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Antibiotikaeinsatz in deutschen Ställen


Stand: Februar 2017

Knapp über 800 Tonnen Antibiotika wurden 2015 alleine in Deutschland in der landwirtschaftlichen Tierhaltung eingesetzt (1). Dieser Wert ist zwar geringer als im Vorjahr, aber darunter fallen auch etliche Antibiotika, die ursprünglich für die Heilung menschlicher Krankheiten entwickelt wurden. Zudem stieg der Einsatz an sogenannten Reserveantibiotika, die eigentlich als letzte Hilfe gedacht sind, wenn andere Antibiotika aufgrund von Resistenzen nicht mehr wirken. Durch den massiven Einsatz antibiotisch wirksamer Medikamente in der Tierhaltung werden immer mehr Keime resistent, so dass eines, mehrere oder alle Antibiotika nicht mehr wirken. Die Antibiotikaresistenz führt dazu, dass Tausende Menschen jedes Jahr an relativ einfachen bakteriellen Erkrankungen sterben, die normalerweise unkompliziert behandelt werden können. Obgleich die nachgewiesenen Antibiotika-Rückstände in Fleisch, Milch und Eiern zwar relativ gering sind, geht die eigentliche Gefahr von den Keimen aus, denn durch die häufige und nicht immer fachgerechte Gabe mutieren sie und werden somit resistent gegen antibiotisch wirksame Substanzen.

Die Brisanz der Thematik wird in verschiedenen Studien behandelt: 7,8 Millionen Deutsche sollen mittlerweile bereits Keime in sich tragen, die gegen eine Vielzahl der üblichen Antibiotika unwirksam sind (2); 16 Prozent des Schweinemetts soll mit antibiotikaresistenten Keimen belastet sein (3) und sogar in 78,1 Prozent der 2012 und 2013 untersuchten Schweinemastbetriebe wurden die auch für den Menschen gefährlichen MRSA-Keime nachgewiesen (4). Die US-amerikanische Johns Hopkins School of Public Health weist darauf hin, dass die Tierhaltung die Verbreitung von Antibiotikaresistenzen fördert (5). Puten werden im Schnitt 151 Tage „gemästet“ und bekommen in dieser Zeit an durchschnittlich 20,4 Tagen 3,1 verschiedene antibiotisch wirksame Medikamente (6). Sogenannte Masthähnchen bekommen an 10 ihrer nur 39 Lebenstage Antibiotika – also jeden vierten Tag (7). Und das alles ist gesetzlich erlaubt, solange ein Tierarzt diese Medikamente verschreibt.

Vor einer Gesundheitskrise im globalen Maßstab warnt der kanadische Wirtschaftsprofessor Hollis von der University of Calgary: „Ihr [Antibiotika] wahrer Wert ist, Menschen vor dem Tode zu retten. Alles andere ist trivial.“ (8) Der Antibiotikaeinsatz in Deutschland sinkt zwar stetig, jedoch steigt der Einsatz an Reserveantibiotika (9). Diese sollen eigentlich bei Erkrankungen helfen, wenn andere Medikamente nicht mehr wirken. Unter anderem durch den Missbrauch in der Tierindustrie entwickeln sich aber auch gegen diese Medikamente vermehrt Resistenzen, und so muss im Krankheitsfall entweder auf alte Medikamente mit schwerwiegenden Nebenwirkungen zurückgegriffen werden oder der Krankheitsverlauf endet im schlimmsten Fall tödlich. Schätzungen zufolge sterben in Deutschland jedes Jahr 2.000 bis 30.000 Menschen an den Folgen einer MRSA-Erkrankung (10). Dieses Methillicin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) spielt eine große Rolle als livestock-assoziiertes (la-MRSA), also aus der Tierhaltung kommendes, Bakterium, das gegen die meisten oder alle wirksamen Antibiotika resistent ist (11).

Fakt ist: Wo Antibiotika eingesetzt werden, nehmen Resistenzen zu. Und wo die größten Tierfabriken stehen, werden die meisten Antibiotika verbraucht. Ohne diesen massiven Einsatz an Medikamenten würden die Tiere die kurze „Nutzungsdauer“ auch meist nicht überleben. Das liegt zum einen an den auf Leistung und nicht auf Gesundheit gezüchteten Tieren und zum anderen an den unhygienischen Zuständen, der mit Ammoniak verseuchten Stallluft in vielen Anlagen und natürlich an den nicht artgerechten Haltungsbedingungen. Millionen Tiere werden für ein grausames System verstümmelt und auf engstem Raum zusammengepfercht. Die allermeisten Tiere dürfen sich niemals unter freiem Himmel aufhalten und können demnach auch eine Vielzahl ihrer natürlichen Verhaltensweisen nicht ausleben. Schlimmer noch: Die Tiere leiden unter der reizarmen Umgebung an ständiger Langeweile und Unterforderung. All dies sind Ursachen für Erkrankungen, gegen die dann Antibiotika eingesetzt werden. Es werden jedoch nicht nur einzelne, wirklich kranke Tiere behandelt, denn wenn mehrere Zehntausend Hühner in einem Stall leben, dann ist klar, wie schnell sich krankmachende Keime ausbreiten würden. Demnach wird bei einer Erkrankung einzelner Tiere fast immer der gesamte Tierbestand über das Futter oder das Trinkwasser behandelt und Resistenzen können sich hervorragend entwickeln. Antibiotika als Leistungssteigerer wurden 2006 verboten – doch die Verbrauchszahl ist immer noch recht hoch. Dies lässt darauf schließen, dass die Gruppenbehandlung die Leistungssteigerung erfüllt, und demnach ist es gar nicht gewollt, den Antibiotikaverbrauch drastisch zu senken. Als Beispiel: 2013 wurde ein Tierarzneimittel zugelassen, welches den antibiotisch wirksamen Stoff Monensin enthält. Monensin wurde bis zum Jahr 2006 zur Leistungssteigerung bei sogenannten Mastrindern eingesetzt (12). Zudem würden die Tiere die quälerischen Zustände ohne Medikamente gar nicht überleben.

Auch bei Meeresbewohnern sieht die Problematik nicht anders aus. Sie werden zunehmend in intensiven Aquakulturen gezüchtet und gemästet. Wie die Landlebewesen haben Fische wenig Platz und sind einem hohen Krankheitsdruck ausgesetzt. Die Lösung auch hier: massenweise Medikamente. Diese werden vor allem gegen sogenannte Fischläuse eingesetzt, die durch die Netze nach außen dringen und auch Wildfischbestände dezimieren. Nur durch eine hohe Dosis Antibiotika kann das Schlimmste verhindert werden. Die Norweger gehen sogar noch einen Schritt weiter: Sie geben Diflubenzuron ins Wasser – ein Insektizid, dessen Einsatz auf EU-Farmen verboten ist. Gemäß dem Beipackzettel ist das Medikament sehr giftig für Meeresorganismen und hat unerwünschte Langzeitnebenwirkungen.

Das Problem dehnt sich jedoch noch weiter aus und kann im schlimmsten Fall unkontrollierbar werden, wenn man bedenkt, dass auch in den Ausscheidungen der Tiere, der späteren Gülle, resistente Keime zu finden sind und damit irgendwann unsere Felder gedüngt werden (11). Auch über die Stallluft können mutierte Bakterien kilometerweit getragen werden.
Politiker fordern zwar eine drastische Senkung des Antibiotikaverbrauchs, gleichzeitig fördern sie aber ein tierquälerisches System, das den Menschen auf Dauer krank macht, die Umwelt belastet und Millionen Tierleben kostet. Neue Meldepflichten und strengere Vorgaben, die ab April 2014 für Bauern und Tierärzte gelten, sollen den umstrittenen Einsatz von Antibiotika in der Tiermast zwar spürbar eindämmen. Dennoch wird sich der Verbrauch nicht drastisch ändern können, wenn dadurch nur noch wenige Tiere die Zeit, bis sie im Schlachthof getötet werden, überleben.

Die bio-vegane Landwirtschaft dagegen kommt ohne Tierquälerei und tierischen sowie künstlichen Dünger aus. Damit schont sie Tier, Natur und die menschliche Gesundheit. Leider ist sie in Deutschland noch nicht weit verbreitet. Die einfachste und wirksamste Lösung für die ernstzunehmende Problematik der Antibiotikaresistenz ist unwiderlegbar der Umstieg von tierischen auf rein pflanzliche Produkte. Eine vegane Ernährung rettet nicht nur das Leben von Milliarden Tieren, sondern kann auch Menschenleben retten, denn sie sorgt dafür, dass lebensnotwendige Medikamente nicht wirkungslos werden.

 
Quellen:
  1. Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: „Menge der abgegebenen Antibiotika in der Tiermedizin halbiert“. Online abrufbar unter: https://www.bmel.de/DE/Tier/Tiergesundheit/Tierarzneimittel/_texte/AntibiotikaabgabeTiermedizin2015halbiert.html. (22.02.2017).
  2. Studie i. A. der Bundestagsfraktion Bündnis90/Die Grünen, PD Dr. Elisabeth Meyer: „Antibiotikaeinsatz und Resistenzentwicklung in Deutschland“. Online abrufbar unter: https://www.gruene-bundestag.de/fileadmin/media/gruenebundestag_de/themen_az/agrar/Studie-Antibiotika-und-Resistenzen.pdf. (22.02.2017).
  3. Focus online: „Gefahr der Erkrankung durch rohes Fleisch; Keine auf Schweinemett sind eine tickende Bombe“. Online abrufbar unter: http://www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/keime-auf-schweinemett-sind-eine-tickende-bombe-rohes-fleisch-als-gesundheitsrisiko_id_2431057.html. (22.02.2017).
  4. Proplanta: „Multiresistente Keime weit verbreitet in der Landwirtschaft“. Online abrufbar unter: http://www.proplanta.de/Agrar-Nachrichten/Tier/Multiresistente-Keime-weit-verbreitet-in-Schweinemast_article1396265682.html. (22.02.2017).
  5. Süddeutsche.de: „Mastbetriebe als Infektionsrisiko mit MRSA“. Online abrufbar unter: http://www.sueddeutsche.de/wissen/landwirtschaft-mastbetriebe-als-infektionsrisiko-mit-mrsa-1.1772862. (22.02.2017).
  6. aho: „Putenmast-Studie: Keine Verstöße gegen beim Antibiotikaeinsatz“. Online abrufbar unter: http://www.animal-health-online.de/gross/2014/01/30/putenmast-studie-keine-verstosse-beim-antibiotikaeinsatz/27057/. (22.02.2017).
  7. Welt.de: „Hähnchen erhalten alle vier Tage Antibiotika“. Online abrufbar unter: https://www.welt.de/gesundheit/article117876923/Haehnchen-erhalten-alle-vier-Tage-Antibiotika.html. (22.02.2017).
  8. Berliner Zeitung: „Antibiotika-Flut bedroht globale Gesundheit“. Online abrufbar unter: http://www.berliner-zeitung.de/wissen/gesundheitskrise-antibiotika-flut-bedroht-globale-gesundheit,10808894,25732346.html. (22.02.2017).
  9. Welt.de: „Ärzte fordern Verbot von Reserve-Antibiotika in der Tierhaltung“. Online abrufbar unter: https://www.welt.de/newsticker/news1/article157967213/Aerzte-fordern-Verbot-von-Reserve-Antibiotika-in-der-Tierhaltung.html. (22.02.2017).
  10. SPIEGEL ONLINE: „Resistente Keime bald gefährlicher als Krebs“. Online abrufbar unter: http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/multiresistente-keime-mehr-tote-durch-keime-als-durch-krebs-a-1036778.html. (22.02.2017).
  11. Lifeline: „Antibiotika-Resistenz aus Gülle der Schweinemast“. Online abrufbar unter: http://www.lifeline.de/news/medizin-gesundheit/antibiotika-resistenz-durch-guelle-aus-schweinemast-id121993.html. (22.02.2017).