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Dubiose Hundezucht entlarvt

PETA-Einsatzteam deckt Hunde-Elend in Gerbstedt-Friedeburg auf

Stand April 2013
Das Jaulen und Bellen ist laut, als sich die beiden PETA-Ermittlerinnen einem abgelegenen Gelände in Gerbstedt, Sachsen-Anhalt, nähern: Hier werden rund zehn Hunde unter katastrophalen und tierschutzwidrigen Verhältnissen gehalten. Es stinkt bestialisch nach Kot und verrottetem Fleisch. Das Gelände gehört einem dubiosen Tierhändler. Nach eigenen Angaben meint es der Mann gut mit den Tieren – doch die Realität widerspricht diesem Bild eindeutig.

Das Gelände ist vermüllt und birgt unzählige Verletzungsgefahren für den freilaufenden, verwahrlosten Hund. © PETA
Auf dem heruntergekommenen Gelände, mitten zwischen scharfkantigem Schrott, läuft ein völlig verwahrloster Hund frei herum. Die PETA-Ermittlerinnen entdecken zudem drei Zwingeranlagen, in denen weitere Hunde in ihrem eigenen Kot und Urin vor sich hin vegetieren, darunter vier Welpen und ihre Mutter. Ohne Stroh, ohne eine schützende, wärmeisolierte Hütte, zwischen verrottetem Fleisch und zahlreichen Knochenresten. Das Wasser ist eingefroren. Der Boden eines Zwingers besteht nur noch aus verschimmeltem Kot und vergammelten Hühnerflügeln. Die Hunde sind völlig verschmutzt, kratzen sich, haben verfilztes Fell und Parasiten.

Ein Team vom MDR begleitet unsere Ermittlerinnen bei der Entlarvung des dubiosen Hundehändlers.
In diesem Zwinger lebt eine vernachlässigte Hündin mit ihren vier Welpen – zwischen Knochenresten und altem Kot. Eine isolierte Schutzhütte fehlt. © PETA
Kein „Ausnahmezustand“
Zweimal begutachten die PETA-Ermittlerinnen das Gelände, um die Situation auf der Zuchtanlage zu dokumentieren: Der katastrophale Zustand ist keine Ausnahme, sondern es sind die alltäglichen, „normalen“ Bedingungen, unter denen die Hunde leben müssen – und leiden.

Was geht in diesem Hundezüchter vor?
Ist dem Mann bewusst, wie schlecht es den Tieren hier geht? Die Ermittlerinnen täuschen Interesse für einen Hundekauf vor, um sich Welpen und ihre Eltern zeigen zu lassen. Doch der äußerst misstrauische Händler erfindet Ausreden, um die Tierrechtlerinnen nicht auf sein Gelände zu lassen, und bringt schließlich zwei Welpen zum Parkplatz vor seinem Haus. Der Züchter weiß also um die Missstände auf seinem Gelände und will verhindern, dass jemand sieht, wie die Hunde dort leben und leiden.

Die PETA-Ermittler dokumentieren die tierschutzwidrigen Bedingungen. © PETA
Die Welpen
Die jungen Hunde, die uns der Züchter vorstellt, sind verfilzt und riechen streng nach Kot. Einer der beiden ist verängstigt und lethargisch. Um auch dem Veterinäramt den verantwortungslosen Umgang mit den Hunden zu belegen, kaufen die Ermittlerinnen den verstörten Welpen für einen geringen Preis. Geimpft ist der Hund nicht. Sämtliche Tierarztkosten sind laut Kaufvertrag ab jetzt vom Käufer zu zahlen.
Veterinäramt handelt sofort
Die Ermittlerinnen alarmieren umgehend den zuständigen Amtsveterinär des Landkreises Mansfeld-Südharz und stellen den jungen Hund vor, um auch den verbleibenden Hunden helfen zu können. Wie sich herausstellt, ist der Hundehändler behördlich bekannt, wurde aber dennoch seit längerem nicht mehr vom Veterinäramt kontrolliert. Sogar als Tierheim hat er bereits für den Kreis fungiert. Diese Lizenz wurde dem Mann jedoch entzogen, da er wegen schlechter Pflege der Tiere auffällig geworden war.
PETA Deutschland e.V. stellte dem Veterinäramt die Beweisfotos zur Verfügung. Die Behörde handelt schnell und kontrolliert die Hundehaltung schon am folgenden Morgen. Sofort werden Auflagen erteilt, die den Hunden ein besseres Leben ermöglichen sollen. Eventuell soll auch ein Zuchtverbot erteilt werden.

Ausblick
PETA reichen diese Auflagen jedoch nicht aus. Wir fordern für Tierhalter, die wiederholt und seit längerem wegen schlechter Versorgung ihrer Tiere auffällig geworden sind, ein sofortiges Tierhalteverbot! Außerdem fordern wir eine strafrechtliche Verfolgung des Falles und haben den Mann daher auch bei der Staatsanwaltschaft Halle/Saale angezeigt.
Wir werden weiter beobachten, ob der Hundehändler auch zukünftig gegen Tierschutzverordnungen verstößt und die Behörden daran erinnern, besonders solche Tierhalter strenger zu kontrollieren.

Handelt es sich hier um Animal Hoarding?
Möglichweise handelt es sich bei diesem Mann um einen Animal Hoarder, der sich selbst als Tierfreund wahrnimmt, aber die Versorgung seiner Schützlinge nicht garantieren kann. Animal Hoarding ist ein Symptom für eine psychische Erkrankung. Typischerweise erkennen die betroffenen Personen nicht, dass ihre Tiere leiden: Die Tiere sind meist verwahrlost, krank und vermehren sich unkontrolliert. In der Regel brauchen nicht nur die Tiere, sondern auch die betroffenen Personen Hilfe!


PETA-Ermittlerin mit dem kleinen Peter. Der junge Hund hat Glück: er wurde bereits in ein liebvolles Zuhause vermittelt. © PETA
„Kleiner Peter“ im Glück
Eine tierärztliche Untersuchung belegt, dass der junge Hund, den die Ermittlerinnen befreit haben, unter anderem unter Wurmbefall und an Mangelerscheinungen durch eine einseitige und ungeeignete Ernährung leidet. Nach gründlicher tierärztlicher Behandlung hat der kleine Peter nun zugenommen und wurde bereits in ein neues, liebevolles Zuhause vermittelt.
Wir werden dafür weiterkämpfen, dass es auch seiner Familie bald gut geht. Bitte helfen Sie uns dabei!

 

Was Sie tun können

Anhand dieses traurigen Beispiels möchten wir alle Tierfreunde auffordern, den zuständigen Behörden oder PETA Vernachlässigung, Misshandlung oder Quälerei von Tieren zu melden. Häufig kann den Tieren geholfen werden.

Tipps, wie Sie aktiv werden können, finden Sie unter PETA.de/ZeugeVonGrausamkeit
  • Wir bieten Ihnen zusätzlich die Möglichkeit, entsprechende Fälle anonym unter PETA.de/Whistleblower zu melden.
  • Adoptieren statt kaufen! Leider sind die oben beschriebenen Zustände kein Einzelfall. Unterstützen Sie dieses Tierleid nicht und kaufen Sie unter keinen Umständen Tiere von Züchtern, in Zoohandlungen, auf Tiermärkten oder im Internet. Bitte schenken Sie einem Tier aus dem Tierheim ein neues Zuhause.
  • In vielen Fällen können wir den Tieren helfen – dank Ihrer Unterstützung!