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 »  »  »  »  » Resistente Keime aus der Landwirtschaft: Warum viele Antibiotika heute schon unwirksam sind

Antibiotikaresistente Keime können töten

PETA zeigt auf, warum viele Antibiotika schon heute unwirksam sind

Stand November 2014
Die landwirtschaftliche Tierhaltung kostet nicht nur Millionen Tieren tagtäglich das Leben und schadet unserer Umwelt – sie kann uns auch in vielerlei Hinsicht krank machen. Schätzungsweise bis zu 30.000 Menschen sterben jährlich an Infektionen, die wegen antibiotikaresistenten Keimen nicht behandelt werden konnten.
 
Ohne hohe Antibiotika-Gaben würden diese Tiere nicht einmal die sogenannte Mast überleben.
Worin besteht die Gefahr?
 
Bakterien sind nicht per se krankheitserregend – an der falschen Stelle oder im Ungleichgewicht können sie jedoch schwere Entzündungen, Vergiftungen oder andere Infektionen auslösen. Glücklicherweise können bakterielle Infektionen seit der Entdeckung des Penicillins, und damit des Antibiotikums, relativ einfach und schnell behandelt werden. Leider aber werden Antibiotika seitdem nicht nur falsch, sondern auch unnötig eingesetzt. Durch diese fehlerhafte Anwendung können die Bakterien Resistenzen gegenüber einem oder mehreren Antibiotika entwickeln und diese so wirkungslos machen – bakterielle Infektionen können also wieder vermehrt tödlich enden. Dort wo die meisten Antibiotika verabreicht werden, entwickeln sich auch die meisten Resistenzen. Es verwundert also nicht, dass neben den Krankenhäusern auch die Tierställe eine Brutstätte für weitere Resistenzentwicklungen sind. Denn in deutschen Ställen wurden alleine im Jahr 2015 knapp 1.000 Tonnen Antibiotika an Schweine, Puten, Hühner und Rinder verabreicht. Darunter befinden sich auch Präparate, die in der Humanmedizin angewendet werden und sogar solche, die für den Menschen sogenannte Reserveantibiotika darstellen – also jene Antibiotika, die die letzte Rettung sein sollen, wenn andere Präparate zuvor schon unwirksam waren. Erfahren Sie hier, warum die meisten Landwirte sogar gesunde Tiere mit Antibiotika behandeln.
 
Bei nahezu jeder Recherche finden unsere Ermittler verschiedene Medikamente in den Ställen vor – darunter große Mengen an Antibiotika und Reserveantibiotika, die oft auch an gesunde Tiere verfüttert werden.
Was ist MRSA?
 
Methicillin-resistente Staphylococcus aureus, kurz MRSA, sind Bakterien, die im Laufe der Zeit resistent gegen das Antibiotikum Methicillin oder auch gegen andere Antibiotika geworden sind. Einige diese resistenten Staphylococcus aureus entwickeln sich aufgrund falscher oder zu häufiger Antibiotika-Gaben im Darm der Abermillionen Schweine, Hühner, Puten und Rinder, die in Deutschland zur Produktion von Fleisch, Milch und Eiern gehalten werden. Aufgrund der Herkunft werden diese Bakterien „livestock-associated“ MRSA (LA-MRSA) genannt. Vergleichende Analysen haben gezeigt, dass im Zuge der Intensivtierhaltung eine Anpassung von ursprünglich beim Menschen vorkommenden Erregern an die Tiere in den Ställen erfolgte. Heute dagegen werden laut einer Studie bis zu 15 % der Infektionen beim Menschen durch LA-MRSA verursacht. Laut des Robert-Koch-Instituts haben umfangreiche Studien in konventionell geführten Mastanlagen gezeigt, dass insbesondere Schweine und Geflügel mit LA-MRSA besiedelt sind. Fleisch, das im Handel angeboten wird, ist also ein häufiger Übertragungsweg auf den Menschen. Ein weiterer Weg ist der direkte Tierkontakt. Bis zu 86 % der Landwirte, die in MRSA-positiven Ställen arbeiten, sind mit LA-MRSA besiedelt – und können diese Resistenzen natürlich an andere Menschen weitergeben. Schon heute erhalten Landwirte in einigen Krankenhäusern eine weitaus kostenintensivere Sonderbehandlung und werden von anderen Patienten isoliert untergebracht. Auch in der Gülle, die zum Düngen der Felder genutzt wird, in der Stallluft sowie in der Luft außerhalb der Ställe können sich resistente Keime wiederfinden. Vom Thema „antibiotikaresistente Keime“ ist daher jeder Einzelne von uns betroffen!
 
Was sind ESBL?
 
ESBL steht für „Extended-Spektrum-β-Laktamase“. β-Laktamasen sind bakterielle Enzyme, die bestimmte Antibiotika unwirksam machen können. Das Fatale ist, dass diese Enzyme unter Bakterien leicht ausgetauscht werden können und somit praktisch jedes Bakterium Antibiotikaresistenzen erlangen kann. Laut einer Veröffentlichung des Robert-Koch-Instituts ist auch in Deutschland ein deutlicher Anstieg bestimmter Bakterien mit ESBL zu verzeichnen. Da sich Bakterien mit Resistenzeigenschaften vor allem dort ausbreiten, wo der Selektionsdruck zugunsten der Resistenz infolge des Antibiotikaeinsatzes hoch ist, ist es nicht verwunderlich, dass ESBL-bildende Bakterien gerade in industriellen Tierställen häufig vorkommen. Wie Untersuchungsergebnisse aus dem Jahr 2012 zeigen, wurde ESBL-E. coli im Großteil der Schweine- und Geflügelbestände nachgewiesen, und die Übertragung der Resistenzen vom Tier auf den Menschen sind seit Längerem bekannt.
 

Wie können wir uns schützen?
 
Laut einer Berichterstattung des Robert-Koch-Instituts sind „neue Antibiotika für die Behandlung von Infektionen mit derart resistenten Erregern gegenwärtig nicht in Sicht“. Um eine weitere Resistenzentwicklung und -ausbreitung schnellstmöglich zu unterbinden, muss der Einsatz von antibiotisch wirksamen Medikamenten daher drastisch gesenkt werden. In der Art und Weise, wie wir Tiere heute zum allergrößten Teil halten, ist der Einsatz von großen Antibiotikamengen unumgänglich. Bei Zehntausenden Hühnern in einer Halle würden die Tiere wegen des hohen Infektionsdrucks, der nicht artgerechten Haltung und der Überzüchtung nicht einmal bis zu dem Tag ihrer Tötung überleben.
Wir brauchen deshalb einen Strukturwechsel in der Landwirtschaft weg von der industriellen Tierhaltung und hin zu einer bio-veganen Landwirtschaft.  Eine Lösung für dieses schwerwiegende Problem bietet also die vegane Ernährung, denn sie ist aktiver Tierschutz, Umweltschutz und zudem sehr gesund. Teilweise kann sie uns auch vor der Übertragung resistenter Keime schützen – wenn auch nicht zuverlässig. Resistente Keime können aus den Tierställen hinausgelangen und sind von Mensch zu Mensch übertragbar. So kann beispielsweise unser Gemüse mit infizierter Gülle gedüngt worden sein. PETA spricht sich deshalb für eine rein pflanzliche Ernährung und die bio-vegane Landwirtschaft aus. Hierdurch würde alleine in Deutschland pro Jahr fast einer Milliarde Tiere der Tod im Schlachthaus erspart bleiben – und lebensrettende Antibiotika für tausende Menschen könnten ihre Wirkung behalten.
 

Was Sie tun können

Wir müssen den Umgang mit Tieren in der Ernährungsindustrie grundsätzlich überdenken. Niemand ist auf den Konsum von Fleisch, Milch oder Eiern angewiesen – und immer mehr Menschen erkennen die zahlreichen Vorteile einer veganen Ernährung. Geben Sie daher kein Geld für tierische Produkte aus und unterstützen Sie die bio-vegane Landwirtschaft in Ihrer Umgebung.