Higg Index belegt: Alpaka-Wolle zerstört die Umwelt!

Alpakas hier, Alpakas dort. Alpakas überall – die sensiblen Tiere liegen total im Trend. Mit großer Sorge beobachten wir die Zunahme von Produkten wie Mützen, Pullover und Socken aus Alpaka-Wolle. Vor allem in Öko-Kreisen ist die Alpaka-Wolle sehr beliebt – dabei ist sie im Grunde eine Katastrophe für unsere Umwelt.

Higg Index: Alpaka schneidet am schlechtesten ab

Zu diesem Ergebnis kommen die Berechnungen des Higg Index. Das Tool der Sustainable Apparel Coalition vergleicht auf Grundlage wissenschaftlicher Daten den ökologischen Fußabdruck zahlreicher Materialien – von Textilien wie Wolle, Polyester und Tencel bis hin zu Leder. Alpaka-Wolle schneidet dabei mit Abstand am schlechtesten ab. Der Grund dafür liegt im enormen Flächenverbrauch und klimaschädlichen Methanausstoß der Weidetiere sowie der Versäuerung der Böden durch ihre nitrathaltigen Ausscheidungen. Die Daten berücksichtigen vor allem die Alpaka-Zucht in Peru, wo 80 % der weltweit gezüchteten Alpakas – meist in kleinen Herden – leben. Unerwähnt bleiben in den Auswertungen die Tierschutzprobleme, die grundsätzlich mit tierischer Wolle in Verbindung stehen.

Wilde Alpaka-Herde auf einer Wiese

Müssen Alpakas geschoren werden?

Ähnlich wie Schafe müssten Alpakas ohne den Eingriff des Menschen gar nicht geschoren werden. Wissenschaftler vermuten, dass Alpakas vom Vikunja, einer wildlebenden Kamelart, abstammen. Während Vikunja bis heute einen natürlichen Fellwechsel haben und nicht geschoren werden müssen, wurden Alpakas domestiziert. Um sie als Woll- und Fleischlieferanten zu missbrauchen, wurde ihnen die überlebenswichtige Eigenschaft des Fellwechsels einfach geraubt, und nun schwitzen die Tiere im Sommer unter ihrer dichten, schweren Woll-Last. Ohne die Schur können Sie jetzt an Überhitzung sterben. Doch die Schur bringt ganz eigene Probleme mit sich.

Alpakas stammen vermutlich von Vicunas ab
Ein Vikunja

Ein Alpaka ist ein Tier und kein Trend-Produkt

Viele Fans der flauschigen Tiere vergessen beim Kauf von Socken oder Mützen aus Alpaka-Wolle, dass Kamele – wie Schafe, Ziegen und Kaninchen – Fluchttiere sind, die bei jeder Schur enormen Stress durchleben und oftmals Schnittwunden davontragen. Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) hat in Untersuchungen herausgefunden, dass das Stresshormon Cortisol im Körper der Alpakas während der Schur messbar ansteigt. Auch Herzschlag und Puls der Tiere verändern sich deutlich, sobald die Tiere von Scherern auf den Boden gedrückt und ihrer Wolle beraubt werden. Dieses Leid könnte durch die Zucht – zurück zu einem natürlichen Fellwechsel – ganz einfach verhindert werden. Alpakazüchter haben daran aber kein Interesse, da sie lieber mit dem Fell der Tiere Geld verdienen wollen – vor allem, seit das Alpaka zum Trend-Tier erkoren wurde.

Was Sie tun können

Egal, ob Schafswolle, Kaschmir, Mohair, Angora oder Alpaka-Wolle – Wolle ist immer mit Tierleid verbunden. Entscheiden Sie sich daher für vegane Mode aus Materialien wie (Bio-)Baumwolle, Tencel oder Modal. Nehmen Sie außerdem niemals an Freizeitangeboten wie Alpaka-Wanderungen teil. So helfen Sie, die Qualzucht von sogenannten Woll-Lieferanten, wie dem Alpaka, zu beenden.

Unsere Autoren

Johanna Fuoß

Hanna ist Fachreferentin für Tiere in der Bekleidungsindustrie. Dass sie sich heute für tierfreie Kleidung einsetzt, ist ihren pelztragenden Katzen zu verdanken.