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Antibiotikaeinsatz in deutschen Ställen


Stand: Juni 2015

Weit über 1.000 Tonnen Antibiotika werden jedes Jahr alleine in Deutschland in der Tierindustrie eingesetzt. Darunter fallen auch etliche Antibiotika, die eigentlich für die Heilung menschlicher Krankheiten gedacht sind. Zudem wurden und werden sogenannte Reserveantibiotika eingesetzt, die eigentlich als letzte Hilfe gedacht sind, wenn andere Antibiotika aufgrund von Resistenzen nicht mehr wirken. Durch den massiven Einsatz antibiotisch wirksamer Medikamente in der Tierhaltung werden immer mehr Keime resistent, so dass eines, mehrere oder alle Antibiotika nicht mehr wirken. Die Antibiotikaresistenz führt dazu, dass Tausende Menschen jedes Jahr an relativ einfachen bakteriellen Erkrankungen sterben, die normalerweise unkompliziert behandelt werden können (1). Obgleich die nachgewiesenen Antibiotika-Rückstände in Fleisch, Milch und Eiern zwar relativ gering sind, geht die eigentliche Gefahr von den Keimen aus, denn durch die häufige und nicht immer fachgerechte Gabe mutieren sie und werden somit resistent gegen antibiotisch wirksame Substanzen.

Die Brisanz der Thematik wird in verschiedenen Studien behandelt: 6,4 Millionen Deutsche sollen mittlerweile bereits Keime in sich tragen, die gegen eine Vielzahl der üblichen Antibiotika unwirksam sind (2); 16 Prozent des Schweinemetts soll mit antibiotikaresistenten Keimen belastet sein (3) und sogar in 78,1 Prozent der 2012 und 2013 untersuchten Schweinemastbetriebe wurden die auch für den Menschen gefährlichen MRSA-Keime nachgewiesen (4). Die US-amerikanische Johns Hopkins School of Public Health weist darauf hin, dass die Tierhaltung die Verbreitung von Antibiotikaresistenzen fördert (5). Puten werden im Schnitt 151 Tage „gemästet“ und bekommen in dieser Zeit an durchschnittlich 20,4 Tagen 3,1 verschiedene antibiotisch wirksame Medikamente (6). Sogenannte Masthähnchen bekommen an 10 ihrer nur 39 Lebenstage Antibiotika – also jeden vierten Tag (7). Und das alles ist gesetzlich erlaubt, solange ein Tierarzt diese Medikamente verschreibt.

Vor einer Gesundheitskrise im globalen Maßstab warnt der kanadische Wirtschaftsprofessor Hollis von der University of Calgary: „Ihr [Antibiotika] wahrer Wert ist, Menschen vor dem Tode zu retten. Alles andere ist trivial.“ (8) Der Antibiotikaeinsatz in Deutschland ist im Jahre 2012 im Vergleich zum Vorjahr zwar um 87 Tonnen gesunken, liegt mit weit über 1.000 Tonnen pro Jahr dennoch weit über dem europäischen Mittel. Zudem steigt 2013 gleichzeitig der Einsatz von Reserveantibiotika, wie den Fluorchinolonen, um 2 Tonnen von 8 auf 10 Tonnen an (9). Diese Reserveantibiotika sollen eigentlich bei Erkrankungen helfen, wenn andere Medikamente nicht mehr wirken. Unter anderem durch den Missbrauch in der Tierindustrie entwickeln sich aber auch gegen diese Medikamente vermehrt Resistenzen, und so muss im Krankheitsfall entweder auf alte Medikamente mit schwerwiegenden Nebenwirkungen zurückgegriffen werden oder der Krankheitsverlauf endet im schlimmsten Fall tödlich. Schätzungsweise 7.000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr an den Folgen einer MRSA-Erkrankung. Dieses Methillicin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) spielt eine große Rolle als livestock-assoziiertes (la-MRSA), also aus der Tierhaltung kommendes, Bakterium, das gegen die meisten oder alle Antibiotika resistent ist (10). Insgesamt wird die Zahl der Toten durch resistente Keime auf bis zu 30 000 geschätzt.

Fakt ist: Wo Antibiotika eingesetzt werden, nehmen Resistenzen zu. Und wo die größten Tierfabriken stehen, werden die meisten Antibiotika verbraucht. Ohne diesen massiven Einsatz an Medikamenten würden die Tiere die kurze „Nutzungsdauer“ auch nicht überleben. Das liegt zum einen an den auf Leistung und nicht auf Gesundheit gezüchteten Tieren und zum anderen an den unhygienischen Zuständen, der mit Ammoniak verseuchten Stallluft in vielen Anlagen und natürlich an den nicht artgerechten Haltungsbedingungen. Millionen Tiere werden für ein grausames System verstümmelt und auf engstem Raum zusammengepfercht. Die allermeisten Tiere dürfen sich niemals unter freiem Himmel aufhalten und können demnach auch eine Vielzahl ihrer natürlichen Verhaltensweisen nicht ausleben. Schlimmer noch: Die Tiere leiden unter der reizarmen Umgebung an ständiger Langeweile und Unterforderung. All dies sind Ursachen für Erkrankungen, gegen die dann Antibiotika eingesetzt werden. Es werden jedoch nicht nur einzelne, wirklich kranke Tiere behandelt, denn wenn mehrere Zehntausend Hühner in einem Stall leben, dann ist klar, wie schnell sich krankmachende Keime ausbreiten würden. Demnach wird bei einer Erkrankung einzelner Tiere fast immer der gesamte Tierbestand über das Futter oder das Trinkwasser behandelt und Resistenzen können sich hervorragend entwickeln. Antibiotika als Leistungssteigerer wurden 2006 verboten – doch die Verbrauchszahl ist seitdem nicht merklich gesunken. Dies lässt darauf schließen, dass die Gruppenbehandlung die Leistungssteigerung erfüllt, und demnach ist es gar nicht gewollt, den Antibiotikaverbrauch drastisch zu senken. Als Beispiel: 2013 wurde ein Tierarzneimittel zugelassen, welches den antibiotisch wirksamen Stoff Monensin enthält. Monensin wurde bis zum Jahr 2006 zur Leistungssteigerung bei sogenannten Mastrindern eingesetzt (11). Zudem würden die Tiere die quälerischen Zustände ohne Medikamente gar nicht überleben.

Auch bei Meeresbewohnern sieht die Problematik nicht anders aus. Sie werden zunehmend in intensiven Aquakulturen gezüchtet und gemästet. Wie die Landlebewesen haben Fische wenig Platz und sind einem hohen Krankheitsdruck ausgesetzt. Die Lösung auch hier: massenweise Medikamente. Diese werden vor allem gegen sogenannte Fischläuse eingesetzt, die durch die Netze nach außen dringen und auch Wildfischbestände dezimieren. Nur durch eine hohe Dosis Antibiotika kann das Schlimmste verhindert werden. Die Norweger gehen sogar noch einen Schritt weiter: Sie geben Diflubenzuron ins Wasser – ein Insektizid, dessen Einsatz auf EU-Farmen verboten ist. Gemäß seines Beipackzettels ist das Medikament sehr giftig für Meeresorganismen und hat unerwünschte Langzeitnebenwirkungen.

Das Problem dehnt sich jedoch noch weiter aus und kann im schlimmsten Fall unkontrollierbar werden, wenn man bedenkt, dass auch in den Ausscheidungen der Tiere, der späteren Gülle, resistente Keime zu finden sind und damit irgendwann unsere Felder gedüngt werden (10). Auch über die Stallluft können mutierte Bakterien kilometerweit getragen werden.
Politiker fordern zwar eine drastische Senkung des Antibiotikaverbrauchs, gleichzeitig fördern sie aber ein tierquälerisches System, das den Menschen auf Dauer krank macht, die Umwelt belastet und Millionen Tierleben kostet. Neue Meldepflichten und strengere Vorgaben, die ab April 2014 für Bauern und Tierärzte gelten, sollen den umstrittenen Einsatz von Antibiotika in der Tiermast zwar spürbar eindämmen. Dennoch wird sich der Verbrauch kaum ändern können, wenn dadurch nur noch wenige Tiere die Zeit, bis sie im Schlachthof getötet werden, überleben.

Die bio-vegane Landwirtschaft dagegen kommt ohne Tierquälerei und tierischen sowie künstlichen Dünger aus. Damit schont sie Tier, Natur und die menschliche Gesundheit. Leider ist sie in Deutschland noch nicht weit verbreitet. Die einfachste und wirksamste Lösung für die ernstzunehmende Problematik der Antibiotikaresistenz ist unwiderlegbar der Umstieg von tierischen auf rein pflanzliche Produkte. Eine vegane Ernährung rettet nicht nur das Leben von Milliarden Tieren, sondern kann auch Menschenleben retten, denn sie sorgt dafür, dass lebensnotwendige Medikamente nicht wirkungslos werden.

 
Quellen:
  1. W wie wissen: „Antibiotika in der Tierhaltung“, unter: http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/sendung/antibiotika-tierhaltung-100.html (abgerufen am 1.4.2014)
  2. mdr Nachrichten: „Medikamente in der Tierhaltung; 6,4 Millionen Deutsche resistent gegen Antibiotika“, unter: http://www.mdr.de/nachrichten/antibiotika-tiermast-massentierhaltung-studie-resistente-keime100.html (abgerufen am 1.4.2014)
  3. Focus online: „Gefahr der Erkrankung durch rohes Fleisch; Keine auf Schweinemett sind eine tickende Bombe“, unter: http://www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/keime-auf-schweinemett-sind-eine-tickende-bombe-rohes-fleisch-als-gesundheitsrisiko_id_2431057.html (abgerufen am 1.4.2014)
  4. Proplanta: „Multiresistente Keime weit verbreitet in der Landwirtschaft“, unter: http://www.proplanta.de/Agrar-Nachrichten/Tier/Multiresistente-Keime-weit-verbreitet-in-Schweinemast_article1396265682.html (abgerufen am 1.4.2014)
  5. Süddeutsche.de: „Mastbetriebe als Infektionsrisiko mit MRSA“, unter: http://www.sueddeutsche.de/wissen/landwirtschaft-mastbetriebe-als-infektionsrisiko-mit-mrsa-1.1772862 (abgerufen am 1.4.2014)
  6. aho: „Putenmast-Studie: Keine Verstöße gegen beim Antibiotikaeinsatz“, unter: http://www.animal-health-online.de/gross/2014/01/30/putenmast-studie-keine-verstosse-beim-antibiotikaeinsatz/27057/ (abgerufen am 1.4.2014)
  7. Bundesinstitut für Risikobewertung: „Antibiotika in der Nutztierhaltung: Verbrauchsmengen erstmals repräsentativ erfasst“, unter: http://www.bfr.bund.de/de/presseinformation/2013/17/antibiotika_in_der_nutztierhaltung__verbrauchsmengen_erstmals_repraesentativ_erfasst-187278.html (abgerufen am 1.4.2014)
  8. Berliner Zeitung: „Antibiotika-Flut bedroht globale Gesundheit“, unter: http://www.berliner-zeitung.de/wissen/gesundheitskrise-antibiotika-flut-bedroht-globale-gesundheit,10808894,25732346.html (abgerufen am 1.4.2014)
  9. Informationsdienst Wissenschaft: „Zweite Datenerhebung zur Antibiotikaabgabe in der Tiermedizin“, unter: http://idw-online.de/pages/de/news560665 (abgerufen am 1.4.2014)
  10. Lifeline: „Antibiotika-Resistenz aus Gülle der Schweinemast“, unter: http://www.lifeline.de/news/medizin-gesundheit/antibiotika-resistenz-durch-guelle-aus-schweinemast-id121993.html (abgerufen am 1.4.2014)
  11. Tiergesundheit aktuell: „Tierärzte gehen verantwortungsvoll mit Monensin um“, unter: http://www.tiergesundheit-aktuell.de/rinder/aktuelles-1550.php (abgerufen am 1.4.2014)