In Deutschland gibt es über 33,9 Millionen sogenannte Haustiere, etwa Hunde, Katzen, aber auch Kleinsäuger wie Hamster, Meerschweinchen und Kaninchen. Zudem lebten 2024 Hunderttausende sogenannte Ziervögel und –fische sowie „Terrarientiere“ wie Bartagamen, Schlangen und Schildkröten in 44 Prozent der deutschen Haushalte. [1] All diese Tiere werden kaum von Gesetzen geschützt. In der Zucht und im Handel leiden unzählige Tiere, die für den Profit ausgebeutet, missbraucht und sogar getötet werden.
Auch viele Halter:innen wissen zu wenig über die natürlichen Bedürfnisse ihrer tierischen Mitbewohner und behandeln sie oftmals wie Gefangene. Fehlende gesetzliche Regelungen ermöglichen, dass jeden Tag Millionen Tiere in Deutschland häufig unbemerkt leiden.
Um dieses vermeidbare Tierleid zu beenden, wenden wir von PETA Deutschland uns an die deutsche Bundesregierung und fordern, endlich ein Heimtierschutzgesetz im Sinne aller „Heimtiere“ zu verabschieden.
Welche konkreten Regelungen soll ein Heimtierschutzgesetz umfassen?:
- Gesetzliche Vorgaben für alle Heimtierhaltungen (Käfiggröße, Auslauf, Freiflug usw.)
- Gruppenhaltung soziallebender Arten (Kaninchen, Vögel etc.)
- Bundesweite Einführung eines verpflichtenden Fachkundenachweises für die Haltung von „Heimtieren“ nach dem Vorbild des bereits existierenden Hundeführerscheins
- Kastrationspflicht für alle geschlechtsreifen Tiere, die für Auslauf ins Freie gelassen werden
- Verbot der Wildtierhaltung in Privathaushalten und damit verbunden das Verbot von „Exotenbörsen„
- Verbot von sämtlichen Tierbörsen und -ausstellungen (bspw. Vogelbörsen und -ausstellungen)
- Umfassendes Zuchtverbot; Züchter:innen handeln fast immer aus Profitgier, Tierheime sind überfüllt
- Verbot von „Qualzuchten“ bei Hunden, Katzen, Kaninchen, Reptilien und weiteren Tierarten
- Verkaufsverbot von Tieren im Zoohandel und im Internet
- Ausbildungsverordnung für Mitarbeitende im Zoohandel
- Verbot von Hunde- und Katzentötungen durch Jäger:innen
Warum ist ein Heimtierschutzgesetz notwendig?
Mangelhafte Haltungsbedingungen
Meerschweinchen, die allein gehalten werden oder Kaninchen in einem Käfig, der laut Zoohandlung „groß genug“ ist – viele Heimtiere werden unter Bedingungen gehalten, die keinesfalls ihrer Natur und ihren Bedürfnissen entsprechen. Die Käfige sind meist zu klein und bieten den Tieren keine ausreichenden Beschäftigungsmöglichkeiten. Die Folge von unbeachteten Bedürfnissen sind häufig unbemerkte Krankheiten oder Verhaltensstörungen, was für die Tiere ein dauerhaftes Leben in Leid bedeutet.
Obwohl die meisten Halter:innen es gut meinen, leiden viele „Haustiere“ in Deutschland unter ihren Lebensbedingungen. Das Schweizer Tierschutzgesetz beispielsweise legt zahlreiche Haltungsbedingungen fest, die auch unzähligen Tieren in Deutschland helfen könnten – darunter die Gruppenhaltung sozialer Tiere.
Handel und Zucht: Profit vor Tierwohl
Ein Großteil der in Deutschland lebenden „Haustiere“ stammt aus Zoohandlungen oder von Züchter:innen – obwohl unzählige Lebewesen im Tierschutz, beispielsweise in Tierheimen oder privaten Pflegestellen, auf ein neues Zuhause warten. Jedes gekaufte Tier fördert die „Nachproduktion“ und nimmt einem heimatlosen Tier ein potenzielles neues Zuhause.
Die Haltung in Zoohandlungen entspricht in keiner Weise den Bedürfnissen der Tiere, ist aber legal. Die Käfige sind zu klein, soziale Tiere werden alleine oder in völlig überfüllten Käfigen gehalten. So wird den oft uninformierten Interessent:innen schon vor dem Kauf ein falsches Bild von den natürlichen Bedürfnissen der Tiere vermittelt.
Mitarbeitende im Zoohandel verfügen meist nicht über ausreichendes Wissen über die Tiere in ihrer Obhut. So werden den Kund:innen oftmals falsche Informationen über Haltung, Ernährung und Gesundheitszustand von Tieren gegeben, was zusätzliches Leid verursacht und häufig dazu führt, dass die neuen Halter:innen völlig desinformiert sind.
Sobald Tiere wie zum Beispiel Kaninchen und Mäuse dem „süßen“ Babyalter entwachsen sind und nicht verkauft wurden, werden sie oftmals entsorgt – zum Beispiel als „Futtertiere“ für Schlangen und andere Reptilien. Denn besonders das Geschäft mit Jungtieren ist profitabel: Sie können rund dreimal mehr Profit einbringen als ausgewachsene Tiere. Züchter:innen und Händler:innen nutzen das skrupellos aus und verkaufen Jungtiere in Massen, die dann erwachsen ausgesetzt werden oder im Tierheim landen, weil sie nicht mehr so „süß“ sind und mehr Kosten und Zeit in Anspruch nehmen als gedacht. Ein Fachkundenachweis vor der Aufnahme eines Tieres kann solche Spontankäufe verhindern und den Tieren ein artgerechtes Leben ermöglichen.
Eine Lösung dieser Problematik könnte beispielsweise die enge Zusammenarbeit von Tierheimen und Zoohandlungen sein, um den Verkauf und die Nachzucht von Tieren für die Industrie völlig einzustellen und in Zoohandlungen lediglich Zubehör zu vertreiben. Mitarbeitende müssten entsprechend ausgebildet werden, um die Kundschaft umfassend über die Bedürfnisse ihrer tierischen Mitbewohner informieren zu können.
Qualzuchten bei Hunden, Katzen und Co. – lebenslanges Leid für „niedliche“ Optik
Sogenannte Qualzuchten sind ein massives Tierschutzproblem: Der Begriff bezeichnet die Praxis, Tiere gezielt so zu züchten, dass sie bestimmte Merkmale haben, die mit schweren gesundheitlichen Problemen verbunden sind. Qualzuchten im Heimtierbereich betreffen
Diese Tiere werden auch heute noch gezielt so gezüchtet, dass sie bestimmte, meist äußerliche Merkmale aufweisen, die jedoch oft mit lebenslangem Leid verbunden sind.
Überpopulation von Tieren
Um die Überpopulation von Tieren in Deutschland einzudämmen, wäre ein Kastrationsgebot für alle geschlechtsreifen Tiere unerlässlich, die uneingeschränkten Zugang zum Freien haben, wie beispielsweise Katzen. Die Population verwilderter Katzen stellt in den meisten Städten und Gemeinden ein ernstes Problem dar. Tierheime und Katzenhilfen sind meist bis an ihre Grenzen mit der Versorgung, Aufnahme und Vermittlung ausgelastet. Da unsere „Hauskatze“ domestiziert ist und damit nicht für ein Leben in freier Wildbahn gerüstet, leiden die Tiere häufig unter Krankheiten wie dem gefährlichen Katzenschnupfen, werden Opfer des Straßenverkehrs oder fallen Tierquäler:innen in die Hände. Wöchentlich erreichen uns Meldungen zu gequälten oder durch Luftdruckwaffen, Schrotwaffen und andere tierquälerische Praktiken getöteten Katzen.

Unzählige Tiere werden unüberlegt und spontan gekauft. Denn viele Menschen sehen Tiere noch immer als „Wegwerfware“, die man nach Belieben kaufen und wieder entsorgen kann. Menschen, die sich entscheiden, ein Tier zu halten, sollten unabhängig von der Tierart einen Fachkundenachweis vorlegen, um zu belegen, dass sie sich umfassend über die Bedürfnisse der Tiere informiert haben. Ein weitläufig bekanntes Beispiel und Vorbild könnte ein – alle „Hunderassen“ umfassender – bundesweit verpflichtender Hundeführerschein sein, den künftige Hundehalter:innen absolvieren müssten. Dabei sollte zumindest der Theorie-Teil noch vor der Aufnahme eines Hundes abgeschlossen sein, der Praxisteil erfolgt dann gemeinsam mit dem Hund, um die gelernte Theorie unter Anleitung erfolgreich in die Praxis umzusetzen. Solche verbindlichen Nachweise sind ein wichtiger Schritt, um den zukünftigen Halter:innen die Bedürfnisse des Tieres näherzubringen und „Spontankäufe“ zu verhindern.

Risiken von Wildtierhaltungen können minimiert werden
Tierbörsen und Zoohandlungen mit exotischen Tieren gibt es in ganz Deutschland. Es ist jedoch unmöglich, Wildtiere in Gefangenschaft ihren natürlichen Bedürfnissen gerecht zu halten. Viele Menschen wissen zu wenig über diese Tiere, um ihnen auch nur annähernd gerecht zu werden. Auch gefährliche oder giftige Tiere werden in vielen Fällen bedenkenlos verkauft und dürfen in vielen Teilen Deutschlands auch legal gehalten werden.
Von einem umfassenden, verbindlichen Heimtierschutzgesetz würden daher nicht nur zahllose Tiere profitieren, sondern zusätzlich die Bevölkerung: Denn nicht nur Tierhalter:innen setzen sich teilweise bewusst Gefahren aus, sondern auch Ausbrüche aus Terrarien und Gehegen sind eine potenzielle Gefährdung für Tiere und Menschen. So besteht bei Giftschlangen immer das Risiko, dass Menschen gebissen werden und ernsthaft in Gefahr geraten. Doch auch eine Infektion mit Salmonellen ist ein realistisches Gesundheitsrisiko: Denn bis zu 90 Prozent der in Gefangenschaft lebenden Reptilien tragen Salmonellose-Erreger in sich – bei Menschen können Salmonellen zu Hirnhautentzündungen, Blutvergiftungen und zum Tod führen. [2]
Geplante Reform des Tierschutzgesetzes 2024 blieb aus
Im Herbst 2024 wurde bekannt: Der Bruch der Ampel-Regierung bedeutete auch das Aus für die Novellierung des Tierschutzgesetzes. Doch auch die damals geplante Novellierung des deutschen Tierschutzgesetzes hätte keinen ausreichenden Schutz für die zahllosen in deutschen Haushalten lebenden sowie in der Zucht, im Handel und in der Unterhaltungs- und Ernährungsindustrie ausgebeuteten Tiere bedeutet.

Bitte helfen Sie den Tieren, die in Privathaltung, im Zoohandel und in der Zucht leiden: Unterstützen Sie unsere Forderung nach besserem Schutz für unsere tierischen Mitbewohner in Form eines verbindlichen Heimtierschutzgesetzes – unterschreiben Sie dafür unsere Petition an das zuständige Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.
Helfen Sie, millionenfaches Tierleid zu verhindern: Fordern Sie ein Heimtierschutzgesetz!
Millionen Tiere in Deutschland leiden unter artwidrigen Haltungs- und Lebensbedingungen – in der Zucht, im Handel und ihrem eigenen Zuhause. Fordern Sie die deutsche Bundesregierung auf, diesen Tieren zu helfen und ein Heimtierschutzgesetz zu verabschieden – unterschreiben Sie dafür unsere Petition an das zuständige Ministerium.
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Quellen
[1] ZZF (2025): Heimtierpopulation in Deutschland 2024, https://www.zzf.de/marktdaten/heimtiere-in-deutschland (eingesehen am 14.11.2025)
[2] Di Nicola, Matteo Riccardo et al. (2025): Microorganisms in wild European reptiles: bridging gaps in neglected conditions to inform disease ecology research, https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2213224425000781 (eingesehen am 21.11.2025)