen erwerben ihr Wissen meist über Weiterbildungen und praktische Erfahrung. Informieren Sie sich bei der Adoption über entsprechende Praxen in Ihrer Nähe, damit Sie im Notfall vorbereitet sind. Im Internet finden Sie Listen mit entsprechend weitergebildeten Fachärzt:innen.
Reptilien (Schlangen, Echsen, Schildkröten)
- „Exotenmedizin“: Reptilien benötigen eine ganz eigene Herangehensweise – von Haltung über Ernährung bis zu Diagnostik. Auch hier braucht es zwingend fachkundige Tierärzt:innen, die mit Reptilien, deren Verhaltensweisen, Ernährung und Lebensweise vertraut sind. Reptilien unterscheiden sich von anderen Tieren besonders durch ihren Stoffwechsel. Sie sind wechselwarm und dauerhaft von ihrer Umgebungstemperatur abhängig.
- Spezialisierte Kliniken: In Deutschland gibt es vereinzelt spezialisierte Kliniken für Vögel und Reptilien. Informieren Sie sich im Internet über Optionen in Ihrer Nähe.
- Typische Herausforderungen: Legenot, Hauterkrankungen, Stoffwechselstörungen – oft werden diese bei nicht spezialisierten Tierärzt:innen übersehen oder falsch behandelt und gedeutet.
Tipp: Informieren Sie sich im Voraus im Internet und in Ihrem privaten Umfeld. Gute Tipps kommen oft von Bekannten, die bereits Erfahrungen mit verschiedenen Tierarztpraxen gemacht haben.
Teilweise erfordern bestimmte Erkrankungen oder andere gesundheitliche Probleme auch spezielle Gerätschaften, über die nicht jede Praxis verfügt. In manchen Fällen kann es dann nötig sein, eine Tierklinik aufzusuchen, denn dort sind meist unterschiedliche Spezialist:innen für verschiedene Krankheitsbereiche sowie die entsprechende Ausstattung zu finden.
Verletztes Wildtier gefunden? Igel, Tauben und Wildvögel brauchen fachgerechte tiermedizinische Hilfe
Wenn Sie ein augenscheinlich verletztes oder krankes Wildtier entdecken, beobachten Sie das Tier kurz aus sicherer Entfernung. Wenn es offensichtlich verletzt, geschwächt oder in akuter Gefahr ist, dürfen Sie eingreifen.
Sollte ein Tier Hilfe benötigen, kontaktieren Sie bitte Profis:
- Je nach gefundenem Tier sollten Sie eine entsprechende Praxis aufsuchen, die beispielsweise igelkundig ist oder sich mit Wildvögeln und Tauben auskennt.
- Wenn sich die Tierärzt:innen nicht auskennen, wird oft falsch diagnostiziert, sodass die Wildtiere versterben oder eingeschläfert werden, weil das Personal die Situation nicht korrekt einschätzen kann.
- Rufen Sie eine Wildtierstation oder den örtlichen Tierschutzverein an. Diese vermitteln Sie an Auffangstationen und Tierärzt:innen in Ihrer Nähe.
Wie ist die Praxis medizinisch ausgerichtet?
Auch wenn unterschiedliche Praxen auf dieselben Tierarten spezialisiert sind, so können sie dennoch unterschiedlich ausgerichtet sein und verschiedene Therapieansätze anbieten. Einige Praxen beispielsweise bieten Akupunktur oder Osteopathie als Zusatzleistung an.
Darüber hinaus lohnt sich ein Blick auf mögliche medizinische Schwerpunkte innerhalb der Praxis – etwa Spezialisierungen in den Bereichen Zahnmedizin, Kardiologie oder Augenheilkunde. Solche Fachrichtungen gehen oft mit entsprechender technischer Ausstattung und vertieftem Know-how einher. Gerade bei bestimmten „Rassen“ oder Tierarten, die für spezifische Erkrankungen anfällig sind (z. B. Hüftprobleme bei großen „Hunderassen“ oder Zahnfehlstellungen bei Kaninchen), kann es sinnvoll sein, sich frühzeitig nach spezialisierten Tierärzt:innen umzusehen – auch wenn aktuell noch keine Beschwerden vorliegen.
Wenn Sie eine bestimmte Ausrichtung suchen oder grundsätzlich ablehnen, sollten Sie sich diesbezüglich im Voraus über die Praxis informieren. Sie haben immer die Möglichkeit, in einem Telefongespräch mit den Mitarbeitenden mehr über die Tierarztpraxis zu erfahren oder einfach ein Kennenlern-Gespräch vor Ort mit Ihrem Tier vereinbaren.
Wie geht das Personal in der Praxis mit den Tieren um?
Nehmen sich die Mitarbeitenden Zeit für Sie und Ihren tierischen Mitbewohner? Gehen sie auf Ihre Fragen und auf die Bedürfnisse Ihres Tieres ein?
- Eine besonders ängstliche Katze sollte beispielsweise nicht einfach wortlos aus der Transportbox gezogen werden.
- Oder die Behandlung eines „Angsthundes“ muss möglicherweise nicht auf dem Behandlungstisch stattfinden, wenn auch eine kurze Untersuchung am Boden genügt.
- Generell gilt: Jedes Tier hat seinen eigenen Charakter. Das Praxis-Team sollte unter Berücksichtigung der eigenen Sicherheit so gut es geht darauf eingehen. In der Regel sollte das Personal sich ausreichend Zeit nehmen, um nicht für unnötigen Stress zu sorgen. Bei besonders ängstlichen oder aggressiven Tieren kann aber auch ein schnelles Handling erforderlich sein. Scheuen Sie sich nicht davor, die Mitarbeitenden darauf anzusprechen, was, wann, warum und wie gehandhabt wird.
Gute Praxen bieten meist Kennenlerntermine an, bei denen noch keine Behandlungen durchgeführt werden, damit die Tiere die Räumlichkeiten und Menschen vor Ort möglichst stressfrei kennenlernen können. Sollte Ihr tierischer Mitbewohner ängstlich, aufgedreht oder aggressiv sein, sprechen Sie dies im Vorfeld bitte an. So können sich die Mitarbeitenden auf den Vierbeiner einstellen und während der Behandlung bestmöglich auf seinen Charakter eingehen.

Wie ist das Umfeld in der Praxis?
Um Stress bei sensiblen Tieren zu vermeiden, kann es einen großen Unterschied machen, wie eine Praxis aufgebaut ist:
- Müssen Hunde Treppen steigen? Treppen können für ängstliche und alte Hunde ein Stressfaktor bzw. ein unüberwindbares Hindernis darstellen.
- Können verschiedene Tierarten im Wartezimmer voneinander separiert werden? Für Kleintiere kann die Anwesenheit von Katzen und Hunden Stress bedeuten. Viele Katzen können von der Anwesenheit von Hunden ebenfalls gestresst werden.
- Wie hygienisch ist die Praxis?
- Sind die Mitarbeitenden ruhig und freundlich?

Bildet sich das Fachpersonal weiter?
Auch die Tiermedizin entwickelt sich weiter. Viele Praxen informieren deshalb auf ihrer Website darüber, an welchen Fortbildungen die Tiermediziner:innen teilgenommen haben, um Ihr Tier bestmöglich behandeln zu können und stets auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand zu bleiben.
Wenn Sie dort keine Informationen finden, können Sie sich telefonisch beim Personal vor Ort informieren.
Wie ist die Aufklärung?
Tiermediziner:innen sollten nicht einfach eine Behandlung vornehmen, ohne Sie vorher umfassend zu informieren. Generell sollte ein Besuch mit einem Aufklärungsgespräch folgendermaßen ablaufen:
- Frage, warum Sie mit Ihrem Tier dort sind – inklusive ausführlicher Anamnese.
- Information über entsprechende sinnvolle Untersuchungen und wieso diese notwendig sind.
- Diagnose und Erklärung, was das bedeutet.
- Erklärung, warum eine bestimmte Behandlung erforderlich ist.
- Aufklärung, welche Möglichkeiten zur Behandlung es gibt sowie jeweilige Vor- und Nachteile.
- Aufklärung über Risiken und mögliche Alternativen.
- Information über Ziel der Therapie.
Denn die finale Entscheidung liegt bei Ihnen – sollten Sie bei einem Vorhaben misstrauisch sein, können Sie sich jederzeit eine zweite Meinung einholen.

Bietet die Praxis Extra-Services an?
Viele moderne Praxen bieten mittlerweile zusätzliche Services an, die den Praxisbesuch erleichtern – besonders bei stressanfälligen Tieren wie Kaninchen oder älteren Tieren:
- Tierarzt online: Einige Praxen ermöglichen Online-Termine für Folgebehandlungen oder Beratungsgespräche. Das reduziert Stress für Tier und Halter:in und spart Zeit.
- Tierarzt-Hausbesuch: Wird besonders bei Einschläferungen oder für Tiere mit Transportproblemen angeboten. Auch für Routinechecks bei mehreren Tieren im Haushalt kann ein Hausbesuch sinnvoll sein.
Diese Services sind nicht überall verfügbar – informieren Sie sich daher am besten direkt bei der Praxis.
Warum sind die Preise beim Tierarzt so hoch?
Die Kosten bei Tierärzt:innen erscheinen vielen Tierhalter:innen auf den ersten Blick hoch – doch sie sind gesetzlich geregelt. Grundlage ist die Gebührenordnung für Tierärzte (GOT), die seit 2022 aktualisiert wurde und für alle Tierärzt:innen verbindlich ist. [1, 2]
- Die GOT soll sicherstellen, dass Qualität und nicht der Preis über die Behandlung entscheidet – ähnlich wie in der Humanmedizin.
- Die Preise spiegeln auch gestiegene Kosten für medizinische Geräte, Personal, Energie und Fortbildungen wider.
- Ein höherer Preis bedeutet nicht automatisch bessere Behandlung – und umgekehrt. Entscheidend sind die Erfahrung und Spezialisierung der Praxis.
Tipp: Wer sich unsicher ist, kann vorab telefonisch nach einer groben Kostenschätzung fragen.
Was ist der Unterschied zwischen Tierklinik und Tierarztpraxis?
Der Hauptunterschied zwischen einer Tierklinik und Tierarztpraxis liegt darin, dass Tierkliniken einen 24-Stunden-Betrieb, spezialisierte Fachkräfte und mehr technische Geräte haben.
Ist eine Tierklinik teurer als eine Tierarztpraxis?
Tierkliniken sind in der Regel teurer als normale Tierarztpraxen – und das aus gutem Grund: [3, 4]
- Tierarztpraxis – bietet Grundversorgung wie Impfungen, kleinere OPs, Vorsorgeuntersuchungen. Meist mit einem kleinen Team und begrenzter Ausstattung.
- Tierklinik – ist rund um die Uhr geöffnet, bietet Fachärzt:innen, Spezialdiagnostik (CT, MRT), Intensivstation und OP-Säle; ist damit ideal für Notfälle oder komplexe Eingriffe.
Wie viel kostet ein Tierarzt-Notdienst?
Wenn ein Tier außerhalb der regulären Sprechzeiten, also ab 18 Uhr, nachts, an Wochenenden und Feiertagen behandelt werden muss, gelten besondere Regeln:
- Es fällt eine gesetzlich festgelegte Notdienstgebühr von 50 Euro netto an. [5]
- Zusätzlich wird mindestens der 2-fache GOT-Satz berechnet – bei komplizierten Fällen sogar bis zum 4-fachen Satz. Somit kann eine Behandlung, die regulär 50 Euro kostet, im Notdienst bis zu 200 Euro kosten.
Wann dringend zum Tierarzt?
Nicht jede Erkrankung ist ein Notfall – aber manche Symptome erfordern sofortige Hilfe, darunter:
- Atemnot, blaue Schleimhäute
- Bewusstlosigkeit oder Krampfanfälle
- Starke Blutungen oder Verletzungen
- Verdacht auf Vergiftung
- Plötzliche Lähmungen oder extreme Schmerzen
- Geburtsprobleme
- Hitzeschlag
Im Zweifel gilt: Bringen Sie Ihren tierischen Mitbewohner lieber einmal zu viel in die Tierarztpraxis als einmal zu wenig.
So helfen Sie im Notfall: Erste Hilfe für den Hund
Wenn Sie sich unsicher sind, wie Sie Ihrem Tier im Ernstfall helfen können, finden Sie hier wertvolle Tipps und Anleitungen zur Ersten Hilfe bei Hunden – inklusive Checklisten und Sofortmaßnahmen:
-
Quellen
[1] wmn (18.09.2024): Achtung, abzocke: Darum bezahlst du so viel Geld beim Tierarzt, https://www.wmn.de/lifestyle/haustiere/tierarztkosten-hoch-grund-achtung-id707283 (eingesehen am 21.11.2025)
[2] fressnapf (31.01.2025): Tierarztkosten: Alles Wissenswerte zur neuen Gebührenordnung (GOT), https://www.fressnapf.de/magazin/tiere/news/tierarztkosten-gebuehrenordnung/ (eingesehen am 21.11.2025)
[3] Tiermedizin Portal: Tierarzt oder Tierklinik? Das sind die Unterschiede, https://www.tiermedizinportal.de/magazin/tierarzt-oder-tierklinik-das-sind-die-unterschiede (eingesehen am 21.11.2025)
[4] Versicherungsvergleich.de: Ist die Tierklinik teurer als der Tierarzt?, https://versicherungsvergleiche.de/fragen/ist-die-tierklinik-teurer-als-der-tierarzt/ (eingesehen am 21.11.2025)
[5] HanseMerkur: Tiernotarzt: Welche Kosten sind zu erwarten?, https://www.hansemerkur.de/haustiere/tierarzt-notdienstgebuehr (eingesehen am 21.11.2025)
