Intensivtierhaltung: Mechanisierter Wahnsinn
Stand: November 2011
Das Leben auf „Old MacDonald’s Farm“ ist schon lange nicht mehr das, was es einmal war. Die grünen Weiden und idyllischen Szenen, die in Kinderbüchern porträtiert werden, sind fensterlosen Metallhallen, Drahtkäfigen und anderen Vorrichtungen gewichen, die verwendet werden, um Tiere in der Intensivtierhaltung auf engstem Raum einzupferchen.
Entbehrung und KrankheitMachen Sie sich Folgendes klar: Die Intensivtierhaltung der modernen Landwirtschaft, die nichts anderes mehr ist als eine Industrie- und Gewerbebranche, strebt danach, eine maximale Menge an Fleisch, Milch und Eiern so schnell und billig wie möglich zu produzieren – und das bei minimaler Platzanforderung. Kühe, Kälber, Schweine, Hühner, Truthähne, Puten, Enten, Gänse, Kaninchen und andere Tiere werden in kleinen Käfigen oder Ställen gehalten, oft so beengt, dass sie sich nicht einmal umdrehen können. Man beraubt sie jeglicher Bewegungsmöglichkeit, damit ihre ganze Körperenergie in das Fleisch, die Eier oder die Milch geht, welche der Mensch später verzehrt.
Da die Beengtheit die wesentlichen Ursachen für Erkrankungen darstellt, werden die Tiere in der Intensivtierhaltung mit enormen Mengen Antibiotika behandelt (http://www.umwelt.nrw.de/verbraucherschutz/pdf/antibiotika_masthaehnchen_studie.pdf). Außerdem ist ihr Futter häufig mit Pestiziden belastet. Das alles sammelt sich dann in ihren Körpern an und wird auf die Menschen übergehen, die diese Tiere verspeisen, was wiederum zu ernsthaften Gesundheitsgefährdungen für den Menschen führen kann.
Hühner werden in zwei Gruppen unterteilt: „Legehennen“ und „Brathähnchen“.Der Platz für eine „Legehenne“ wird im sogenannten ausgestalteten Käfig auf 800 cm² festgelegt. Das ist wenig mehr als ein DIN-A4-Blatt pro Huhn, wobei jedes dieser Tiere eine Flügelweite von allein 80 cm hat.
Da die Hennen so extrem beengt sind, hält man sie im Halbdunkel und brennt ihnen die Schnabelspitzen (ohne Betäubung) ab, damit sie sich nicht gegenseitig totpicken.
Der Maschendraht der Käfige wetzt ihre Federn ab, scheuert ihnen die Haut auf und verkrüppelt ihnen die Füße. Etwa 4-6 % der deutschen Hennen, die unter diesen Bedingungen gehalten werden, sterben innerhalb von 12 Monaten an Stress oder einer Erkrankung (1), in den USA sind es sogar bis zu 20 % (2). Im Alter von ein bis zwei Jahren lässt ihre Eierproduktion aufgrund der extremen Ausbeutung ihres Körpers nach und sie werden geschlachtet. Die natürliche Lebenserwartung einer Henne beträgt 15-20 Jahre. Von den 35,3 Millionen „Legehennen“ in Deutschland (im Jahr 2010) werden ca. 66 % in der Bodenhaltung gehalten und 17 % in der Käfighaltung (3).
Um die 30 Millionen Haltungsplätze für „Brathähnchen“ gibt es allein im Emsland. Weltweit werden mehr als 50 Milliarden Vögel für die Geflügelmast „produziert“ (4).
591 Millionen „Jungmasthühner“ wurden laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2010 für die Geflügelfleischerzeugung geschlachtet. Die Schlachtbandgeschwindigkeit wird angegeben mit bis zu 1000 Tiere pro Stunde (4).
Man könnte fast von einer Qualzucht sprechen, da Herz und Lunge nicht mehr mit der so schnell wachsenden Körperfülle zurechtkommen. Außerdem werden die Tiere so gezüchtet, dass sie ohne Unterlass Futter zu sich nehmen, bis sie nach knapp 40 Tagen ihr Schlachtgewicht von 1,6 kg erreicht haben und getötet werden.
Im Jahr 2009 zeigt der Fleischuntersuchungsbericht des Statistischen Bundesamtes auf, dass 2853 kg Fleisch der untersuchten, sogenannten Suppenhühner als genussuntauglich gelistet wurden. Bei Hühnern wurden außerdem 474.011 kg genussuntaugliche Organe und Körperteile festgestellt, die auf Abszesse, Entzündungen, Ödeme oder Gelenkerkrankungen zurückzuführen sind. Bei diesen Angaben in Kilogramm ist zu bedenken, dass es sich um entfernbare Stellen eines Tieres handelt und es daher Millionen Tiere geben muss, die unter den beschriebenen Erkrankungen leiden (5). Laut Angaben des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums wurden noch vor zehn Jahren durchschnittlich 1,7 Behandlungen mit Antibiotika durchgeführt. Im Jahr 2010 waren es um die 2,3 Behandlungen pro Mastdurchgang (6). Natürlich sind auch Antibiotika als Wachstumsförderer in Europa seit dem Jahr 2006 verboten, doch unter den schlimmen Zuständen der Intensivtierfarmen muss man den Tieren Antibiotika verabreichen, damit sie nicht bereits in den Ställen verenden. Oft kommt jede Hilfe zu spät.
Dies beweist eine Studie des Landwirtschaftsministeriums NRW: In nahezu jedem konventionellen Mastgeflügelbetrieb werden Antibiotika eingesetzt. Es wurde ermittelt, dass pro Bestand und Durchgang 2,2 Behandlungen mit Antibiotika stattfinden, wobei bis zu 8 unterschiedliche Wirkstoffe eingesetzt werden – und das bei einer Mastzeit von nur 35 Tagen durchschnittlich. Ca. 53 % der Antibiotika-Behandlungen geschahen entgegen den Zulassungsbedingungen, da die Antibiotika (z.B. Tylosin, Ampivillin, Difloxacin) über nur 1-2 Tage verabreicht wurden, obwohl 7 Tage notwendig wären (7).
Geflügelfleisch verursacht außerdem den größten wirtschaftlichen Schaden durch ernährungsabhängige Krankheiten: Der Erreger Camplyobacter, der darin häufig vorkommt, macht über 600.000 Menschen krank und verursacht 1,3 Milliarden Dollar Kosten jährlich. Das fand J. Glenn Morris, Direktor des Emerging Pathogens Institute und Mitautor einer Studie, die an der Universität von Florida durchgeführt wurde, heraus (8). Frisches Hähnchen ist laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zu 47 % mit Campylobacter verseucht (9). Genetische Selektion, die Anwendung findet, um mit der Nachfrage Schritt und die Produktionskosten niedrig halten zu können, verursacht extrem schmerzhafte Gelenk- und Knochenerkrankungen, die Bewegungen fast unmöglich machen. PETAs verdeckte Ermittlungen in Sachen „Brathähnchen“ brachten ans Tageslicht, dass die Tiere an Wasserentzug, Atemwegserkrankungen, bakteriellen Infektionen, verkrüppelten Beinen, Herzinfarkten und anderen schweren Gebrechen litten. Schauen Sie sich hierzu auch die Videos und Bilder der
Wiesenhof-,
Grotelüschen- und
Heidemark-Skandale auf unserer Homepage an.
Rinder werden mit einer unnatürlichen Diät aus großvolumigen Körnern ernährt, bis sie ca. 500 kg wiegen. Sie werden als Kälber ohne Betäubung kastriert und enthornt. Auf den Transportern leiden sie unter Angst, Verletzungen, den extremen Temperaturen, unzureichender Futter- und Wasserzufuhr und mangelnder tierärztlicher Versorgung. Die Kälber, die männlichen Nachkommen der „Milchkühe“, die des Kalbfleisches wegen aufgezogen werden, haben das schlimmste Schicksal: Sie werden der Mutter nur wenige Tage nach der Geburt entrissen und dann in kleinen Boxen von knapp 80 cm Breite eingesperrt. Der Lattenrostboden, auf dem sie in der Regel stehen müssen, verursacht große Schmerzen in den Beinen und Gelenken. Die Milch der Mutter, die für das Kälbchen gedacht ist, wird ihnen geraubt, damit der Mensch sie trinken kann. Im Alter von circa 22 Wochen werden sie dann geschlachtet.
In Statistiken werden oft die geschlachteten Tiere nur in Tonnen angegeben, woran man sieht, dass das einzelne Tier zum Produktionsgut geworden ist.
Wenn man bedenkt, dass Landwirte nur in Fleischmasse pro Quadratmeter rechnen, so ist es naheliegend, dass vor allem die konventionell gehaltenen Schweine über ihr gesamtes Leben unter beengten Verhältnissen gehalten werden (10). Säue werden ständig schwanger oder säugend gehalten und in enge Metallständer gesperrt, außerstande, sich umzudrehen. Obwohl Schweine von Natur aus äußerst friedfertige und soziale Tiere sind, werden sie zu schwänzebeißenden Kannibalen, wenn man sie dermaßen eng hält, und sie entwickeln ein völlig neurotisches Verhalten, wenn man sie isoliert und einpfercht.
Gesetze und LebensartDie Intensivtierhaltung ist eine extrem grausame Methode, Tiere aufzuziehen. Da sie aber profitabel ist, wird es wohl noch lange so weitergehen und sogar noch schlimmer werden. Eine Möglichkeit, die Misshandlung von Tieren zu stoppen, besteht darin, eine Gesetzgebung zu unterstützen, die Käfighaltung, „Kälberboxen“ und jedes andere System, in dem Tiere in engsten Verhältnissen gehalten werden, unterbindet. Der beste Weg jedoch, Tiere vor den Grausamkeiten der Intensivtierhaltung zu bewahren, ist der, kein Fleisch, keine Eier und keine Milchprodukte mehr zu kaufen und zu essen. Veganismus, also eine rein pflanzliche Ernährung, bedeutet hingegen „Essen fürs Leben“: für uns und für die Tiere.
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Veggie-Broschüre!Quellen:(1) Institut für Kleintierforschung, Celle, telefonische Auskunft, Mai 1997.
(2) „Factory Farming“, United Animal Defenders, Inc., S. 3.
(3) Statistisches Bundesamt 2009
(b) Der Spiegel 7/2011
(4) http://www.bfr.bund.de/cm/208/erfordernisse_und_moeglichkeiten_in_der_schlachtgefluegel__und_gefluegelfleischuntersuchung.pdf
(5) Statistisches Bundesamt 2009, Fachblatt 3 Reihe 4.3
(6) NDR-Info 2010 unter http://www.ndr.de/info/programm/sendungen/reportagen/masthuehner101.html vom 25.05.2011
(7) http://www.umwelt.nrw.de/verbraucherschutz/pdf/antibiotika_masthaehnchen_studie.pdf
(8) http://www.washingtonpost.com/politics/study-ranks-food-pathogens-by-cost-to-society/2011/04/27/AFPLWK2E_story.html, abgerufen am 26.Mai 2011
(9) FAZ 26.05.2011, S. 31
(10) Stern 43/2007